mini|350px|Triumphsäule des Tiberius, Noviomagus Batavorum, 15 n. Chr.,FO: Kastell Valkhof, AO: Museum Het Valkhof Ulpia Noviomagus Batavorum ist der Name eines ehemaligen römischen Municipiums, aus dem später die Stadt Nijmegen in der heutigen niederländischen Provinz Gelderland entstand.

Ulpia Noviomagus Batavorum entwickelte sich aus der zivilen Siedlung Oppidum Batavorum (Stadt der Bataver), auch Batavodurum, die bei einem römischen Legionslager aus den Canabae dieses Lagers heraus entstanden war. Das Legionslager war bereits zu Beginn des zweiten vorchristlichen Jahrzehnts auf dem Hunnerberg angelegt worden und beherbergte neben mindestens einer Legion (darunter wahrscheinlich die Legio VIII Augusta) vermutlich auch batavische Auxiliartruppen. 12 v. Chr. wurde es durch ein kleineres Vexillationskastell auf dem benachbarten Kops Plateau ersetzt, bis dieses im Zusammenhang mit dem Bataveraufstand aufgelassen wurde. Ein neues Lager wurde bald nach den Ereignissen des Vierkaiserjahres, diesmal erneut auf dem Hunnerberg und erneut als Legionslager, vielleicht von der Legio II Adiutrix errichtet und war in der Folgezeit einer der wichtigsten Stützpunkte in der römischen Provinz Germania inferior. Von 71 bis 104 war dort die Legio X Gemina pia fidelis stationiert. Mit ihrer Stationierung ging ein wirtschaftlicher Aufschwung der Region einher. Nach deren Verlegung auf den Balkan nutzten die Legio XXX Ulpia Victrix aus Vetera und die Legio VIIII Hispana aus Eboracum noch für kurze Zeit das Lager, bis es spätestens um 175 vom Niedergermanischen Heer der Römer (Exercitus Germaniae inferioris) aufgegeben wurde. Vermutlich unter Kaiser Valentinian I. wurden die an der Straße nach Lugdunum Batavorum (Katwijk) liegenden, verfallenen Kastelle, die gegen Ende des dritten Jahrhunderts letztmals errichtet worden waren, darunter auch in Noviomagus, noch einmal instand gesetzt, um die Getreidelieferungen aus Britannien für die Rheinarmee zu sichern. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts endete die römische Vorherrschaft am Rhein.

Die zivile Siedlung wurde unter Trajan verlegt, änderte ihren Namen in Noviomagus Batavorum (keltisch/lateinisch: „der neue Markt der Bataver“), erhielt das Marktrecht und wurde nach dem Gentilnamen des Kaisers, Ulpius, mit Ulpia bezeichnet. Als sie gegen Ende des 2. Jahrhunderts zum Municipium erhoben wurde, hatte sie bereits an die 6000 Einwohner und war damit nach der Colonia Claudia Ara Agrippinensium und der Colonia Ulpia Traiana die drittgrößte Stadt der Provinz Germania inferior und in spätrömischer Zeit mit immerhin noch 1000 bis 1300 Einwohnern eine bedeutende Stadt der Provinz Germania secunda. Mit dem Abzug der römischen Truppen bis 410 wurde sie fränkisch.

Lage mini|Noviomagus Batavorum im 1. Jahrhundert mini|Noviomagus Batavorum im 2. Jahrhundert Die römischen Relikte Nijmegens befinden sich am südlichen Ufer der Waal, am Fuße einer glazialen Stauchmoräne aus der Saalekaltzeit, die sich von Südosten her nach Nordwesten durch das niederrheinische Flachland hindurch auf das Knie der Waal bei Nijmegen zu erstreckt. Die Moräne bildet mit ihrem nördlichen Steilhang einen natürlichen Sperrgürtel, der von einer Höhe von 65 m NAP im Südosten auf rund 10 m NAP im Nordwesten abfällt. Dabei entstand ein plateauförmiges Relief mit kleineren Einschnitten auf der Nord- und einem Tal auf der Südseite. Der ostsüdöstliche Teil dieses Höhenzuges ist das Kops Plateau, der westnordwestliche der Hunnerberg. Von diesem Höhenzug aus entfaltet sich das Rhein-Maas-Delta nach Westen.Johan H. F. Bloemers: Die augusteischen Lager und die flavisch-trajanischen canabae legionis in Nijmegen. In: Dorothea Haupt, Heinz Günter Horn (Hrsg.): Studien zu den Militärgrenzen Roms II. Vorträge des 10. Internationalen Limeskongresses in der Germania inferior. Rheinland-Verlag, Köln 1977, ISBN 3-7927-0270-3, S. 87. In der Region stießen zwei Hauptverkehrswege zusammen, die Rheintalstraße und eine Verkehrsader, die dem Verlauf der Maas folgte.Jan Kees Haalebos: Neues aus Noviomagus. In: Archäologisches Korrespondenzblatt. Band 20, 1990, S. 193,(auch digitalisiert als PDF). Die Tabula Peutingeriana sah Noviomagus Batavorum im Kreuzungspunkt einer Strecke, die von Argentoratum via Harenatium herankam und von Noviomagus aus weiter über Castra Herculis nach Lugdunum Batavorum verlief, sowie einer Trasse, die von Ceuclum kommend via Ad Duodecimum parallel zur ersten Verbindung nach Traiectum führte.Tab. Peut. Pars II und III, Segm. II.Paul van der Heijden: Grens van het Romeinse Rijk. De Limes in Gelderland. Matrijs, Utrecht 2016, ISBN 978-90-5345-327-8, S. 38–47.

