Das New York Central Terminal, auch genannt Buffalo Central Terminal (deutsch: Central-Bahnhof BuffaloDer Name bezieht sich hier auf die Eisenbahngesellschaft New York Central Railroad, nicht auf seine Lage oder Funktion, Anm. d. Verf.) ist ein stillgelegter Personen- und Güterbahnhof im Osten von Buffalo im US-Bundesstaat New York. Er diente der namensgebenden New York Central Railroad als Zentralbahnhof für den Personen- und Stückgutverkehr in der Stadt und war von 1929 bis 1979 in Betrieb.
Nach seiner Stilllegung wechselte der Bahnhof mehrfach seinen Eigentümer. Mangels erfolgreicher Nutzungskonzepte wurde er dabei aber teilweise abgerissen, ausgeschlachtet und schließlich über lange Jahre dem Verfall preisgegeben. Seit 2003 werden Teile des Empfangsgebäudes auf Initiative einer gemeinnützigen Organisation wieder für kulturelle Zwecke genutzt.
Das Empfangsgebäude wurde 1927–1929 im Art-déco-Stil errichtet und zählt zu den letzten prestigeträchtigen Bahnhofsbauten einer privaten Eisenbahngesellschaft in den Vereinigten Staaten. Seine bauliche Struktur wurde seinerzeit in besonderem Maße auf die Betriebsabläufe im Innern ausgerichtet. Das Terminal wurde 1984 in das National Register of Historic Places aufgenommen.NRHP Nomination Form, S. 1.
Lage mini|links|Das Central Terminal liegt weitab der Innenstadt.
mini|links|Gleisplan, ca. 1950.
Das Central Terminal liegt rund 2,5 Meilen (etwa 4 km) östlich des Stadtzentrums (Rathaus) und etwa auf halber Höhe zwischen zwei Ausfallstraßen in östliche Richtung, der Broadway Street im Norden und der William Street im Süden. Nördlich der Bahnanlagen befindet sich ein ausgedehntes Wohngebiet mit kleinteiliger Bebauung, auf der Südseite schließt ein weitläufiges Gebiet mit flachen Gewerbebauten und Industriebrachen an. Abgesehen von den Bahnanlagen gibt es in weitem Umkreis keine nennenswerten innerstädtischen Verkehrsachsen oder Versorgungseinrichtungen.
Der Bahnhof liegt am Kreuzungspunkt des so genannten Empire Corridor, der Bahnverbindung New York City–Albany–Buffalo, mit der Umgehungsbahn Buffalos, der CSX Belt Subdivision oder Belt Line. Der Hauptstrang der Gleise gehört zur CSX Buffalo Terminal Subdivision und verläuft dabei als Teil des Korridors in Nordost-Südwest-Richtung. Die Bahnanlagen sind in weiten Teilen zurückgebaut; das Gelände erstreckt sich aber immer noch beinahe über seine ursprüngliche Größe von knapp zwei Kilometern in der Länge und rund 290 Metern in der Breite.
Die nordöstliche Ausfahrt des Bahnhofs führt nach Albany und New York City, die südwestliche in Richtung Innenstadt. Die Belt Line zweigt etwa in der Mitte der Gleisanlagen über ein Gleisdreieck nach Norden hin ab. Hinter der südwestlichen Ausfahrt zweigt die CSX Erie Subdivision nach Cleveland und Chicago in südliche Richtung ab. Auf der Südseite der Bahnanlagen befindet sich ein Güterbahnhof mit Containerverladung.
Empfangs- und Betriebsgebäude liegen auf der Nordseite der Gleisanlagen. Das Empfangsgebäude (Main Terminal Building) steht unmittelbar westlich des Gleisdreiecks, südwestlich davon folgen nacheinander die Post- und Gepäckabfertigung (Baggage and Mail Building), das Bahnpostamt (U.S. Terminal Railway Post Office Building) und davor die Eilguthalle (Railway Express Building). Die Personenbahnsteige liegen etwas abgesetzt vor dem Empfangsgebäude und werden durch die Gleise der westlichen Verbindungskurve von ihm getrennt. Die Zufahrt zum Bahnhof erfolgt durch das Wohngebiet über unscheinbare Anliegerstraßen.
Architektur Die Mehrzahl der Gebäude entstanden als Stahlskelettbau im Art-déco-Stil mit braunen Backsteinfassaden, Granitsockeln sowie Ornamenten aus Sandstein und Beton. Die Fenster wurden in vertikal verlaufenden Nischen angeordnet. Bis auf die Eilguthalle datieren alle Bauten von 1927 bis 1930 und wurden von den Architekten Fellheimer and Wagner entworfen.NRHP Nomination Form, S. 3. Der Komplex steht bis auf Teile des Empfangsgebäudes vollständig leer und ist unterschiedlich stark verfallen.
