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Das Gefecht bei Wollerau oder Gefecht bei RichterswilJohannes Strickler: Actensammlung aus der Zeit der Helvetischen Republik (1798–1803). 1. Band, Stämpfli, Bern 1886 (), S. 811. fand am 30. April 1798 (11. Floréal Jahr VI) in und um Wollerau, BächBeide ehemaliges Untertanengebiet Höfe, Kanton Schwyz. und RichterswilEhemalige Landvogtei Wädenswil, Kanton Zürich. statt. Beteiligt waren auf der verlierenden Seite Landleute von Glarus, den Höfen, der March, Einsiedeln, dem Gaster und Sargans, auf der siegreichen Franzosen und Zürcher. Die Französische Republik intervenierte auf Ersuchen der am 12. April gegründeten Helvetischen Republik, deren Anhänger («Patrioten») in den Zürcher Seegemeinden eine ihrer Hochburgen hatten.
Vorgeschichte Schwyz hatte sich wegen des Söldnerhandels schon mit dem Königreich Frankreich überworfen. Auch die anderen Kantone, für welche dieser Handel eine wichtige Rolle spielte, waren empört darüber, dass die Französische Republik nach dem Tuileriensturm die Schweizer Regimenter entliess.
1798 führte die Helvetische RevolutionVorausgegangen waren revolutionäre Ereignisse in fast allen Kantonen, Zugewandten Orten und Gemeinen Herrschaften. Erfolgreiche Revolutionen hatte es schon 1792 im Fürstbistum Basel und in Genf, 1795 in der Fürstabtei St. Gallen gegeben. Holger Böning: Der Traum von Freiheit und Gleichheit. Helvetische Revolution und Republik […]. Orell Füssli, Zürich 1998. zum Untergang der Alten Eidgenossenschaft, in der einzelne BevölkerungsgruppenBürger regierender Städte oder Länder und innerhalb derselben regierende Familien. erbliche Vorrechte genossen hatten. Schwyz erklärte seine Untertanengebiete, worunter die Höfe Wollerau und Pfäffikon, für frei.Gerold Meyer von Knonau: Der Kanton Schwyz, historisch, geographisch, statistisch geschildert. Huber und Compagnie, St. Gallen/Bern 1835, S. 41 f. (). Die vom Patriziat ihrer Hauptstadt beherrschte Republik Bern, die den Abfall von Aargau und Waadt nicht hatte hinnehmen wollen, kapitulierte beim Einmarsch französischer TruppenBei der traditionellen Datierung der Kapitulation auf den 5. März handelt es sich um eine Geschichtsfälschung: In Wirklichkeit erfolgte diese bereits vor den Gefechten bei Neuenegg, bei Fraubrunnen und am Grauholz. Georges Andrey: L’Histoire de la Suisse pour les Nuls, des origines à 1815. 2. Ausg., First-Gründ, Paris 2011, S. 248. wie zuvor die aristokratischen Kantone Freiburg und Solothurn. In Zürich zogen 14'000 «Landschäftler» mit 40 Kanonen vor die Stadt, worauf man dort am 13. März den Freiheitsbaum aufrichtete.Holger Böning: Der Traum von Freiheit und Gleichheit. Helvetische Revolution und Republik […]. Orell Füssli, Zürich 1998, S. 127. Am 12. April wurde in Aarau die Eine und Unteilbare Helvetische Republik ausgerufen, welche ihren Bürgern Freiheit und Gleichheit versprach.