Im heutigen Stadtbild sind die Bodendenkmäler folgendermaßen verteilt: Das Kastell auf dem Kops Plateau befand sich im gleichnamigen Park, dessen Gelände kaum bebaut ist. Das Kastell Hunnerberg lag im Osten des gleichlautenden Stadtteils, etwa zwischen dem Ubbergseweg im Norden, dem Berg en Dalseweg im Süden, dem Broerweg im Osten und der Charles Estourgiestraat im Westen. Das Kastell Valkhof lag am östlichen Rande des Stadtzentrums in einem Park gleichen Namens. Im westlichen Teil des Stadtzentrums befand sich das Municipium Noviomagus Batavorum, unmittelbar südlich der Waal und östlich der Eisenbahntrasse, welche den Fluss überquert. An dieser Stelle stand in antiker Zeit auch die römische Brücke.Ungefähr bei Alle militärischen Anlagen waren von Zivilsiedlungen umgeben, und längs ihrer Ausfallstraßen erstreckten sich Gräberfelder.Paul van der Heijden: Grens van het Romeinse Rijk. De Limes in Gelderland. Matrijs, Utrecht 2016, ISBN 978-90-5345-327-8, insbesondere S. 87–101.

Auch außerhalb des heutigen Stadtgebietes sind die römischen Relikte entsprechend vertreten, beispielsweise: Das Aquädukt verläuft in weiten Abschnitten über das Gebiet der südöstlich Nijmegens gelegenen Gemeinde Berg en Dal. Ebenfalls auf dem Gebiet von Berg en Daal befand sich eine von den Legionären aus Noviomagus betriebene Töpfereimanufaktur,Bei Bei in der die so genannte Holdeurner Irdenware produziert wurde. Sowohl der ehemalige ProduktionsbereichRijksmonument 46057: Terrein waarin overblijfselen van een centrum voor vervaardiging van aardewerk en dakpannen in Berg en Dal im Rijksmonumentenverzeichnis der Niederlande, abgerufen am 6. November 2018. als auch der WohnbereichRijksmonument 45420: Terrein waarin overblijfselen van een centrum voor vervaardiging van aardewerk en dakpannen in Groesbeek im Rijksmonumentenverzeichnis der Niederlande, abgerufen am 6. November 2018. dieses Betriebes stehen als Rijksmonumente unter Denkmalschutz. SiedlungsspurenBei befinden sich in demselben Gebiet, insbesondere im Ortsteil Ubbergen.Rijksmonument Nummer 46052: Terrein waarin overblijfselen van bewoning in Persingen im Rijksmonumentenverzeichnis der Niederlande, abgerufen am 4. November 2018. Weitere Siedlungsspuren, vermutlich die Reste zweier Villae rusticae, sind im Bereich der westlich von Nijmegen gelegenen Gemeinde Beuningen vorhanden. Eine der VillaeBei befindet sich im Ortsteil Ewijk, die andereBei im Ortsteil Winssen.Rijksmonument Nummer 45294: Terrein waarin overblijfselen van een nederzetting in Beuningen im Rijksmonumentenverzeichnis der Niederlande, abgerufen am 4. November 2018.

Quellen und Forschungsgeschichte Sowohl bei Tacitus in den HistoriaeTacitus, Historiae 4,18 und 5,19–20. als auch in der „Römischen Geschichte“ des Cassius DioCassius Dio, Römische Geschichte 54,32. wird der Bereich des römischen Nijmegen im Zusammenhang mit militärischen Ereignissen in der Region erwähnt. Der griechische Geograph Claudius Ptolemäus führt in seiner Geographike Hyphegesis den Ortsnamen Batavodurum auf.Claudius Ptolemäus, Geographike Hyphegesis 2,9,8. Auf der Tabula Peutingeriana findet sich Noviomagus mit dem Symbol zweier Häuser zwischen Castra Herculis im Westen und Harenatium im Osten verzeichnet.

