mini|Heinrich Bolten-Baeckers (etwa 1900)

Heinrich Bolten-Baeckers, bürgerlich Heinrich Eduard Hermann Bolten (* 10. April 1871 in Chemnitz; † 30. Januar 1938 in DresdenStandesamt Dresden V, Sterbeurkunde Nr. 191 vom 31. Januar 1938 (Stadtarchiv der Landeshauptstadt Dresden)) war ein deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Filmregisseur und Filmproduzent. Einige seiner Texte sind noch heute bekannt, wie die Operette Frau Luna mit Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft. Er war als Produzent und Regisseur an über 250 Filmen beteiligt.

Leben Heinrich Bolten wurde in Chemnitz geboren und wuchs in Dresden auf.Nachruf in: Deutsches Bühnenjahrbuch, 50. Jahrgang 1939. Berlin 1938, S. 110 Seine Eltern waren der Buchhalter und Versicherungsmitarbeiter Heinrich Cornelius Bolten († 1871 in Chemnitz) und Fanny Bolten, geb. Bäcker (* 1840 Dresden; † 1905 ebendort).Heinrich Eduard Hermann Bolten: Standesamt Berlin III, Heiratsurkunde Nr. 254 vom 10. April 1906 (Landesarchiv Berlin)

Operetten mit Paul Lincke Ein erstes Engagement als Schauspieler ist für die Saison 1888/89 am Stadttheater Bautzen nachgewiesen.Gettke's Bühnen-Almanach 1889, Leipzig 1888, S. 309 Heinrich Bolten wechselte dann an das Ostend-Theater in Berlin. 1889 schrieb er erstmals einen Text zu einer Melodie von Paul Lincke.

Seitdem verfasste Bolten-Baeckers für Paul Lincke die Libretti zu dessen meisten Operetten. Diese wurden oft sehr populär, vor allem Frau Luna von 1898.

Seit 1900 lebte Heinrich Bolten-Baeckers in Köln, wo er ein Sommertheater als Direktor leitete und Lektor für den Bühnenverlag Ahn wurde.Paul Lincke und die Drehorgeln, Norberts Leierkasten, mit einer Anekdote von Paul Lincke und Heinrich Bolten-Baeckers in KölnAdressbuch Köln, 1901, Teil II, S. 50, mit erstem Eintrag von Bolten-Baeckers in Köln Für diesen übersetzte er in den folgenden Jahren zahlreiche französische Komödien und Schwänke.

Er war Mitgründer des Verbandes Deutscher Bühnenschriftsteller und Komponisten, dessen Präsidium er angehörte und der Internationalen Fédération der Bühnenautoren und Komponisten.Nachruf in: Deutsches Bühnenjahrbuch, 50. Jahrgang 1939. Berlin 1938, S. 110

Bolten war zweimal verheiratet. 1906 heiratete er die verwitwete Margarete Andreae, geb. von Wasmer (* 1874 in Harburg; † 1921 in Berlin). Die Ehe wurde 1916 geschieden.Standesamt Berlin III, Heiratsurkunde Nr. 254 vom 10. April 1906 (Landesarchiv Berlin) 1922 heiratete er die geschiedene Lehrerin Helene Bauer, geb. Rosner (* 1896 in München; † 1979 in Berlin).Standesamt Berlin-Wilmersdorf, Heiratsurkunde Nr. 396 vom 29. April 1922 (Landesarchiv Berlin)

Filme 1906 begann Bolten-Baeckers als einer der ersten, Filme zu drehen. Sein erstes Werk war ein Stummfilm über den Hauptmann von Köpenick. 1909 gründete er die Filmproduktionsfirma BB-Film-Fabrikation Bolten-Baeckers in Steglitz bei Berlin, die zahlreiche seichte Unterhaltungsfilme produzierte.Die BB-Film-Ateliers bei CineGraph 1912 gründete er das B. B. Film-Atelier Heinrich Bolten (1912–1918).HRA Nr. 40144, Einträge im Berliner Handelsregister am 13. November 1912 und 9. März 1918

1910 war Heinrich Bolten-Baeckers Mitglied im Direktorium des Berliner Residenztheaters, das vor allem französische Komödien zeigte.Max Epstein: Theater als Geschäft, 1911, S. 71 Digitalisat 1911 wurde er Direktor des Berliner Lustspielhauses in der Friedrichstraße, was er bis 1923 blieb.Handelsregister Berlin HRB Nr. 10172

1920 gründete er die B-B-Film-Fabrikation Heinrich Bolten gen. Bolten-Baeckers.HRA Nr. 54770, Eintrag im Berliner Handelsregister am 6. Juli 1920 Bis Mitte der 1920er-Jahre war Bolten-Baeckers auch weiter als Regisseur und Produzent im Filmgeschäft tätig. Am 3. Januar 1928 gründete er die Lignose-Hörfilm System Breusing GmbH, die das Nadeltonverfahren von Kurt Breusing verwerten sollte.Handelsregister Berlin HRB Nr. 40982 Nachdem eine Zusammenarbeit mit der UFA gescheitert war, wurde der erste Lignose-Hörfilm 1928 in Dresden aufgeführt.