Unter Anführung von Schwyz widersetzten sich Uri, Nidwalden, Glarus und Zug dem Verlust ihrer einzelstaatlichen Souveränität. Eine Rolle spielte dabei, dass in diesen (nach damaligen Begriffen) demokratischen Kantonen ein grosser TeilIn Schwyz z. B. die Angehörigen der 150 Landleutegeschlechter, nicht aber die Untertanen und Beisassen. der männlichen Bevölkerung an den Landsgemeinden teilnehmen konnte. Dass der neue Einheitsstaat trotz Beibehaltung des bisherigen Staatskirchentums die Glaubensfreiheit einführte, nahmen Anhänger des Ancien Régime zum Vorwand, den Untergang der Religion an die Wand zu malen.Heinrich Zschokke rief den 1798 gefallenen Schweizern zu: «Ihr starbet – und wolltet in eurer Meinung sterben für "Gott", und "Vaterland", – ach! und es war nicht Gott der euch ermunterte und rief, nein trügliche Priester! – es war nicht das Vaterland, welches euren Muth aufbot, nein der Stolz und Ehrgeiz einiger reichen Männer!» (Herzensseufzer des aufrichtigen Schweizerboten am Schlusse des alten Jahres 17(9)8, in: Der aufrichtige und wohlerfahrene Schweizer-Bote, 1. Band, (Luzern) 1798(/99), Nr. 7 (undatiert), S. 53–55, hier S. 53 f.) Das Urteil Zschokkes hat umso mehr Gewicht, als dieser seit 1795 mit Alois Reding befreundet war (Werner Ort: Heinrich Zschokke (1771–1848). Eine Biografie. Baden 2013, S. 180, 192 et passim). Obwohl die erwähnten Kantone zusammen nicht mehr als 10'000 Mann aufbieten konnten,Zschokke (1801), S. 268 (). schritten sie unter Führung des Schwyzer Landeshauptmanns Alois von Reding zur Offensive. Sie besetzten Obwalden und – für wenige Stunden – die Stadt Luzern, weil diese die Helvetische Verfassung angenommen hatten, dazu Teile des Berner Oberlands und des Freiamts. Zur angestrebten Eroberung von Aarau, Bern und Zürich reichten die Kräfte aber nicht aus.
Den rechten Flügel der Aufständischen befehligte ein erklärter Gegner des Kriegsplans,Johann Jakob Blumer: Der Kanton Glarus in der Revolution vom Jahr 1798. In: Jahrbuch des historischen Vereins des Kantons Glarus, 3. Heft, Zürich/Glarus 1866, S. 67–96, hier S. 88. der Glarner Oberst Fridolin Paravicini. Während Uznacher und Gästler am 28. April das helvetisch gesinnte Rapperswil besetzten und tags darauf von einem PikettAuszügerbataillon. (400 Mann) Glarner zur Ordnung gewiesen werden mussten, beschränkte sich Paravicini darauf, die Schwyzer Grenze am Zürichsee zu sichern. Dafür standen ihm zwei oder drei Pikette bzw. Bataillone Glarner zur Verfügung.Johann Konrad Escher, Paul Usteri (Hrsg.); Leonard Meister (Red.): Der Schweizerische Republikaner. Zürich, 6. Juni 1798, S. 132 (); Schuler (1851), S. 380 (); Marcus Freuler: Kurze Geschichte des veränderten Schicksals und kriegrischer Auftritten, welche den alten Kanton Glarus vom Jahr 1798 bis 1801 [sic] betraffen. Glarus 1800, S. 7 (); Johannes Wieland: Geschichte der Kriegsbegebenheiten in Helvetien und Rhätien als Handbuch zum Militairunterricht für Schweizeroffiziere aller Waffen. 2. Theil, Basel 1827, S. 42/Anm. (). Zu diesen stiessen einige Hundert Höfner, wenige Märchler, 400 Einsiedler und am Schluss des Gefechts noch Gästler und Sarganser. Ein Bataillon Schwyzer deckte die Höhen gegen Hütten (Kanton Zürich).(Heinrich Zschokke:) Herzensseufzer des aufrichtigen Schweizerboten am Schlusse des alten Jahres 17(9)8, in: Der aufrichtige und wohlerfahrene Schweizer-Bote, 1. Band, (Luzern) 1798(/99), Nr. 7 (undatiert), S. 53–55, hier S. 53 f.; Johann Jakob Blumer: Der Kanton Glarus in der Revolution vom Jahr 1798, in: Jahrbuch des historischen Vereins des Kantons Glarus, 3. Heft, Zürich/Glarus 1866, S. 67–96, hier S. 90.
Das Vollziehungsdirektorium der Helvetischen Republik rief den im Land verbliebenen französischen General Schauenburg zu Hilfe, dessen Division aus dem Elsass auf 20'000 Mann verstärkt wurde. Er erhielt den Auftrag, das Kloster Einsiedeln zu besetzen, weil dieses wie jenes von St. Gallen antirevolutionäre Propaganda verbreitete. Am 26. April traf die 4500 Mann starke Brigade von General Nouvion in Zürich ein, wohin Schauenburg kurz darauf sein Hauptquartier verlegte. Am 29. April schob Nouvion zu Aufklärungszwecken 1307 Mann nach Horgen und 686 Mann nach Meilen vor. Die Brigade von General JordyNicolas Louis Jordy (1758–1825). besetzte kampflos Zug und nahm über den Albis und Sihlbrugg Kontakt mit Nouvion auf. Am 30. April fand sie Luzern von den Revolutionsgegnern verlassen vor. Diese zogen sich nach Schusswechseln mit Franzosen und Zürchern auch aus Rapperswil zurück.Actenstücke zur Geschichte der französischen Invasion in die Schweiz im Jahre 1798, in: Archiv für Schweizerische Geschichte, 15. Band, Zürich 1866, S. 319–366, hier S. 342–344. Zahlenangaben nach Derck Engelberts: Premières insurrections contre la République helvétique (avril–mai 1798). In: Revue Militaire Suisse. 143/1998, S. 37–43 (), hier S. 41.