mini|Johannes SmetiusPastellkopie von Rutger von Langerfeld (1669) nach einem älteren Gemälde (1630–1640)AO: Museum Het Valkhof Als Fundort römischer Altertümer ist das Stadtgebiet von Nijmegen schon seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Eine erste Sammlung wurde durch die beiden Kleriker Johannes Smetius (1590–1651) und seinen Sohn Johannes Smetius junior (1636–1704) angelegt. Die darin bereits enthaltenen mehr als 10.000 römischen Münzen und über 4500 anderen Funde publizierten die beiden 1645Johannes Smetius: Oppidum Batavorum seu Noviomagum. Blaeu, Amsterdam 1645 (auch ins niederländische übersetzt und als PDF digitalisiert). und 1678,Johannes Smetius und Johannes Smetius der Jüngere: Antiquitates Neomagenses Sive Notitia Rarissimarum Rerum Antiquarum. Nijmegen 1678. womit sie zu den Pionieren der Altertumswissenschaften in den Niederlanden und in Europa zählen. 1834 legten Caspar Reuvens und Conradus Leemans ein rund 90 m mal 60 m großes Steingebäude frei,Hendrik Brunsting: Een opgraving van Reuvens en Leemans bij het fort Krayenhoff te Nijmegen in 1834. In: Oudheidkundige Mededelingen Leiden. Band 30, 1949, S. 47–65. dessen Funktion bis heute nicht abschließend geklärt ist. Nachdem der Stadtarchivar Mattheus P. M. Daniëls im Jahr 1916 das Legionslager auf dem Hunnerberg entdeckt hatte,Mattheus P. M. Daniëls: Noviomagus, Romeins Nijmegen. Hrsg. von Hendrik Brunsting. De Gelderlander, Nijmegen 1955. wurde dieses in den folgenden Jahren 1917 bis 1921 von Jan Hendrik Holwerda wissenschaftlich untersucht.Jan Hendrik Holwerda: De Batavenburcht en de vesting der legio X te Nijmegen. Brill, Leiden 1922.

In den 1920er und 1930er Jahren wurden die Arbeiten in Nijmegen hauptsächlich durch Willem Vermeulen und den belgischen Archäologen Jacques BreuerJacques Breuer: Le camp de la Legio X à Nimègue et celui de la Legio III à Batavodurum In: L’Antiquité Classique. Band 3.2, 1934, S. 385–392. betrieben, in den 1950er und 1960er Jahren vor allem durch Hendrik Brunsting (1902–1997), der bereits 1937 über römische Gräberfelder in Nijmegen promoviert worden war,Het grafveld onder Hees bij Nijmegen. Een bijdrage tot de kennis van Ulpia Noviomagus. Noord-Hollandsche Uitgevers-Mij, Amsterdam 1937. dessen engsten Mitarbeiter und Grabungstechniker Reint Woudstra sowie durch Petrus J. J. Stuart, der 1963 aufgrund einer Dissertation über die Irdenware von Noviomagus promoviert wurde.Petrus J. J. Stuart: Gewoon aardewerk uit de Romeinse legerplaats en de bijbehorende Grafvelden. Brill, Leiden 1963, (Digitalisat)Hendrik Brunsting: Die Legionslager in Nijmegen. Ausgrabungen bis 1967. In: Dorothea Haupt, Heinz Günter Horn (Hrsg.): Studien zu den Militärgrenzen Roms II. Vorträge des 10. Internationalen Limeskongresses in der Germania inferior. Rheinland-Verlag, Köln 1977, ISBN 3-7927-0270-3, S. 115–120.

Auch wenn bereits Holwerda die Einzigartigkeit der Fundregion herausgearbeitet hatte, wurde das Terrein waarin sporen van bewoning uit de Romeinse Tijd in Nijmegen (Gebiete von Nijmegen, in denen sich Spuren der römischen Zeit befinden) erst Anfang der 1970er Jahre als Rijksmonument mit der Nummer 397576 unter Schutz gestellt.Rijksmonument 397576, „Terrein waarin sporen van bewoning uit de Romeinse Tijd in Nijmegen“ auf der offiziellen Webpräsenz der niederländischen Reichsmonumente (niederländisch), abgerufen am 23. Oktober 2018. Die großen Ausgrabungskampagnen zwischen den 1960er Jahren und der Jahrtausendwende wurden dann insbesondere unter der Leitung des Lehrstuhlinhabers für Provinzialrömische Archäologie an der Radboud-Universität Nijmegen, Julianus Egidius Bogaers, und seines langjährigen Assistenten und Nachfolgers Jan Kees Haalebos durchgeführt. Insbesondere in der archäologischen Fachzeitschrift Numaga – Tijdschrift gewijd aan heden en verleden van Nijmegenen omgeving („Zeitschrift gewidmet der Vergangenheit und Gegenwart der Umgebung von Nijmegen“) wurde regelmäßig über die jüngsten Ausgrabungsbefunde und -funde berichtet.Numaga auf der Webpräsenz archieven.nl (niederländisch), abgerufen am 23. Oktober 2018.