Die Nikon F2 ist eine Kleinbild-Spiegelreflexkamera, die als Nachfolgerin der Nikon F die Dominanz des Nikon-Konzerns im Bereich der Kleinbildspiegelreflexkameras weiter ausbaute. Sie gilt vielen als die beste mechanische Kamera und nimmt ihren Platz unter legendären Kameras wie der Nikon SP, der Nikon F, der Hasselblad 500 C/M oder der Leica M ein.
Die Nikon F2 wurde 1971 vorgestellt und 1980 von der Nikon F3 abgelöst, die den Erfolg des japanischen Herstellers Nikon im professionellen Kleinbildsektor fortführen konnte, bis diese Spitzenposition in den 1990er-Jahren nach der Einführung der Nikon F4 an das Unternehmen Canon ging.
Zwar war die Nikon F2 nur eine graduelle Fortentwicklung gegenüber der F, vereinfachte jedoch die Bedienung im Vergleich zu dieser, speziell bei Verwendung mit Motorantrieben, der Spiegelvorauslösung und dem Anbau von Rückwänden, und bot Belichtungszeiten bis 1/2000 s und bis 10 s (Nikon F: 1-1/1000 s). Verschiedene Teile sind zudem kompatibel zur Nikon F, so die Mattscheiben, der Sucheranschluss und der Blitzkontakt um die Filmrückspulkurbel. Der Motor spulte den belichteten Film automatisch zurück in die Filmkassette. Blitzschneller Filmwechsel ist möglich.
Auch nach Jahrzehnten lässt sich die Nikon F2 problemlos einsetzen. Die Grundausstattung mit einfachem Prismensucher ohne Belichtungsmesser wirkt für heutige Verhältnisse einfach, aber sie funktioniert, und die meisten aktuellen Objektive mit dem F-Bajonett können weiter verwendet werden (Ausnahme: AF-G Objektive ohne Blendenring, DX-Objektive für Digitalkameras mit kleinerem Bildkreis und APS-Objektive). Eine Belichtungsmessung mit Photomic-Suchern ist nur bei solchen Objektiven möglich, die über die Kupplungs-Gabel auf dem Blendenring verfügen oder damit nachgerüstet werden können, bei den späteren AI-Modellen der F2 (F2A und F2AS) ab 1977 ist stattdessen der AI-Nocken am Blendenring des Objektivs dafür notwendig.
Vorgeschichte Im Stammbaum des eigenen Hauses baut sie technisch auf der Spiegelreflexkamera Nikon F auf, die heute als Sammlerobjekt gelten kann. Man kann sie vermutlich auch als Reaktion auf die im Frühling 1971 erschienene Canon F-1 ansehen, die im Vergleich zur Nikon F moderner war. Entwicklungsaufgabe war weniger ein großer technischer Fortschritt, als vielmehr eine Beseitigung der kleineren Probleme, die sich bei Verwendung der Nikon F gezeigt hatten.
Modularer Aufbau Die wichtigen Teile der F2 sind auswechselbar – zur Verfügung standen Wechselobjektive, Wechselsucher, Wechselmattscheiben, austauschbare Kamerarückwand, ansetzbare Motorantriebe inkl. einer Auswahl an Batterieteilen, eine ansetzbare motorische Blendenzahlsteuerung, Blitzanschluss, Suchergewinde für Zubehör (wie Dioptrenausgleichslinsen, Illuminator, Sucherlupe) etc. Das einzige fehlende Merkmal, das sie von Mittelformatkameras und einigen Kleinbildkameras (Zeiss Ikon Contarex, Rolleiflex SL2000/3003) unterschied, war ein wechselbares Filmmagazin (es gab allerdings eine Polaroid-Rückwand von einem anderen Anbieter).
220px|mini|Nikon F2 Modularität; von oben nach unten: Messsucher DP-11, Illuminator DL-1, Mattscheibe, Lichtschacht DW-1 ++ Gehäuse von oben ++ Rückwand ++ Motor MD-2 von der Rückseite, Handgriff (Auslöser) SC-2 ++ Batterieteil MB-1 mit geöffneten Batteriekompartimenten ++ Batteriehalter, der rechte geöffnet.
Motor und Langfilmkassetten Zur Nikon F2 gab es insgesamt vier Motorantriebe, den etwas einfacher ausgeführten MD-3, den für professionelle Anwender bestimmten MD-1 und dessen Nachfolger MD-2. Der MD-3 schafft je nach verwendeten Batterieteil eine Bildfrequenz von maximal 2,5 oder 4 Bildern in der Sekunde. Die MD-1 und MD-2 erreichten 5 Bilder pro Sekunde und verfügten über eine Batteriekontrollanzeige sowie eine motorische Filmrückspulung.
mini|links|Der für professionelle Anwendungen angebotene Motorantrieb MD-2 ermöglichte bis zu 5 Bilder pro Sekunde. Der vierte Motorantrieb, der MD-100, konnte sinnvoll nur mit der Nikon F2H – der High-Speed Version der F2 – verwendet werden (siehe Bild unten). Mit ihm waren Aufnahmeserien mit 10 Bildern in der Sekunde möglich. Allerdings war für den Betrieb ein besonders großes Batterieteil, das MB-100, erforderlich. Darin fanden entweder 20 AA-Batterien oder vier Spezialakkus MN-1 Platz.