Letzte Jahre Seit 1933 war Heinrich Bolten-Baeckers Mitglied im Vorstand der Staatlich genehmigten Gesellschaft zur Verwertung musikalischer Aufführungsrechte (STAGMA), der Nachfolgerin der GEMA-AFMA, die das Monopol zur Wahrnehmung von Musikaufführungsrechten erteilte. Diese war fest in das nationalsozialistische Machtgefüge eingebunden. Bolten-Baeckers trat zum 1. August 1935 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.671.657).Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/3380940

Heinrich Bolten-Baeckers wohnte seit 1916 in Berlin-Wilmersdorf, Helmstedter Straße 25.Erstmalig im Berliner Adressbuch 1917, S. 265 Im Herbst 1937 suche er aus gesundheitlichen Gründen „Dr. Möllers Sanatorium“ in Dresden-Oberloschwitz auf, wo er im Januar 1938 im Alter von 66 Jahren starb. Seine Urne wurde auf dem Waldfriedhof Dahlem in Berlin beigesetzt.Nachruf in: Deutsches Bühnenjahrbuch, 50. Jahrgang 1939. Berlin 1938, S. 110 Das Grabmal ist nicht erhalten.Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 578

Bühnenwerke (Auswahl) Libretti für Operetten und Singspiele Heinrich Bolten-Baeckers verfasste Texte für Operetten und Singspiele vor allem von Paul Lincke. Einige wurden populär.

Verkehrte Welt, Singspiel in einem Akt, UA Berlin 1885 Ein Abenteuer im Harem, Singspiel in einem Akt, UA Berlin 1896 Venus auf Erden, parodistische Operette, UA 1897 Apollo-Theater Berlin Frau Luna, burleq-phantastische Ausstattungs-Operette, UA Apollo-Theater Berlin 1898 Im Reiche des Indra, UA Apollo-Theater 1899, einige Texte Fräulein Loreley, Operette in einem Akt, UA Apollo-Theater Berlin, 1900 Lysistrata, phantastische Burlesken-Operette in einem Akt, Texte auch von Max Neumann, UA Apollo-Theater Berlin 1902 Nakiris Hochzeit oder Der Stern von Siam, Ausstattungs-Operette in zwei Akten, UA Apollo-Theater Berlin 1902 Am Hochzeitsabend, Operette in einem Akt, UA Köln 1903; Vaudeville in einem Akt Berlin 1905 Prinzess Rosine, Operette in zwei Akten, UA Apollo-Theater Berlin 1905 Das blaue Bild, Phantasie in zwei Bildern, UA Berlin 1906 Kadettenstreiche, 1906, Musik Victor Hollaender Grigri, Operette in drei Akten nach Jules Chancel, UA Köln Metropol-Theater 1911

Lieder

Einige der Lieder aus den Operetten wurden Schlager und viel gespielt und gesungen, so aus Frau Luna Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe Oh Theophil Schlösser, die im Monde liegen Heimlich, still und leise kommt die Liebe

Weitere Lieder Ach, lieber Schaffner, was haben Sie getan, 1889, erster Text auf eine Melodie von Paul Lincke Jugend marschiert, mit frohem Gesang, (...) Sieg Heil, Musik Willy Geisler, in Filmen Blut und Boden (1933) und Triumph des Willens (1935)

Übersetzungen Heinrich Bolten-Baeckers übersetzte zahlreiche Theaterstücke und Opernlibretti aus dem Französischen, meist für den Verlag Ahn. Einige wurden veröffentlicht, von anderen existieren nur Textbücher für die jeweiligen Aufführungen.Werke von Heinrich Bolten-Baeckers in der Deutschen Digitalen Bibliothek Werke von Heinrich Bolten-Baeckers (Auswahl) WorldCat, weitere Sucheingaben sind möglich

