Anagni (sprich: Anánji) ist eine italienische Gemeinde (comune) mit Einwohnern (Stand ) in der Provinz Frosinone, Region Latium.

Geographie Anagni liegt in der Ciociaria auf einem langgestreckten Hügel oberhalb des Sacco-Tals, 66 Kilometer südöstlich von Rom und 22 Kilometer nordwestlich von Frosinone.

Die Stadt ist Mitglied in der Comunità Montana Monti Ernici.

Die Nachbargemeinden sind: Acuto, Ferentino, Fumone, Gavignano (RM), Gorga (RM), Montelanico (RM), Paliano, Piglio und Sgurgola.

Verkehr Anagni liegt mit der Ausfahrt Anagni – Fiuggi Terme an der Autobahn A1 Autostrada del Sole von Rom nach Neapel. Der Bahnhof Anagni – Fiuggi, an der Bahnstrecke Rom–Neapel, liegt sieben Kilometer vom Ortszentrum entfernt.

Geschichte In der Antike war Anagnia der Hauptort der Herniker, der 306 v. Chr. durch Quintus Marcius Tremulus für Rom erobert wurde.

Anagni ist seit dem 5. Jahrhundert Bischofssitz.

Im Mittelalter hatte Anagni eine wichtige Rolle als Residenz von Päpsten und Ort von Konklaven. Hier residierten Innozenz III., Gregor IX., Alexander IV. und Bonifatius VIII. 1106 wurde Otto von Bamberg von Papst Paschalis II. im Dom gegen dessen Willen zum Bischof von Anagni gewählt. Am gleichen Ort exkommunizierte Gregor IX. Friedrich II. zweimal (1227 und 1239). Papst Hadrian IV. verstarb am 1. September 1159 in Anagni.

Am 7. September 1303 wurde Papst Bonifatius VIII. in seiner Landvilla bei Anagni von einer Bande Bewaffneter überfallen, verprügelt und mit dem Tod bedroht. Dann versuchten die Französisch sprechenden Häscher den 68-jährigen Pontifex zu entführen, wurden aber ihrerseits von den beherzten Bürgern attackiert und mussten Bonifatius nach drei Tagen wieder freilassen. Der Vorfall ging als Attentat von Anagni in die Geschichte ein. Dieser Überfall von Anagni gab den Auftakt zur Verlegung der Papstresidenz nach Avignon und der Epoche des Avignonesischen Papsttums.

Mit dem Ende des Mittelalters verlor Anagni seine Bedeutung. 1556 wurde es vom Herzog von Alba geplündert.

Sehenswürdigkeiten Anagni hat eine gut erhaltene Altstadt mit vielen Häusern aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Der Dom Santa Maria zählt zu den schönsten romanischen Bauwerken Latiums. Der größte Teil des Doms geht noch auf die erste Bauphase 1077–1104 zurück. Das Querschiff wurde um 1200 errichtet. Papst Alexander IV. weihte 1255 die große Hallenkrypta, deren bedeutenden Fresken zwischen 1231 und 1255 entstanden und noch vollständig erhalten sind. Unterhalb des Doms steht der Papstpalast aus dem frühen 13. Jahrhundert in dem einige große, zum Teil ausgemalte, Säle zu besichtigen sind. Der Palazzo Comunale, das Rathaus, aus dem 13. Jahrhundert hat einen großen gewölbten Durchgang. Die Casa Barnekow ist ein schönes Beispiel eines Wohnhauses aus dem 14. Jahrhundert.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001 2011 2021 Einwohner 7.758 9.612 10.746 12.396 14.620 15.984 19.314 19.134 21.441 20.792 Quelle: ISTAT

Partnerstädte L’Isle-sur-la-Sorgue in der Provence Gnesen in Polen Migdal haEmek in Israel

Persönlichkeiten Saxo von Anagni (2. Hälfte 11. Jahrhundert–1133), Kardinal Gregor IX. (ca. 1167–1241), Papst Alexander IV. (ca. 1199–1261), Papst Bonifatius VIII. (ca. 1235–1303), Papst Andrea dei Conti (1240–1302), Seliger Silvestro Belli (1781–1844), Kardinal Giuseppe Pecci (1807–1890), Jesuit, Kardinal Achille Apolloni (1812–1893), Kardinal Enrico Sibilia (1861–1948), Diplomat des Heiligen Stuhls Manuela Arcuri (* 1977), Schauspielerin

Kulinarische Spezialitäten In Anagni wird ein besonderes Gebäck, die Zaoiardi di Anagni, hergestellt.Zaoiardi di Anagni

Literatur Christof Henning: Latium. Das Land um Rom. Mit Spaziergängen in der Ewigen Stadt (= Dumont-Kunst-Reiseführer). 3. aktualisierte Auflage. DuMont, Köln 2006, ISBN 3-7701-6031-2. Anton Henze, Kunibert Bering, Gerhard Wiedmann: Kunstführer Rom. 5. neu bearbeitete Auflage. Philipp Reclam GmbH, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-010402-5.

Weblinks

Anagni auf www.comuni-italiani.it (italienisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Latium