mini|Benediktinerabtei Saint-Pierre-le-Vif (Druck im Monasticon Gallicanum) Die Abtei Saint-Pierre-le-Vif () war ein Benediktinerinnen- bzw. Benediktinerkloster in Sens im Département Yonne.

Geschichte Die Kirche Saint-Pierre wurde der Überlieferung nach bereits im 3. Jahrhundert vom heiligen Savinius von Sens gegründet, dem – ebenfalls der Tradition nach – ersten Erzbischof von SensIn den Berichten über den Märtyrer Savinius ist von einem vicus Saint-Pierre die Rede (Fisquet) Gesichert hingegen ist, dass zum Beginn des 6. Jahrhunderts Theudechild, die Tochter des Frankenkönigs Theuderich I., das Frauenkloster Saint-Pierre-le-Vif gründete.Fisquet nennt konkret das Jahr 507 und erklärt den Namen le-Vif aus einer Veränderung des Begriffs vicus Mit ihrem Tod vermachte Theudechild eine große Anzahl von Domänen dem Kloster, so dass es schnell eines der reichsten des Erzbistums Sens wurde.

Seit etwa 564 unterstand die Abtei der Benediktinerregel. Im Jahr 999 wurde Saint-Pierre-le-Vif in ein Männerkloster umgewandelt. Das Kloster stand östlich der mittelalterlichen Stadt, um das sich bald ein Dorf entwickelte, das zur Vorstadt von Sens wurde.Noch heute befindet sich hier die Rue Saint-Pierre-le-Vif In den Jahrhunderten ihrer Existenz wurde die Abtei mindestens zehnmal zerstört, geplündert oder schwer beschädigt, sei es durch Feuer, normannische oder andere „barbarische“ Überfälle, oder durch Calvinisten während der Hugenottenkriege.

Die Bedeutung der Abtei innerhalb des Erzbistums Sens erschließt sich auch daraus, dass der neue Erzbischof vor seiner Amtseinführung einschließlich seines Gefolges in der Abtei wohnte und am Tag der Zeremonie selbst dann abgeholt und zur Kathedrale geführt wurde. Dieser Ablauf wird bereits im 8. Jahrhundert erwähnt und galt auch noch im 17. Jahrhundert.

Ab dem Jahr 1534 wurde die Abtei dann – wie viele andere Klöster auch – nicht mehr durch reguläre Äbte, sondern durch Kommendataräbte geleitet, die die gesamten Einkünfte des Klosters persönlich beanspruchen konnten. 1639 übernahm Saint-Pierre-le-Vif die Reformation der Mauriner. Am 1. November 1713 verlor Saint-Pierre-le-Vif dann durch königlichen Befehl den Rang einer Abtei; die Einkünfte des Klosters kamen nun nicht mehr dem Amtsinhaber zugute, sondern der Mission.

Das Kloster wurde während der Revolution verkauft. Der Käufer trat allerdings im Namen von Louise Anne de Poupardin d’Amaury auf, der Witwe von Paul Charles Marie de Loménie de Brienne. Wenig später befand sich die Abtei dann im Besitz von Étienne Charles de Loménie de Brienne, dem ehemaligen Finanzminister und jetzigen Erzbischof von Sens und Kardinal. Er beabsichtige, im Kloster seine Residenz zu nehmen und ließ im Jahr 1791 in den Gebäuden vom Architekten Pierre-François-Léonard Fontaine eine Wohnung einrichten, konnte allerdings von dem Umbau nicht mehr nennenswert profitieren, da er Ende 1793 verhaftet wurde und Anfang 1794 im Gefängnis starb.

Die Kirche wurde später abgerissen, lediglich die (unterirdische) Krypta aus dem 9. Jahrhundert blieb erhalten.Ein Plan und eine Zeichnung der Abtei findet man bei Bouvier Die Reliquien waren jedoch schon während der Zeit des Terrors von zwei Mönchen in die Kirche Saint-Pierre-le-Rond gebracht und so gerettet worden. Erst 50 Jahre später, 1843, wurden sie in die Kathedrale von Sens überführt.

