mini|Conchita bei der Berlinale 2026 mini|Conchita beim Amadeus Award 2017 Thomas „Tom“ Neuwirth (* 6. November 1988 in Gmunden) ist ein österreichischer Sänger und Travestiekünstler. 2014 wurde Neuwirths Kunstfigur Conchita Wurst mit dem Stück Rise Like a Phoenix Siegerin des 59. Eurovision Song Contests in Kopenhagen. Neuwirth tritt seit März 2019 zusätzlich unter dem Künstlernamen WURST auf.
Leben und Karriere
Tom Neuwirth wurde 1988 in Gmunden in Oberösterreich als Sohn der Gastwirte Helga und Siegfried Neuwirth geboren und wuchs in Bad Mitterndorf auf.Stern, 15. Mai 2014, S. 62 f. 2011 schloss er eine Ausbildung an der Grazer Modeschule ab.Conchita Wurst: Biografie (englisch) Nachdem er erpresst worden war, gab er im April 2018 bekannt, dass er seit vielen Jahren HIV-positiv sei. Für dieses Outing erhielt er viel Zuspruch.
Erste Karriereschritte
Neuwirth nahm 2006 an der dritten Staffel der TV-Castingshow Starmania des ORF teil, in der er Zweiter hinter Nadine Beiler wurde. 2007 gründete er zusammen mit Falco De Jong Luneau, Johannes „Johnny“ K. Palmer und Martin Zerza die Boyband jetzt anders!, die sich im selben Jahr wieder auflöste.
Kunstfigur „Conchita Wurst“
Seit 2011 tritt Neuwirth als Dragqueen Conchita Wurst bzw. seit 2015 als Conchita auf, eine Diva mit Vollbart. Ihre fiktive Biografie beginnt mit der Geburt in den Bergen von Kolumbien und führt über eine Kindheit in Deutschland zum Beginn der Karriere als Sängerin in Österreich. Ihre Schaffung erklärt Neuwirth als Reaktion und Statement gegen Diskriminierungen, die er in seiner Jugend aufgrund seiner Homosexualität erfuhr. Sein Auftreten als Conchita solle auch dazu führen, dass .Kurier: , 17. September 2013.Seitenblicke Magazin: , 24. Juli 2013.
Den Namen Conchita bekam die Diva von einer Freundin aus Kuba und behielt ihn bei. Den Nachnamen wählte sie, .Der Standard: Chat mit Conchita Wurst, 24. April 2014.Interview mit Wurst (W24TV) Wiederholt erklärte Tom Neuwirth in Interviews auf Fragen nach seinem Geschlecht, dass seine Darstellung der Conchita Wurst nichts mit Transgeschlechtlichkeit zu tun habe, sein Alter Ego sei einfach eine Kunstfigur (). Der Bart unterscheidet Conchita Wurst von anderen Travestie-Figuren, bei denen es, wie Doris Knecht beobachtet, Doris Knecht: In: Kurier, 17. September 2013. Für Neuwirth fungiert der Bart als gezielte Provokation:
Der Pastoraltheologe Paul Zulehner und andere Kommentatoren vergleichen in ihren Betrachtungen des Sieges und dessen Wirkung das Erscheinungsbild mit Jesus-Darstellungen im romantisierenden Stil der Nazarener und Präraffaeliten,Paul Zulehner: Zulehner zu Conchita-Sieg: Diskriminierung abzulehnen. In: religion.ORF.at: 13. Mai 2014, abgerufen am 17. Juni 2014.Armin Thurnher: Wurstland: Wir kennen uns nicht mehr. Macho-Diktatoren aller Länder, zittert! In: Falter, Heft 20/2014, 14. Mai 2014. während Pirmin Meier Parallelen zur fiktiven Heiligen Kümmernis beschreibt.Pirmin Meier: Sankt Kümmernis, verwurstet – Thomas Neuwirth alias Conchita Wurst verwendet die Maske einer europäischen Heiligen. In: Weltwoche, 15. Mai 2014. Der in Berlin lebende österreichische Bildhauer Gerhard Goder schuf 2014 eine Holzskulptur mit dem Titel Conchita Wurst auf der Mondsichel, die zum Bestand des Berliner Museums Europäischer Kulturen gehört.
Neuwirth wurde in der Rolle der „Conchita Wurst“ erstmals 2011 als Teilnehmer an der ORF-Talentshow Die große Chance bekannt, in der er in der Finalrunde den sechsten Platz belegte. In: tv media, 24. Oktober 2011.Franzobel: Voten für die Wurstpartei. In: Der Standard, 11. Oktober 2011. Als Conchita Wurst nahm er auch an der österreichischen Vorentscheidung für den Eurovision Song Contest 2012 (Österreich rockt den Song Contest) teil und erreichte im Finale mit dem Song That’s What I Am mit 49 Prozent der Stimmen den zweiten Platz hinter Trackshittaz mit 51 Prozent.Seitenblicke Magazin: , 25. Februar 2012.
