Die Katholische junge Gemeinde (kurz KjG) ist ein Kinder- und Jugendverband, der sich nach den katholischen Pfarreien in den Diözesen der Bundesrepublik Deutschland strukturiert.KjG.de: Grundlagen und Ziele Sie hat bundesweit etwa 35.000 Mitglieder in 24 Diözesanverbänden (Stand: September 2025) und ist damit nach der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg und der Katholischen Landjugendbewegung der drittgrößte katholische Jugendverband in Deutschland. Die KjG ist Mitglied im Dachverband Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).
Organisation Pfarreiebene Auf Pfarreiebene bieten ehrenamtliche Gruppenleiter Gruppenstunden, Ferienfreizeiten und sonstige Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an. Die Verantwortlichen treffen sich in Leiterrunden und Arbeitskreisen. Die Koordination läuft über eine gewählte Pfarrleitung. Das aktive Wahlrecht besitzt prinzipiell jedes KjG-Mitglied in der Pfarrei, wobei teilweise (örtlich verschiedene) Altersgrenzen gelten, so zum Beispiel eine Beschränkung des Wahlrechts auf Mitglieder, die höchstens 27 Jahre alt sind. Verschiedene Diözesanverbände legen Wert auf ein durchgehend gleiches Stimmrecht, unabhängig vom Alter oder der Funktion des jeweiligen Mitglieds.
Mittlere Ebene Die mittlere Ebene wird je nach Diözesanverband Bezirk, Dekanat, Kreis oder Region genannt. Hier werden übergemeindliche Angebote geschaffen und die einzelnen Pfarrgemeinden untereinander vernetzt. Je nach kommunaler Gliederung gehört auch die politische Interessenvertretung der KjG in regionalen Gremien, wie zum Beispiel auf BDKJ-Stadtversammlungen oder in Stadt- bzw. Kreisjugendringen, zu den Aufgaben der mittleren Ebene. Diese kann jedoch auch auf Pfarreiebene angesiedelt sein. Koordiniert wird diese Ebene von gewählten, ehrenamtlichen, paritätisch besetzten Bezirks-/Dekanats-/Kreis-/Regionalleitungen. Als Austausch- und Kontrollgremium existiert in einigen mittleren Ebenen ein Ausschuss, der analog zum Diözesanausschuss auf Diözesanebene das höchste beschlussfassende Gremium zwischen den Konferenzen ist. Weiterhin können Arbeitskreise zur Planung von Aktivitäten und zur Unterstützung/Beratung der Pfarreien gewählt werden.
Diözesanebene Die nächsthöhere Ebene ist die Diözesanebene, auf der die Diözesanleitung (DL) das bistumsweite Geschehen koordiniert. Die Diözesankonferenz (DiKo), auf der Vertreter der mittleren Ebenen vertreten sind, wählt und kontrolliert die DL. Über Anträge können durch die DiKo Arbeitsaufträge an die DL erteilt werden. Weiter wählt die DiKo aus den Leitungen der mittleren Ebenen die Mitglieder des Diözesanausschusses, des höchsten beratenden und beschlussfassenden Gremiums zwischen zwei Diözesankonferenzen. Außerdem richtet die Diözesankonferenz Arbeitskreise (AK) ein, die die Diözesanleitung bei ihren Aufgaben unterstützen. Eine wichtige Aufgabe des Diözesanverbandes ist es, ein Angebot zu schaffen, durch das die qualitative Arbeit der Pfarrebene abzusichern ist. Hier sind besonders Aus- und Fortbildungsangebote für Gruppenleiter zu nennen.
Bundesebene Die Bundesebene bildet als Zusammenschluss der Diözesanverbände die höchste Ebene der KjG. Sie soll den Kontakt und Austausch zwischen den einzelnen Diözesanverbänden fördern, Projekte für den gesamten Verband durchführen, Dienstleistungen für die Diözesanverbände anbieten und die Interessen der KjG (von Kindern und Jugendlichen) in Politik und Kirche wahrnehmen. So werden Informationsbroschüren und Mitgliedsausweise für alle Diözesanverbände erstellt, Schulungen für Diözesanleiter organisiert oder Projekte für den gesamten Verband durchgeführt.
