Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Reutlingen Gliederung: 28 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 71.200 (2005) Adresse desDekanatamtes: Charlottenstr. 1672336 Balingen Dekan: Michael Schneider Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Balingen innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg

Der Evangelische Kirchenbezirk Balingen ist einer von derzeit (2026) 35 Kirchenbezirken bzw. Kirchenkreisen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet ist deckungsgleich mit dem Dekanat Balingen.

Geographie Der Kirchenbezirk Balingen liegt im Süden der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasst fast den gesamten Zollernalbkreis, also die Städte und Gemeinden Albstadt, Balingen, Bisingen, Bitz, Burladingen, Dautmergen, Dormettingen, Dotternhausen, Geislingen (Zollernalbkreis), Grosselfingen, Haigerloch, Hausen am Tann, Hechingen, Jungingen, Meßstetten, Nusplingen, Obernheim, Ratshausen, Rangendingen, Rosenfeld, Schömberg, Straßberg, Weilen unter den Rinnen, Winterlingen und Zimmern unter der Burg, ferner den Westen des Landkreises Sigmaringen, also die Städte und Gemeinden Bingen (ohne Ortsteil Hochberg), Inzigkofen (ohne Ortsteil Engelswies), Krauchenwies (ohne Ortsteil Göggingen), Meßkirch (nur Stadtteile Dietershofen, Rengetsweiler und Ringgenbach), Pfullendorf (nur Stadtteile Gaisweiler, Mottschieß und Otterswang), Sigmaringen (ohne Stadtteil Gutenstein), Sigmaringendorf und Wald (ohne Ortsteil Sentenhart) und die Gemeinde Hohenfels im Landkreis Konstanz.

Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Balingen grenzt an folgende Kirchenbezirke (im Uhrzeigersinn beginnend im Südwesten): Rottweil, Tübingen und Reutlingen (alle Prälatur Reutlingen) sowie Biberach (Prälatur Ulm). Im Süden hat er eine Grenze zur Evangelischen Landeskirche in Baden.

Geschichte Das Gebiet des heutigen Dekanats bzw. Kirchenbezirks Balingen gehört im Nordosten zum alten Kernland Württemberg, wo ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. Dieses Gebiet ist daher mehrheitlich evangelisch geprägt und es gibt in fast jedem Dorf eine meist alte evangelische Kirche. Der Nordwesten und der Süden des Kirchenbezirks Balingen gehörte ehemals zu den Fürstentümern Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen, die 1850 preußisch wurden und dann die Hohenzollerischen Lande bildeten. Dieses Gebiet war nach der Reformation katholisch geblieben. Hier zogen überwiegend erst seit dem 19. Jahrhundert evangelische Bewohner zu und es wurden evangelische Kirchengemeinden gegründet.

Balingen wurde nach Einführung der Reformation 1547 Sitz einer Spezialsuperintendentur, die zunächst zur Generalsuperintendentur bzw. zum Generalat Tübingen, später Bebenhausen gehörte. 1810 kam das Dekanat Balingen zum Generalat Tübingen, 1823 zum Generalat Reutlingen, und 1913 zum Generalat Ulm, aus dem 1924 die heutige Prälatur Ulm hervorging. Seit 1956 gehört das Dekanat Balingen wieder zur Prälatur Reutlingen.

Am 1. April 1950 wechselten die ehemals preußischen Kirchengemeinden Haigerloch, Hechingen und Sigmaringen, die bis dahin zum Kirchenkreis der Hohenzollerischen Lande in der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union (EKapU) gehört hatten, aufgrund eines Vertrages zwischen der EKapU und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in die württembergische Landeskirche überVolker Trugenberger: Hohenzollern. In: Württembergische Kirchengeschichte Online (WKGO), zuletzt abgerufen am 20. Juni 2022. und wurden hier dem Kirchenbezirk Balingen zugeordnet. Später wurden in diesem Gebiet weitere Kirchengemeinden in Bisingen, Ostrach und Rangendingen errichtet.

Zum 1. Januar 2002 wurde die Kirchengemeinde Burladingen vom Kirchenbezirk Reutlingen in den Kirchenbezirk Balingen umgegliedert. In den evangelischen Gemeinden in Hohenzollern hat die altpreußische Gottesdienstform auf Wunsch der Gemeinden auch weiterhin Bestand.Antonia Lezerkoss: Südwest Presse Online, 3. Februar 2017, abgerufen am 18. Februar 2018.Dagmar Stuhrmann: Südwest Presse Online, 26. Januar 2017, abgerufen am 18. Februar 2018.Hechingen: Ein Abschied voller Wehmut. Schwarzwälder Bote, 13. Februar 2013, abgerufen am 18. Februar 2018.

