mini|Lage an der Stadtgrenze Berlins Wildau (bis 1922 Hoherlehme, ursprünglich Hoherlöhme, Datenbank Niedersorbischer Ortsnamen - Sorbisches Institut Cottbus) ist eine Stadt im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg in Deutschland. Bekannt ist die Stadt vor allem durch die ansässige Technische Hochschule Wildau. Seit 2024 trägt Wildau den Beinamen Hochschulstadt.

Geografie Wildau liegt nahe dem südöstlichen Stadtrand von Berlin am Hang des Teltowplateaus. Der Ort wird östlich durch die Dahme begrenzt, die der gesamten Region ihren Namen gab.

Die Stadt besitzt zwei Kerne, die historische Dorflage Hoherlehme und das in industrieller Zeit entstandene eigentliche Wildau. Neben Hoherlehme gibt es vier weitere bewohnte Gemeindeteile: Röthegrund, Schwartzkopff-Siedlung, Waldsiedlung und der Wohnplatz Bergsiedlung.

Im Süden und Osten geht Wildau in die ehemalige Kreisstadt Königs Wusterhausen und im Norden nahtlos in die Gemeinde Zeuthen über. Im Westen trennt eine waldreiche Gegend den Ort von der Gemarkung Kiekebusch in der Gemeinde Schönefeld. Die Stadt liegt im Einflussraum des Flughafens Berlin Brandenburg.

Geschichte Die urkundliche Ersterwähnung des Dorfes Hoherlehme ist im Landbuch Karls IV. aus dem Jahr 1375 zu finden. Dort ist Hoherlehme mit dem Namen Alta Lomen aufgeführt.Lieselott Enders (Bearb.): Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil 4 Teltow. Böhlau, Weimar 1976 (= Veröffentlichungen des Staatsarchivs Potsdam, Bd. 13), S. 152 Jedoch begann die Besiedlung des heutigen Stadtgebiets weitaus früher. So belegen Bodenfunde, dass es hier schon in der Bronzezeit (etwa 2000 – 700 v. Chr.) Siedlungen gab. Ein Beispiel ist die Gegend südlich der Autobahnbrücke (BAB 10) bis zur Neuen Ziegelei. Weitere Funde belegen die Besiedlung über die Bronzezeit bis hin zu einer slawischen Siedlung.

Der Ortsname Wildau wurde am 22. November 1855 erstmals erwähnt, als das Gut Springziegelei den Beinamen Wildau erhielt.Kulawsky, Richard: „Geschichte der Gemarkung Hoherlehme-Wildau“ Dort befand sich bereits im Jahr 1846 ein Ziegeleietablissement, das jedoch keinen Namen trug. 1855 war es ein Ackergut, „am Wege von Königs Wusterhausen und Hoherlehme gelegen“, das bisher unter dem Namen „Springziegelei“ geführt wurde. Dort standen 1860 zwei Wohn- und drei Wirtschaftsgebäude. Durch den Kreis Teltow wurden im Jahr 1874 die drei Teile des ehemaligen Vorwerks Hoherlehme, Wildau, Neue Ziegelei und Gut Hoherlehme in den Gemeindeverband der Dorfgemeinde Hoherlehme „incommunalisiert“, d. h. vereinigtVerwaltungs-Bericht des Kreis-Ausschusses des Kreises Teltow 1874 .

Den Durchbruch als Industriestandort brachte 1897 die Ansiedlung des Maschinenbauunternehmens Berliner-Maschinenbau-Actien-Gesellschaft vormals Louis Schwartzkopff, das in Wildau Lokomotiven herstellte. Mit der Ansiedlung eines zweiten Betriebes, der Maffei-Schwartzkopff-Werke GmbH, gewann der Standort zunehmend an Bedeutung.

Die Gemeinde Hoherlehme wurde 1922 in Wildau umbenannt. Im Jahr 1931 standen dort 252 Wohnhäuser. 1939 gab es in Wildau einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb, der mehr als 100 Hektar bewirtschaftete. Hinzu kamen vier Betriebe mit einer Fläche zwischen 20 und 100 Hektar, sechs Betriebe mit einer Fläche zwischen 10 und 20 Hektar sowie ein Betrieb mit einer Fläche von 5 bis 10 Hektar. Weitere drei Betriebe besaßen 0,5 bis maximal 5 Hektar Land. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 434 Hektar Fläche enteignet und 336 davon aufgeteilt. Ein Betrieb erhielt 0,9 Hektar, ein weiterer Betrieb zwei Hektar, zwei Betriebe zusammen 17 Hektar sowie 24 Betriebe zwischen 10 und 15 Hektar (zusammen 301 Hektar). Weitere 15 Hektar wurden auf vier Altbauern aufgeteilt. Im Jahr 1958 gründete sich eine LPG vom Typ III, die sich mit der LPG Zeuthen und PLG Zeuthen-Wildau zusammenschloss. Dieses Konstrukt wurde im Jahr 1959 wiederum mit der LPG Zeuthen-Miersdorf zusammengelegt.