Das Kloster wurde am 15. Mai 1837 als Filiale von Notre-Dame de la Charité du Bon-Pasteur d’Angers neu eröffnet. Es wurde nun einfach „Couvent du Bon Pasteur“ genannt und befasste sich bis zum 15. Juli 1921 mit jugendlichen Straftätern. Danach wurden die Gebäude von der Stadtverwaltung genutzt.

Werke aus der Abtei Chronique de Saint-Pierre-le-Vif de Sens, dite de Clarius. Chronicon Sancti Petri Vivi Senonensis, hg. von Robert Henri Bautier und Monique Gilles, 1979 Geoffroy de Courlon, Le livre des reliques de l’abbaye de de Saint-Pierre-le-Vif de Sens, hg. von Gustave Julliot und Maurice Prou, 1887

Reguläre Äbte Die Abtsliste von Saint-Pierre-le-Vif folgt der Chronik der Abtei und ist daher insbesondere für die ersten Jahrhunderte aus der Erinnerung heraus erstellt worden und daher unsicher und unvollständig. 1 – Anfang 7. Jahrhundert – Amalbert 2 – Ende 7. Jahrhundert – 704? – Aigylène 3 – 704-709? – Ebbo († um 740/750), Graf von Tonnerre, wohl 709 Erzbischof von Sens als Nachfolger seines Onkels Goéric 4 – Anfang 8. Jahrhundert – Crodolin 5 – 8. Jahrhundert – Viraibod 6 – um 800 – Berthemare 7 –?–828 – Frodebert 8 – 829–831 – Albert 9 – 831–848 – Anastase 10 – 848–866 – Didon 11 – 866?–871? – Aquila 12 – 871?–882? – Francon 13 – 882?–920? – Aiglon 14 – 920?–940 – Samson 15 – um 940 – Eudes, Abt von Cluny († 942) 16 – 940?–945 – Arigaud 17 – Daghelin 18 – Arghengère 19 – Otbert 20 – 957–974 – Notranne 21 – 979–1015 – Rainard, Onkel von Thierry Bischof von Orléans (1016–1021) 22 – 1015–1025 – Jugon (Ingon), 1014–1026 Abt von Saint-Germain-des-Prés, Vetter des Königs Robert II. 23 – 1025–1046 – Ermenalde 24 – 1046–1079 – Gerbert 25 – 1079–1085 – Haimon 26 – 1085–1096 – Hermuin 27 – 1096–1124 – Arnaud, wurde im Jahr 1105 von Pierre Adhémar, Seigneur de MiremontChâteau de Miremont in Chalvignac (Département Cantal) gefangen genommen und auf Burg VentadourChâteau de Ventadour in Moustier-Ventadour (Département Corrèze) eingesperrt, als dieser zur von Saint-Pierre abhängigen Abtei Saint-Pierre de Mauriac reiste, um einen neuen Abt einzusetzen; Pierre Adhémar de Miremont beabsichtige damit, Rechte über Mauriac durchzusetzen, die ihm nicht zustanden. 28 – 1124–1147 – Herbert; eine Beschwerde des Abtes Herbert von Saint-Pierre-le-Vif war der Auslöser, dass König Ludwig VII. 1147 damit begann, die seit 1146 bestehende Kommunalverfassung von Sens zu unterdrücken. Bei einem dagegen gerichteten Aufstand der Bürger wurde Herbert getötet. 29 – 1147–1167 – Girard 30 – 1167–1180 – Eudes 31 – 1182–1202 – Gauthier de Naud 32 – 1202–1210 – Hélie 33 – 1210–um 1215 – Huldère 34 – 1215?–1221 – Hugues l’Éventé 35 – 1221–1239 – Robert 36 – 1239–1240 – Thomas 37 – 1240–1282 – Geoffroy de Montigny-Laucourt (oder de Courlon nach seiner Mutter), der Verfasser des Reliquienbuchs der Abtei (siehe unter Literatur) 38 – 1282–1288 – Simon Pierre de Charlieu 39 – 1288–1310 – Jacques de Champigny 40 – 1310–1324 – Jean de Tricherac 41 – 1324–1338 – Jean de Paris 42 – 1338–1351 – Félix de Rigny-le-Ferron 43 – 1351–1358 – Jean de Joigny 44 – 1358–1365 – Louis de Coms 45 – 1365–1385 – Jean Séguin 46 – 1375–1390 – Eudes de Montaigu 47 – 1390–1400 – Robert de Laval 48 – 1400–1422 – Pierre d’Angers 49 – 1422–1436 – Dreux de Montaudier 50 – 1437–1439 – Michel de la Souterraine 51 – 1439–1450 – Guillaume Quatrain 52 – 1450–1470 – Olivier Chapperon 53 – 1470–1490 – Jean le Maître 54 – 1491–1511 – Guillaume Chignart 55 – 1511–1523 – Jean Bardeau 56 – 1523–1534 – Sébastien Tenarre