2023 wechselte die Kirchengemeinde Ostrach vom Kirchenbezirk Balingen zum Kirchenbezirk Biberach.

Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks obliegt der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan. Derzeitiger Dekan ist seit 2013 Beatus Widmann, der zugleich einer der Pfarrer an der Stadtkirche in Balingen ist.

Dekane des Kirchenbezirks Balingen seit 1800 1800–1807 Eberhard Friedrich Cless 1807–1824 Johann Jakob Baur 1824–1831 Georg Friedrich Simeon Gundert 1831–1837 Gottlieb Friedrich Rapp 1838–1855 Christoph Friedrich Fraas 1855–1860 August Wilhelm Georgii 1861–1867 Wilhelm August Heinrich Klemm 1867–1873 Karl Ludwig Heinrich Haug (1818–1880) 1873–1880 Karl Hermann Cranz (1824–1895) 1880–1887 Karl Sixt Kapff (1833–1901) 1887–1893 Karl Heinrich Adolf Hoffman (1844–1912) 1893–1897 Eugen Julius Kern 1897–1906 Reinhold Wiedersheim (1857–1909) 1906–1927 Heinrich Meissner 1927–1946 Karl Pfleiderer 1946–1962 Karl Baur (1898–1962) 1963–1978 Johannes Nill (* 1915) 1978–1986 Hans Kümmel (1936–2014) 1986–1993 Albrecht Plag (1929–2017)Dekan Plag 1994–2003 Gotthilf Karl Baumann (1937–2025)Gotthilf Karl Baumann 2003–2012 Martin Seitz (* 1952) 2013–2023 Beatus Widmann (* 1957) seit 2023 Michael Schneider

Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Balingen gibt es insgesamt 28 Kirchengemeinden, von denen sich zehn zu insgesamt vier Gesamtkirchengemeinden zusammengeschlossen haben, bleiben aber weiterhin eigenständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf das Jahr 2005 und sind gerundet.

Das Gebiet des Kirchenbezirks Balingen ist im Nordosten überwiegend evangelisch, im Westen und Süden jedoch überwiegend katholisch geprägt. Alte evangelische Kirchen bzw. Kirchengemeinden gibt es daher nur in den Orten, die schon früh die Reformation eingeführt haben, also überwiegend im altwürttembergischen Teil. In den mehrheitlich katholischen Orten der Fürstentümer Hechingen und Sigmaringen, die im 19. Jahrhundert preußisch wurden (Hohenzollernsche Lande), zogen evangelische Bewohner erst seit dem 19. Jahrhundert bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg zu, so dass es dort meist jüngere evangelische Kirchengemeinden gibt.

Gesamtkirchengemeinde Balingen Die Gesamtkirchengemeinde Balingen umfasst die Kernstadt von Balingen. Sie wurde mit Wirkung vom 5. Dezember 1971 gebildet, als die bis dahin alleinige Kirchengemeinde Balingen in die beiden Kirchengemeinden „Stadtkirchengemeinde Balingen“ und „Kirchengemeinde auf Schmiden Balingen“ aufgeteilt und diese wiederum in der Gesamtkirchengemeinde Balingen zusammengeschlossen wurden. Das Kultusministerium hatte mit Schreiben vom 25. Oktober 1971 die Gesamtkirchengemeinde sowie die beiden Teilkirchengemeinden als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt. Mit Wirkung vom 12. November 1989 wurde dann noch die selbständige „Kirchengemeinde Balingen Ost“ durch Abtrennung von der Stadtkirchengemeinde Balingen errichtet, so dass die Gesamtkirchengemeinde Balingen heute aus drei Kirchengemeinden besteht.Internetauftritt der Gesamtkirchengemeinde Balingen

Stadtkirchengemeinde Balingen mini|120px|Stadtkirche Balingen Die Stadtkirchengemeinde Balingen (ca. 2.000 Mitglieder) umfasst Teile der Kernstadt von Balingen. Die erste Balinger Kirche wurde 1255 erwähnt und war Unserer Lieben Frau geweiht. Sie war die Pfarrkirche des alten Dorfes Balingen und blieb zunächst auch die Pfarrkirche der Stadt nach deren Gründung. Doch lag sie außerhalb der Stadtmauer. Aus der 1343 erwähnten Kapelle St. Nikolaus im heutigen Stadtzentrum wurde dann im 15./16. Jahrhundert die heutige Stadtkirche erbaut und 1516 zur Pfarrkirche erhoben. Seitdem wurde die bisherige Kirche als Friedhofskirche genutzt. Württemberg führte die Reformation ein und 1547 wurde Balingen Sitz eines Superintendentur, aus welcher der heutige Kirchenbezirk Balingen hervorging. Über Jahrhunderte war die Stadtkirche dann die einzige Pfarrkirche Balingens. Infolge starken Wachstums der Kirchengemeinde Balingen wurden im 20. Jahrhundert weitere Pfarreien errichtet. So wurde die alte Friedhofskirche 1954 wieder zur Pfarrkirche erhoben und dort 1989 die selbständige Kirchengemeinde Balingen Ost errichtet. Zur Pfarrei gehören auch die Gemeindeglieder in Heselwangen, wobei Heselwangen jedoch eine eigene Kirchengemeinde bildet. Im Wohngebiet Schmiden entstand dann 1968 ein weiteres Gemeindezentrum mit eigener Pfarrei. 1971 wurde dort die selbständige Kirchengemeinde auf Schmiden Balingen innerhalb der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Balingen gebildet.

