In den japanischen Kampfkünsten (Budō) existiert, neben dem gemeinhin bekannten modernen Dan-Graduierungssystem, noch eine weitere Form der Auszeichnung: die klassischen Ehrentitel im Budō

Renshi () Kyōshi () Hanshi () Meijin ()

Diese Titel waren gedacht als einzelne Schritte auf dem Weg – Zeichen, dass ein gewisses Niveau an Können und Verständnis erreicht worden war. Sie werden nur demjenigen verliehen, der „einen spezifischen Rang innehat und außergewöhnlich in seiner Technik, in seinem Wissen und in seinem Charakter als Budōka ist“.IMAF-Budo Passport: Explanations of Titles. Board of IMAF, S. 27.

Nur eine Kommission von japanischen Budō-Großmeistern, die alle den Hanshi-Titel besitzen müssen, darf über die Vergabe von Budō-Titeln entscheiden.

Geschichte Der Dainippon Butokukai hatte als oberstes Kontrollorgan die Aufgabe, nach der Auflösung des Shōgunates durch die Meiji-Restauration die verschiedenen Kampfkünste unter einem Dach zu vereinen und sowohl zu standardisieren als auch zu kontrollieren.Artikel „Butokukai“ in: W. Lind: Das Lexikon der Kampfkünste. ISBN 3-328-00838-1.

Im Jahre 1902 – das Dan-System war noch nicht entwickelt – führte der Butokukai die beiden Titel Kyōshi und Hanshi für die herausragendsten japanischen Meister ein. Diese Titel entstammen alten Samurai-Adelsgraden, die vor der Meiji-Restauration von den Daimyō vergeben worden waren. 1934, nachdem auch das okinawanische Karate als japanische Kampfkunst vom Butokukai aufgenommen worden war, kam der dritte Titel Renshi, unterhalb von Kyōshi und Hanshi, dazu.Web-Artikel: Titles and Degrees in Karate auf doshikai.org (PDF; 33 kB), Gordon

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die japanischen Kampfkünste von den Siegermächten verboten und der Butokukai aufgelöst. Erst nachdem die Kampfkünste in Japan wieder erlaubt worden waren, konnten auch wieder offizielle Budō-Titel vergeben werden. Dafür ermächtigte das japanische Kaiserhaus die 1952 gegründete Nachfolgeorganisation des Butokukai, die IMAF-Kokusai Budoin, als einzige Organisation außerhalb der japanischen Regierung dazu, die Ehrentitel Renshi, Kyōshi, Hanshi und jetzt auch Meijin in allen Budō-Disziplinen zu verleihen. Neben der IMAF bekamen nur noch die japanischen Kobudō-, Kendō-, Iaidō- und Kyūdō-Verbände die Erlaubnis, die Titel Renshi, Kyōshi und Hanshi in ihren Disziplinen zu vergeben. Die Verleihung des Meijin-Titels bleibt exklusiv der IMAF vorbehalten.About the titles Renshi, Kyoshi and Hanshi. In: Gendo 2003 (IMAF-Kokusai Budoin Newsletter) auf judoinfo.com

Da nur in seltenen Ausnahmefällen auch Nichtjapaner Budō-Titel erhalten, haben viele Organisationen und Verbände weltweit inzwischen das System der Budō-Titel für sich übernommen und verleihen die Titel – nach mehr oder weniger hohen Anforderungen – selbst. Jedoch sind die Budō-Titel rein japanische Titel und eine japanische Auszeichnung, daher haben alle Titel, die nicht von einer der oben genannten (und explizit von der japanischen Regierung bzw. dem Kaiserhaus autorisierten) Organisationen verliehen worden sind, keinen offiziellen Charakter. auf imaf-germany.de

Im Folgenden werden die Mindestanforderungen der IMAF (bezüglich der Dan-Graduierung) beschrieben. Andere Verbände legen hier unter Umständen andere Maßstäbe an.

Renshi Die Silbe Ren () bedeutet etwa „ausgefeilt, geschmiedet oder gehärtet“, „Shi“ () bedeutet „Person“ oder „Mensch“. Renshi () bezeichnet also einen „ausgefeilten Menschen“ oder Experten. Ein Renshi muss seit mindestens zwei Jahren Träger des 4. Dan oder höher sein.

