Adolf Wilhelm Kurt Freiherr von Wilmowsky (* 7. Mai 1850 in Merseburg; † 6. August 1941 in Jena) war ein preußisch-deutscher Rittergutsbesitzer, Verwaltungsjurist, Ministerialbeamter und Politiker (DNVP). Er war im Kaiserreich 1894–1895 Chef der Reichskanzlei, von 1901 bis 1906 Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein, anschließend bis 1908 Oberpräsident der Provinz Sachsen und dann bis 1921 Landeshauptmann des Provinzialverbands Sachsen sowie von 1913 bis zum Ende der Monarchie 1918 Mitglied des Preußischen Herrenhauses. In der Zeit der Weimarer Republik gehörte er von 1921 bis 1928 dem Preußischen Staatsrat an.
Herkunft Die Familie Wilmowsky (auch Wilmowski) wurde 1558 von König Sigismund II. August von Polen in den polnischen Adelsstand erhoben. 1561 erhielten Angehörige des Geschlechts einen böhmischen Wappenbrief.
Kurt von Wilmowsky war der Sohn von Karl von Wilmowski (1817–1893), 1869–1888 Chef des Geheimen Zivilkabinetts von Kaiser Wilhelm I. und Mitglied des Preußischen Herrenhauses, der 1888 in den erblichen Freiherrenstand im Königreich Preußen erhoben wurde, und Anna Freifrau von Wilmowsky geb. von Seebach († 1895) auf Marienthal. Der Jurist Gustav von Wilmowski war sein Onkel.
Leben und Karriere Wilmowsky besuchte das französische Gymnasium in Berlin, wo er am 10. September 1867 die Reifeprüfung ablegte. Er studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Lausanne, Heidelberg und Berlin. Nach der ersten Staatsprüfung am 26. Juli 1870 begann von Wilmowsky eine Beamtenlaufbahn als Kammergerichts-Referendar. 1876 wurde er nach dem bestandenen 2. Staatsexamen zum Gerichts-Assessor ernannt und arbeitete ab 1877 als Regierungs-Assessor in Hannover. Anschließend wurde er Amtmann in Norden (Ostfriesland). 1891 wurde er zum Geheimen Oberregierungsrat befördert und arbeitete als Mitglied der Ansiedlungskommission für Posen und Westpreußen sowie im Ausschuss für Hochwasserfragen.
Nach dem Tod seines Vaters übernahm Wilmowsky 1893 das Rittergut Marienthal mit Schloss Marienthal in der Nähe von Eckartsberga in der Provinz Sachsen.Nach Tilo von Wilmowsky: Rückblickend möchte ich sagen… An der Schwelle d. 150jähr. Krupp-Jubiläums, Stalling, Oldenburg, Hamburg 1961, S. 14 ff., erwarb er Um 1920 benennt der Gotha eine Marienthaler Besitzgröße mit den Nebengütern Burgholzhausen und Lindenberg von 805 ha. Ab 1894 diente er in Berlin als Chef der Reichskanzlei unter Reichskanzler Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst. Im Jahre 1895 wechselte er als Vortragender Rat an das preußische Landwirtschaftsministerium. Der Johanniterorden, dem Wilmowsky bereits seit 1886 als Ehrenritter angehörte, ernannte ihn 1896 zum Rechtsritter. Die feierliche Aufnahme erfolgte am 24. Juni in der Johanniterkirche zu Sonnenburg, gemeinsam mit Ferdinand Graf Zeppelin u. a.
1901 wurde von Wilmowsky zum Oberpräsidenten der Provinz Schleswig-Holstein ernannt. Von 1906 bis 1908 war er Oberpräsident der Provinz Sachsen in Magdeburg. Von 1908 bis 1921 amtierte er als Landeshauptmann des Provinzialverbands Sachsen, das heißt als Leiter des höheren kommunalen Selbstverwaltungskörperschaft der Provinz Sachsen, mit Sitz in Merseburg. Aus besonderem königlichen Vertrauen wurde er durch Allerhöchsten Erlass vom 16. Juni 1913 auf Lebenszeit in das Preußische Herrenhaus berufen. Dieses Mandat endete mit der Novemberrevolution 1918. Im Herrenhaus war er Fraktionsführer der Konservativen. Am 28. Dezember 1915 wurde er Kreisdeputierter im Kreis Eckartsberga.
In der Zeit der Weimarer Republik war Wilmowsky ab 1918 Mitglied der DNVP. Für diese wurde er in den Provinziallandtag der Provinz Sachsen gewählt. Dieser wählte ihn 1921 in den Preußischen Staatsrat, dem er als Alterspräsident auf der konstituierenden Sitzung vorstand. Dem Staatsrat gehörte er bis zum 31. Dezember 1928 an. Er war stellvertretender Vorsitzender des Verfassungsausschusses der Staatsrates. Im Jahr 1919 wurde von Wilmowsky außerdem zum Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt gewählt.
Familie Kurt von Wilmowsky heiratete am 28. Mai 1877 Auguste von Wilke (* 7. April 1856), die Tochter des Hermann Karl von Wilke (Generalkonsul in London und Geheimer Legationsrat im Auswärtigen Amt) und der Sidonie von Wilke geb. Nuglisch. Sein Sohn Tilo von Wilmowsky war Agrarpolitiker der Deutschnationalen Volkspartei und nach seiner Heirat mit Barbara Krupp stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Friedrich Krupp AG. Sein zweitgeborener Sohn Friedrich von Wilmowsky wurde Generalleutnant und war als solcher bis 1945 aktiv.
Literatur Joachim Lilla: Der Preußische Staatsrat 1921–1933. Ein biographisches Handbuch. Mit einer Dokumentation der im „Dritten Reich“ berufenen Staatsräte (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 13). Droste, Düsseldorf 2005, S. 179–180, ISBN 3-7700-5271-4. Tilo von Wilmowsky: Rückblickend möchte ich sagen… An der Schwelle d. 150jähr. Krupp-Jubiläums, Stalling, Oldenburg, Hamburg 1961. DNB. Reprint: Landwirtschafts-Verlag, Münster-Hiltrup 1990, ISBN 3-7843-1331-0. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser B (Briefadel), Band I, Band 7 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1954, Seite 474–475. Erich Neuß: Geschichte des Geschlechtes v. Wilmowsky. Eine Grundlegung. Mit 2 farbigen Wappentafeln, 35 Abbn. auf 25 Tafeln, 36 Abbn. und Handschriftenbildern im Text, 17 Übersichtstafeln im Text und 3 Stammtafeln. Offizin Gebauer-Schwetschke, Halle (Saale) 1938, S. 338–363. Herrmann A. L. Degener: Wer ist's?, Zeitgenossenlexikon, IX. Ausgabe, Hermann Degener, Berlin 1928. Liste der Mitglieder der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem 1905, Julius Sittenfeld, Berlin 1905, S. 34 ff.
Weblinks Literaturliste im Online-Katalog der Staatsbibliothek zu Berlin Nachlass Bundesarchiv N 2331
Einzelnachweise
Kategorie:Verwaltungsjurist Kategorie:Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt Kategorie:Mitglied des Preußischen Herrenhauses Kategorie:Mitglied des Provinziallandtages der Provinz Sachsen Kategorie:Mitglied des Preußischen Staatsrats (1921–1933) Kategorie:Landeshauptmann (Provinzialverband Sachsen) Kategorie:DNVP-Mitglied Kategorie:Freiherr Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1850 Kategorie:Gestorben 1941 Kategorie:Mann