Der Katholische Akademikerverband e. V. ist ein europaweit tätiger Zusammenschluss katholischer Hochschulabsolventen. Dessen Vorläufer war der 1913 gegründete Verband der Vereine katholischer Akademiker zur Pflege der katholischen Weltanschauung.

Geschichte Deutschland Katholische Akademiker gründeten ab 1909 zahlreiche örtliche Vereinigungen, die sich „Verein akademisch gebildeter Katholiken“ oder „Vereinigung akademisch gebildeter Katholiken“ nanntenKatholischer Akademikerverband Ruhr: Kurzgeschichte des Katholischen Akademikerverbands Ruhr (KAR), abgerufen am 13. Mai 2026. oder – so in Köln – „Verein akademisch gebildeter Katholiken zur Pflege der christlichen Weltanschauung“.Art. Philosophie der Geschichte. In: Literarischer Handweiser, Jg. 1910, Sp. 655–656. Dieter Langewiesche übernahm in seinem Beitrag „Volksbildung“ und „Leserlenkung“ in Deutschland von der wilhelminischen Ära bis zur nationalsozialistischen Diktatur die Bezeichnung „Verein akademisch gebildeter Katholiken zur Pflege der christlichen Weltanschauung“, die für einzelne Ortsgruppen galt, irrtümlich als Namen des Gesamtverbandes (online), dort Fußnote 33, abgerufen am 13. Mai 2026.

Auf dem Aachener Katholikentag 1912 wurde die Forderung laut, die Ortsgruppen zu einem Gesamtverband zusammenzuschließen. So ging 1913 aus den Ortsvereinen Bonn, Bremen, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Kleve und Köln der Verband der Vereine katholischer Akademiker zur Pflege der katholischen Weltanschauung hervor.Art. Katholischer Akademikerverband. In: Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917–1929), 29. Januar 2018 (online, abgerufen am 13. Mai 2026). Dessen erster Präsident war der Kölner Carl Gussone. Sekretär (ab 1916: Generalsekretär) war von 1913 bis 1938 Franz Xaver Münch.Andreas Burtscheidt: Franz Xaver Münch. Katholischer Priester, Generalsekretär des Katholischen Akademikerverbandes Deutschlands (1883–1940) im Portal Rheinische Geschichte, 24. April 2020, abgerufen am 13. Mai 2026.

Die lange Bezeichnung Verband der Vereine katholischer Akademiker zur Pflege der katholischen Weltanschauung wurde 1928 zu Katholischer Akademikerverband Deutschland (abgekürzt KAV) vereinfacht.

Dem Verband eng verbunden waren unter anderem Abt Ildefons Herwegen, Alois Dempf, Robert Schumann, Heinrich Brüning, Paul Simon und Johannes Pinsk.Vanessa Conze: Das Europa der Deutschen. Ideen von Europa in Deutschland zwischen Reichstradition und Westorientierung (1920–1970). Der Katholische Akademikerverband, ISBN 3-486-57757-3, S. 51–56 (online).

Mit der theologischen Fakultät des Erzbischöflichen Stuhls in Salzburg, der deutschsprachigen Benediktinerkonföderation und der Görres-Gesellschaft veranstaltete der KAV erstmals vom 3. bis zum 22. August 1931 die Salzburger Hochschulwochen (SHW), auch als universitas catholica in nuce bezeichnet. Anschließend kam es zum Zerwürfnis mit der Görres-Gesellschaft, die zu diesem Zeitpunkt von Heinrich Finke präsidial geführt wurde. 1935 war der Verband auf etwa 11.000 Mitglieder angewachsen.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme bekannte sich die Verbandsführung 1933 zum neuen Staat.Dagmar Pöpping: Abendland. Christliche Akademiker und die Utopie der Antimoderne 1900–1945, Berlin 2002, S. 171–182. Doch bald erkannte mehr und mehr KAV-Mitglieder die Unvereinbarkeit des Christentums mit dem Nationalsozialismus.Guido Müller: Der „Katholische Akademikerverband“ im Übergang von der Weimarer Republik ins „Dritte Reich“. In: Dieter Breuer, Gertrude Cepl-Kaufmann (Hrsg.): Moderne und Nationalsozialismus im Rheinland. Vorträge des Interdisziplinären Arbeitskreises zur Erforschung der Moderne im Rheinland. Schöningh, Paderborn 1997, S. 551–576, hier S. 559. Die NS-Behörden verboten den KAV am 21. Dezember 1938 und lösten ihn auf.Rudolf Morsey: Görres-Gesellschaft und NS-Diktatur. Die Geschichte der Görres-Gesellschaft bis zum Verbot 1941. Schöningh, Paderborn 2002, ISBN 3-506-75779-2, S. 189.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Verband 1947 in Mülheim an der Ruhr neu gegründet. Als Sitz wurde Marl gewählt. Zuletzt hatte er die kirchenrechtlichen Form eines privaten Vereins (lateinisch: consociatio privata) von Gläubigen gemäß c. 299 CIC. 1996 wurde der KAV zur Unterscheidung vom österreichischen Schwesterverband in Katholischer Akademieverband Deutschlands (KAVD) umbenannt.

Im Juni 2014 beschloss die Generalversammlung des KAV, zum Jahresende 2014 dessen überdiözesane Tätigkeit einzustellen. Zum selben Datum löste der Verband seine Strukturen auf.KAV: Als Grund wurde der Mitgliederrückgang und der damit verbundene Verlust an Beitragsmitteln genannt. In den Diözesen soll die regionale Arbeit fortgesetzt werden.

