Bruchhausen ist ein Stadtteil der Stadt Arnsberg im Hochsauerlandkreis mit 3148 Einwohnern.
Lage Bruchhausen liegt im Tal der Ruhr. Südöstlich grenzt der Ort an den Stadtteil Niedereimer und nordwestlich an den Stadtteil Hüsten. Nordöstlich des Ortes führt die Autobahn A 46 (gleichzeitig B 7) vorbei, dahinter liegt der Naturpark Arnsberger Wald. Südwestlich trennt der Tempelberg den Ort vom Stadtteil Müschede. Nördlich liegt das Landschaftsschutzgebiet Bruchhausen.
Geschichte
Vorgeschichte Für die Geschichtsschreibung bedeutende Ereignisse, die im Ort stattfanden, sind nicht überliefert. Auch über bedeutende Bodenfunde gibt es keine Nachweise.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke, Bruchhausen/Ruhr, Strobel Druck Arnsberg 1984 Seite 51
Geschichte im Mittelalter und Frühen Neuzeit mini|Katholische Kirche in Bruchhausen Eine erste schriftliche Erwähnung findet Bruchhausen 1295 als Sitz eines Ministralengeschlechts der Grafen von Arnsberg genannt. Zu deren Besitz gehörten mehrere Höfe. Nach dem Aussterben des auch namensgebenden Geschlechts von Brockhusen wechselten sich verschiedene Geschlechter ab, ehe der Komplex schließlich in den Besitz der Familie von Fürstenberg überging. Der Hof Bruchhausen befand sich etwa in dem Gebiet des Sportzentrums Große Wiese bis zur Lindenstraße. Das ehemalige Rittergut befand sich hinter dem Sportzentrum, das Pförtnerhaus bei der alten Försterei. Daneben gab es einen weiteren Hof, der den Kölner Kurfürsten lehnspflichtig war. Dieser Hof stand westlich vom Hof Bruchhausen, das Gebiet gehörte in neuerer Zeit zur Freiheit Hüsten.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke, Bruchhausen/Ruhr, Strobel Druck Arnsberg 1984 Seite 165 Eine weitere Siedlungsstelle Lüttkebruchhausen wurde während der Soester Fehde 1444/45 zerstört und nicht mehr wiederbesiedelt. In einer Aufzeichnung des Soester Sekretärs v. d. Laken wird berichtet, dass die Soester bei einem Raubzug wunne de stenen Warden, twe Hoveluide Wohnungen Brochusen und Varnagen, plünderden was dair was und verbrannten se do yn Grunt (gewannen die steinernen Warten, die Wohnungen zweier Hofleute, Bruchhausen und Varnhagen, plünderten was da war und verbrannten sie bis auf den Grund). Es wurden auch landwirtschaftliche Gerätschaften und Vieh geraubt.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke, Bruchhausen/Ruhr, Strobel Druck Arnsberg 1984 Seite 171 Die Wüstung lag am rechten Ufer der Ruhr, oberhalb von Bruchhausen gegenüber der Freiheit Hüsten. Die Höfe waren von den Grafen von Arnsberg an Godescalcus de Brochusen und Bernardus dictus Wulf verlehnt. Den Haupthof, die Curtis Wagenburg besaßen die Edelherren von Ardey.
Um 1450 soll der damalige Pfarrer von Hüsten (von seiner Herkunft her der Sohn des Bürgermeisters von Soest) zur Sühne für die während der Kämpfe begangenen Gräueltaten die Kapelle zu Rodentelgen erbauen lassen. Nachdem diese von einer Flut der Ruhr zerstört worden war, wurde sie 1464 neu errichtet. In fünf Bauschritten wurde die Kapelle in den folgenden Jahrhunderten immer wieder erweitert. Zu dieser Kapelle gehörte eine Einsiedelei. In einer Abhandlung in den Blättern zur näheren Kunde Westfalens wird noch 1839 über die Kapelle berichtet: Sie steht zwischen Arnsberg und Hüsten in der Nähe des Dorfes Bruchhausen.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke, Bruchhausen/Ruhr, Strobel Druck Arnsberg 1984, Seite 162 Eine eigene Feldmark besaß Bruchhausen nicht, allerdings waren einige Bauern an der Mark in Hüsten beteiligt.
