mini|Grab von Cäsar Pinnau auf dem Friedhof Ohlsdorf mini|Cäsar Pinnaus Atelier in Altona mini|Hamburg-Süd-Gebäude (1961–1964) mini|Bankhaus Lampe (1962) mini|Bankhaus Lampe (Eingang) mini|Skulpturengarten Kunsthalle Bielefeld (1967) mini|Wohnresidenz Münster-Kinderhaus (1984) mini|Wohn- und Geschäftshäuser am Rosenplatz in Münster (1985–1986)mini|Bürogebäude in Münster mini|Cap San Diego der Hamburg Süd mini|Zweierkabine der Cap San Antonio Cäsar F. Pinnau (* 9. August 1906 in Hamburg; † 29. November 1988 ebenda) war ein deutscher Architekt.
Leben Nach einer Tischlerlehre im väterlichen Betrieb in Hamburg studierte er in Abendkursen in Berlin Architektur und Innenarchitektur, kurz darauf an der Staatsschule für angewandte Kunst in München bei Richard Berndl, Emil Preetorius und Joseph Wackerle.
Bis 1945 Pinnau wurde nach seinem Studium Mitarbeiter des Architekten Fritz August Breuhaus de Groot in Düsseldorf und Berlin. Für ihn entwarf er von 1930 bis 1937 u. a. repräsentative Villen. Zu seinen Arbeiten gehörte auch der Passagiertrakt des Luftschiffes LZ 129 „Hindenburg“ sowie Entwürfe für Passagierdampfer wie z. B. 1928–1929 die Bremen.
Ab April 1937 arbeitete Cäsar Pinnau selbstständig als Architekt zunächst in Hamburg und baute im selben Jahr für seinen zukünftigen Schwiegervater, den Hamburger Kaufmann Max Adolph Eduard Müller, in Groß Flottbek ein Wohnhaus. Am 31. Oktober 1937 beantragte Pinnau die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.852.437)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/32530568 – nach Einschätzung des Architekturhistorikers Ulrich Höhns „wohl eine Marketing-Maßnahme, um Aufträge zu bekommen“.„Er betrachtete sich als unpolitisch“, nord.thema, Bauen & Wohnen, S. 49, in: taz am Wochenende, 18./19. Juli 2015 Im Mai 1938 heiratete er die Kunststudentin und spätere Mitarbeiterin Sibylle Müller (1917–2012, Trennung 1955), die ihn in allen Fragen der Innenarchitektur beriet. Das Paar zog nach Berlin, wo Albert Speer ihn entdeckte und ihm bis Kriegsende Staatsaufträge vermittelte. Darunter waren die Renovierung des Reichspräsidentenpalais anlässlich des Staatsbesuchs von Benito Mussolini, 1938 die Innengestaltung der Neuen Reichskanzlei sowie der Japanischen Botschaft im Tiergarten und die Planung von Bauten für die Nord-Süd-Achse. Im Jahr 1944 berief ihn Speer in den Arbeitsstab für den Wiederaufbau bombenzerstörter Städte unter Konstanty Gutschow und sah für Pinnau u. a. die Planung zum Wiederaufbau von Bremen vor.Werner Durth: Deutsche Architekten. Biografische Verflechtungen 1900–1970. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden (1986), S. 235 Von 1940 bis 1944 war er Professor an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin. Pinnau stand 1944 in der Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.Pinnau, Cäsar. In: Theodor Kellenter: Die Gottbegnadeten: Hitlers Liste unersetzbarer Künstler. Kiel: Arndt, 2020, ISBN 978-3-88741-290-6, S. 167f.
Nach 1945 Seine Arbeit für das nationalsozialistische Regime und besonders für den Generalbauinspektor Speer verhinderte in der Nachkriegszeit zwar, dass er staatliche Aufträge erhielt, beeinträchtigte ansonsten aber kaum seine weitere berufliche Karriere.
Nach dem Zweiten Weltkrieg machte er sich erneut als Architekt in Hamburg selbstständig mit einem Büro in Frankfurt am Main. Ab Mai 1947 bezog er eine Wohnung mit Atelier in der Alten Rabenstraße 12, nahe der Außenalster gelegen. Einer der ersten Aufträge war der Umbau der Hansa Bank (1948–1950, später: Commerzbank in der Altstadt von Hamburg).