Neben den unten weiter beschriebenen Industriebetrieben gab es im Jahr 1973 ein Möbelwerk des Kreises Königs Wusterhausen, den VEB Molkerei Königs Wusterhausen Wildau-Hoherlehme, die PGH Aufbau Halbe, Zweigstelle Wildau, das Friseurhandwerk Wildau, das Malerhandwerk Wildau und die Mechanischen Werkstätten Zweigstelle Wildau.

Am 27. März 2013 verlieh die Landesregierung der Gemeinde Wildau das Stadtrecht, das sie ab 1. April offiziell führen durfte.

Industriegeschichte

mini|Diese „Kriegslok“ der Baureihe 52 erinnert auf dem ehemaligen Werksgelände an den Wildauer Lokomotivbau

Der Maschinenbaustandort Wildau wurde durch die Eröffnung des Lokomotivwerks der Berliner Maschinenbau AG (BMAG) 1900 begründet. Die BMAG erwarb dazu ein großes, unmittelbar westlich der Bahnlinie gelegenes Grundstück, das für die Lastenschifffahrt durch einen Stichkanal an die Dahme angebunden wurde.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion teilweise auf Rüstungsgüter umgestellt und Kriegsgefangenen- und NS-Zwangsarbeit in Wildauerlager eingerichtet. Im nördlichen Werksteil produzierten ab 1907 die Maffei-Schwartzkopff-Werke, ab 1936 die AEG. Hier wurden unter anderem Flugzeugteile hergestellt. 1949 wurden beide Werksteile zu einem Volkseigenen Betrieb vereinigt. Die Produktion wurde von Lokomotiven auf den Schwermaschinenbau umgestellt. Ab 1952 hieß das Werk Schwermaschinenbau „Heinrich Rau“ (SHR), ab 1969 war es Teil des Schwermaschinenbaukombinats „Ernst Thälmann“ (SKET). Nach 1990 wurden die meisten Anlagen durch die Treuhandanstalt stillgelegt.

Das Gelände des Industriestandorts wird heute durch die Technische Hochschule Wildau sowie Neuansiedlungen und Nachfolgefirmen des Schwermaschinenwerks (unter anderem die Wildauer Kurbelwellen GmbH) genutzt.

Schwartzkopff-Siedlung mini|Haus in der Schwartzkopff-Siedlung Entscheidend geprägt wird der Ort durch die ab 1899 gebaute „Schwartzkopff-Siedlung“, eine nach dem Unternehmen von Louis Schwartzkopff benannte Arbeitersiedlung der Belle Époque. Die unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Wohnhäuser für Arbeiter und Angestellte des Werkes sind mit Gliederungselementen aus markanten roten Klinkersteinen erbaut. Diese wurden als „märkisch“ empfunden und passen sich dadurch gut in die Region ein. Im Gegensatz zu Berliner Arbeiterwohnungen der gleichen Zeit besitzen alle Wohnungen eine Innentoilette und einen Hausgarten. Bis 1918 war die Siedlung größtenteils fertiggestellt, sie bestand aus 164 Häusern und 820 Werkswohnungen. Dazu gehörten auch Versorgungseinrichtungen, eine Schule sowie ein „Casino“ genanntes Vergnügungslokal mit großem Festsaal. Bis 1926 kamen noch weitere Häuser dazu.Irmgard Hornung: „100 Jahre Schwartzkopff-Siedlung“. In: Wildauer Heimatbuch, Horb am Neckar 1999 S. 73 ff

Insgesamt ist die Siedlung einheitlich angelegt, nach Entstehungsjahr und Lage variieren die Gebäude jedoch in Art und Ausstattung. In der heutigen Karl-Marx-Straße sind die Gebäude im Bereich der Bahntrasse als zweizügige Häuser mit zweigeschossigem Aufbau realisiert. Die von der durch die Siedlung mittig verlaufenden Straße aus in Richtung Dahmewiesen und Dahmelauf gelegenen Häuser wurden vorrangig zweizügig und dreigeschossig aufgebaut. Einzelne Häuser sind auch einzügig, hauptsächlich End- oder Eckhäuser.