Das Batterieteil MB-1 nahm 10 AA-Batterien auf, konnte aber auch mit den Akkus MN-1 bestückt werden, das MB-2 nahm 8 Batterien auf. Als weiteres Motorzubehör gab es ein Verbindungskabel MC-7 für eine getrennte Unterbringung des Batterieteils (beispielsweise bei großer Kälte), sowie Kabelauslöser.
Im Gegensatz zur Nikon F gab es keinen speziellen Motor für die Langfilmmagazine MF-1 (250 Aufnahmen) und MF-2 (750 Aufnahmen), denn sie konnten mit einem normalen MD-1 bzw. MD-2 betrieben werden.
Rückwand Im Gegensatz zur Nikon F hat der Motor keine eigene Kamerarückwand, sondern wird einfach unter die Kamera geschraubt (in die Aufnahme des Stativ-Gewindes). Die Nikon F2 verfügt über eine übliche, abnehmbare Rückwand, die gegen die oben genannten Langfilmmagazine austauschbar ist. Für die Verwendung von Datenrückwänden sind allerdings spezielle Versionen, die Data-Modelle, erforderlich. Ferner gibt es eine spezielle Rückwand zur Verwendung mit den Motorantrieben MD-2 und MD-1, die über einen Kontakt die motorische Filmrückspulung beendet, bevor der Film vollständig in die Filmpatrone hineingezogen worden ist.
Wechselsucher und Blendensteuerung Charakteristisch und von der F-Serie übernommen ist das System von Wechselsuchern. Für die F2 gab es neben Prismen-, Lichtschacht- (DW-1) und Photomicsucher auch Lupen- (DW-2) und Sportsucher (DA-1) für spezielle Anwenderkreise.
Zum Wechseln der Sucher gibt es einen etwas schwer zu bedienenden kleinen Entriegelungsknopf an der Rückseite des Kameragehäuses sowie bei den Photomic-Modellen einen weiteren Hebel am Sucher. Erst 1980 beim Nachfolgemodell F3 wurde die Arretierung deutlich besser gelöst.
Die Grundversion hatte einen Prismensucher, der ein aufrechtes und seitenrichtiges Bild zeigt. Ein weiterer Sucher war der Lichtschacht, nützlich bei Makro- und Mikrofotografie. Der Lichtschacht ist mit einer wegklappbaren Lupe (5×) versehen.
Die Photomicsucher ermöglichen eine Belichtungsmessung und einen Blenden/Zeitenabgleich. Sie enthalten eine Messzelle (CdS oder Silizium) und werden über einen Ring mit dem Verschlusszeitenknopf und über einen Schieber mit dem Blendenring des Objektivs gekoppelt. Ein Bewegen des Verschlusszeitenrings oder des Blendenrings verändert eine Anzeige im Sucher, die korrekte Belichtung bzw. Über- und Unterbelichtung anzeigt. Es gab insgesamt fünf Modelle. Zunächst den DP-1 (mit Messnadel) und den DP-2 (mit LED-Anzeige), später dessen Weiterentwicklung DP-3 mit Siliziumdioden. Die DP-11 und DP-12 waren die letzten Suchermodelle: Bei diesen wurde die bisherige, etwas umständliche Koppelung der Objektive mit dem Sucher durch einen mit dem Sucher koppelnder Nocken am Blendenring vereinfacht. Erst beim Nachfolgemodell F3 wanderte der Belichtungsmesser in das Gehäuse der Kamera selber.
Für die Photomicsucher DP-2, DP-3 und DP-12 waren zudem Blendensteuerungen erhältlich. Diese werden vor die Kamera gesetzt (Aufschieben auf den Zubehörschuh an der Rückspulkurbel) und koppeln elektrisch mit dem Sucher und mechanisch mit dem Blendenring des Objektivs. Vom Sucher gesteuert, verstellt die Blendensteuerung die Blende motorisch, so dass sich die Kamera damit zu einem Blendenautomaten umrüsten lässt. Es gibt drei Modelle, DS-1, DS-2 (zusätzlich Blitzanschluss) und DS-12 (für den DP-12).
Der Lupensucher ist von seinem Anwendungsbereich her ein besserer Lichtschachtsucher für Makro- und Mikrofotografie. Er besteht aus einer aufwändig konstruierten sechsfach vergrößernden Lupe und ist damit besser als die einklappbare Lupe des einfachen Lichtschachtsuchers.