Österreich 1947 gründete Monsignore Otto Mauer den Katholischen Akademiker/innenverband der Erzdiözese Wien (KAV), deren Geistlicher Assistent er war. Otto Schulmeister, Erika Weinzierl, Ferdinand Klostermann und Markus Bittner zählten zu den ersten Mitgliedern und die Zeitschrift Wort und Wahrheit war ihr Sprachrohr. 2006 erfolgte die Umbenennung in „Forum Zeit und Glaube / Katholischer Akademiker/innenverband Wien“. Helmut Schüller ist gegenwärtig sein Geistlicher Assistent.

Der KAV existiert außerdem in den Diözesen Eisenstadt, St. Pölten, Gurk-Klagenfurt, Graz-Seckau (Forum Glaube Wissenschaft Kunst), Linz (Forum St. Severin), Salzburg und als Dachverband Katholischer Akademiker/innenverband Österreich, der Herausgeber der Zeitschrift Quart ist. Als Laienorganisation mit ca. 1.500 Mitgliedern ist der KAV eine Gliederung der Katholischen Aktion.

Veröffentlichungen Von 1921 bis 1927 erschienen als Mitgliederzeitschrift die Mitteilungen des Verbandes der Vereine katholischer Akademiker zur Pflege der katholischen Weltanschauung.Art. Mitteilungen des Verbandes der Vereine katholischer Akademiker zur Pflege der katholischen Weltanschauung im Romano-Guardini-Handbuch, abgerufen am 13. Mai 2026. Infolge der Umbenennung des Verbandes 1928 wurden daraus die Mitteilungen des Katholischen Akademikerverbandes. Bereits mit dem Heft 19 desselben Jahrganges änderte die Zeitschrift erneut ihren Titel und hieß fortan Der katholische Gedanke.Zeitschriftendatenbank: Mitteilungen des Katholischen Akademikerverbandes Mit dem neuen Titel sollte verdeutlicht werden, dass sich die Vierteljahresschrift nicht nur an die Verbandsmitglieder wandte. Die NS-Behörden verboten die Zeitschrift nach dem Erscheinen des ersten Heftes des Jahrgangs 1939.Zeitschriftendatenbank: Der katholische Gedanke. Eine Vierteljahresschrift

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab der Verband ab 1950 das Jahrbuch des Katholischen Akademikerverbandes heraus. Ab 1956 erschien wieder die Zeitschrift Der katholische Gedanke. Sie wurde 1976 in Renovatio. Zeitschrift für das interdisziplinäre Gespräch umbenannt. Zum Jahresende 2014 wurde sie eingestellt.

Neben der Zeitschrift veröffentlichte der Katholische Akademikerverband Buchreihen und Vorträge. Er war zeitweise Mitherausgeber der Edition der Summa theologica (Deutsche Thomas-Ausgabe).

Literatur in der Reihenfolge des Erscheinens Vincent Berning: Die Begründung des Katholischen Akademikerverbandes. Geistesgeschichtliche Voraussetzungen und Wirkungen im deutschen Katholizismus. In der Zeitschrift Renovatio. Zeitschrift für das interdisziplinäre Gespräch, Jg. 49 (1993), S. 189–200. Heribert Hallermann: Das Bild des Akademikers ist unscharf geworden. Wie zugkräftig ist der Katholische Akademikerverband? In: Renovatio. Zeitschrift für das interdisziplinäre Gespräch, Jg. 52 (1996) S. 219–230. Guido Müller: Katholische Akademiker in der Krise der Moderne. Die Entstehung des Katholischen Akademikerverbands im wilhelminischen Deutschland zwischen bildungsbürgerlichen Reformbewegungen und Laienapostolat. In: Michael Graetz, Aram Mattioli (Hrsg.): Krisenwahrnehmungen im Fin de siècle. Jüdische und katholische Bildungseliten in Deutschland und der Schweiz. Chronos-Verlag, Zürich 1997, ISBN 3-905312-39-5, S. 285–300. Guido Müller: Der „Katholische Akademikerverband“ im Übergang von der Weimarer Republik ins „Dritte Reich“. In: Dieter Breuer, Gertrude Cepl-Kaufmann (Hrsg.): Moderne und Nationalsozialismus im Rheinland. Vorträge des Interdisziplinären Arbeitskreises zur Erforschung der Moderne im Rheinland. Schöningh, Paderborn 1997, ISBN 3-506-71550-X, S. 551–576. Rudolf Morsey: Die Görres Gesellschaft und der Katholische Akademikerverband in der Weimarer Republik. Ein ungelöstes Spannungsverhältnis. In: Jahres- und Tagungsbericht der Görres-Gesellschaft, Jg. 2006, S. 61–117; Wiederabdruck in: Rudolf Morsey: Die Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft. Streiflichter zu ihrer Geschichte. Schöningh, Paderborn 2009, ISBN 978-3-506-76795-0, S. 161–211. Jessica Lammerse: Der Katholische Akademikerverband als Teil des Katholischen Milieus in Deutschland. Historische Darstellung unter besonderer Berücksichtigung der Ortsvereinigung Essen von ihren Anfängen bis in die 1970er Jahre. Lit, Münster 2007, ISBN 978-3-8258-0222-6. Marcel Albert: „Zwecks wirksamer Verteidigung und Vertretung der katholischen Weltanschauung“. Der Katholische Akademikerverband 1913–1938/39 (= Libelli Rhenani. Schriften der Erzbischöflichen Diözesan- und Dombibliothek zur rheinischen Kirchen- und Landesgeschichte sowie zur Buch- und Bibliotheksgeschichte, Band 35). Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Köln 2010, ISBN 978-3-939160-25-0.

Weblinks Ehemalige Webpräsenz des Katholischen Akademikerverbands Deutschland, archiviert vom Original im Internet Archive am 1. Juli 2014 Katholischer Akademikerverband Österreich

Einzelnachweise

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