Die Künstlerkolonie Dötlingen befand sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts im niedersächsischen Dorf Dötlingen, gelegen im Landkreis Oldenburg, wenige Kilometer nordwestlich des Kreissitzes Wildeshausen, auf der Nordostseite des kleinen Huntetales der Wildeshauser Geest. Die Künstlerkolonie ist für Landschaftsmalerei bekannt. Dötlingen, vertreten durch die Dötlingen-Stiftung, ist seit dem 15. Juli 2008 Mitglied bei EuroArt. Diese ist eine Vereinigung der europäischen Künstlerkolonien unter der Schirmherrschaft des Europäischen Parlaments. Im Künstlerdorf Dötlingen – neben Worpswede und Dangast einer der drei Künstlerorte in der Nähe von Bremen – lebten und arbeiteten ab 1900 Georg Müller vom Siel, August Kaufhold, Otto Pankok und viele andere Künstler. In der Zeitschrift Die Kunsthalle charakterisierte der Bremer Johann Beyer am 20. Dezember 1901 Dötlingen so: „Dötlingen ist ein weltabgeschiedenes, stilles Heidedorf. Alte, zum Teil uralte, oft baufällige, windschiefe, strohgedeckte Häuser von echt niedersächsischem Gepräge mit alten, rußigen Backöfen in den Höfen, die mit breiten Dornenhecken, Erddämmen eingefriedigt und von mächtigen Eichen umgeben sind, eine altersgraue Kirche, wenig gepflegte Wege – verleihen dem Orte eine ganz besondere malerische Schönheit, die dadurch noch erhöht wird, dass das Terrain ein hügeliges ist und überall die wundervollsten Fernsichten bietet“.

Künstler Siehe auch Liste der Künstler in der Künstlerkolonie Dötlingen

Für eine Vielzahl von Künstlern bekam das Künstlerdorf Dötlingen in ihrem Schaffen eine besondere Bedeutung:

Georg Müller vom Siel Georg Müller vom Siel (1865–1939), ein aus Großensiel an der Weser stammender Maler, der wie kaum ein anderer die Welt gesehen hatte, begann ab 1889 die oldenburgische Landschaft auf langen Wanderungen zu entdecken. Spätestens 1894 kam er durch Dötlingen und war von der Lage des Dorfes oberhalb der Hunte sofort fasziniert. 1896 tauschte Müller vom Siel sein bequemes Oldenburger Domizil mit einer einfachen Dötlinger Altenteilbehausung. Hier in der Nähe errichtete er später sein Anwesen, das „Haus Meineck“. Dort befand sich seine Malschule für Mädchen und junge Frauen, denn damals gehörte es für solche zum guten Ton, mindestens malen oder Klavier spielen zu können; Frauen durften aber keine öffentlichen Kunstschulen besuchen.Erst mit der Weimarer Verfassung wurde 1919 der Gleichheitsgrundsatz manifestiert und schuf Bedingungen, denen sich auch die öffentlichen Kunstakademien nicht mehr verweigern konnten. Bis dahin gab es ein weit verbreitetes Vorurteil, dass sich deutlich aus dem Kommentar zu einer Karikatur von Bruno Paul aus dem Jahr 1901 in seiner politisch-satirischen Zeitschrift Simplicissimus erkennen lässt: „Sehen sie, Fräulein, es gibt zwei Arten von Malerinnen: die einen möchten heiraten und die anderen haben auch kein Talent.“

Georg Müller vom Siel befand sich mit seiner Malschule in guter Gesellschaft mit den Worpsweder Mallehrern Fritz Overbeck und Fritz Mackensen. Letzterer nahm 1918 den Ruf der Akademie Weimar als offizieller Kunstprofessor an. Das „Haus Meineck“ entwickelte sich auch als Magnet für andere Künstler. Hier wurde Müller vom Siel von Künstlerfreunden Hermann Allmers, Arthur Fitger, Ludwig Fischbeck und anderen besucht. Im Gegensatz zu den ihm nachfolgenden Dötlinger Künstlern empfand er die Dötlinger Landschaft nicht als düster, schwer und erdbezogen, sondern als warm und licht, fast als südländisch.

Paul Müller-Kaempff Paul Müller-Kaempff (1861–1941) legte als in Oldenburg geborener Maler seine künstlerische Laufbahn außerhalb seines Geburtslandes zurück. Sein Name ist vor allem mit der Entwicklung und der Bekanntheit der Künstlerkolonie Ahrenshoop auf dem Darß verbunden. Nach seiner künstlerischen Ausbildung an der Düsseldorfer Akademie und bei Gustav Schönleber in Karlsruhe bis 1886 wurde er Meisterschüler von Hans Gude in Berlin. 1889 hielt sich Paul Müller-Kaempff zum ersten Mal in Ahrenshoop auf. 1892 errichtete er hier ein eigenes Haus und begründete 1894 eine Malschule, die bald großen Zulauf erhielt. Bis 1912 hielt er sich mit seiner Frau in Ahrenshoop auf und kehrte dann nach Berlin zurück.