Empfangsgebäude mini|Das Empfangsgebäude im Art-déco-Stil mit seinem Büroturm. Das architektonisch bedeutsamste Bauwerk ist das Empfangsgebäude mit seinem achteckigen Büroturm. Es gilt als „ganz besonders herausragendes Beispiel für Art-déco-Architektur in Reinform““significant as an exceptionally distinguished, completely representative example of the Art Deco style of design” – NRHP Nomination Form, S. 15. und ist neben dem Rathaus das zweite bedeutende Gebäude dieser Art in Buffalo.
Äußere Erscheinung mini|Turmspitze mit Ornamenten. mini|Einer der Eingänge an der Terrasse. Das Gebäude besitzt einen annähernd rechteckigen Grundriss mit einer Länge von 300 Fuß (91,4 m) und einer Breite von 225 Fuß (68,6 m).NRHP Nomination Form, S. 6ff. Entlang seiner Längsachse erstreckt sich ein mittig angeordnetes Bogendach mit zwei großen Bogenfenstern an den Stirnseiten. Der Ostflügel hat ein ebenso breites Bogendach; es kreuzt das längs verlaufende Dach im rechten Winkel und endet mit einem entsprechenden Bogenfenster an der Nordfassade. Der Rest des Gebäudes ist auf der Nordseite sechs, auf der Südseite zwischen zwei und sechs Stockwerke hoch und besitzt Flachdächer. An der nordwestlichen Ecke des Gebäudes ragt der 20-stöckige, 271 Fuß (82,6 m) hohe, achteckige Büroturm empor. Dessen Fassade verjüngt sich in der oberen Hälfte insgesamt dreimal.
An der Nordseite des Empfangsgebäudes schließt auf Höhe der ersten Etage eine 150 Fuß (45,7 m) breite und 600 Fuß (182,9 m) lange Terrasse mit Balustrade an. Sie umgibt die nördliche Hälfte des Bauwerks und diente als Zufahrt für Pkw, Taxis und Busse; die Ein- und Ausgänge des Bahnhofs liegen somit in der ersten Etage des Gebäudes. Der Raum unterhalb der Terrasse diente als Tiefgarage und sollte ursprünglich auch eine Wendeschleife für die Straßenbahn aufnehmen.
Inneres hochkant|mini|Die Schalterhalle mit ihrem Gustaviano-Gewölbe und dem Terrazzo-Fußboden. mini|Der Gepäckschalter, verkleidet mit weißem Marmor. Die Schalterhalle liegt wie die Ein- und Ausgänge in der ersten Etage und nimmt mit 66 Fuß Breite und 225 Fuß Länge den gesamten Raum unter dem längs verlaufenden Tonnendach ein. Sie besitzt ein Guastavino-Tonnengewölbe, das aus gelbbraunen Terrakottaziegeln aufgebaut ist; die unteren 12 Fuß (3,66 m) Wandhöhe sind ringsum mit weißem Marmor verkleidet. Im Innern stehen einige Pavillons für Fahrkarten- und Gepäckschalter und verschiedene Verkaufsstände, die alle ebenfalls weiße Marmorvertäfelungen sowie Fensterrahmen mit Bronzeauflage besitzen. Der Fußboden besteht aus Terrazzo und weist vierfarbige geometrische Muster auf.
Südlich parallel zur Schalterhalle erstreckt sich der 108 auf 59 Fuß (32,9 auf 18,0 m) große Wartesaal. Genau wie in der Schalterhalle ist auch hier der untere Teil der Wände mit weißem Marmor vertäfelt; die Stirnwände sind mit Stuckelementen verziert. Die Decke war ursprünglich im Spanischen Stil verkleidet und mit blau-weißen Wolken ausgemalt;Foto des Wartesaals wenige Tage vor der Eröffnung sie ist jedoch vor einigen Jahren eingestürzt und daher nicht mehr erhalten.
Auf der anderen Seite der Schalterhalle liegt das 100 auf 56 Fuß (30,5 m mal 17,0 m) große, dreigeteilte Restaurant. Dessen Wände waren ursprünglich mit schwarzem und goldfarbenem Marmor verkleidet; der mittlere Teil besaß zudem zwei große, u-förmige Theken.Foto des Restaurants wenige Tage vor der Eröffnung
Die Inneneinrichtung des Empfangsgebäudes war bis hin zu Details wie Lampen, Briefkästen oder Lüftungsgittern durchweg im Art-déco-Stil gehalten. Die meisten Gegenstände sind jedoch in der Zeit nach der Stilllegung zur Begleichung von Steuerschulden ausgebaut und verkauft oder durch Vandalismus zerstört worden.
