Die Grube Bautenberg (auch Baudenberg) war eine Eisenerzgrube bei Wilden (Gemeinde Wilnsdorf) im südlichen Siegerland. Die Grube lag auf dem hohen Bautenberg zwischen Wilden, Zeppenfeld und Gilsbach und war mit über 1000 m zugleich eine der tieferen und besonders seit dem industriellen Aufschwung ab 1862 eine der wichtigeren Gruben der Umgebung.
Gangmittel Die Gangmittel der Grube gehören zu einer Erzgang-Linie, die im Norden von der Grube Landeskrone bis im Süden zur Peterszeche reicht. Über 700 m erstrecken sich die Erzgänge des Bautenbergs.
Etwa 50 m westlich des ersten Maschinenschachtes befand sich der Erzgang, der nach Südosten hin auslief, anschließend der Salzgang, der ebenfalls leicht nach Südosten hin verlief und dort breiter wurde. Die Mächtigkeit der Gänge wuchs von oben mit 1–2 m mächtigem Brauneisenstein mit zunehmender Teufe auf bis zu 12 m mächtigem reinem Spateisenstein an. Die Ausfüllungsmasse wurde ergänzt durch Glanz- und Tonschiefer mit Quarzschnüren und Spatbrocken. Zwischen den Gängen setzten Ausscheidungen von Blei- und Zinkerzen ein. Auf der Höhe des Tiefen Stollens (40 m über Talsohle) war die Gangfläche der Erzlagerstätten etwa 720 m² groß, während sie sich in der Teufe (480 m) auf etwa 1600 m² vergrößerte. Die Größenordnung von ca. 1000–1200 m² behielt die Gangfläche bis zur 720-m-Sohle (16. Sohle) fort. Erst mit weiterer Tiefe nahm sie langsam ab (700 m² auf den tieferen Sohlen, 580 m² auf der 970-m-Sohle).
Östlich des Salzganges lag der Gang Neue Hoffnung, der Spateisenstein mit Kupferkies, Blei-, Zinkerzen und vereinzelt auch Federerz und Nickelantimonglanz führte und dahinter der Liegende Gang. Er war in den oberen Teufen bis zu 8 m mächtig, verringerte sich mit zunehmender Teufe aber auf 1,5 m. Südlich schloss sich der Hangende Gang an.
50–100 m südlich tat sich der breite Schöneberger Gang auf, die Siderit-Mächtigkeit betrug hier 1–4 m. In oberen Teufen war der Gang in zwei Trümer geteilt. Etwa 150 m südlich lag der Poppelszecher Gang. Er hatte Mächtigkeiten von 1–3 m bei einer abbauwürdigen Länge von 60–90 m. Geführt wurden Brauneisenerz und mit Bleierzen durchwachsener Spateisenstein. Unterhalb der 770-m-Sohle nahm die Verquarzung des Ganges stark zu, auf 1020 m betrug die Länge des Ganges ca. 120 m bei einer Mächtigkeit von maximal 3 m, allerdings stark mit Quarz verbaut und somit nur noch wenig abbauwürdig.
Gelände und Übertageanlagen rahmenlos|hochkant=2|links Das Grubenbild der Übertageanlagen teilte sich in drei Bereiche auf: den größten Teil im Sterzenbachtal, etwa 600 m südöstlich davon und davon 700 m südlich. Die ersten Anlagen befanden sich im Sterzenbachtal. Im letzten Stand der Grube lag dort der Gleisanschluss an die Freien Grunder Eisenbahn mit Verladebahnhof in der Mitte der Anlagen. Südlich davon befanden sich mehrere Wohnhäuser, die Schlosserei und direkt im Anschluss ein Teil der Rostöfen der Grube. Nördlich lagen weitere Öfen sowie die Schreinerei und eine Kläranlage. Östlich des Bahnhofs wurde das Erz aus dem Stollen gefördert. Dort befanden sich eine Aufbereitung und der Anfang einer Schleppbahn, die zum 1869 angefangenen Alten Schacht führte. Dieser lag knapp 600 m südöstlich, weiter den Hang des Bautenbergs hinauf. Von dort aus führte eine weitere Bahn nach Süden zum Neuen oder Lorenzschacht, der 1899 angelegt wurde. Neben einzelnen bis heute erhaltenen Gebäuden (Wohnhäuser, Zechengebäude) auf dem ehemaligen Grubengelände findet sich am westlichen Ortsausgang von Wilden noch die ehemalige Direktorenvilla.
Geschichte Alter und Bedeutung Die Geschichte des Bergbaus im Siegerland reicht zwar schon 2.500 Jahre zurück, trotzdem war die Grube Bautenberg eine der älteren der Region. In einer Steuerliste von 1461 wurde im nahen Rinsdorf ein „Heynman von dem Budenberg“ erwähnt;Siehe Philippi, F.: Siegener Urkundenbuch II, S. 215. diese Ortsangabe könnte sich aber auch auf den Flurnamen „Büdenberg“ bei Wilnsdorf beziehenSiehe Dango, F.: Wilnsdorf, Geschichte und Landschaft, Wilnsdorf 1955, S. 351 und die Flurkarte im Anhang. und über einen Bergbau am Bautenberg sagt dieser Namen gar nichts aus.