1904 zählte er mit seiner Frau zu den Mitbegründern des Oldenburger Künstlerbundes. 1905 wurde ihm die Oldenburgische Staatsmedaille verliehen. In dieser Zeit hielt er ständig den Kontakt zu seiner Oldenburger Heimat und hielt sich für längere Zeit in Oldenburg und Dötlingen auf. In Dötlingen entstanden Landschaftsbilder im typischen Ahrenshooper Malstil, zum Beispiel das Ölgemälde Huntetal bei Dötlingen aus dem Jahr 1908. Paul Müller-Kaempff und Georg Müller vom Siel katnnen sich seit der gemeinsamen Teilnahme an der Jubiläumsausstellung des Oldenburger Kunstvereins vom 15. Januar bis 5. Februar 1893. Hier stellte Müller vom Siel bereits Gemälde mit Huntetalmotiven von Dötlingen aus. In Dötlingen wollte Müller-Kaempff auch Müller vom Siel für den OKB gewinnen. Dieser lehnte aber ab.Letztmals wurde Georg Müller vom Siel schriftlich aufgefordert, dem OKB beizutreten. Er antwortete mit seinem Brief vom 24. März 1904 dem OKB-Schriftführer Gerhard Bakenhus, dass er dafür unüberwindliche Schwierigkeiten sehe, die mit der Ablehnung des OKB-Mitglieds Wilhelm Otto zusammenhingen. Otto malte schon 1890 in der Ahlhorner Heide, noch bevor Georg Müller vom Siel dort tätig wurde. Der OKB-Vorsitzende Paul Müller-Kaempff entschied, Georg Müller vom Siel „nicht nachzulaufen, wenn er sich so direkt in Gegensatz zu uns gestellt hat“. Lt. Brief an Gerhard Bakenhus vom 10. November 1907.

Gerhard Bakenhus Gerhard Bakenhus (1860–1939) wurde in Großenmeer in der Wesermarsch geboren. Nach einer Lehre als Maler und Glaser folgte er seinem Freund Richard tom Dieck (1862–1943) nach Berlin. Dieser ging im Sommer 1880 nach Berlin zum Theatermaler Julius Lechner am Opernhaus. Da er auf dem Malersaal nichts lernte, besuchte er im Sommersemester die Kunstschule. Er hatte ein Kunststipendium vom Großherzog erhalten. Gerhard Bakenhus musste sich in Berlin mit Gelegenheitsarbeiten, unter anderem als Schnellmaler in Varietẻs, als Dekorationsmaler, Anstreicher und Fotograf über Wasser halten. Abends besuchte er die Kunstgewerbeschule. Am 23. Oktober 1891 bekam Gerhard Bakenhus in Berlin Besuch von Georg Müller vom Siel. 1888 konnte er mit einem großherzoglichen Stipendium zwei Semester in Karlsruhe bei dem Landschaftsmaler Gustav Schönleber studieren.

Die väterliche Familie stammte aus der Gemeinde Großenkneten. Die Ortschaft heißt „Bakenhus“, auf Hochdeutsch „Haus auf dem Hügel“. Im Mittelpunkt seines malerischen Werkes stand die nordwestdeutsche Marsch-, Heide- und Moorlandschaft. Bis 1904 war Gerhard Bakenhus in Dötlingen tätig. Seine Bilder mit Dötlinger Motiven – auch er malte wie viele andere Maler das Huntetal – sind öffentlich bekannt. Die Lithographie von 1904 Dötlinger Kirche im Abendlicht befindet sich im Stadtmuseum Oldenburg. Sein Stil, den er 1905 gefunden hatte, machte ihn zu einem achtbaren Vertreter der nordwestdeutschen Freilichtmalerei und als solchem mit einem leichten Zeitverzug zu einem wesentlichen Repräsentanten oldenburgischer Malerei. Bald erwarb er sich Anerkennung als Landschafts- und Stilllebenmaler, beteiligte sich regelmäßig an Ausstellungen und sammelte einen großen Schüler- und Freundeskreis um sich.

In Kreyenbrück, das damals noch nicht zu Oldenburg gehörte, gründete Gerhard Bakenhus eine Malschule. Ab 1907 wurde er auch in beträchtlichem Umfang schriftstellerisch tätig. Er veröffentlichte zahlreiche Kunstkritiken in der regionalen Presse und nahm dezidiert Stellung zu Fragen der Kunstförderung, der Kunstbildung und – ausbildung, zum Museums- und Galeriewesen sowie zu maltechnischen Problemen.

