Andrea Bregno, auch Andrea da Milano, (* 1418lt. Inschrift seines Grabmals in Santa Maria sopra Minerva in der Fraktion Righeggia der Gemeinde Osteno am Luganersee; † 1503 in Rom) war einer der bedeutendsten italienischen Bildhauer im ausgehenden 15. Jahrhundert der Frührenaissance in Rom. Er und seine Werkstatt schufen zahlreiche Altäre, Grabmäler für Kardinäle und Bischöfe, Tabernakel und Baudekor für Kirchen und Paläste, die die antike Formensprache und Ornamentik stilistisch aufnahmen. Bregno besaß eine herausragende Antikensammlung. Einige Werke befinden sich davon in den Vatikanischen Museen.

Leben mini|Perugino: Schlüsselübergabe; Porträts von Andrea Bregno und Baccio Pontelli mini|Grabmal des Andrea Bregno in Santa Maria sopra Minerva, Rom Andrea Bregno wurde im Jahre 1418 als Sohn des Cristoforo de Bregnis da Righeggia in Osteno am Luganer See, im Herzogtum Mailand, geboren. Der Beruf des Vaters von Andrea Bregno war Steinschneider, Steinmetz oder Bildhauer.Thomas Pöpper: Skulpturen für das Papsttum. Leben und Werk des Andrea Bregno. Plöttner Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-938442-86-9, S. 43. Seine Brüder Girolamo (gest. nach 1504) und Ambrogio (gest. vor 1503) ebenso deren Söhne Cristoforo und Giovanni Antonio (1503/1504 in Ferrara nachweisbar) übten das gleiche Handwerk aus. Über die Ausbildung Andreas und seinen künstlerischen Werdegang vor seiner Zeit in Rom, liegen wenig gesicherte Kenntnisse vor, aber er war sicherlich Schüler seines Vaters und Mitarbeiter seines Bruders Ambrogio in Ferrara. Er dürfte in jener lombardischen Künstlerschule ausgebildet worden sein, die auch den in Venedig zu Ruhm gelangten Antonio Rizzo hervorgebracht hatte.Lavagnino Seite 249 Bregno begab sich über Wirkungsstätten in der Toskana und Umbrien Jahren nach Rom. Über sein Aussehen gibt es ein Zeugnis: Pietro Perugino zeigt auf seinem Fresko Die Schlüsselübergabe in der Sixtinischen Kapelle bedeutende Persönlichkeiten seiner Zeit; darunter rechts den Architekten der Kapelle Baccio Pontelli mit Winkel und deren Fertigsteller Andrea Bregno mit Stechzirkel.Lavagnino, S. 249Alessandro Giobbi: Testimonianze di storia e di cronaca del Comune di Claino con Osteno. Provincia di Como. Diocesi di Milano. Edizione dell’autore, Osteno 1971, S. 104f.

In den 60er Jahren des Quattrocento langte Andrea Bregno in Rom an. Die ersten, ihm zugeschriebenen Werke sind das Grabepitaph des Kardinals Nikolaus von Kues (um 1464/65) in der Kirche San Pietro in Vincoli, sowie das Grabmal des französischen Kardinals Louis d’Albret (um 1465) in der Kirche Santa Maria in Aracoeli. Spätestens ab den 80er Jahren des 15. Jahrhunderts war er mit seiner Werkstatt am Fuße des Monte Cavallo (Quirinal) ansässig, weswegen er auch als Maestro di Montecavallo aufscheint. Ob es sich bei dieser Werkstatt um die von Paolo Romano übernommene handelt, ist nicht eindeutig belegt.

Unter Papst Sixtus IV. wurde er und seine Werkstatt zu einem der gefragtesten Bildhauer Roms. Enge geschäftliche Beziehungen dürften auch zum spanischen Klerus bestanden haben, wie die Werke für spanische Bischöfe und Kardinäle – darunter für Kardinal Rodrigo Borgia, den späteren Papst Alexander VI. und seine Lebensgefährtin Vannozza Cattanei – belegen. Monumentale Grabmäler, die von außerordentlicher Kunstfertigkeit zeugen, waren sein Markenzeichen. Darüber hinaus fertigte er Tabernakel und kleinere Retabeln für zahlreiche Auftraggeber und Kirchen an.

Er ist auch bei den für seine Zeit bedeutenden Bauwerken in Rom nachweisbar: in der Kirche Santa Maria del Popolo stammen der Hochaltar (heute in der Sakristei) sowie einige herausragende Grabmäler für Kardinäle aus seiner Werkstatt; in dem Palazzo della Cancelleria, der von Kardinal Raffaele Riario erbauten ersten Residenz im Stil der Renaissance in Rom, werden von ihm die kunstvoll gefertigte Fensterädikulen und ein Marmorerker nachweislich geschaffen. In der Inschrift am Hochaltar von Santa Maria del Popolo beklagt Andrea Bregno den Tod seines im achten Lebensjahr befindlichen Sohnes Antonio.DV ANDREAS HOC OPUS COMPONIT M A(n)TONII DILECTI PARCA REPETI INDLVIT CVSTODVM IN/CVRIA MORITVR QVI VIX(it) ANN(os) VII M(enses) VIIII D(ies) XXIIII HOR(as) X MCCCCLXXIII D XVIII OCTOBRIS Er war im Alter von 47 oder 48 Jahren Vater geworden, über weitere Nachfahren ist nichts bekannt.

