Die Atlantische Hurrikansaison 2007 begann offiziell am 1. Juni und endete am 30. November. Innerhalb dieser Periode bilden sich die meisten tropischen Stürme, da nur zu dieser Zeit geeignete Bedingungen, wie etwa ein warmer Ozean, feuchte Luft und wenig Windscherung, existieren, um die Bildung von Tropischen Wirbelstürmen zu ermöglichen. Dennoch formte sich bereits am 9. Mai das erste benannte System, das der Saison zu einem frühen Start verhalf.
Mit dem Erreichen der Kategorie 5 auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala durch Hurrikan Felix wurde die Saison die vierte von bislang insgesamt sechs Saisons seit Beginn der Aufzeichnungen durch das National Hurricane Center (NHC) (Stand Juli 2021), in der es mehr als einen Hurrikan dieser Stärke gab (die anderen sind die Saisons 1960, 1961, 2005, 2017 und 2019). Außerdem ist die Saison die erste Hurrikansaison, in der zwei Hurrikane mit dieser Stärke auf Land trafen.
Das Climate Prediction Center der National Oceanic and Atmospheric Administration prognostizierte noch Anfang August 2007 eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für eine deutlich überdurchschnittliche Hurrikansaison (85 % überdurchschnittlich, 10 % durchschnittlich, 5 % unterdurchschnittlich), mit 13 bis 16 benannten Stürmen, 7 bis 9 Hurrikane, 3 bis 5 starke Hurrikane und einer ACE von 140 % bis 200 % des Medians.NOAA: 2007 Atlantic Hurricane Season Outlook
Die atlantische Hurrikansaison 2007 blieb jedoch in Bezug auf die Hurrikanaktivität (ACE) deutlich unter dem Durchschnitt (−27,4 %). Betrachtet man die gesamte nördliche Hemisphäre, war die Aktivität die niedrigste seit 1977. Zudem gab es im ersten Halbjahr zwischen dem 6. April (Tropischer Sturm Kong-rey) und dem 13. Mai (Zyklon Akash) mit 37 Tagen die längste Periode ohne globale Wirbelsturmaktivität seit Beginn der Satellitenbeobachtung. Auch die Anzahl der Wirbelstürme war vergleichsweise gering, lediglich in den Jahren 1977 (22 Stürme), 1979 und 1988 (26 Stürme), sowie 1999 (27 Stürme) wurden weniger Hurrikane beobachtet.
Stürme im Pazifischen Ozean sind im Artikel Pazifische Hurrikansaison 2007 gelistet.
Stürme Subtropischer Sturm Andrea
Ein zunächst extratropisches Tiefdruckgebiet begann am 9. Mai auf den warmen Gewässern des Golfstroms langsam geordnete Konvektion aufzubauen. Später fand ein Aufklärungsflugzeug einige tropische Merkmale im Zyklon vor und das System wurde Subtropischer Sturm Andrea benannt. Zu diesem Zeitpunkt lag der Sturm etwa 225 km südöstlich von Savannah, Georgia. Als das System am nächsten Tag den warmen Golfstrom verließ, verminderte sich, auch bedingt durch starke Windscherung, die konvektive Aktivität des Systems schlagartig und Andrea wurde in ein subtropisches Tiefdruckgebiet abgestuft. Am selben Tag degenerierte es sich in ein Resttief. Am 11. Mai begann sich wieder Konvektion über dem Zentrum aufzubauen und am 12. Mai erklärte das NHC, dass ein geringfügiger Anstieg der Gewittertätigkeit ausreichen würde, um das System zu einem tropischen Tiefdruckgebiet aufzustufen. Dies geschah aber nicht und das System wurde am 14. Mai in eine Kaltfront absorbiert.
Das System verursachte hohe Wellen auf den Küsten von Florida bis North Carolina, durch welche auch ein Surfer ums Leben kam. Starke Winde durch Andrea ließen Buschfeuer in Florida und Georgia neu entfachen und verschlimmerten die Lage weiter. Der Sturm war der erste benannte Maisturm seit Arlene 1981. Das extratropische Vorgängertief tötete außerdem fünf weitere Menschen.
NHC-Archiv zu Subtropischer Sturm Andrea (Englisch) NHC Tropical Cyclone Report zu Subtropischer Sturm Andrea (PDF, Englisch; 339 kB)
Tropischer Sturm Barry
Am 30. Mai bildete sich im Golf von Honduras ein breites Tiefdruckgebiet aus. Nach Norden ziehend konnte sich das System leicht verstärken und wurde dann nach einem Aufklärungsflug als tropischer Sturm Barry klassifiziert. Bemerkenswerterweise konnte das System diese Intensität trotz heftiger vertikaler Windscherung aufrechterhalten und Sturmwarnungen wurden für den Westen Floridas herausgegeben. Das System traf schließlich am 2. Juni, als minimaler tropischer Sturm, nahe Tampa Bay auf das Festland, richtete aber kaum Schäden an. Im Gegenteil, das System brachte wichtigen Niederschlag für das dürregeplagte Florida mit sich. Danach degenerierte das System schnell in ein extratropisches Tiefdruckgebiet, das schließlich noch über weiten Teilen der Ostküste Regenfälle verursachte.