Kirchengemeinde Heselwangen-Balingen mini|links|120px|Evangelische Kirche Heselwangen Die Kirchengemeinde entstand am 1. Januar 2019 durch Fusion der Kirchengemeinde Balingen-Ost mit der Kirchengemeinde Heselwangen.Steffen Maier: Balingen-Ost ist endgültig Geschichte, Schwarzwälder Bote vom 6. Juli 2018, abgerufen am 1. Mai 2023.

Kirchengemeinde Engstlatt-Auf Schmiden mini|120px|Friedhofkirche in Balingen Die Kirchengemeinde Engstlatt-Auf Schmiden (ca. 1.700) umfasst Teile der Kernstadt von Balingen. Infolge starken Wachstums der Kirchengemeinde Balingen wurden im 20. Jahrhundert neben der Stadtkirchenpfarrei weitere Pfarreien errichtet. So wurde die alte Friedhofkirche 1954 wieder zur Pfarrkirche erhoben und dort 1989 auch eine selbständige Kirchengemeinde Balingen Ost errichtet. Im Wohngebiet Schmiden entstand 1968 ein drittes Gemeindezentrum in der Kernstadt mit eigener Pfarrei. Mit Wirkung vom 5. Dezember 1971 wurde dort eine selbständige Kirchengemeinde errichtet, als die bis dahin alleinige Kirchengemeinde Balingen in die beiden Kirchengemeinden „Stadtkirchengemeinde Balingen“ und „Kirchengemeinde auf Schmiden Balingen“ aufgeteilt und diese wiederum in der Gesamtkirchengemeinde Balingen zusammengeschlossen wurden.

Die lange Zeit selbständige Kirchengemeinde Engstlatt (ca. 1.050) umfasste den Stadtteil Engstlatt der Stadt Balingen. Eine Kirche und Pfarrei wurde in Engstlatt 1275 erstmals erwähnt. 1368 wurde sie St. Petrus genannt. Das Patronat hatte wohl Zollern, später Württemberg, das die Reformation einführte. Die Peterskirche ist gotischen Ursprungs und hat einen Westturm. Der Chor wurde 1471 erbaut. In der Nachbarschaft das Pfarrhaus mit reichem Fachwerk.

Verbundkirchengemeinde Bickelsberg-Brittheim Die Verbundkirchengemeinde Bickelsberg-Brittheim besteht seit 2019.

Kirchengemeinde Bickelsberg mini|120px|Georgskirche in Bickelsberg Die Kirchengemeinde Bickelsberg (etwa 700 Mitglieder) umfasst den Stadtteil Bickelsberg der Stadt Rosenfeld. Kirchlich gehörte Bickelsberg zunächst zu Leidringen. Eine Kapelle St. Georg wurde 1322 erwähnt. Sie wurde 1505 zur eigenen Pfarrei erhoben. 1534 wurde die Reformation eingeführt. Die heutige Kirche wurde 1746 erbaut, der Turm ist aber älter. Das Pfarramt Bickelsberg betreut seit 1542 auch die direkt benachbarte Kirchengemeinde Brittheim.

Kirchengemeinde Brittheim Die Kirchengemeinde Brittheim umfasst den Stadtteil Brittheim der Stadt Rosenfeld. Eine Kirche und Pfarrei wird in Brittheim bereits 1275 erwähnt. Der Kirchensatz gehörte im 14. Jahrhundert den Herren von Zimmern, anschließend einigen Bürgern von Rottweil, schließlich dem Kloster Alpirsbach. 1534 wurde die Reformation eingeführt. 1542 wurde die Pfarrei mit Bickelsberg vereinigt, wo sich seither der Pfarrsitz befindet. Die heutige Allerheiligen-Kirche in Brittheim wurde 1860/61 generalsaniert, ist aber sehr viel älter, unter anderem der Turm. Die Kirchengemeinde Brittheim wird bis heute vom Pfarramt Bickelsberg betreut.

Kirchengemeinde Bisingen mini|links|120px|Christuskirche in Bisingen