Weitere Fernsehauftritte folgten 2013, als Conchita Wurst in der Sendung Die härtesten Jobs Österreichs auf ORF eins zu sehen war, wo er in der Fischverarbeitung arbeitete, und im Sommer desselben Jahres in der Sendung Wild Girls – Auf High Heels durch Afrika bei RTL, in der er den siebten Platz erreichte.Kurier: , 11. Juli 2013. Abgerufen am 10. September 2025. 2013 war er mit dem Titel That’s What I Am zusammen mit einer Reihe weiterer österreichischer Musiker auf dem Benefiz-Album Licht ins Dunkel 2013 und bei einem Konzert für die ORF-Weihnachtsaktion Licht ins Dunkel vertreten.Ein Abend für LICHT INS DUNKEL, 29. November 2013.
Sieg beim Eurovision Song Contest 2014 und Reaktionen
mini|Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest 2014
Im September 2013 gab der ORF bekannt, Conchita Wurst als Österreichs Beitrag zum Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen zu entsenden.ORF: Conchita Wurst beim Song Contest, 10. September 2013. In österreichischen Medien wurde die Entscheidung, keine Vorausscheidung zu veranstalten, unter anderem als Ausdruck von Sparzwängen im ORF gedeutet.Kurier: , 10. September 2013. Abgerufen am 10. September 2025. Die Entscheidung traf die Programmintendantin Kathrin Zechner aus einem knappen Dutzend Vorschlägen, hausintern soll das Potenzial der Kandidatin bis zuletzt massiv unterschätzt worden sein.Die Welt: Jetzt wollen die Wurst-Macher auch einen Grammy, 12. Mai 2014. Der Song Rise Like a Phoenix wurde erstmals am 18. März 2014 auf Ö3 präsentiert.Kleine Zeitung: , 18. März 2014. Sämtliche Plattenfirmen Österreichs lehnten die Veröffentlichung des Stücks ab, so dass der ORF sich gezwungen sah, den Titel selbst zu veröffentlichen.stern: Plattenfirmen lehnten „Rise Like A Phoenix“ ab, 13. Mai 2014.
Am 8. Mai 2014 qualifizierte sich Conchita Wurst in Kopenhagen für das Finale des Wettbewerbs, das sie in der Nacht zum 11. Mai 2014 gewann. Die Entscheidung wurde von etwa 180 Millionen Zusehern verfolgt. Es war das viertbeste Ergebnis in der Geschichte des ESCs und der zweite Sieg Österreichs beim ESC. Bei der Preisverleihung sagte Wurst: ESC 2014 – Conchita! Wurst! Gewonnen! Die Siegerehrung! „Rise like a Phoenix“ – „Queen of Austria“. Video auf YouTube (englisch), 11. Mai 2014.
Kritik im Vorfeld
Der Kabarettist und frühere ESC-Teilnehmer Alf Poier äußerte sich homophob über den Auftritt,Die ganze Woche: Der Kabarettist und ehemalige Teilnehmer Alf Poier wettert über unseren Beitrag zum Song Contest: „Das Lied ist peinlich“, 28. April 2014. und auch der damalige FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache polemisierte gegen die Entsendung Wursts durch den ORF.News: Song Contest: Auch Strache beleidigt Conchita Wurst, 7. Mai 2014.
In Belarus rief die „Legion Aljaksandr Lukaschenka“ zum Boykott des Song Contests und einem Ausstrahlungsverbot mit der Begründung auf, der populäre internationale Wettbewerb sei mithilfe der europäischen Liberalen zu einem „Brutherd der Unzucht“ verkommen.Der Standard: Petition in Weißrussland: Protest gegen Conchita Wurst, 11. November 2013. Der polnische Politiker Jarosław Kaczyński sah in Conchita Wurst den „Verfall des modernen Europas“, und der türkische Parlamentarier Volkan Bozkir äußerte, sein Land sei froh, nicht mehr am Eurovision Song Contest teilnehmen zu müssen.Pro Sieben: Morddrohungen gegen Conchita Wurst, 16. Mai 2014. In Russland forderte der Politiker Witali Milonow, Initiator des in Sankt Petersburg verabschiedeten Gesetzes gegen Propaganda von Homosexualität und Pädophilie, das zum Vorbild für die landesweite Gesetzgebung wurde (siehe Homosexualität in Russland), einen Boykott.Kurier: , 1. Mai 2014. Abgerufen am 10. September 2025.