Durch Barry ertrank ein Surfer vor der Küste Floridas, außerdem ist der Sturm indirekt für zwei Verkehrstote verantwortlich.
NHC-Archiv zu Tropischer Sturm Barry (Englisch) NHC Tropical Cyclone Report zu Tropischer Sturm Barry (PDF, Englisch; 788 kB)
Tropischer Sturm Chantal
Chantal war das dritte System der Saison. Es entwickelte sich am 28. Juli 2007 aus einem Tiefdruckgebiet und wurde am 30. Juli 2007 als Tropisches Tiefdruckgebiet in der Nähe von Bermuda klassifiziert, als es organisierte Konvektion nahe dem Zentrum aufrechterhalten konnte.National Hurricane Center – TD THREE Public Advisory 1 Das System wurde am 31. Juli zum Tropischen Sturm aufgestuft, dem ersten nach über zwei Monaten. Der Sturm zog dann weiter nach Neuschottland und wurde am 1. August nach 18 Stunden auf seinem Weg nach Neufundland außertropisch.National Hurricane Center – TS CHANTAL Forecast/Advisory 5
Überflutungen durch starke Regenfälle wurden am 1. August in Placentia und aus der Provinzhauptstadt St. John’s gemeldet, wo etwa 100 mm Niederschlag fielen. Bis zu 150 mm Regen verzeichnete die Umgebung von Whitbourne. Im Süden der Halbinsel Avalon wurden Dutzende Straßen weggespült, Keller liefen voll und mehrere Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten.canada.com: Die Fährverbindungen zwischen Argentia, Neufundland und Labrador und North Sydney, Nova Scotia mussten eingestellt werden.
Für die Gebiete um Placentia Bay und Conception Bay wurde der Notstand ausgerufen. Die Schäden gingen in die Millionen und erreichten alleine in Placentia über 4 Millionen Dollar.
NHC-Archiv zu Tropischer Sturm Chantal (Englisch) NHC Tropical Cyclone Report zu Tropischer Sturm Chantal (PDF, Englisch; 578 kB)
Hurrikan Dean
Dieses System entstand am 13. August aus einer starken tropischen Welle west-südwestlich der kapverdischen Inseln.National Hurricane Center – TD FOUR Public Advisory # 1 Es wurde am 14. August zum Tropischen Sturm hochgestuftNational Hurricane Center – TS DEAN Public Advisory 5 (14. August 11:00 UTC) und erhielt den Namen Dean.
Am 16. August erreichte der Sturm die Kleinen Antillen und passierte sie am 17. August in westlicher Richtung zwischen St. Lucia und Martinique. Er hinterließ schwere Schäden und zerstörte große Teile der Zuckerrohr- und Bananenplantagen, mindestens vier Menschen fanden den Tod,SF Tagesschau: vom 17. August 2007. davon zwei durch einen Erdrutsch auf Dominica.https://www.thedominican.net/newsdesk9.htm
Aufgrund der Messungen eines Erkundungsflugzeuges der US Air Force und ungewöhnlich hoher Wassertemperaturen (um 30 °C) wurde Dean am 18. August in die Kategorie 4 der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala aufgestuft. In der Nacht vom 19. August auf den 20. August hat der Hurrikan Jamaika erreicht und schwere Schäden verursacht.Tagesschau: Hurrikan „Dean“ bricht über Jamaika herein (tagesschau.de-Archiv)vom 20. August 2007. Bereits am Wochenende waren auf Haiti und in der Dominikanischen Republik acht Menschen durch den Wirbelsturm ums Leben gekommen.
Am Abend des 20. August wurde Dean zum Hurrikan der höchsten Kategorie 5 aufgestuft und erreichte in dieser Stärke die Halbinsel Yucatán in der Nähe des Touristenorts Majahual, wo er aber keine schweren Schäden anrichtete. Dean hat sich über Yucatán zu einem Hurrikan der Kategorie 1 abgeschwächt. Nachdem er Yucatán in Richtung der Bucht von Campeche verlassen hatte, wo er wieder an Kraft gewann, erreichte Dean um 11:30 Uhr Ortszeit (CDT) bei Tecolutla, südlich von Tuxpan im Bundesstaat Veracruz, als Kategorie-2-Hurrikan erneut das Festland.