In den Jahren 1481 bis 1486 ist er in Siena nachzuweisen, wo er im Dom im Auftrag des Kardinals Francesco Todeschini-Piccolomini den Piccolomini-Altar schuf. Dieser gilt als eines seiner Hauptwerke. 1490 hielt er sich nachweislich in Viterbo auf. Dass der alternde Bregno mit dem jungen Michelangelo während dessen ersten Aufenthaltes in Rom (1496–1501) in engerer Verbindung stand, ist allein durch die Tatsache belegt, dass Michelangelo 1501 den Auftrag übernahm, den Piccolomini-Altar im Dom von Siena fertigzustellen und dafür 15 Statuen anzufertigen. Im Alter von fünfundachtzig Jahren starb Bregno 1503 in Rom, wohlhabend und in hohem Ansehen. Aus seinem erhaltenen Testament ist zu entnehmen, dass er über einen umfangreichen Grund- und Immobilienbesitz verfügte, den er unter anderem seiner Frau Catherina vermachte. Ob und inwieweit verwandtschaftliche Beziehungen zu den venezianischen Bildhauern Antonio Bregno und Paolo Bregno bestanden, ist nicht erforscht.

1506 ließen seine Witwe und sein Testamentsvollstrecker Bartholomäus Bollis, der die Inschrift verfasste,G. Schütz-Rautenberg: Künstlergrabmäler des 15. und 16. Jahrhunderts in Italien, S. 67 f. in der Kirche Santa Maria sopra Minerva, ein Wandgrabmal für ihn errichten. Es ist eines der wenigen Zeugnisse eines Künstlergrabmals in Italien dieser Zeit. Gleichzeitig begründet es eine neue, für das Bürgertum repräsentative, zukünftige Bestattungsform: ein Wand-Grabmal mit Nischenportrait und antikisierenden Elementen. Wie aus den testamentarischen Dokumenten hervorgeht, hatte Bregno das Grabmal für sich selbst entworfen.Thomas Pöpper: Skulpturen für das Papsttum. Leben und Werk des Andrea Bregno. Plöttner Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-938442-86-9, S. 274 f. Die Ausführung wird Luigi Capponi zugeschrieben. Die InschriftD.O.M ANDREAE BREGNO EX OSTEN AGRI COMENS / STATVARIO CELEBERIMO COGNOMENTO / POLYCLETO QVI PRIMVS CELANDI ARTEM / ABOLITAM AD EXEMPLAR MAYOR IN VSVM / EXERCITATIONEMQ REVOCAVIT / VIX AN LXXXV M.V D.VI bezeichnet ihn als hochberühmten Bildhauer, vergleichbar mit Polyklet und als den, der die in Vergessenheit geratene ars celandiars celandi artem: die Kunst, das Handwerk hinter dem künstlerischen Ausdruck zu verbergen wieder in Verwendung brachte. Sein Alter ist mit 85 Jahren, 5 Monaten und 6 Tagen angegeben. Bemerkenswert und für die Zeit sehr selten ist die Darstellung der berufsspezifischen Handwerkszeuge – Stechzirkel, Winkel und Lot der Steinbildhauer und Architekten. Vorbilder finden sich bei antik-römischen Grabsteinen und nur noch auf der Grabplatte des Künstlers Giotto im Dom von Florenz.

Werke Der großen Anzahl an Marmorarbeiten, die dem Andrea Bregno zugeschrieben werden, steht ein eklatanter Mangel an zuverlässigen Informationen und Archivmaterial, was die Urheberschaft anlangt, gegenüber. Das Werk Andrea Bregnos ist komplexer und schwieriger zu beurteilen als dasjenige anderer gleichzeitig in Rom tätiger Künstler. Er scheint einen Werkstattbetrieb mit Gehilfen unterschiedlicher Handschrift unterhalten und außerdem zahlreiche bisher anonym gebliebene Nachahmer gefunden zu haben.Kühlenthal Bregno wurde vielfach auch als Großunternehmer gesehen: Ein großer Teil der Aufträge für Skulpturen, Grabmonumente, Altäre, Tabernakel und Bauplastik in der zweiten Hälfte des 15. Jhd. lag in Händen der Werkstatt des Andrea Bregno, des Steinmetzen aus Osteno.Giovanni Agosti: Michelangelo e i Lombardi, a Roma. In Rom, wo die meisten seiner Werke zu finden sind, gibt es nur ein einziges, das als seines gekennzeichnet ist.das Altarretabel in der Santa Maria del Popolo Von einer, Andrea Bregno zugeschriebenen Entwurfszeichnung für den Hochaltar der Kirche San Lorenzo in Damaso wird geschlossen, dass Bregno seine Werke selbst entworfen hat.Francesco Caglioti Je nach Quelle werden einzelne Werke Andrea Bregno selbst, seiner Schule, seiner Werkstatt, Nachahmern oder ihm, gemeinsam mit zeitweise in Rom arbeitenden Künstlern wie Mino da Fiesole, Giovanni Dalmata oder Luigi Capponi zugeschrieben. Vielfach werden Werke einem, nicht genau definierten, Begriff „Bregno-Kreis“ zugeordnet.

