mini|320px

Im Gefecht bei Schindellegi (Gemeinde Feusisberg) im Bezirk Höfe, einem ehemaligen Untertanengebiet von Schwyz, wehrten am 2. Mai 1798 (13. Floréal Jahr VI) Schwyzer und Höfner einen Angriff französischer Truppen ab, mussten sich aber anschliessend zurückziehen.

Vorgeschichte

Als die Kantone Uri, Schwyz, Nidwalden, Glarus und Zug unter Führung des Schwyzer Landeshauptmanns Alois von Reding gegen die am 12. April ausgerufene Helvetische Republik zu Felde zogen, schickte Frankreich der neu entstandenen Tochterrepublik eine Division unter General Balthasar von Schauenburg zu Hilfe. Im Gefecht bei Wollerau, das sich zum Teil auf Zürcher Boden abspielte, besiegte am 30. April eine von Zürcher Truppen unterstützte französische Aufklärungseinheit unter Generaladjutant Philibert Fressinet die von Höfnern, Märchlern, Einsiedlern, Sargansern und Gästlern unterstützten Glarner unter Oberst Fridolin Paravicini. Die Franzosen stiessen darauf in die Linthebene, noch nicht aber Richtung Schwyz vor.

Verlauf Das Gefecht bei Schindellegi wird in der Literatur unterschiedlich dargestellt: Leonard Meister (Meister schrieb seinen Vornamen ohne .) rückte es in der staatstragenden Zeitung der Helvetischen Republik, dem Schweizerischen Republikaner, in die Nähe der Religionskriege des 17. und 18. Jahrhunderts. Heinrich Zschokke schuf mit dem Kampf und Untergang der schweizerischen Berg- und Waldkantone einen Panegyrikus auf RedingHeinrich Zschokke: Geschichte vom Kampf und Untergang der schweizerischen Berg- und Waldkantone, besonders des alten eidsgenössischen Kantons Schwyz. Bern/Zürich 1801., wobei er sich auf dessen eigene Aufzeichnungen stützte, während ihm der Zugang zum Archiv der Helvetischen Republik verwehrt blieb.Werner Ort: Heinrich Zschokke (1771–1848). Eine Biografie. Baden 2013, S. 361. Die im Professbuch des Klosters Einsiedeln enthaltene Lebensbeschreibung von Redings Gegenspieler Pfarrer Marian Herzog verteidigt den Franz Weidmann: Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen (…) besonders während den Jahren der helvetischen Revolution (…) St. Gallen 1834, S. 294. gegen den von Zschokke erhobenen Vorwurf der Feigheit. Für den ehemaligen Schwyzer Leutnant Joseph Anton Bellmont schliesslich stand bei der Abfassung seiner Autobiografie die Ermordung seines Onkels Major Balthasar Bellmont und seine eigene Rolle als junger Kompaniekommandant im Vordergrund.

Die nachstehend zitierten Berichte sind nach dem Zeitpunkt ihrer Entstehung bzw. Veröffentlichung geordnet. Wie bei militärischen Auseinandersetzungen üblich, übertrieben beide Kriegsparteien die Stärke des Gegners und dessen Verluste. Deshalb wurde ein Teil der entsprechenden Angaben weggelassen.

Nach dem Schweizerischen Republikaner

mini|hochkant|Plan der Gegend zwischen Richterswil (oben links) und Schindellegi (unten rechts), 1712 Eine vom 4. Mai datierte Meldung des Schweizerischen Republikaners beginnt mit den Worten: Mit der Erwähnung von Lokalitäten in den Gemeinden Hütten (Laubegg, Sägel) und Richterswil (Sternen) suggerierte Redaktor Meister, die Schwyzer hätten die in den erwähnten Kriegen errichteten zürcherischen GrenzbefestigungenHüttner Schanze, Bellenschanze, Eichschanze, Sternenschanze (Situationsplan bei Heinrich Peter: Aus der Ortsgeschichte von Richterswil, Band 2, Buchdruckerei Richterswil, 1975, S. 31). angegriffen. Dann hätten sie sich in das ebenfalls durch eine Schanze aus jener Zeit geschützte Schindellegi zurückgezogen, wo eine gedeckte Holzbrücke1765 von Hans Ulrich Grubenmann (1709–1783) errichtet, 1939 abgebrochen. über die Sihl führte. Indem der reformierte Zürcher Pfarrer an den Zweiten Villmerger Krieg (1712) erinnerte, unterstellte er den katholischen Gegnern der Helvetischen Revolution, sie hätten Revanche für die damals erlittene Niederlage nehmen wollen.

Über die Kämpfe selber heisst es im Republikaner: Der schweizerische Republikaner. Zürich, 5. Mai 1798, S. 44.