Entwicklung seit der Industrialisierung Mit dem Aufschwung der Industrie im benachbarten Hüsten wandelte sich die Sozial- und Wirtschaftsstruktur von Bruchhausen von einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde hin zu einem Industrieort. Bis dahin war die Klosfuhr der Mittelpunkt der Siedlung, das Gelände war nicht hochwassergefährdet und es gab genügend Ausdehnungsmöglichkeiten. Wegen der Ansiedlung der Industrie verschob sich der Ortsmittelpunkt in Richtung Arnsberger Straße und Krellstraße, von hier aus waren die gewerblichen Arbeitsplätze besser zu erreichen.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke, Bruchhausen/Ruhr, Strobel Druck Arnsberg 1984, Seite 211 Nach 1870 wurde direkt an der Ruhr ein Walzwerk als Tochterbetrieb der Hüstener Gewerkschaft angelegt. Hinzu kam vom selben Betreiber eine chemische Holzverkohlungsanlage. Während das Walzwerk in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts stillgelegt wurde, blieb die Holzverkohlungsanlage als chemische Fabrik mit anderen Produktionsschwerpunkten bestehen. Lange Zeit war die Fabrik im Besitz der Degussa, ehe die schwedische Firma Perstorp den Betrieb übernahm.
Bauentwicklung Die Hüttenwerke bauten um 1890 an der Werkstraße Häuser aus Stein für ihre Beschäftigten. Bis dahin war das Aussehen des Ortes von Fachwerkhäusern geprägt. Diese steinernen Doppelhäuser standen eng aneinandergereiht. Wegen eines Weges an der Rückseite der Gebäude konnten keine Gärten angelegt werden, so wurden Flächen zur Bewirtschaftung mit Gartenbau und Viehhaltung auf der anderen Straßenseite geschaffen. An der Arnsberger Straße bauten in der Zeit von etwa 1900 bis 1920 Privatleute individuelle Privathäuser, die sich von den monotonen Werkshäusern stark unterschieden und die auch das Siedlungsgebiet stark verdichteten. Auch diese neuen Häuser besaßen überwiegend Ställe und Gärten. Die Verbindung zwischen dem neuen und alten Siedlungsgebiet stellten die vor dem Ersten Weltkrieg errichteten Häuser an der Klausenstraße her. Hier fallen besonders die vorne liegenden Eingänge und Vorgärten auf. Diese Häuser wurden von den Industriemeistern und industriellen Facharbeitern gebaut. Die HIAG ließ für ihre Angestellten nach 1920 an der Kettlerstraße Doppelhäuser bauen. Sie besaßen einen Erker, eine große Fensterfront für freien Blick in das Ruhrtal und großzügige Treppenanlagen. Die später gebauten dreigeschossigen Häuser für die Arbeiter der Hüttenwerke hatten keine Vorgärten und Stallungen und waren für zehn bis zwölf Familien ausgelegt. Die Siedlung Rahnsberg gehörte bis 1960 zu Hüsten, hier wurden bis kurz vor dem Ausbruch des Krieges zwölf Einfamilienhäuser als geschlossene Blocksiedlung angelegt. Die Siedler, überwiegend kinderreiche Familien, mussten sich an der Rodung des Geländes beteiligen. Das Siedlungsgelände Rahnsberg wurde 1960 im Tausch gegen das Gelände am Klosfuhr von Hüsten nach Bruchhausen eingemeindet.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke, Bruchhausen/Ruhr, Strobel Druck Arnsberg 1984, Seite 213
Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg Die erste Sonnenwendfeier wurde 1933 abgehalten, um die deutsche Jugend zur Verbundenheit mit Natur und Heimat, Volk und Vaterland zu führen. Unter Führung der HJ versammelten sich alle Vereine und die Jugend an der Schule, ein Fackelzug ging zum Flussufer. Eine Protestkundgebung gegen den Schandvertrag von Versailles fand am 30. Juni 1933 statt. Es wurden Reden gehalten und das Deutschland- und Horst-Wessel-Lied gesungen. Die Zentrumspartei ging bei den Wahlen im Jahr 1933 als stärkste Kraft hervor. Der Gemeindevorsteher Schulte wurde noch einmal in seinem Amt bestätigt, später allerdings von Bösterling abgelöst. Während des Dritten Reiches waren auch in diesem Ort deutliche Tendenzen zum Nationalsozialismus zu erkennen. In Zeitungsberichten aus dem Jahr 1934 ist die Einflussnahme der NSDAP zu erkennen und eine sanfte Ausübung von Druck auf die Einwohner. Eine Gleichschaltung aller Vereine erfolgte 1935, nur noch Menschen mit nachgewiesener arischer Abstammung war die Mitgliedschaft erlaubt. Um das deutsche Volksbewusstsein zu stärken, wurde nicht mehr zum reinen Vergnügen gesungen, sondern nach der verordneten Mustersatzung. Die gewählten Vorstände der Vereine wurden zu Vereinsführern ernannt. In der Folgezeit wurden die Sitzungen des Gemeinderates mit einem dreifachen Sieg Heil eröffnet.