U 575 war ein deutsches U-Boot vom Typ VII C, das im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Kriegsmarine eingesetzt wurde.

Das Boot versenkte während seiner Feindfahrten neun Schiffe (davon ein Kriegsschiff) und beschädigte drei weitere mit insgesamt 66.802 BRT. Im März 1944 wurde es von mehreren Wasserbomben getroffen und versenkt, wobei 17 Besatzungsmitglieder starben und 37 Mann gerettet werden konnten.

Abzeichen Am Turm trug U 575 ab Sommer 1943 als Abzeichen einen Liliputaner in Anlehnung an das Lokal „Liliput“ auf der Hamburger Reeperbahn. Diesen trug zudem die Besatzung auch als Mützenabzeichen in einer Ausführung aus Kunststoff. Das Wappen der Stadt Dornbirn, Patenstadt des Bootes, war ebenfalls am Turm aufgemalt. Als weiteres Zeichen der Verbundenheit zur Patenstadt trug die Mannschaft rote Halstücher mit dem Stadtwappen Dornbirns. Zusätzlich trug U 575 den „Stier von Scapa Flow“ als Abzeichen der 7. U-Boot-Flottille auf beiden Seiten des Turms.Georg Högel: Embleme, Wappen, Malings deutscher U-Boote 1939–1945. 5. Auflage. Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2009, ISBN 978-3-7822-1002-7, S. 125.

Geschichte Bau und Indienststellung Der Bauauftrag erfolgte am 8. Januar 1940 (Baunummer 75), die Kiellegung am 1. August 1940 und der Stapellauf am 30. April 1941. Gebaut wurde das Boot von der Werft Blohm & Voss in Hamburg. Die Indienststellung unter dem Kommandanten Kapitänleutnant Günther Heydemann erfolgte am 19. Juni 1941.Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 2: Der U-Boot-Bau auf deutschen Werften. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 1997, ISBN 3-8132-0512-6, S. 48. Anwesend waren u. a. die Bürgermeister und Stadtkämmerer der Städte Hamburg und Dornbirn, der österreichischen Patenstadt von U 575.

Zeit als Ausbildungsboot Das Boot gehörte in der Zeit vom 19. Juni 1941 bis zum 31. August 1941 der 7. U-Flottille als Ausbildungsboot an, vom 1. September 1941 bis zum 13. März 1944 als Frontboot.Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 2: Der U-Boot-Bau auf deutschen Werften. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 1997, ISBN 3-8132-0512-6, S. 372. Während einer Werftliegezeit von Dezember 1943 bis Februar 1944 wurde das Boot mit einem Schnorchel ausgerüstet.

Einsätze Das Boot lief unter den Kommandanten Heydemann und – ab September 1943 – Wolfgang Boehmer zu insgesamt zehn Unternehmungen aus. Operationsgebiet war der Nord-, Mittel- und Westatlantik, das Seegebiet um Kuba und die Großen Antillen, sowie Irland und Gibraltar.Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 2: Der U-Boot-Bau auf deutschen Werften. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 1997, ISBN 3-8132-0512-6, S. 504.

1. Unternehmung

Im Nordatlantik vom 8. September bis 9. Oktober 1941. Versenkung des niederländischen Frachters Tuva (4652 BRT) am 2. Oktober 1941. Der neutrale US-Zerstörer Winslow wurde aus dem Geleit des Konvois ON.20 entlassen, um die Besatzung der Tuva zu bergen. Winslow fand das schwer beschädigte Schiff, auf einen U-Boot-Kontakt hin drehte sie bei und unternahm sofort einen Angriff mit Wasserbomben, während die Tuva sank. Die Überlebenden der Tuva wurden erst nach mehr als einer Stunde vom kanadischen Zerstörer St. Croix aufgenommen. U 575 erlitt durch die Wasserbombenjagd keinerlei Schäden.

Am 9. Oktober 1941 in den Hafen von Saint-Nazaire eingelaufen.