Verlauf (17 Versionen) mini|hochkant|Lukas und Peter Vischer: Glarner Soldat (1792) Die nachstehend zitierten Berichte, deren unterschiedliche Ausführlichkeit nicht unbedingt den Grad ihrer Zuverlässigkeit widerspiegelt, sind nach dem Zeitpunkt der Entstehung bzw. Veröffentlichung geordnet. Wie bei militärischen Auseinandersetzungen üblich, übertrieben beide Kriegsparteien die Stärke des Gegners und dessen Verluste. Deshalb wurde ein Teil der entsprechenden Angaben weggelassen.
Nach Regierungsstatthalter Pfenninger
Der Regierungsstatthalter des Kantons Zürich, Johann Kaspar Pfenninger, berichtete dem Vollziehungsdirektorium in Aarau: «Das Gefecht bei Richtenschweil dauerte einige Stunden. Der Sieg blieb lange unentschieden; die Franken mußten bis an und ins Dorf weichen, wo ein harter Kampf viel Blut kostete. Endlich siegten […] die Franken, und die verirrten Brüder mußten weichen […].»Johannes Strickler: Actensammlung aus der Zeit der Helvetischen Republik (1798–1803). 1. Band, Stämpfli, Bern 1886 (), S. 811; abgedruckt bei Ernst Ludwig Posselt: Neueste WeltKunde. Tübingen, 6. Mai 1798, S. 502 f.
Nach Chirurg Bachmann
Gemäss seinem eigenen Bericht versorgte der Richterswiler Chirurg Christoph Bachmann, welcher vom Landvogt von Wädenswil als «Feuerkopf» bezeichnet worden war und später Gemeindepräsident wurde,Heinrich Peter: Aus der Ortsgeschichte von Richterswil. Band 3, Richterswil 1980, S. 15 (1794), 55 (1807). die verwundeten Revolutionsgegner und liess die toten beerdigen. Erstere stammten laut Bachmann meist aus dem Oberland (Bezeichnung für die Grafschaft Sargans),Laut Schuler (1851), S. 384 (), waren die Sarganser zu spät auf dem Kampfplatz eingetroffen. dem Gaster und der March. Sie hätten sich trotz ihrer Hilflosigkeit gesträubt, etwas anzunehmen. Offenbar war ihnen von Priestern Unverwundbarkeit verheissen worden, jedenfalls schrieb der Chirurg: «Die Franken haben mit silbernen Kuglen geschossen, sagen die Betrogenen; vor dem Blei wären sie sicher gewesen.»Johannes Strickler: Actensammlung aus der Zeit der Helvetischen Republik (1798–1803). 1. Band, Stämpfli, Bern 1886 (), S. 812.
Nach Pfarrer Herzog
In einem undatierten Brief fabulierte der Pfarrer von Einsiedeln, Pater Marian Herzog, über das Gefecht bei Wollerau: «Einige Glarner und die Einsiedler […] erlegten nebst wichtigen Offiziers gegen 600 Feinde.»Franz Weidmann: Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen […]. St. Gallen 1834, S. 298.
Gemäss dem Professbuch des Klosters Einsiedeln war Herzog am 29. April mit 400 Mann nach den Höfen ausgerückt, wo sich diese am 30. April tapfer gehalten hätten. Währenddessen habe Herzog den Landsturm und vom Brünig heimkehrende Truppen abgeholt. Als er mit diesen in die Höfe gekommen sei, sei der Kampf schon entschieden gewesen.P. Marian (Heinrich Josef) Herzog von Beromünster (1758–1828). In: Klosterarchiv Einsiedeln, Professbuch B, Nr. 462 ().
Nach dem Schweizerischen Republikaner