Kommendataräbte 57 – 1534–1537 – Jean de la Forest, Pronotar und Sekretär des Königs Franz I., 1525–1538 erster Botschafter Frankreichs im Osmanischen Reich 58 – 1539–1542 – Jean-François de Valère, in Venedig gehängt 59 – 1542–1551 – Jean de Mersancausine, Almosenier des Königs 60 – 1551–1552 – Étienne Poncher, Bischof von Bayonne 1532–1551 und Erzbischof von Tours 1551–1552 61 – 1552–1564 – Philippe Hurault de Cheverny 62 – 1564–1574 – François de Luxembourg, Vicomte de Machaud, Baron de Pougy etc. 63 – 1574–1575 – Louis Charles de Bourbon, Kardinal 64 – 1575–1579 – Louis de Mainteternes 65 – 1579–1583 – René de Birague, Kanzler von Frankreich, Kardinal 66 – 1584–1594 – Barthélemy de Crottes 67 – 1594–1636 – Charles Prévost 68 – 1636–1644 – Jean-François Berruyer 69 – 1644–1668 – Jacques Berruyer 70 – 1668–1713 – Jérémie Rouget, letzter Kommendatarabt von Saint-Pierre-le-Vif

Weitere Persönlichkeiten Paternus († um 726), Mönch in von Saint-Pierre-le-Vif, Märtyrer und Heiliger Léotherie, Schwester Ebbos, Heilige und Nonne in Saint-Pierre-le-Vif Archambaud de Troyes († 967), 958 Erzbischof von Sens, bestattet in Saint-Pierre-le-Vif Ludwig von Niederlothringen (975/980–um 1023), Sohn von Herzog Karl von Niederlothringen, starb in Saint-Pierre-le-Vif auf dem Rückweg von einer Pilgerreise zum Mont Saint-Michel.Christian Settipani, La préhistoire des Capétiens, 1993, S. 339. Er hinterließ der Abtei seine Villa in AriscourtAriscourt konnte bislang nicht lokalisiert werden Odorannus von Sens (um 985–um 1046), Mönch in Saint-Pierre-le-Vif, Chronist und Musikwissenschaftlerer, Steinmetz und Goldschmied Dietrich (Thierry), Bischof von Orléans von etwa 1016 bis 1021, wurde in Saint-Pierre-le-Vif erzogen, als sein Onkel Rainard Abt war.

Literatur Abbé Henri Bouvier: Histoire de l’abbaye de saint-Pierre-le-Vif de Sens, 1891, 214 S.; Honoré Fisquet: La France ponticale (Gallia christiana). Métropole de Sens, Sens-et-Auxerre, 1865, S. 201–202

Anmerkungen

Sens Kategorie:Ehemaliges Benediktinerkloster in Frankreich Kategorie:Bauwerk in Sens Sens