Der Sport-Prismensucher ermöglicht dem Fotografen Sicht auf das gesamte Sucherbild, wenn er einen Helm oder eine (Schutz)brille trägt (z. B. beim Fallschirmspringen oder auf dem Motorrad). Bei speziellen Unterwassergehäusen ist der Sportsucher unverzichtbar. Sportsucher meint also nicht den normalen Sportfotografen, sondern den sporttreibenden Fotografen.
Die Wechselsucher und Einstellscheiben der Nikon F2 passen auch an das Modell F. Beim Ansetzen der F2-Sucher muss bei der F nur das vordere Typenschild entfernt werden, was aber unkompliziert ist, die Schrauben sind sichtbar an der Außenseite. Die Photomicsucher der F2 funktionieren an der F allerdings nicht, da sie eine Stromversorgung seitens der Kamera erwarten.
Einstellscheiben mini|Standard-Einstellscheibe Typ A mit Schnittbildindikator mini|Matte Seite derselben Scheibe
Die Nikon F2 ermöglicht den schnellen Wechsel zu verschiedenen Einstellscheiben. Die mitgelieferte Einstellscheibe hatte ein Schnittbildzentrum mit Messkreis und Fresnellinse. Sie ist universell verwendbar. 19 verschiedene Modelle erlauben bei jedem Gebrauch (Makro-, Architektur-, Luftbildfotografie) die optimale Scharfeinstellung. Auch andere Hersteller bieten Einstellscheiben an. Da das Licht vor der Belichtungsmessung durch die Scheibe geht und die Messung so beeinflusst wird, muss bei vielen Scheiben nach dem Wechsel die Zeit/Blendenkombinationen korrigiert werden.
mini|links|Übersicht der Einstellscheiben
Mechanik Da die Nikon F2 eine rein mechanische Kamera ist, wird der Verschluss nach heutigen Maßstäben ungenau gesteuert (kein Schwingquarz zählt bei ihr die Dauer einer 1/2000 Sekunde).
Als Verschluss dient bei der Nikon F2 ein äußerst langlebiges Titan-Rollo, das auch nach Jahrzehnten seinen Dienst tut. Die kürzeste Verschlusszeit ist 1/2000 Sekunde, die Blitzsynchronzeit beträgt 1/80 s, wofür eine eigene Rastung auf dem Zeitenwählrad vorgesehen ist.
Auslöser Für den Drahtauslöseranschluss wird noch die heute nicht mehr übliche Leica-Glocke verwendet. Es gibt aber Adapter für normale Drahtauslöser. Der Auslöseknopf hat einen Fingerschutzring, der auch zur Auslöserverriegelung und zur Einstellung von langen Belichtungszeiten (T, s. u.) dient, die dann mittels des Selbstauslöserhebels vorgewählt werden.
Ein Strich in einem Fenster in der Mitte des Zeitenwählrads dreht sich bei jeder Aufnahme, um den Filmtransport kontrollieren zu können.
Spiegelvorauslösung / Spiegelarretierung mini|Spiegelkasten mit hochgeklapptem Spiegel; links oben Abblendeknopf mit darum liegendem, verdrehtem Spiegelklapphebel
Die Nikon F2 verfügt über eine Spiegelvorauslösung, ein weiteres Merkmal für die Profiklasse. Diese ist besser gelöst als bei der Nikon F und ermöglicht ein sofortiges Hochschwenken des Spiegels bei Drehen an einem Hebel.
Die Möglichkeit, den Spiegel hochzuklappen war notwendig, um den Gebrauch der Fisheye-Objektive (1:5.6/6 mm; 220°, 1:5.6/7,5 mm; 180°; 1:8/8 mm; 180°; und 1:5.6/10 mm; 180°) zu erlauben, deren Linsenbau tief in den Kamerakörper hineinragte. Erst später war es Nikon möglich, entsprechende Weitwinkelobjektive durch Retrofokus-Bauweise so zu realisieren, dass sie nicht mehr in den Kamerakörper ragten.
Der Hersteller Cosina bietet neuerdings in bestimmten Märkten, beispielsweise Großbritannien, Adaptionen ihrer beiden Weitwinkelobjektive vom Typ Heliar der Marke Voigtländer als 1:5.6/12 mm und 1:4.5/15 mm mit Nikon-Bajonett an, die aufgrund ihres Aufbaus ebenfalls nur mit hochgeklapptem Spiegel verwendbar sind. Dazu gibt es einen Blindsucher, der anstelle des normalen F2-Suchers aufgesetzt wird und der eine Aufnahme für die optischen Sucher der Objektive aufweist.
Außerdem ist die Spiegelarretierung notwendig bei Motorbetrieb mit 5 Bildern in der Sekunde, da der Spiegel nicht schnell genug hin und her schwingen kann. Schließlich verringern sich Auslösegeräusch und Erschütterungen bei hochgeklapptem Spiegel.
Selbstauslöser mini|Selbstauslöser; Hebel steht auf ca. 1,5 s, darüber der kleine Auslöseknopf