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke, Bruchhausen/Ruhr, Strobel Druck Arnsberg 1984, Seiten 83 und 84 Der Bürgermeister fasste im September 1935 den Beschluss, den Zuzug von Juden in die Gemeinde Bruchhausen sowie den Erwerb von Grundstücken von Juden nicht mehr zu gestatten, da verlautbart wurde, daß eine sittlich nicht einwandfreie jüdische Person ihren Einzug in die Gemeinde Bruchhausen halten wollte.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke, Bruchhausen/Ruhr, Strobel Druck Arnsberg 1984, Seite 83 Die Gemeinde erreichte 1937 durch zielbewusste und sparsame Wirtschaftsführung ihre Schuldenfreiheit. Im selben Jahr wurde mit der Errichtung eines Wasserwerkes begonnen, die Ruhrstraße kanalisiert und weitere Straßen repariert. Der Landrat Teipel nahm am Festzug zum Erntedankfest teil. Der Trinkwassermangel der vergangenen Zeit wurde 1938 durch die Fertigstellung des Wasserwerkes beendet. Der Reichsarbeitsdienst forcierte den Ausbau des Siedlungsgeländes am Rahnsberg. Das Walzwerk schloss 1939 seine Pforten, die hier beschäftigten Arbeiter konnten im Zweigwerk in Hüsten beschäftigt werden. Der Bau einer Badeanstalt und eines großen Heimes für die HJ wurde geplant. Mit Rundschreiben wurden die Vereinsmitglieder und deren Ehepartner aufgefordert, einen Ariernachweis zu erbringen.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke, Bruchhausen/Ruhr, Strobel Druck Arnsberg 1984, Seite 83 bis 86 Am 22. Februar 1945 wurde der Ort bombardiert. Die Kirche und das Haus des Pastors wurden teilweise zerstört, zwei Personen starben. Am 10. April 1945 nahmen amerikanische Truppen Bruchhausen ein.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke, Bruchhausen/Ruhr, Strobel Druck Arnsberg 1984, Seiten 86 bis 92
Nachkriegszeit In den ersten Tagen der Besatzung durch die Amerikaner gab es erhebliche Probleme mit überwiegend polnischen Zwangsarbeitern, die während des Krieges nach hier verschleppt worden waren. Die befreiten Arbeiter stahlen und plünderten Lebensmittel und Wertsachen. Zwischen den Einheimischen und Polen kam es zu Übergriffen und Schlägereien. Die Amerikaner blieben nur kurz im Ort, sie wurden durch die Britische Rheinarmee abgelöst. Die erste Gemeinderatssitzung nach dem Krieg fand am 9. Januar 1949 unter Leitung des Bürgermeisters Josef Schumacher statt. Die Militärregierung hatte diesen Gemeinderat eingesetzt, da nach deren Ansicht in diesem unorganisierten Zustand, Wahlen noch nicht möglich sind. In den Jahren nach dem Krieg herrschte Mangel an Nahrungsmitteln und an Wohnraum, die Nahrungsversorgung wurde mit Lebensmittelkarten geregelt, für die das Kreisernährungsamt in Arnsberg zuständig war. Die Erträge aus den eigenen Gärten dienten zum Tauschhandel mit Menschen in der Umgebung, der Schwarzmarkt blühte. Eine große Anzahl von Evakuierten und Flüchtlingen musste untergebracht werden, in einer Wohnbaracke der Honselwerke fanden 85 Menschen auf engstem Raum eine Unterkunft. Trotz Einführung der DM am 20. Juni 1948 gab es noch bis 1950 Lebensmittelkarten und Wohnraumbewirtschaftung.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke, Bruchhausen/Ruhr, Strobel Druck Arnsberg 1984, Seiten 92 bis 98 Um 1953 entstanden die Siedlungen Im Brauk und Ruhrkamp, deren Bau durch den Zuzug von Kriegsflüchtlingen notwendig wurde, als Bauträger fungierten gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften. Es wurden ein- und eineinhalbgeschossige Einfamilienhäuser errichtet. Durch einen annähernd gleichen Grundriss wurde der Charakter einer geschlossenen Siedlung erreicht. Zu Beginn der 1960er Jahre entstanden in der Nähe der Arnsberger Straße sechs Mietshäuser für je sechs Familien, in den Untergeschossen war Platz für Geschäftslokale. Auf die Anlage von Grünflächen wurde verzichtet.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke, Bruchhausen/Ruhr, Strobel Druck Arnsberg 1984, S. 216–218 Durch die verkehrsgünstige Lage entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg sowohl Richtung Niedereimer als auch in Richtung Hüsten große Gewerbegebiete. Von Bedeutung sind etwa das ehemalige Duropalwerk, das heute zur Pfleiderergruppe gehört, sowie die Firma Interprint.
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