In früheren Jahrhunderten war besonders das Silber- und Bleivorkommen des Bautenbergs von Interesse. Im September 1587 berichtete man an den Landgrafen Wilhelm IV von Hessen über Erzproben „am Bodenbergk im Freien grund“ mit einem Silbergehalt von 4,5 Lot.Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 171 Nr. B 164 a, Blatt 179 recto. Diese Quelle wird auch zitiert bei Schubert, H.: Die Bemühungen des Grafen Johann des Älteren von Nassau um die Hebung des Bergbaues, aus: Siegerland 20 (1938), S. 51, wo allerdings fälschlich die Archivdaten als „171 B 164 c“ bezeichnet werden. Korrekt ist „171 B 164 a“. 1722 bat der Grubensteiger des „Bleybergwercks im Baudenberg“ um Erlaubnis zum Bau eines Pochwerks um „das Silber von Bley zu scheiden“Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen E 601 / Freier Grund Sel- und Burbach, Nr. A 191, Bild 61 recto.. Der Freiherr von Fleischbein in HainchenGemeint sein dürfte Johann Friedrich von Fleischbein (1700?–1774); zu ihm siehe Religion in Geschichte und Gegenwart, Band 3, 4. Auflage 2008, S. 159. beklagte sich aber 1727, dass das Bleipochwerk im Quellbereich des Wildenbachs bei Wiebelhausen wieder abgerissen werden sollteLandesarchiv NRW Abteilung Westfalen E 601 / Freier Grund Sel- und Burbach, Nr. A 191, Blatt 71 und 72..
Am Bautenberg wurde das Erz zuerst oberirdisch durch Abgraben und Tagesschachte gefördert, später dann durch den oberen Stollen (auf 418 m ü.NN) und noch später durch den 600 m langen Tiefen Bautenberger Stollen in der Gemarkung Wildens (auf 256 m ü.NN). Der Stollen brachte 94 m Teufe unter Tage ein und lag 40 m über dem Wildebachtal. In den 1840er Jahren erreichte er ein Gangmittel, 1883 folgte der Poppelszecher Gang durch ein Flügelort.T. Hundt, G. Gerlach, F. Roth, W. Schmidt: Beschreibung der Bergreviere Siegen I, Siegen II, Burbach & Müsen. Bonn 1887.
1770 wurde die Konsolidationsgrube Grüne Hoffnung (), in deren Grubenfeld später der erste Bautenberger Schacht abgeteuft wurde, erstmals erwähnt. Durch einen Stollen wurden Eisen-, Kupfer-, Blei- und Zinkerze abgebaut.
1804 zählte die Grube zu den Hauptgruben des Freien Grundes.MGV „Sangeslust“ Wilden: Fest- und Heimatbuch, herausgegeben aus Anlaß der Fahnenweihe des MGV „Sangeslust“ Wilden am 16. und 17. Juli 1955. Wilden 1955. Der Bautenberg war für die umliegenden Dörfer Wilden, Gilsbach (zu Burbach), Zeppenfeld und Wiederstein (beide Neunkirchen) ein guter Arbeitgeber. 400 Bergarbeiter waren dort bis zum Schluss beschäftigt.
Ende April 1910 erwarb die Phönix AG für Bergbau und Handel, Hoerde (später Duisburg) 3/4 der Kuxen der Grube Bautenberg.Abendausgabe der Rhein- und Ruhrzeitung vom 28.4.1910, Seite 2, Spalte 4. Abrufbar unter https://zeitpunkt.nrw/
Industrialisierung und Schienenanbindung mini|links|Das Bähnchen war eine Schmalspurbahn zwischen der Grube und Neunkirchen, heute ein Rad- und Wanderweg. Ab 1862 wurde mit zunehmender Industrialisierung die Erzförderung innerhalb weniger Jahre von 1.000 auf knapp 10.000 t pro Jahr gesteigert (siehe Tabelle). 1868 startete der Bau einer Schmalspurbahn 6 km entlang des Rassberger Höhenzuges in Richtung des Bahnhofs in Neunkirchen. Bis zum gleichen Jahr wurde die Grube auch Bautenberger Einigkeit genannt.Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinenwesen in dem preußischen Staate. Berlin, Ausgabe 1869. Diese Bahn ging 1873 in Betrieb. Im September 1878 erhielt die Grube eine neue Lok.
Die Bahn wurde 1907 durch den Neubau der Freien Grunder Eisenbahn abgelöst, die von Salchendorf durch das Tal nach Wilden und in einen Bogen zur Grube auf den Bautenberg führte. Der Bogen war zweigleisig, damit die Grubenbahnen das Eisenerz zur Weiterverarbeitung bringen und gleichzeitig zurück zur Grube fahren konnten. 1897 waren 209 Leute am Bautenberg beschäftigt.Gerhard Schäfer: Die Talbahn im Freien Grund. In: Regionale Verkehrsgeschichte. Band 24. EK-Verlag, Freiburg 1998.