Statistik

Tage auf See: 32

Etmal insg. 5.059,5 sm

Etmal ü.W. 4.776,70 sm (94,4 %)

Etmal u. W. 282,8 sm (5,6 %)

größtes Etmal ü.W: 292 sm am 8. Oktober 1941

größtes Etmal u.W: 36,3 sm am 12. September 1941

Getaucht: 7.029 Minuten; 117,15 Stunden: 4,88 Tage (15,3 %)

2. Unternehmung

Vom 9. November bis 17. Dezember 1941: Anmarsch zunächst auf Neufundland, dann Befehlsänderung: Gibraltar zur Unterstützung von Rommels Afrikakorps. Am 1. Dezember 1941 stieß U 575 bei 35°40´N/24°00´W auf den neutralen amerikanischen Tanker Astral. Er kam aus Aruba/Venezuela und war auf dem Weg nach Lissabon mit einer Fracht von 78.200 Barrel Benzin und Kerosin. Die Astral wurde einige Stunden lang verfolgt, um in eine günstige Schussposition zu kommen. Als Heydemann aber das amerikanische Nationalitätenzeichen erkannte, ließ er die Astral unbehelligt weiterfahren.

Wegen Schäden kehrte das Boot zurück nach Saint-Nazaire. Unterwegs wurden in Vigo, Spanien die Vorräte ergänzt.

Statistik

Tage auf See: 39

Etmal insg. 5.814,0 sm

Etmal ü.W. 5.508,80 sm (94,8 %)

Etmal u. W. 305,2 sm (5,2 %)

größtes Etmal ü.W: 354 sm am 30. November 1941

größtes Etmal u.W: 37 sm am 10. Dezember 1941

Getaucht: 6.841 Minuten; 114,02 Stunden; 4,75 Tage (12,2 %)

3. Unternehmung

Diese Feindfahrt verlief im Atlantik vom 14. Januar 1942 bis 26. Februar 1942 ohne Erfolg. Erst wurde U 575 befohlen, den Blockadebrecher Spreewald, der als norwegischer Dampfer Elg getarnt war, aufzunehmen und nach St. Nazaire zu begleiten. Während U 575 am vereinbarten Treffpunkt wartete, kam am 30. Januar 1942 die Meldung, dass die Spreewald versehentlich von U 333 versenkt worden war.

Statistik

Tage auf See: 44

Etmal insg. 5.986,0 sm

Etmal ü.W. 5750,00 sm (96,1 %)

Etmal u. W. 236,0 sm (3,9 %)

größtes Etmal ü.W: 210 sm am 27. Januar 1942

größtes Etmal u.W: 24 sm am 16. Januar 1942

Getaucht: 3369 Minuten; 56,15 Stunden; 2,34 Tage (5,3 %)

4. Unternehmung

An der Ostküste der Vereinigten Staaten vom 24. März bis 14. Mai 1942: Versenkung der Robin Hood am 16. April 1942 (6.887 BRT). Die Versenkung der Robin Hood war das Ergebnis eines Doppelschusses, wobei einer der Torpedos an die Oberfläche kam und folgenlos blieb. Die Detonation des anderen erfolge nach Einschätzung von Kommandant Heydemann zu tief. Zehn der von U 575 auf dieser Unternehmung eingesetzten Torpedos gingen fehl. Heydemann beurteilte das Ergebnis in seinem KTB als „…nicht sehr befriedigend“Jochen Brennecke: Die Wende im U-Boot-Krieg. Ursachen und Folgen 1939–1943 (= Heyne-Bücher. 1, Nr. 7966). Vom Autor ergänzte und überarbeitete Ausgabe. Heyne, München 1991, ISBN 3-453-03667-0, S. 285..