Anna List mini|hochkant|Mitglieder Anna List (1868–1948) wurde am 13. April 1868 in Hagen, Westfalen geboren und kam 1886 nach Oldenburg. Sie war Gründungsmitglied des OKB und 1907 Mitglied der VNWK.

Sie stellte erstmals auf der 297. Kunstausstellung vom 15. Februar bis 18. März 1900 ein Bild mit dem Motiv Sommerabend aus. Weitere Motive waren u. a. auf der 302. KA vom 17. November – 15. Dezember 1901 Herbstabend auf der Heide, auf der 307. KA vom 25. Februar – 30. März 1903 Spätherbst an der Hunte, auf der 316. KA vom 18. Februar – 12. März 1906 Herbstwald und auf der 320. KA vom 21. Februar – 21. März 1907 Wacholdergruppe. Letztmals stellte sie noch 1941 im OKV aus.

Anna List kam wiederholt nach Dötlingen und soll hier auch einige Zeit gewohnt haben. Im Privatbesitz befindet sich ihr Bild über das ehemalige Dötlinger Heim „To Hus“.

Sie verstarb am 27. März 1948 im Alter von fast 80 Jahren, nachdem sie jahrelang im Elisabethstift im Philosophenweg gewohnt hatte.

Hugo Zieger Hugo Zieger (1864–1932) wurde in Koblenz geboren und starb in Oldenburg. Früh begann er zu malen und zu zeichnen. Vom Direktor seiner Schule auf sein Maltalent aufmerksam geworden begab er sich 1883 nach Düsseldorf, wo er gegen den Willen seines Vaters von der Oberprima der Oberrealschule auf die Düsseldorfer Kunstakademie wechselte. Dort belegte er sechs Semester in der Malklasse des Historienmalers Peter Janssen (1844–1908) und wurde auch von Eduard von Gebhard angeleitet (1838–1925).

Hugo Zieger nahm an zahlreichen Ausstellungen teil, unter anderem war er auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1893, 1898 und 1899, der Berliner Internationalen Kunstausstellung 1896 und der Berliner Akademischem Kunstausstellung 1892 vertreten. Er unternahm Reisen in die Niederlande und nach Italien.

Zieger blieb zunächst bis 1908 im Ruhrgebiet tätig. Auf Anregung seines Freundes und Heimatdichters Georg Ruseler (1866–1920) ließ er sich in Oldenburg nieder und unterrichtete ab 1911 an der Stadtknabenschule als Zeichenlehrer. Von einem Aufenthalt an der Kunstakademie in München 1920/21 abgesehen blieb er fortan in Oldenburg und malte hier in erster Linie heimatliche Wald- und Heidebilder, wobei er Motive aus dem Bereich Huntlosen und Dötlingen bevorzugte.

Um die Jahreswende des Jahres 1894/1895 hatte er erstmals Gelegenheit, zwei Gemälde mit den Titeln Im Lenz und Orangenverkäuferin auf der 275. Kunstausstellung des Oldenburger Kunstvereins auszustellen. Vom 14. November 1909 bis 15. Dezember 1909 stellte er erneut, dieses Mal auf der 328. Kunstausstellung im Oldenburger Kunstverein aus und war dort mit fünf Gemälden vertreten. Weitere Ausstellungen folgten auf der 339. Kunstausstellung vom 17. Oktober 1912 bis 15. Dezember 1912 (drei Gemälde) und auf der 342. Kunstausstellung in der Zeit vom 17. Oktober 1913 bis 5. November 1913 (diverse Ölskizzen) im Oldenburger Kunstverein.

1908 war er Mitbegründer des Oldenburger Künstlerbundes und wurde 1919 zum Schriftführer und 1920 in den Vorstand gewählt. 1924 wurde anlässlich seines 60. Geburtstages eine Sonderausstellung im Oldenburger Augusteum organisiert.

Arthur Fitger mini|hochkant|Arthur Fitger Arthur Fitger (1840–1909), der „Kunstpapst“ von Bremen, war oft bei Georg Müller vom Siel in Dötlingen. Man reiht ihn gern in die Schar der „Malerpoeten“ ein.Als Maler und Dichter war er in guter Gesellschaft mit Goethe, E. T. A. Hoffmann, Gottfried Keller, Fritz Reuter, Scheffel, Wilhelm Raabe, Wilhelm Busch, Paul Heyse und Adalbert Stifter. Der Dichter Arthur Fitger war in seiner Zeit bekannter als der Maler. Er suchte die Kontakte zu den traditionellen und eher konservativen Künstlern in Dötlingen und traf sich hier u. a. mit Hermann Allmers und Georg Ruseler.Dieser schreib 1901 den Artikel Karl May – eine Gefahr für unsere Jugend.