Tiefbau mini|Halde auf dem Standort des Lorenzschachtes Nach dem industriellen Aufschwung begann man 1868 mit ersten Planungen zum Tiefbau und 1869 mit dem Anlegen eines Schachtes, über welchen ab 1871 gefördert wurde.
Der Schacht Grüne Hoffnung (auch „Alter Schacht“, ) wurde ab 1871 angelegt und hatte eine Teufe von 403,2 m, er wurde auf einer Höhe von über NN angesetzt. Im Schacht kam man 1883 auf 130 m, 1889 auf 170 m, 1891 bereits auf 210 m Teufe. Mit den 1888 hinzugekommenen mechanischen Bohrarbeiten wurde die Arbeit so erleichtert, dass man ab jetzt in großen Schritten vorankam. Folgende Sohlen auf diesem Schacht sind bekannt: 32 m, 62 m, 94 m, 130 m, 170 m, 210 m, 250 m, 300 m.
Der Lorenzschacht (auch „Neuer Schacht“, ) wurde 1899 abgeteuft und erreichte eine Teufe von 720 m. Er war auf über NN angesetzt und lag auf Wiedersteiner Ortsgebiet. Der Schacht wurde 600 m südlich des alten Schachtes abgeteuft, da es mit diesem Probleme gab und man den Tiefbau dort einstellte. Heute ist der 4 × 2,5 m große Lorenzschacht verfüllt, die Reste sind noch sichtbar. Im Jahr 1900 wurden ein Förderturm, ein Maschinen- und ein Kesselhaus sowie ein 16 m hoher Schornstein gebaut. Im Lorenzschacht wurden folgende Teufen erreicht: 1899: 95 m 1900: 135 m 1904: 300 m 1905: 480 m 1907: 520 m 1910: 560 m 1912: 600 m
Folgende Sohlen auf diesem Schacht sind bekannt: 370 m, 7. Tiefbausohle (TBS), 405 m, 9. TBS, 480 m, 11. TBS, 12. TBS, 600 m, 14. TBS, 15. TBS, 720 m. Ein abgesetzter Hauptschacht ging von 707 auf 925 m Teufe (Sohlen: 17.–19. TBS, 920-m-Sohle), ein zweiter Blindschacht von 898,9 m auf die Gesamtteufe der Grube, 1025,2 m (20.–22. TBS). Die tiefste, 22. Sohle lag auf 1020 m Teufe. Ein dritter Blindschacht lag weiter oben zwischen 600 und 680 m Teufe (d. h. zwischen der 13., 14. und 15. Tiefbausohle).
Um 1900 ging die Grube an die Phönix AG für Bergbau und Hüttenbetriebe.
Förderung Jahr Förderung700 Jahre Neunkirchen. Verlag Otto Braun, Neunkirchen 1988. 1855 400 t 1860H. D. Gleichmann: Die Grube Bautenberg bei Unterwilden 590 t 1862Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinenwesen in dem preußischen Staate. Berlin, Ausgabe 1863. 3.360 t 1865Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinenwesen in dem preußischen Staate. Berlin, Ausgabe 1866. 9.358 t 1866Die Lagerstätten nutzbarer Mineralien etc., Dritter Abschnitt 9.345 t 1869Jahresberichte der Handelskammern und kaufmännischen Korporationen des preußischen Staats: 1869. Berlin, Ausgabe 1870. 10.075 t 1872Jahresberichte der Handelskammern und kaufmännischen Korporationen des preußischen Staats: 1872. Berlin, Ausgabe 1873. 18.373 t (nebst 165 t Pb) 1873Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinenwesen in dem preußischen Staate. Berlin, Ausgabe 1874. 18.879 t 1874 13.500 t 1875 9.397 t Jahr Förderung 1878 17.000 t 1881 13.155 t 1884 17.778 t 1885 15.804 t 1888 7.000 t 1891 19.063 t 1895 20.775 t 1897Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinenwesen in dem preußischen Staate. Berlin, Ausgabe 1898. 25.549 t 1900 25.618 t 1901 33.500 t 1903Hans Dietrich Gleichmann: Der Füsseberg – Die große Zeit des Siegerländer Eisenerzbergbaus. Bertelsmann Fachzeitschriften-Verlag, Gütersloh 1994. 38.422 t Jahr Förderung 1906 32.721 t 1907Glückauf. Berg- und Hüttenmännische Zeitschrift, Nr. 49, 20. Dez. 1913 63.403 t 1908 77.034 t 1909Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinenwesen in dem preußischen Staate. Berlin, Ausgabe 1910. 88.985 t 1910 78.034 t 1911 54.562 t 1913Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinenwesen in dem preußischen Staate. Berlin, Ausgabe 1914. 89.870 t 1915 86.000 t 1918 60.000 t 1922 48.500 t 1926 50.400 t Jahr Förderung 1928 67.500 t 1931 25.500 t 1935 70.000 t 1938 31.500 t 1941 24.500 t 1942 1.500 t