NHC-Archiv zu Hurrikan Dean (Englisch) NHC Tropical Cyclone Report zu Hurrikan Dean (PDF, Englisch; 1,5 MB)
Tropischer Sturm Erin
Ein bereits sich seit mehreren Tagen entwickelndes Tief wurde am 15. August um 03:00 Uhr UTC vom NHC etwa 685 km südöstlich von Brownsville, Texas als Tropisches Tiefdruckgebiet 5 definiert und aufgrund von Wetterdaten eines NOAA-Erkundungsflugzeuges am selben Tag zum Tropischen Sturm Erin aufgestuft. Kurz nachdem er nahe Lamar, Texas, das Festland erreichte, schwächte sich der Sturm am 16. August zu einem tropischen Tiefdruckgebiet ab und das NHC gab seine letzte Warnung zu dem System ab. Danach driftete das System durch Texas und bildete weiterhin eine ausgeprägte Konvektion. Die Winde gingen am 18. August auf 30 km/h zurück und erreichten nur in Böen eine größere Stärke. Das System zog in nordwestlicher Richtung, von teils heftigen Gewittern begleitet, die um das Zentrum von Erin rotierten. Am 19. August 2007 begann sich Erin plötzlich wieder zu verstärken und erreichte zunächst Winde von 55 km/h, etwas westlich von Oklahoma City und das System bildete erneut eine Struktur, die einem Hurrikanauge ähnlich war. Erin konnte noch einmal Spitzenböen von mehr als 130 km/h erreichen. Einige Stunden später schwächte sich Erin endgültig ab und löste sich dann über dem Südwesten von Kansas auf.
NHC-Archiv zu Tropischer Sturm Erin (Englisch) Information Concerning the Remnants of Tropical Storm Erin (Englisch) NHC Tropical Cyclone Report zu Tropischer Sturm Erin (PDF, Englisch; 618 kB)
Hurrikan Felix
Am 24. August löste sich von der afrikanischen Küste eine tropische Welle, die am 31. August 295 km östlich der Windward Islands genannten Südgruppe der Inseln über dem Winde das Tropische Tiefdruckgebiet Sechs bildeteNational Hurricane Center – TD SIX Public Advisory # 1 und sich am nächsten Tag, nachdem das System über Grenada hinweggezogen war, zum Tropischen Sturm Felix entwickelte. In der Nacht zum 2. September intensivierte sich der Sturm rapide und nach einem Aufklärungsflug der U.S. Air Force wurde Felix zu einem Hurrikan der Kategorie 2 aufgestuft.National Hurricane Center – HURICANE FELIX Discussion 7, 2. SeptemberNational Hurricane Center – Coastal Watches/Warnings and 5-Day Track Forecast Cone
Im Folgenden war der Hurrikan in die höchste Kategorie 5 eingestuft worden.Tagesschau: „Hurrikan "Felix" tobt in der Karibik“ (tagesschau.de-Archiv), 3. September 2007 Nach dem Durchlaufen einer Eyewall-Neubildung schwächte sich der Hurrikan in der Nacht zum 4. September in die Kategorie 4 ab. Der Hurrikan intensivierte sich jedoch erneut und traf als Hurrikan der Kategorie 5 etwas südlich vom Cabo Gracias a Dios mit Windgeschwindigkeiten von 260 km/h auf die Küste.National Hurricane Center – HURICANE FELIX Public Advisory 16A, 4. September
Zu diesem Zeitpunkt reichte der Radius der größten Winde bis in eine Entfernung 75 km vom Zentrum des Sturmes, in der Stärke eines tropischen Sturmes bedeckten sie einen Umkreis von bis zu 185 km.National Hurricane Center – HURRICANE FELIX ADVISORY 16, 4. September 2007
Über Land hat sich der Sturm rapide zu einem tropischen Tiefdruckgebiet abgeschwächt und das NHC hat seine letzte Sturmwarnung zu FELIX ausgegeben.National Hurricane Center – HURICANE FELIX Discussion 20, 5. September 2007 Der Sturm hat in Honduras mehr als 130 Personen getötet.Reuters via Australian Broadcasting Corporation: Felix death toll hits 130 on Nicaragua coast, 8. September 2007 An der Atlantikküste Nicaraguas forderte der Hurrikan ca. 100 Todesopfer (offiziell wurden nur 40 anerkannt), Schätzungen zufolge wurden 37.448 Menschen obdachlos.Organisación Panamericana de Salud Huracán Felix
NHC-Archiv zu Hurrikan Felix (Englisch) NHC Tropical Cyclone Report zu Hurrikan Felix (PDF, Englisch; 431 kB)
Tropischer Sturm Gabrielle