Am 9. Mai berichtete der Republikaner erneut über das Gefecht bei Schindellegi: Die Schwyzer hätten sich dort am 1. Mai – von Kämpfen an diesem Tag ist sonst nirgends die Rede –, geschlagen. Am 2. Mai sei ihre Stellung dann aber unhaltbar geworden, . Und weiter: Der schweizerische Republikaner. Zürich, 9. Mai 1798, S. 52.

Nach dem Moniteur

Das offizielle Organ der Regierung in Paris, der Moniteur, meldete im Zusammenhang mit dem Gefecht bei Schindellegi, die französischen Truppen seien beim nachfolgenden Einzug in Einsiedeln nur auf geringen Widerstand gestossen, . Über den ganzen Feldzug gegen die Revolutionsgegner schrieb der Moniteur: Gazette nationale ou Le Moniteur universel. Paris, 27. Floréal Jahr 6 (16. Mai 1798), S. 950 (übersetzt).

Nach General Schauenburg

Später zitierte der Moniteur aus einem Brief General Schauenburgs vom 13. Mai, dass beim Einzug der Franzosen in Einsiedeln die Angst schon mehr Gewalt über die Gemüter der Aufständischen gehabt habe als die fanatischen Appelle der Mönche des Klosters.Gazette nationale ou Le Moniteur universel. Paris, 7. Prairial Jahr 6 (26. Mai 1798), S. 990 (übersetzt).

In seinem Bulletin historique de la Campagne d’Helvétie schreibt Schauenburg, nach dem Gefecht bei Wollerau habe die von General Jean-Baptiste Nouvion befehligte Brigade ein Bataillon der 3. Halbbrigade zur Beobachtung vor Schindellegi zurückgelassen. Das 8. Husarenregiment, die 76. Halbbrigade und eine Abteilung leichte Artillerie seien bestimmt gewesen, durch einen Vorstoss über den Etzelpass nach Einsiedeln die geplante Einkesselung der Aufständischen einzuleiten. Und weiter: Das Dorf sei gewaltsam besetzt worden, was die Verteidiger der jenseits des Etzels über die Sihl führenden Tüfelsbrugg entmutigt habe. Das Bataillon der 76. Halbbrigade, welches diese Brücke vom Etzel her angegriffen habe, sei nur auf schwachen Widerstand gestossen. Es habe vier Kanonen erbeutet und sei noch am selben TagAm 3. Mai 1798. in Einsiedeln eingezogen.Actenstücke zur Geschichte der französischen Invasion in die Schweiz im Jahre 1798, in: Archiv für Schweizerische Geschichte, 15. Band, Zürich 1866, S. 319–366, hier S. 342 (übersetzt).

Nach Zschokke

mini|hochkant|Ludwig Albert von Montmorillon: Heinrich Zschokke, 1817 Der im Dienst der Helvetischen Republik stehende approbierte lutherische PredigerWerner Ort: Heinrich Zschokke (1771–1848). Eine Biografie. Baden 2013, S. 118/120. Zschokke schrieb in seinem Schweizer-Boten, am Gefecht bei Schindellegi habe der streitbare Kapuzinerpater Paul Styger teilgenommen. Hinter diese Nachricht ist aber wohl ein Fragezeichen zu setzen, da Styger noch am Vortag in Luzern gewesen war, das die Schwyzer kurze Zeit besetzt gehalten hatten. Scharf klagte Zschokke sodann den Benediktinerpater an, der die Verteidiger des Etzels kommandiert hatte: Zschokke zufolge wehrten die Schwyzer bei Schindellegi einen Angriff der Franzosen ab, doch sei ihnen dann hinterbracht worden, . Zschokke fuhr fort: (Heinrich Zschokke:) Der aufrichtige und wohlerfahrene Schweizer-Bote. 1. Band, (Luzern) 1798, Nr. 14 f. (undatiert), S. 110, 113.

mini|hochkant|Matthias Gottfried Eichler: Alois von Reding, 1801 Dass Zschokke Reding glorifizierte, erklärt sich dadurch, dass er mit diesem seit 1795 befreundet war.Werner Ort: Heinrich Zschokke (1771–1848). Eine Biografie. Baden 2013, S. 180, 192 et passim. Laut dem Kampf und Untergang der schweizerischen Berg- und Waldkantone inspizierte der Landeshauptmann in der Nacht zum 1. Mai die Verteidigungsstellungen der Revolutionsgegner – als letzte jene im . Gleichzeitig sei dort Hauptmann Franz Schilter mit einem der Schwyzer Bataillone eingetroffenHeinrich Zschokke: Geschichte vom Kampf und Untergang der schweizerischen Berg- und Waldkantone (…) Bern/Zürich 1801, S. 314 f., das zuvor den Rossberg (Gemeinden Wollerau und Feusisberg) gesichert hatte und die Höhen, welche sich von Schindellegi nach Hütten hinziehenDominik Steinauer: Geschichte des Freistaates Schwyz (…) 1. Band, Einsiedeln 1861, S. 214.. Zschokke unterschlägt, dass der eigentliche Kommandant dieser Einheit, Major Bellmont, von den eigenen Leuten ermordet worden war.