Grabmonumente und Epitaphien mini|Grabmonument für Kardinal Louis D'Albret mini|Grabmonument für Kardinal Cristoforo della Rovere In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts hatte das Unternehmen Andrea Bregno nahezu ein Monopol auf die Herstellung von Grabmonumenten für hohe kirchliche Würdenträger in zahlreichen Kirchen Roms. Der größte Teil dieser Monumente wurde nicht alleine von Meister Andrea, sondern nach seinen Entwürfen gemeinsam mit Mitarbeitern seiner Werkstatt ausgeführt, unter anderem mit Giovanni de Larigo, aber auch in Zusammenarbeit mit einer Reihe von namhaften und zeitweise in Rom tätigen Bildhauern. Eine genaue Zuordnung und Datierung (die in der Folge angeführten Jahreszahlen sind durchwegs die Todesjahre der Dargestellten) ist mangels Dokumentation, in den meisten Fällen nur anhand stilistischer Kriterien möglich. Dass einige Monumente erst nach dem Tode Bregnos (1503) datieren, lässt schließen, dass die Werkstatt Bregnos nach seinem Tod von seinem Partner Giovanni da Larigo und/oder Luigi Capponi weiter betrieben wurde. Epitaph für Kardinal Nicolaus Cusanus;(1465); San Pietro in Vincoli, Rom. Eine der ersten Arbeiten Andrea Bregnos in Rom.Inschrift auf der Tabula ansata: QVI IACET ANTE TVAS NICOLAVS PETRE CATHENAS / HOC OPVS EREXIT CETERA MARMOR HABET / MCCCCLXV. Inschrift auf der Grabplatte: „Nicolaus von Kusa aus Trier, Kardinal von San Pietro in Vincoli, Bischof von Brixen starb in Todi am 11. August 1465. Er wurde 63 Jahre alt.“ Grabmonument für Kardinal Astorgio Agnesi († 1451); Santa Maria sopra Minerva (Kreuzgang), Rom. Pius-Meister oder Umfeld des Andrea Bregno Grabmonument für Kardinal Ludovico Trevisan Scarampo (1465); San Lorenzo in Damaso, Rom. Dem Bregno-Kreis oder/und Paolo Romano zugeschrieben. Grabmonument für Kardinal Louis D'Albret/Lebretto (um 1465); Santa Maria in Aracoeli, Rom; Dieses Grabmal gilt in formaler und gestalterischer Hinsicht als Muster für die weitere von Andrea Bregno geschaffenen Grabmäler. Grabmonument für Kardinal Domenico Capranica (1466); Santa Maria sopra Minerva, Rom. Andrea Bregno zugeschrieben Grabmonument für Kardinal Giacomo Tebaldi (1466); Santa Maria sopra Minerva, Rom. Andrea Bregno und Giovanni Dalmata Grabmonument für Kardinal Alain de Coëtivy/Alano (1474); Santa Prassede, Rom. Zuschreibung: Bregno-Kreis Grabmonument für Kardinal Bartolomeo Roverella (1476); San Clemente, Rom. Andrea Bregno und Giovanni Dalmata Grabmonument für Kardinal Raffaele della Rovere (1477); Basilika Santi XII Apostoli (Krypta), Rom. Wird Andrea Bregno alleine zugeschrieben. Grabmonument für Bischof Juan Diaz de Coca (1477); Santa Maria sopra Minerva (Cappella Raimondo di Peñafort), Rom. Andrea Bregno und Schule; die Fresken von Melozzo da Forlì und Antoniazzo Romano Grabmonument für Kardinal Pietro Riario (1477); Basilika Santi XII Apostoli (Chor), Rom. Andrea Bregno gemeinsam mit Mino da Fiesole Grabmal für Kardinal Pietro Ferrici (1478); Santa Maria sopra Minerva (Kreuzgang), Rom. Andrea Bregno Grabmonument für Kardinal Philippe de Levis und Eustache de Levis (1478–1490); Santa Maria Maggiore, Rom. Zuschreibung: Andrea Bregno Grabmonument für Kardinal Jacopo Ammanati-Piccolomini († 1479); Sant’Agostino (ehemaliger Kreuzgang), Rom. Andrea Bregno gemeinsam mit Mino da Fiesole Grabmonument der Costanza Ammanati († 1477); Sant’Agostino (ehemaliger Kreuzgang), Rom. Andrea Bregno und Werkstatt