mini|hochkant|Franz Jürgens Carl Franz Jürgens (* 14. November 1895 in Einbeck; † 16. April 1945 in Düsseldorf) war Kommandeur der Schutzpolizei in Darmstadt und Düsseldorf, verantwortlich für den Transport Darmstädter Juden in die Vernichtungslager des Holocaust und am Widerstand gegen das NS-Regime beteiligt.

Leben und Karriere Als Sohn eines Stadtbaumeisters besuchte Jürgens die Volksschule und anschließend das Realgymnasium in Einbeck. 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger bei der Infanterie. Er kämpfte in Flandern und im Artois und wurde später nach Litauen versetzt. Nach einer Verwundung kehrte er – nach Lazarettaufenthalt – an die Westfront zurück. 1916 wurde er zum Unteroffizier befördert, das Kriegsende erlebte er als Leutnant der Reserve.

Er erhielt das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse.

Nach dem Krieg trat er 1920 in den Polizeidienst in Darmstadt ein. Er war zunächst Polizei-Leutnant, ab 1923 dann Oberleutnant. 1932 wurde er zum Hauptmann befördert. Zum 1. Mai 1933 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 1.864.301).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/18561079 Seine Beförderung zum Major erfolgte 1937, 1943 schließlich zum Oberstleutnant. Als Leiter der Schutzpolizei in Darmstadt war er nach neueren Forschungsergebnissen für den Transport von jüdischen Frauen, Männern und Kindern in die Vernichtungslager verantwortlich.Verena Kensbock: Platz und Berufskolleg in Düsseldorf. Der Name Franz Jürgens steht in Frage. Rheinische Post, 9. Mai 2023, abgerufen am 9. Mai 2023Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, G 12 C, 3799 u. R 12 P, 2719.

Am 27. Oktober 1944 wurde Jürgens nach Düsseldorf versetzt. Dort übernahm er am 1. Januar 1945 das Kommando über die Schutzpolizei.Hessische Familienkunde, 2002–2003 Bd. 26 Heft 1, Sp. 64/65.

Anfang April 1945 unterstellte ihm der Chef der Düsseldorfer Polizei das Kommando Mitte, welches – bestehend aus Männern des „Volkssturms“ und der Schutzpolizei – den Alliierten möglichst großen Widerstand bieten sollte. Er lehnte das Kommando vehement ab.

Jürgens hatte sich intern ablehnend über den Plan geäußert, alle Versorgungsinfrastruktur in Düsseldorf zu zerstören und die Stadt von Zivilisten zu räumen und zum Kampfgebiet zu machen. Der Rechtsanwalt Karl August Wiedenhofen nahm Kontakt mit Jürgens auf.

Widerstand in Düsseldorf mini|Gedenktafel auf der Jürgens-Gedächtnisstätte

Im April 1945 beteiligte er sich an einer Aktion Düsseldorfer Bürger, um die Stadt kampflos an die vorrückenden amerikanischen Streitkräfte zu übergeben. Wenige Stunden vor der Befreiung Düsseldorfs wurde er zum Tod verurteilt und hingerichtet. Im Jahr 1999 wurden die Standgerichtsurteile gegen Jürgens und die anderen an der Aktion beteiligten Bürger nach umfangreichen Recherchen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf auf der Grundlage des 1998 beschlossenen Gesetzes zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege aufgehoben.

Ehrungen

Jürgens hat ein Ehrengrab auf dem Nordfriedhof in Düsseldorf.Ehrengräber – Landeshauptstadt Düsseldorf, abgerufen am 31. Mai 2019. Nach ihm wurden der Jürgensplatz vor dem Düsseldorfer Polizeipräsidium und die Franz-Jürgens-Straße in Düsseldorf-Golzheim benannt. Die Jürgens-Gedächtnisstätte wurde 2005 wegen der Aufgabe des Stadtwerke-Geländes von der Feuerbachstraße in die Anton-Betz-Straße verlegt. Nach Bekanntwerden von Jürgens’ Verantwortlichkeit für Transporte von Darmstädter Juden in Vernichtungslager forderten Vertreter jüdischer Gemeinden eine Umbenennung des Platzes, der Straße und der Schule. 2025 wurde der Jürgensplatz in Edith-Fürst-Straße und die Franz-Jürgens-Straße in Else-Gores-Straße umbenannt. Die Schule heißt jetzt Technisches Berufskolleg Färberstraße.

Literatur Volker Zimmermann: NS-Täter vor Gericht. Düsseldorf und die Strafprozesse wegen nationalsozialistischer Gewaltverbrechen. Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2001, ISSN 1615-5718, S. 114–123.

Weblinks

Aufsatz von Polizeihauptkommissar Klaus-Fr. Dönecke, Polizeipräsidium Düsseldorf, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (PDF-Datei; 415 kB) (kriegsende.ard.de) Jürgens, Franz, Biografie im Portal dfg-vk-darmstadt.de

Abschlussbericht des Beirats zur Überprüfung Düsseldorfer Straßen- und Platzbenennungen

Einzelnachweise

Kategorie:Aktion Rheinland Kategorie:Täter des Holocaust Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse Kategorie:Person (Düsseldorf) Kategorie:Person (Darmstadt) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1895 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Mann