In Schindellegi stiess Reding gemäss Zschokke auch auf Einwohner von Wollerau und Bäch, die nach dem verlorenen Gefecht vom 30. April geflüchtet waren, den Kampf gegen die Franzosen aber fortsetzen wollten. Morgens um acht Uhr habe Reding dem bei Wollerau verwundeten Glarner Obersten Paravicini geschrieben und ihn um Verstärkung gebeten. Doch habe der Eilbote drei Stunden später die Nachricht zurückgebracht, die Glarner und ihre Verbündeten seien heimgekehrt und die Franzosen stünden schon in Lachen. Die Schwyzer wurden nun nur noch von 500 Urnern und einer Kompanie ZugerAus Ägeri und Menzingen. unterstützt, die bei Schornen (Schwyz), Morgarten und St. Jost (Zug) standen.Heinrich Zschokke: Geschichte vom Kampf und Untergang der schweizerischen Berg- und Waldkantone (…) Bern/Zürich 1801, S. 315–317.

Zschokke lässt Reding zu den Verteidigern von Schindellegi sprechen wie Leonidas bei den Thermopylen zu den Spartiaten und mit ihnen einen neuen Rütlischwur schwören.Heinrich Zschokke: Geschichte vom Kampf und Untergang der schweizerischen Berg- und Waldkantone (…) Bern/Zürich 1801, S. 319–321. Bei anbrechender Nacht habe sich der Landeshauptmann dann zum Kriegsrat nach Rothenthurm begeben. Dort wollte er sich laut Zschokke .Heinrich Zschokke: Geschichte vom Kampf und Untergang der schweizerischen Berg- und Waldkantone (…) Bern/Zürich 1801, S. 321. Offenbar hielt es der frühere spanische Oberstleutnant trotz seines Aufrufs zum Widerstand für unmöglich, Schindellegi lange zu halten. Um nicht als Verräter dazustehen, wollte er aber vor Erteilung des Rückzugsbefehls das Einverständnis des Kriegsrats einholen.

mini|hochkant|Franz Feyerabend: Schwyzer Grenadier, 1792 Dem Pfarrer von Einsiedeln, der ungebeten zu der nächtlichen Zusammenkunft erschienen sei, wirft Zschokke vor sowie insbesondere . Er fährt fort: So sei es Herzog gelungen, sich zum Regenten der Waldstatt aufzuschwingen. Die Hauptleute seien Gefahr gelaufen, von den Bauern erschossen zu werden, wenn sie sich ihm widersetzt hätten. Auch über die Truppen des Sprengels von Schwyz habe Herzog dieselbe Herrschaft zu erringen versucht. Heinrich Zschokke: Geschichte vom Kampf und Untergang der schweizerischen Berg- und Waldkantone (…) Bern/Zürich 1801, S. 322 f.

Den strategisch wichtigen Etzelpass habe der selbsternannte Befehlshaber über 600 Einsiedler erst einen Tag nach dem Gefecht bei Wollerau besetzt.Laut Actenstücke zur Geschichte der französischen Invasion in die Schweiz im Jahre 1798, in: Archiv für Schweizerische Geschichte, 15. Band, Zürich 1866, S. 319–366, hier S. 346/Anm., standen am Etzelpass auch Märchler, die wie die Einsiedler unkriegerisch (bzw. weniger antirevolutionär gesinnt als die Schwyzer) waren. Zschokke berichtet: Als die Verteidigung einer zweiten Linie zur Sprache gekommen sei, habe Herzog gerufen: Heinrich Zschokke: Geschichte vom Kampf und Untergang der schweizerischen Berg- und Waldkantone (…) Bern/Zürich 1801, S. 323 f.

Am 2. Mai, morgens um 10 Uhr erschienen laut Zschokke die Franzosen vor Schindellegi: Da habe ein Einsiedler namens Meinrad Kälin die Nachricht gebracht, die Franzosen zögen über den Etzel heran. Pfarrer Herzog sei um acht Uhr dorthin gekommen und habe die Verteidigung des Passes für sinnlos erklärt, weil man an den übrigen Sperrstellen keinen Widerstand zu leisten gedenke. Darauf sei er nach Einsiedeln zurückgeritten und die Mannschaft dem Beispiel des gefolgt.Heinrich Zschokke: Geschichte vom Kampf und Untergang der schweizerischen Berg- und Waldkantone (…) Bern/Zürich 1801, S. 324–326.