Im Bereich der Friedrich-Engels-Straße zum Dahmelauf stehende Häuser sind ausnahmslos dreigeschossig und mit Balkonen versehen, während im Bereich der Karl-Marx-Straße Balkone nicht bei allen Häusern vorhanden sind.

Da die gesamte Siedlung unter Denkmalschutz steht, muss bei Sanierungsarbeiten auf die Erhaltung oder Wiederherstellung stilistischer Merkmale geachtet werden. Insbesondere wurden die Sprossenfenster mit ihrem vierflügligen Ausbau wiederhergestellt, die zuvor teilweise durch Dreh-/Kipp-Fenster ersetzt worden waren. Die Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen in der Siedlung wurden im Januar 2012 durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz im Rahmen der Verleihung des Deutschen Bauherrenpreises mit dem Sonderpreis „Denkmalschutz im Wohnungsbau“ prämiert.Preise für Denkmalschutz im Wohnungsbau vergeben. In: Monumente, Nr. 1 – Februar 2012, S. 98 Die Gärten der Häuser unterliegen nun strengen Einschränkungen in der Gestaltung. Gartenmieter sind an die „Mietergartenfibel“ gebunden. Als Hecken zugelassen sind wenige Pflanzen. Darunter Feldahorn (Acer campestre) und Hainbuche (Carpinus betulus). Der Heckenbeschnitt muss in Trapezform ausgeführt werden. Es gibt eine Mustervorlage für die Gärten, die sich allerdings keineswegs an der historischen Nutzung orientiert (Die Gärten sollten den Familien zur Versorgung dienen).

Zierelemente sind nur bei einzelnen Häusern verwendet worden. So sind im Bereich der Karl-Marx-Straße einzelne, zur Straße gewandte Fronten mit Ornamenten aus rotem Backstein versehen, teilweise wurden kleine Zinkzinnen auf den Giebeln und Firsten aufgestellt.

Trotz der deutlichen Variationen wird die Siedlung als harmonisch und stilistisch geschlossen empfunden.

In der gleichen Bauphase wurden auch Villen für die Fabrikdirektoren gebaut, die sich ringsum auf dem ehemaligen Gutsgelände Springziegelei in der heutigen Eichstraße befinden. Die Eichstraße war Privatstraße und durfte von den Arbeitern des Werkes nicht benutzt werden.

Die Siedlung wurde im Zweiten Weltkrieg trotz der Bombardierung des nahegelegenen Lokomotivwerkes mit seiner Rüstungsgüterproduktion nicht stark zerstört. Die Fabrikantenvillen in der Eichstraße wurden nach 1945 als Kindergarten und Schulhort, heute durch eine Privatschule und einen Jugendklub genutzt.

Bis in die 1990er-Jahre wurde die Siedlung weitestgehend vernachlässigt. Nach 1989 waren viele Wohnungen unbewohnt, der bauliche Zustand einiger Häuser war schlecht. Zudem war die Bewohnerschaft zu diesem Zeitpunkt einkommensschwach. 1994 ergab eine Befragung, dass 15 % der Bewohner ohne Arbeit waren. Weitere 14 % waren im Rahmen von Förderungsmaßnahmen befristet beschäftigt. Die Siedlung galt als das Armenhaus von Wildau. 1996 brachten die ungeklärten Eigentumsverhältnisse eine Notverwaltung. Erste Sanierungsarbeiten wurden wieder eingestellt. 1997 lebten in der Schwartzkopff-Siedlung noch immer 250 Familien ohne Bad. 2001 kam es zu einer Einigung mit der Jewish Claims Conference. Ab 2003 kam es zu umfangreichen Sanierungen.

Das ehemalige Casino wurde nach 1945 zum Kulturhaus der Schwermaschinenbauer und ist heute unter dem Namen Volkshaus das Rathaus der Stadt.Irmgard Hornung: Casino, Kameradschaftsheim, Kulturhaus, Volkshaus, Kulturhaus der Schwermaschinenbauer. In: Wildauer Heimatbuch, Horb am Neckar 2001, S. 313ff.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 290 1890 311 1910 2.865 1925 4.347 1933 4.509 1939 5.664 Jahr Einwohner 1946 5.166 1950 5.501 1964 8.391 1971 8 122 1981 7.826 1985 7.506 Jahr Einwohner 1990 7.089 1995 7.697 2000 9.352 2005 9.542 2010 9.898 2015 9.978 Jahr Einwohner 2020 10.633 2021 10.848 2022 10.491 2023 10.501 2024 10.717202510.952

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991),Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Dahme-Spreewald. S. 34–37Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Wildau besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 22 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 63,2 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9 Juni 2024