Ab 1949 hatte er sein Atelier am Gänsemarkt und baute 1951 sein eigenes Wohnhaus an der Elbchaussee. Pinnau war zeitlebens der Hausarchitekt von Rudolf-August Oetker. Für ihn baute er Privatvillen und für sein Firmen-Konglomerat Verwaltungssitze und Fabriken. Für Oetkers Reederei, die Hamburg Süd, entwarf Pinnau 1950 zunächst die Inneneinrichtungen der ersten vier Schiffe der Santa-Klasse, deren Äußeres sich noch an der Vorkriegsgestaltung orientierte. Bei zwei weiteren etwas größeren Einheiten dieser Klasse kamen dann erstmals die weichen Formen des New Look in der Gestaltung der Aufbauten zum Tragen. Im Januar 1953 stellte die Reederei Hamburg Süd das erste Schiff dieses neuen Typs in Dienst, die Santa Teresa, im März folgte die Santa Inés. Ab Februar 1955 folgten die Cap-Schiffe, die bis 1956 acht Einheiten umfasste. Die weitestgehende Umsetzung des New Look bildeten die sechs Schiffe der Cap San-Reihe die 1961 mit der Cap San Diego ihren Abschluss fand.
Ab 1951 war er für Aristoteles Onassis tätig, er renovierte 1951 den Geschäftssitz der Olympic Maritime in Hamburg, und betreute den Umbau eines ehemaligen Kriegsschiffs zur Luxusyacht Christina O. Auch für die ab 1953 in Deutschland gebauten Schiffe (u. a. Tina Onassis) war Pinnau als Gestalter verantwortlich.
Im Jahr 1961 bezog er ein neues Wohnhaus am Bismarckstein 3 in Hamburg-Blankenese. Seit 1966 hatte er ein Atelier im Neuen Wall 44; 1974 renovierte er das ehemalige Atelier des wohl einflussreichsten Architekten des klassizistischen Stils im nördlichen Europa Christian Frederik Hansen an der Palmaille 116 in Hamburg-Altona.
Zu seinen Werken mit großer Bekanntheit in Hamburg gehören u. a. das Hochhaus Hamburg Süd und die heute als Museums-Schiff genutzte Cap San Diego an den St. Pauli-Landungsbrücken. Für Onassis legte er 1975 erste Entwürfe des späteren Olympic Tower in New York vor, dieses Gebäude wurde dann von Skidmore, Owings and Merrill realisiert.
1988 starb Cäsar Pinnau in Hamburg und wurde in der von ihm selbst entworfenen Grabstätte auf dem Ohlsdorfer Friedhof im Planquadrat AD 13 westlich oberhalb Nordteich am „Millionärshügel“ begraben.Prominenten-Gräber
Familiäres Mit seiner ersten Ehefrau Sibylle hatte er drei Kinder, geboren 1940, 1942 und 1944. Im Jahre 1957 ehelichte er seine zweite Ehefrau, die Kunsthistorikerin Ruth Irmgard Petersen, geb. Schultz (1924–2010). Wie sein Vater war auch sein Großvater Tischlermeister und stammte ursprünglich aus Hamburg-Allermöhe.