Statistik

Tage auf See: 53

Etmal insg. 7.129,5 sm

Etmal ü.W. 6.912,00 sm (97,0 %)

Etmal u. W. 217,5 sm (3,0 %)

größtes Etmal ü.W: 268 sm am 28. März 1942

größtes Etmal u.W: 37,5 sm am 26. März 1942

Getaucht: 5.622 Minuten; 93,7 Stunden; 3,90 Tage (7,4 %)

5. Unternehmung

In der Karibik von 10. Juni bis 7. August 1942. Am 16. Juni 1942 um 1:58 Uhr Angriff auf einen Dampfer aus dem Konvoi HG.84 im Planquadrat BE8311. U 575 hörte bei einem Vierer-Torpedofächer nach 2 Minuten und 16 Sekunden einen Aufschlag ohne Detonation, wahrscheinlich Pistolenversager (Pistole ist der Zündmechanismus eines Torpedos).

Versenkung des amerikanischen Dampfers Norlandia (2.689 BRT) am 3. Juli und Versenkung des britischen Dampfers Empire Explorer (5.345 BRT) am 9. Juli. Am 18. Juli erfolgte die Beschädigung des britischen Tankers San Gaspar (12.910 BRT) mit einem programmgesteuerten Torpedo (LUT) sowie Versenkung der Schoner Glacier (130 BRT) und Comrade (110 BRT) durch Beschuss mit der Bordkanone.

Statistik

Tage auf See: 59

Etmal insg. 10.173,0 sm

Etmal ü.W. 9.732,30 sm (95,7 %)

Etmal u. W. 440,7 sm (4,3 %)

größtes Etmal ü.W: 286,1 sm am 14. Juni 1942

größtes Etmal u.W: 57 sm am 6. August 1942

Getaucht: 9.866 Minuten; 164,4 Stunden; 6,85 Tage (11,6 %)

6. Unternehmung

Im Nordatlantik von 19. September bis 8. November 1942: Versenkung des Truppentransporters Abosso (11.330 BRT) am 29. Oktober 1942, ca. 700 sm nördlich der Azoren. Um 22.13 Uhr wurde ein Fächer von vier Torpedos auf den einzelfahrenden Dampfer geschossen. Um 22.29 folgte ein Fangschuss, weil die Abosso immer noch schwamm. Um 23.05 beginnt die Abosso senkrecht über den Vorsteven zu sinken.

Die Abosso kam aus Kapstadt und war auf dem Weg nach Liverpool. Der mitfahrende holländische U-Boot-Kapitän Lt. Cdr. H.C.J. Coumou weigerte sich ursprünglich, die Abosso den langen, gefährlichen Weg als Einzelfahrer zurücklegen zu lassen, da die Abosso mit 14,5 Knoten hierfür zu langsam war. Er musste sich aber dem Druck der britischen Behörden beugen und die Abosso trat die Fahrt unter Kapitän R.W. Tate schließlich an. An Bord befanden sich 162 Besatzungsmitglieder, 20 Artilleristen zur Verteidigung des Schiffes und 210 Passagiere (darunter 149 Militärs, 44 Internierte und 17 Zivilisten, davon zehn Frauen mit Kindern), insgesamt 392 Menschen. 362 Menschen sind bei dem Untergang der Abosso umgekommen, darunter der Schriftsteller Ulrich A. Boschwitz.

Zu den Passagieren gehörten 44 neu ausgebildete australische Piloten der „23. Service Flight Training School“ aus Heany, Südrhodesien. Daneben war an Bord die vorgesehene Besatzung für das holländische U-Boot Haai (ex engl. P 66/später Varne, dann Ula). Die U-Boot-Fahrer kamen von den holländischen U-Booten K IX und K XII, von den 34 U-Boot-Fahrern überlebten nur vier. Kommandeur der U-Boot-Fahrer war der bereits genannte Lt.Cdr. Coumou. Das für sie vorgesehene U-Boot wurde unter dem Namen Ula und mit norwegischer Besatzung eines der erfolgreichsten alliierten U-Boote und versenkte unter anderem U 974.

Zur Ladung zählten 3000 Tonnen Wolle und Postsäcke.