Die alte Mühle (L'attaque du moulin) von Alfred Bruneau, Oper in vier Akten, Ahn, vor 1894 Philemon und Baucis, von Charles Gounod, Bearbeitung nach Übersetzung von Julius Hopp, Oper, nach 1894 Die kleinen Michu's von André Messager, Georges Duval, Albert Vanlo, Operette in drei Aufzügen, Ahn 1897 Die Marketenderin von Benjamin Godard, Henri Cain, Oper in 3 Akten, Ahn 1898 Zaza von Pierre Berton, Charles Simon, Sittenbild in 5 Aufzügen, Ahn 1898 Wenn die Liebe erwacht von Pierre Veber, Lustspiel in drei Akten, ohne Jahr

Ein Kriminalfall (L'affair Mathieu) von Tristan Bernard, Schwank in drei Akten, 1902, aufgeführt im Residenztheater Berlin 1906 Mein Haus in Ordnung von Arthur W. Pinero, Komödie in vier Akten, Ahn 1906 Eine Nachtsitzung von Georges Feydeau, Schwank in einem Akt, 1911 am Residenztheater Berlin Mein Freund Teddy von André Rivoire, Lucien Besnard, Lustspiel in 3 Akten, Einrichtung der Kammerspiele des Deutschen Theaters Berlin, als Manuskript vervielfältigt, Ahn & Simrock, 1913 Rackerchen von Theodor Blumer, Vaudeville-Operette in 3 Akten nach 'Le coup de Jarnac' (Bibi) von de Gorsse und Marsan von Bolten Baeckers, op. 32, Ahn & Simrock 1914 Die japanische Vase, von Tristan Bernard , Ahn, ohne Jahr

Eigene Theaterstücke Er verfasste auch einige kleinere Theaterstücke selbst, von denen es meist nur Textbücher für die Aufführungen gibt. Blumen-Gretel von Nieder-Schönhausen, Posse in einem Akt, 1897/98 Dornröschen, Zaubermärchen in 5 Bildern, 1898/99 Berlin im Omnibus, Burleske in einem Akt, 1906

Filme (Auswahl) Heinrich Bolten-Baeckers produzierte etwa 145 Stummfilme. Dazu führte er in über 100 weiteren Regie. 1906: Der Hauptmann von Köpenick 1909: Der kleine Detektiv 1909: Das Glückshufeisen 1909: Das große Los 1909: Don Juan heiratet (Zuordnung unsicher) 1909: Klebolin klebt alles 1909: Matrosentanz 1911: Das Liebesglück der Blinden, als Regisseur, mit Henny Porten, die dadurch bekannt wurde 1911: Der dankbare Amor 1911: Die Blinde 1911: Eine Amme wird gesucht 1911: Leo Saperloter, mit Leo Peukert 1911: Leo und seine drei Bräute 1912: Das 11.Gebot 1913: Seine Kammerjungfer 1913: Dissonanzen des Lebens 1913: Die Kunstschützin (Co-Regie mit Carl Wilhelm) 1913: Mein Leopold 1913: Die zweite Mutter 1914: General von Berning 1914: Michels eiserne Faust 1914: Kriegsgetraut 1915: Kulissenzauber 1915: Nocturno 1915: Die gute Fee 1915: Schicksalswende 1915: Der Tyrann von Muckendorf 1916: Aus dem Buche des Lebens 1916: Der Lausbub 1916: Die sieben Frechdachse 1917: Stropp 1917: Die Grille 1917: Postkarten-Modell 1917: Stropp 1917: Tenor Schmetterzeh 1918: Wer niemals einen Rausch gehabt 1924: Mein Leopold 1925: Die zweite Mutter 1925: Der Herr ohne Wohnung

Ehrungen mini|150px|Gedenktafel, Berlinickestraße 11 Heinz-Bolten-Baeckers-Preis Seine Witwe Helene Bolten-Baeckers gründete 1979 eine GEMA-Stiftung, die seit 1988 den Heinz-Bolten-Baeckers-Preis an Librettisten für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet des populären Musiktheaters verleiht. Dieser ist mit 10.000 Euro dotiert.Heinz Bolten-Baeckers-Preis bei kulturpreise.de

Weitere Ehrungen 2012 wurde in der Berlinickestraße 11 in Berlin-Steglitz eine Gedenkstele an der Stelle seines ehemaligen Filmstudios BB-Film-Fabrikation Bolten-Baeckers aufgestellt.Die BB-Film-Ateliers bei CineGraph

Literatur Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Band 1. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 459.

Weblinks

, Artikel zum 60. Todestag im Chemnitzer Stadtmagazin Stadtstreicher (mit Foto) Die BB-Film-Ateliers bei CineGraph

Einzelnachweise

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