Gepäckabfertigung und Bahnpostamt mini|Empfangsgebäude (hinten), davor die Gepäckabfertigung und rechts davor das Bahnpostamt. An der südwestlichen Ecke des Empfangsgebäudes schließt die Post- und Gepäckabfertigung (Baggage and Mail Building) an. Das fünfstöckige Gebäude ist 60 Fuß (18,3 m) breitNRHP Nomination Form, S. 9. und erstreckt sich über eine Länge von 350 Fuß (106,7 m) parallel zu den Gleisanlagen. Neben der eigentlichen Post- und Gepäckabfertigung im Erdgeschoss waren in den Stockwerken darüber Büroräume untergebracht. Das Gebäude besitzt ein Flachdach und auf beiden Längsseiten Laderampen mit Überdachung.
An die Gepäckabfertigung wiederum schließt einige Meter zurückgesetzt das Bahnpostamt (U.S. Terminal Railway Post Office Building) an. Der zweistöckige Flachbau ist von etwa gleicher Länge wie die Gepäckabfertigung und besitzt nur auf der Gleisseite eine überdachte Laderampe, die aber gut 50 Meter nach Westen über das Gebäude hinausragt und für die Bedienung von zwei Seiten her ausgelegt ist.
Die Fassaden beider Flachbauten lehnen sich farblich und gestalterisch an das Empfangsgebäude an. Einige der Fensternischen heben sich durch Brüstungen, andere Rahmen oder eine höhere Dachtraufe von der übrigen Fassade ab.
Eilguthalle Südwestlich des Bahnpostamts befindet sich die Eilguthalle (Railway Express Building). Sie erstreckt sich parallel zu den anderen Gebäuden über 860 Fuß (262 m) in der Länge und 60 Fuß (18,3 m) in der BreiteNRHP Nomination Form, S. 10. und ist dabei um etwa 50 Meter zu den Gleisen hin versetzt. Sie diente einst der Railway Express Agency als Umschlagplatz. Auf der Straßenseite befindet sich ein zweistöckiger Flachbau mit durchgehender Lkw-Laderampe; auf der Gleisseite liegt die Wagenhalle, dies sich über vier Ladegleise mitsamt den zugehörigen Güterbahnsteigen erstreckt. Gemessen an der Bahnsteiglänge von insgesamt 1.500 Metern war sie damals die größte Güterhalle weltweit.Cousins, September 1985. Anders als alle übrigen Gebäude datiert die Eilguthalle bereits von 1917 und ist architektonisch weniger anspruchsvoll gestaltet. Sie befindet sich in baulich sehr schlechtem Zustand; die meisten Fenster und Teile des Daches fehlen, im Innern wachsen Bäume.
Bahnsteige mini|Die Bahnsteige und die Fußgängerüberführung. Die insgesamt sieben Mittelbahnsteige liegen vor dem Empfangsgebäude und etwas in Richtung des Gleisdreiecks versetzt. Sie sind auf den Hauptstrang der Gleise ausgerichtet und liegen annähernd in dessen Mitte. Durch den trichterförmigen Verlauf der beiden Verbindungskurven werden die Bahnsteige mit zunehmender Entfernung zum Empfangsgebäude länger.
Die Bahnsteige wurden ursprünglich über eine 380 Fuß (115,82 m) lange,NRHP Nomination Form, S. 9f.Die genannte Quelle gibt 480 Fuß an; Luftaufnahmen und Vergleichswerte deuten auf einen entsprechenden Tippfehler hin, Anm. d. Verf. eingehauste Fußgängerüberführung (Train Concourse) erschlossen. Diese fluchtet mit dem östlichen Quergewölbe des Empfangsgebäudes, ist 55 Fuß (16,76 m) breit und führt quer über alle Bahnsteige hinweg. Das Teilstück oberhalb der Verbindungskurve wurde im Frühjahr 1982 entfernt, um das Lichtraumprofil für doppelstöckige Containerzüge aufzuweiten. Seitdem sind Bahnsteige und Empfangsgebäude voneinander getrennt.Cousins, Oktober 1985, S. 48f.
Die Bahnsteige wiederum erstrecken sich von der Überführung aus in etwa im Verhältnis 1:2 in westliche und östliche Richtung. Sie sind mit der Überführung durch eingehauste Treppen und lange Rampen verbunden. Sie besitzen fast über die gesamte Länge Überdachungen mit abgerundeten Enden.
Weitere Gebäude Daneben gab es ursprünglich noch eine Reihe weiterer, über das Bahngelände verstreuter Betriebsgebäude. Diese existieren heute (2008) zum großen Teil nicht mehr. Dazu gehören unter anderem zwei Stellwerke, ein Kühlhaus, das Pullman-Betriebswerk, Aufenthaltsräume für die Lokführer sowie das Heizwerk.