Der Vorstand der KjG besteht aus der dreiköpfigen Bundesleitung, darunter eine geistliche Leitung. Die Bundesleitung wird von der jährlich stattfindenden Bundeskonferenz gewählt. Bis 2011 stellte der ebenfalls gewählte, ausschließlich aus amtierenden Diözesanleitern bestehende Bundesausschuss das höchste beschlussfassende Gremium zwischen den Konferenzen dar. Durch eine Satzungsänderung tritt an dessen Stelle seitdem der Bundesrat, welcher zweimal im Jahr tagt. Stimmberechtigte Mitglieder sind die Mitglieder der Bundesleitung und zwei Delegierte aus jedem Diözesanverband. Dem Bundesrat sind insbesondere folgende Aufgaben vorbehalten: die Beschlussfassung über gemeinsame Aktionen und bundesverbandliche Schwerpunkte, die Entgegennahme von Zwischenberichten der Bundesleitung und der Kommissionen und die Unterstützung der Bundesleitung bei der Planung und Vorbereitung der Bundeskonferenz, die Schlichtung und Entscheidung in Konfliktfällen zwischen Diözesanverbänden oder zwischen einem Diözesanverband und der Bundesleitung und der Sorge für die Durchführung der Beschlüsse der Bundeskonferenz.
Bundestreffen In unregelmäßigen Abständen lädt der Bundesverband, ggf. in Kooperation mit einem Diözesanverband, alle KjG-Mitglieder zu einem Bundestreffen ein, das letzte fand unter dem Titel „DenkMal!“ vom 24. bis 28. Mai 2017 unter dem Motto „Frieden denken. Zukunft schenken.“ im Nordsternpark in Gelsenkirchen statt. „DenkMal!“ war weitgehend als Freiluftveranstaltung konzipiert und verband vielfältige Workshop-Angebote mit kulturellen Höhepunkten, Rockmusik, Gottesdiensten, einer Kinder- und Jugenddemonstration in der Würzburger Innenstadt und einer Präsentation der regionalen Arbeitsschwerpunkte des Verbandes. Etwa 1500 KjGler aus dem kompletten Bundesgebiet nahmen teil. Frühere Ereignisse dieser Art waren „UTOPIAjetzt!“ vom 1. bis zum 4. Mai 2008 in Würzburg, „Eventure 2001“ in Mannheim, „Signale ’90“ in Neuss oder „Forum Aachen“ 1977 in Aachen.
Mitgliedschaften Die KjG gehört zusammen mit anderen katholischen Jugendverbänden dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend als Dachverband an. Außerdem ist die KjG international durch ihre Mitgliedschaft in der fimcap vertreten.
Grundlagen und Ziele
Die KjG ist auf allen Ebenen politisch aktiv und will Kindern und Jugendlichen Mut machen, sich zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen, aktiv zu werden für Dinge, die sie angehen und die verändert werden müssen. Außerdem will die KjG zu gesellschaftlichem Handeln und zur Gestaltung des eigenen Alltags aus der eigenen religiösen Überzeugung heraus ermutigen.
Geschichte Von der Gründung bis zum Verbot 1939 Der „Katholische Jungmännerverband“ (KJMV), der Vorläuferverband der „Katholische Jungmännergemeinschaft“ (KJG), wurde 1896 in Düsseldorf als erster Vorläuferverband der Katholischen jungen Gemeinde gegründet. Im Jahr 1915 wurde der Zentralverband der „Katholische Jungfrauenvereine Deutschlands“, der Vorläuferverband der „Katholische Frauenjugendgemeinschaft“ (KFG), ebenfalls in Düsseldorf gegründet.
Zum ersten hauptamtlichen Generalsekretär des Katholischen Jungmännerverbandes wählte die in Mainz tagende Generalversammlung der Katholischen Jünglingsvereinigungen im Jahr 1907 Carl Mosterts, den Kaplan der Düsseldorfer Pfarrei St. Maximilian. Am 2. Februar 1908 wurde ein erstes Büro als Verbandszentrale in zwei Räumen der Pfarrei St. Lambertus am Stiftsplatz 10a in Düsseldorf eingeweiht. Die Verbandszentrale übersiedelte 1916 in das Achenbachhaus an der Schadowstraße 54 und zog 1922/1923 in die Derendorfer Straße 1 um. Am 2. Februar 1924 wurde dort die Verbandszentrale unter der Bezeichnung „Jugendhaus Düsseldorf“ eingeweiht.Karl Wuchterl (Hrsg.): Der Vergangenheit eine Zukunft. 75 Jahre Jugendhaus Düsseldorf. Düsseldorf 1984, S. 83.
Carl Mosterts pachtete 1922 das Gelände der ehemaligen Abtei Altenberg im Bergischen Land östlich von Köln, direkt neben dem Altenberger Dom, um ein Erholungs- und Ferienheim für aus dem Ersten Weltkrieg heimgekehrte junge Männer zu gründen. Wenige Tage nach Unterzeichnung des Mietvertrages brach in dem als Hotel genutzten ehemaligen „Konversenflügel“ neben dem Haupteingang des Domes ein Brand aus, der große Teile des Gebäudes vernichtete. Eine „Werkschar“ von Ehrenamtlichen ging an den Wiederaufbau. In den abschnittsweise fertiggestellten Räumen trafen sich bald Jungengruppen zur Erholung und zur Fortbildung. Der Neu- und Umbau von Haus Altenberg, wie die Begegnungsstätte genannt wurde, wurde 1933 abgeschlossen.