Conchita Wurst reagierte auf die Angriffe mit einer auf Facebook verbreiteten Nachricht, in der es hieß:
Reaktionen nach dem ESC
Am 11. Mai 2014 wurde Conchita anlässlich der Rückkehr aus Kopenhagen am Flughafen Wien-Schwechat begeistert von Hunderten von Fans empfangen.Kurier: , 11. Mai 2014. Noch am Flughafen gab sie eine live in Fernsehen und Radio übertragene Pressekonferenz. In einem Interview zu Russlands Präsident Putin und der Homophobie in Russland befragt, antwortete Conchita: Tages-Anzeiger: Conchita Wurst fordert Putin heraus, 11. Mai 2014.ORF: „Ich will die ganze Welt“, 11. Mai 2014. In Dänemark wurde sie während der Song-Contest-Zeit als Queen of Austria bezeichnet und für ihren Auftritt im Semi-Finale vom Moderator auch so angekündigt. Dieser Titel wurde im Folgenden auch von den österreichischen Printmedien aufgegriffen.Kleine Zeitung: „Queen of Austria“: Conchita Wurst unter den Favoriten, 9. Mai 2014Heute: , 10. Mai 2014. Abgerufen am 10. September 2025.Miss: Tausende feiern die „Queen of Austria“ am Ballhausplatz, 18. Mai 2014.
Auch Kardinal Christoph Schönborn konnte der Figur etwas Positives abgewinnen und forderte Respekt für Menschen, die sich in ihrem Körper nicht zu Hause fühlten.Die Welt: Sogar Wiens Kardinal lobt Conchita Wurst, 16. Mai 2014. Der überraschende Erfolg Wursts wird in den internationalen Medien mit dem plötzlichen Auftauchen von Paul Potts und von Susan Boyle mit ihrem vergleichbaren Lied I Dreamed a Dream, von Leona Lewis oder der italienischen Nonne Schwester Cristina Scuccia verglichen. Vergleichbar sei in allen Fällen, dass es sich um sogenannte Underdogs, ausgegrenzte Menschen oder Mitglieder von Minoritäten handelte, die kraft ihrer gesanglichen Leistung alle Diskriminierungen schlagartig überwinden konnten und massiven Zuspruch breiter Bevölkerungsschichten errangen.Tom Brady: A Voice Alone Is Not Enough for Ratings, The New York Times, International Weekly, 19. Mai 2014, Seite 1.
Österreichs bis dahin einziger Eurovision-Song-Contest-Gewinner Udo Jürgens, 1966 mit Merci, Chérie erfolgreich, lobte das Lied als .Jens Maier: Plattenfirmen lehnten „Rise Like A Phoenix“ ab, stern, 13. Mai 2014 Cher gratulierte ebenso wie Julio Iglesias. Elton John und sein Partner David Furnish schickten Conchita Wurst Blumen und eine Karte mit der Aufschrift „We love you“ in die Garderobe, als sie am 15. Mai 2014 in Graham Nortons BBC-Show auftrat.Kronenzeitung: Elton John schickte Conchita Wurst Blumen, 16. Mai 2014.
mini|Conchita, 2015
Am 18. Mai 2014 lud Bundeskanzler Werner Faymann Conchita Wurst ins Bundeskanzleramt ein. Anschließend sang sie vor rund 10.000 Zuhörern auf dem Ballhausplatz.Der Standard: Conchita: Ein Konzert und ein stolzer Kanzler am Ballhausplatz, 18. Mai 2014. Der Song Rise Like a Phoenix schaffte es in sieben Ländern in die Top Ten und in Österreich auf Platz eins der Charts. Am 31. Mai 2014 trat Conchita Wurst im Rahmen des Life Balls während der Eröffnungsshow auf dem Rathausplatz sowie im Arkadenhof des Wiener Rathauses auf.Kurier: , 27. Mai 2014. Bereits seit 2006 nimmt Wurst regelmäßig an der Veranstaltung zu Gunsten HIV-Infizierter teil. Anfang Juli war Wurst in Paris bei Jean Paul Gaultiers Präsentation seiner Herbst/Winter-Kollektion auf dem Laufsteg zu sehen.Der Standard: Conchita Wurst auf dem Laufsteg von Jean Paul Gaultier, 9. Juli 2014.
Am 8. Oktober desselben Jahres sang Conchita Wurst auf Einladung der Vizepräsidentin des EU-Parlaments Ulrike Lunacek vor Politikern aus ganz Europa auf der Esplanade Solidarnosc vor dem EU-Parlament in Brüssel.Conchita Wurst singt vor Brüsseler Politikern, Die Zeit, 17. September 2014. Seit Oktober 2014 war sie Werbeträgerin für die Bank Austria. abgerufen am 26. Mai 2015. Ebenso wurde Conchita Wurst vom Public Relations Verband Austria als Kommunikatorin des Jahres 2014 ausgezeichnet.PR-Gala: Conchita Wurst ist die Kommunikatorin des Jahres 2014, abgerufen am 26. Oktober 2015.Conchita Wurst wird vom Public Relations Verband Austria als „Kommunikatorin des Jahres“ geehrt, abgerufen am 26. Oktober 2015. Im Dezember 2014 wurde Conchita Wurst vom Nachrichtenmagazin Profil – gemeinsam mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin – zum Menschen des Jahres gekürt.
Debütalbum Conchita
mini|Conchita beim Amadeus Austrian Music Award, 2015