Kyōshi Nachdem ein Renshi () den 6., 7. oder 8. Dan erreicht hat, kann er, wenn er außergewöhnliche Fähigkeiten (nach Definition der jeweiligen Organisation) nachgewiesen hat, den Kyoshi-Titel () erhalten. Kyō () heißt in etwa „lehren“ und bedeutet „Lehrer“.

Hanshi Die wenigen Kyōshi (), die die höchsten Grade des 8. Dan und darüber erreicht haben und mindestens 50 Jahre alt sind, können schließlich mit dem Hanshi () ausgezeichnet werden. Han () bedeutet so viel wie „Modell“ oder „Beispiel“. Hanshi bezeichnet Beispiel und Vorbild für die anderen, also den Großmeister. (Vgl. auch Shihan, der sich sprachlich nicht nur durch die Vertauschung der Silben unterscheidet: während die Silbe „shi“ () in Hanshi „Krieger“ bedeutet, wird „shi“ () in Shihan () mit einem anderen Schriftzeichen, das „Lehrer“ bedeutet, geschrieben; das Schriftzeichen für „han“ () ist in beiden Fällen dasselbe.Kanji No. 1092 in: Wolfgang Hadamitzky: Langenscheidts Handbuch und Lexikon der japanischen Schrift. ISBN 3-468-49388-6.)

Meijin Das Wort Meijin () entstammt dem Konfuzianismus und bedeutet „vollendeter Mensch“.Artikel „Meijin“ in: W. Lind: Das Lexikon der Kampfkünste. ISBN 3-328-00838-1. In der Geschichte des Budō haben insgesamt nur sechzehn Budo-Großmeister und Pioniere den Meijin-Titel erhalten (stand 2025). Es ist die höchste Auszeichnung im Budō und kann nur von der IMAF-Kokusai Budoin vergeben werden. Die Auszeichnung kann vergeben werden an Träger des 10. Dan Hanshi, die zu den herausragenden Führungspersönlichkeiten in den japanischen Kampfkünsten gehören, die sich lebenslang für die Prinzipien des Budō eingesetzt haben und durch ihr persönliches vorbildliches Beispiel der höchsten technischen Perfektion und des tiefsten geistigen Verständnisses sowie durch immerwährende vielfältige Anstrengungen zur Entwicklung und Verbreitung des Budō-Gedanken in der ganzen Welt beigetragen haben. auf imaf-germany.de

Träger des Meijin-Titels + Name Disziplin Lebensdaten Ito Kazuo Judo 1898–1974 Itoh Takasue Judo 1897–1981 Mifune Kyūzō Judo 1883–1965 Nakayama Hakudō Kendō 1873–1958 Ōtsuka Hironori Karatedō 1892–1982 Ota Tsugiyoshi Iaidō 1892–1984 Shioda Gōzō Aikidō 1915–1994 Takano Hiromasa Kendō 1900–1987 Yamaguchi Katsuo Iaidō 1917–2006 Tose Keiji Iaidō 1924–2010 Shizuya Satō Nihon Jujutsu 1929–2011 Hirokazu Kanazawa Karatedō 1931–2019 Kazuo Sakai Karatedō 1930–2016 Tadanori Nobetsu Karatedō 1935–2023 Terukata Kawabata Kobudō 1940– Ikuo Higuchi Karatedō 1941–

Siehe auch Shihan, ist der klassische Ehrentitel für einen Meister im Budō. Shihan ist ein japanischer Begriff aus dem Budō. Er ist Ausbilder von Lehrern oder ein Professor; wird aber häufig auch einfach als „Meister“ übersetzt. Es ist eine Ehren-Bezeichnung für einen hohen Würdenträger, hohen Lehrer und Meister. Shidōin und Fuku Shidōin, Bezeichnung für einen weniger erfahrenen Lehrer. Den Titel gibt es auch im japanischen Go – Träger war bspw. Honinbō Shūsai; sowie im japanischen Schachspiel Shogi – Träger war hier bspw. Yoshiharu Habu. Sensei: Lehrer

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Einzelnachweise

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