Rückmarsch nach Lorient.

Statistik mini|Besatzung (ohne die Wache OMasch Buchholz) nach Rückkehr v.d. 7. Feindfahrt am 18. Februar 1943 Tage auf See: 54

Etmal insg. 7.363,4 sm

Etmal ü.W. 6.903,10 sm (93,8 %)

Etmal u. W. 460,3 sm (6,2 %)

größtes Etmal ü.W: 300 sm am 4. Oktober 1942

größtes Etmal u.W: 53 sm am 23. September 1942

Getaucht: 7.587 Minuten, 126,5 Stunden, 5,27 Tage (9,8 %)

7. Unternehmung

Patrouillengebiet im Atlantik von 16. Dezember 1942 bis 18. Februar 1943: Beschädigung der Tanker Norvik (10.034 BRT) und Minister Wedel (6.830 BRT) aus dem Geleitzug TM 1 am 9. Januar 1943. Beide Schiffe wurden von der Besatzung verlassen und später von U 522 versenkt. Versenkung des Frachters City of Flint (4963 BRT) durch Artilleriefeuer nach Torpedotreffer am 25. Januar 1943. Teile der Ladung der City of Flint hatten sich gelöst, weshalb das Schiff hinter dem Geleitzug UGS 4, zu dem es gehörte, zurückgeblieben war.der Geleitzug UGS 4 war auf dem Weg nach Gibraltar Der Torpedo von U 575 traf kurz nach Sonnenuntergang den Tank des Frachters und das Benzin ging sofort in Flammen auf. U 575 versenkte den Frachter anschließend mit seinem Geschütz. Einige der Überlebenden missinterpretierten die Schüsse als Angriff und entfernten sich von der Untergangsstelle. Während die meisten schiffbrüchigen Besatzungsmitglieder der City of Flint drei Tage später gerettet wurden, fand man die letzten Überlebenden der Versenkung erst 49 Tage später.Andrew Williams: U-Boot-Krieg im Atlantik. Heel Verlag GmbH, Königswinter 2002, ISBN 3-89880-137-3, Seite 227–232 Rückmarsch nach St. Nazaire.

Statistik

Tage auf See: 67

Etmal insg. 10.132,3 sm

Etmal ü.W. 9.692,70 sm (95,7 %)

Etmal u. W. 439,6 sm (4,3 %)

größtes Etmal ü.W: 294,8 sm am 9. Januar 1943

größtes Etmal u.W: 40,7 sm am 20. Dezember 1942

Getaucht: 10.449 Minuten; 174,2 Stunden; 7,26 Tage (10,8 %) 8. Unternehmung

Im Atlantik von 22. April bis 11. Juni 1943 ohne Erfolg.

Statistik

Tage auf See: 51

Etmal insg. 8.028,7 sm

Etmal ü.W. 7.164,90 sm (89,2 %)

Etmal u. W. 863,8 sm (10,8 %)

größtes Etmal ü.W: 307 sm am 14. Mai 1943

größtes Etmal u.W: 53,3 sm am 26. April 1943

Getaucht: 17.217 Minuten; 287,0 Stunden; 11,96 Tage (23,4 %)

9. Unternehmung

Wieder im Atlantik von 6. Oktober bis 28. November 1943 ohne Erfolg.

Statistik

Tage auf See: 70

Etmal ins. 6.776,2 sm

Etmal ü.W. 5.432,80 sm (80,2 %)

Etmal u. W. 1.343,4 sm (19,8 %)

größtes Etmal ü.W: 263,1 sm 16. November 1943

größtes Etmal u.W: 54 sm 9. Oktober 1943

Getaucht: 36.392 Minuten; 606,5 Stunden; 25,27 Tage (36,1 %)

10. Unternehmung

Im Atlantik von 29. Februar bis 13. März 1944: Versenkung der britischen Korvette HMS Asphodel (940 t) mit einem Torpedo vom Typ Zaunkönig.

Verlust des Bootes