Carl Mosterts starb im Jahr 1926. Sein Nachfolger Ludwig Wolker entwickelte Haus Altenberg zur „Reichsführerschule“ des katholischen Jungmännerverbands, die Jugendvereinsführung und Jugendseelsorge verknüpfte. Der benachbarte Altenberger Dom wurde in diese geistliche Jugendarbeit intensiv mit einbezogen. Ludwig Wolker bezeichnete sich selbst gern als „Rufer von Altenberg“, die von ihm konzipierten Grundlagen kirchlicher Jugendarbeit und Jugendseelsorge als „Pastorale Altenbergense“. Die Madonna von Altenberg im Dom erklärte er zur „Königin des Bundes“.Willi Bokler: Vorwort. In: Carlfried Halbach: Der Dom zu Altenberg. Mit einem Gedichtzyklus von Georg Thurmair und einem Beitrag von Hans Peters. Verlag Haus Altenberg. Altenberg und Düsseldorf 1953.
Das Jugendhaus, in dessen gleichnamigem Verlag verschiedene Zeitschriften und Liederbücher erschienen, wurde in der Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 mehrfach von der Gestapo besetzt. Ludwig Wolker und 57 Mitarbeiter des Jugendhauses wurden wegen angeblicher Zusammenarbeit mit den Kommunisten vorübergehend verhaftet.Barbara Schellenberger: Katholische Jugend und Drittes Reich. Eine Geschichte des Katholischen Jungmännerverbandes 1933–1939 unter besonderer Berücksichtigung der Rheinprovinz. Matthias-Grünewald-Verlag Mainz 1975, S. 82; Wilhelm Schepping: Das Lied als Corpus Delicti in der NS-Zeit. In: Julius Alf (Hrsg.): Beiträge zur Rheinischen Musikgeschichte. Band 118, Köln 1977, S. 109–132, hier S. 127; Berthold L. Flöper: Anlaufstelle für Kirche, Politik und Gesellschaft. In: Karl Wuchterl (Hrsg.): Der Vergangenheit eine Zukunft. 75 Jahre Jugendhaus Düsseldorf. Düsseldorf 1984, S. 36–39, hier S. 37f. – Datierung teilweise unterschiedlich. Am 6. Februar 1939 schloss die Gestapo das Haus endgültig und beschlagnahmte es. Gleichzeitig wurden sämtliche katholischen Jugendverbände, somit auch der Katholische Jungmännerverband und die Katholische Frauenjugendgemeinschaft, aufgelöst.Barbara Schellenberger: Katholische Jugend und Drittes Reich. Matthias-Grünewald-Verlag Mainz 1975, ISBN 3-7867-0523-2, S. 173
Nach dem Zweiten Weltkrieg Im Jahr 1947 wurde der Verband wiederbegründet, jetzt unter dem Namen „Katholische Jungmännergemeinschaft“. (KJG). Mit anderen nach Kriegsende wieder belebten katholischen Jugendverbänden schloss sich der Verband im März 1947 im Jugendhaus Kloster Hardehausen bei Paderborn zu einem Dachverband zusammen, dem „Bund der Deutschen Katholischen Jugend“ (BDKJ). 1954 wurde die „Katholische Frauenjugendgemeinschaft“ (KFG) wiedergegründet, die ihre Aufgabe darin sieht, „das Leben der Jugend in der Gemeinde zu aktivieren und soziale Aufgaben zu übernehmen“. 1966 arbeiteten KFG und KJG erstmals in der gemeinsamen „Aktion Mosaik“ zusammen. Ein erstes gemeinsames Delegiertentreffen der Vorläuferorganisationen „Katholische Jungmännergemeinschaft“ (KJG) und „Katholische Frauenjugendgemeinschaft“ (KFG) fand 1968 in Münster statt. Unter dem Motto „Zur Antwort bereit“ trafen sich rund 13.000 Jugendliche und Mitglieder der Vorläuferorganisationen zu einem großen Deutschlandtreffen. Ein Jahr später beschlossen die beiden Verbände in Würzburg gemeinsame „Grundlagen und Ziele“ mit programmatischen, pädagogischen und politischen Akzenten, die im Wesentlichen bis heute von Bedeutung sind. Auf der Bundeskonferenz vom 12. bis zum 17. Juni 1970 in Altenberg vereinigten sich KJG und KFG zur neuen „Katholischen jungen Gemeinde“ (KjG). Der Verband setzte sich zum Ziel, das Leben in der Pfarrgemeinde und im Gemeinwesen bewusst mitzugestalten