Bauten (Auswahl) 1937: Wohnhaus in Groß Flottbek 1951: eigenes Wohnhaus an der Elbchaussee 245 1951: Geschäftssitz der Olympic Maritime, (Renovierung der Villa Beit) in Hamburg-Pöseldorf 1954: Treppenhaus im Senator-Hayn-Haus am Ballindamm in Hamburg 1954: Landhaus In de Bost (Vorbesitzer: Otto Hübener), Sanierung zur Oetker-Villa in Hamburg-Nienstedten 1954: Villa für Vincent Bohlen, Elbchaussee 241Erhaltungsgebiet E4, Begründung. 1. Räumliche Ausdehnung und geltendes Planrecht, daten.transparenz.hamburg.de, abgerufen am 21. Juli 2015 1955: Elbkurhaus in Hamburg-Nienstedten 1956: Clubhaus Der Club an der Alster Hallerstraße 1959: Villa für Willy Schlieker, Elbchaussee 274 1960– 1961: August-Kühne-Haus, Geschäftshaus der Spedition Kühne & Nagel in Bremen (2017 abgerissen) 1961–1964: Hamburg-Süd-Gebäude an der heutigen Willy-Brandt-Straße 59 im Bezirk Hamburg-Mitte 1962: Bankhaus-Lampe-Niederlassung am Domplatz (Münster) 1963: Château de Montjeu (Teilrestaurierung), Wohnsitz von Willy Manchot in Broye im Département Saône-et-Loire (Frankreich) 1966–1968: Kunsthalle Bielefeld (Bauleitung, Architekt Philip Johnson) 1969–1988: Schulungsheim für den Deutschen Ring, heute Tagungshotel in Jesteburg, abgerufen am 21. Juli 2015 1976: Villa für Joachim Fest in Kronberg im TaunusVilla von Joachim C. Fest…, Pressemitteilung von Poll am 22. Oktober 2009, abgerufen am 19. Juli 2015 1977–1978: Sudhaus in Kempten 1979: Landhaus in Münster 1979–1981: Geschäftshaus in MünsterEintrag auf German Postwar Modern 1982: RWB-Unternehmensberatung in Münster, Regina-Protmann-Straße 1984: Wohnresidenz in Kinderhaus (Münster) 1985–1986: Wohn- und Geschäftshaus am Rosenplatz in Münster 1986: eigene Landhaus-Villa am Blankeneser Baurs Park 3 mit Elbblick
Schiffsausstattungen 1953: Turbinentankschiff Tina Onassis 1960: Motoryacht für Stavros Niarchos 1961: Stückgutschiff Cap San Diego, heute Museumsschiff an den St. Pauli-Landungsbrücken in Hamburg
Literatur Herbert Wendt: Kurs Südamerika. Brücke zwischen zwei Kontinenten. Ceres, Bielefeld 1958, . Werner Durth: Deutsche Architekten. Biografische Verflechtungen 1900–1970, Vieweg, Braunschweig / Wiesbaden 1986, ISBN 3-528-08705-6. Ruth Pinnau: Der Sieg über die Schwere. Cäsar Pinnau in meinem Leben. Edition Leck, Berlin 1993, ISBN 3-923190-82-4. Ruth Pinnau, Joachim Fest: Cäsar Pinnau, Architekt. Christians, Hamburg 1995, ISBN 3-7672-1224-2.
Sylvaine Hänsel, Stefan Rethfeld: Architekturführer Münster. Reimer, Berlin 2008, ISBN 978-3-496-01276-4. Ulrich Höhns, Herausgeber: Hartmut Frank, Ullrich Schwarz, Zwischen Avantgarde und Salon Cäsar Pinnau 1906–1988: Architektur aus Hamburg für die Mächtigen der Welt, Dölling und Galitz, München / Hamburg 2015, ISBN 978-3-86218-052-3. Eduard Heinrich Führ: Identitätspolitik – „Architect Professor Cesar Pinnau“ als Entwurf und Entwerfer. Transcript, Bielefeld 2016, ISBN 978-3-8376-3696-3. Hans-Jörg Czech, Vanessa Hirsch, Ullrich Schwarz: Cäsar Pinnau. Zum Werk eines umstrittenen Architekten. Dölling und Galitz, München / Hamburg 2016, ISBN 978-3-86218-089-9 (Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung und zur Tagung: Annäherungen an Cäsar Pinnau (1906–1988). Person und Werk kritisch betrachtet, Historische Museen Hamburg, Altonaer Museum). Niklas Maak: Dekorateur der Macht, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22. Januar 2023, S. 35.
Weblinks
Biografie im Architekturarchiv Journal Caesar Pinnau shmh.de Kuratorinneninterview „Cäsar Pinnau. Zum Werk eines umstrittenen Architekten“ im Altonaer Museum, Hamburg (September 2016) Der umstrittene Architekt Cäsar Pinnau: Im Kielwasser der Mächte von Jürgen Tietz 15. November 2016, NZZ Biografien-Datenbank: NS‑Dabeigewesene
Einzelnachweise
Kategorie:Architekt der Neuen Sachlichkeit Kategorie:Innenarchitektur (Deutschland) Kategorie:Architekt (Berlin) Kategorie:Architekt (Hamburg) Kategorie:Hochschullehrer (Vereinigte Staatsschulen für freie und angewandte Kunst) Kategorie:Architekt im Nationalsozialismus Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1906 Kategorie:Gestorben 1988 Kategorie:Mann