Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der deutschen Fußballnationalmannschaft der Frauen bei Weltmeisterschaften. Die deutsche Mannschaft konnte sich für alle WM-Endrunden qualifizieren und zweimal den Titel gewinnen.

Die Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften Übersicht Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Gegner Ergebnis Bemerkungen und Besonderheiten 1991 Volksrepublik China Spiel um Platz 3 Schweden 4. Platz Deutschland gewinnt die Fair Play-Wertung 1995 Schweden Finale Norwegen 2. Platz Erstmals Vizeweltmeister 1999 USA Viertelfinale USA 8. Aus im Viertelfinale nach zweimaliger Führung 2003 USA Finale Schweden Weltmeister Nia Künzer köpft das Golden Goal, Birgit Prinz wird Torschützenkönigin und beste Spielerin 2007 Volksrepublik China Finale Brasilien Weltmeister Deutschland hat den Titel ohne Gegentor verteidigt 2011 Deutschland Viertelfinale Japan 6. 2015 Kanada Spiel um Platz 3 England 4. Platz 2019 Frankreich Viertelfinale Schweden 5. Erstmals nicht gegen den späteren Weltmeister ausgeschieden. 2023 Australien/Neuseeland Vorrunde Marokko, Kolumbien, Südkorea 17. Als Gruppendritter erstmals in der Vorrunde ausgeschieden. 2027 Brasilien qualifiziert

Statistik (Angaben inkl. 2023: Neun Weltmeisterschaften)

nicht teilgenommen: nie (0 %) qualifiziert: immer (100 %) Vorrunde: einmal (11,1 %; 2023) Viertelfinale: dreimal (33,3 %; 1999, 2011, 2019) 4. Platz: zweimal (22,2 %; 1991, 2015) 2. Platz: einmal (11,1 %; 1995) Weltmeister: zweimal (22,2 %; 2003, 2007)

Deutschland ist die erste Nation, die sowohl im Männer- als auch im Frauenfußball Weltmeister wurde. Außer Deutschland gelang dies sonst nur noch Spanien.

Die Turniere WM 1991 in der Volksrepublik China Die deutsche Nationalmannschaft hatte sich als amtierender Europameister für die erste Weltmeisterschaft qualifiziert. Mit 18 Spielerinnen fuhr Bundestrainer Gero Bisanz in das „Reich der Mitte“. In der Vorrunde konnte die deutsche Elf drei Siege feiern und blieb dabei ohne Gegentor. Nigeria wurde 4:0, Taiwan mit 3:0 und Italien mit 2:0 besiegt. Im Viertelfinale hieß der Gegner Dänemark. Das Spiel war das erste der WM-Geschichte, welches in die Verlängerung ging. Die Bisanz-Elf setzte sich schließlich mit 2:1 durch. Gegner im Halbfinale war die Auswahl der USA, die eine Nummer zu groß für die deutsche Elf war. Zum Abschluss setzte es im Spiel um Platz drei eine 0:4-Niederlage gegen Schweden. Heidi Mohr bewies mit ihren sieben Turniertoren, dass sie zu den weltbesten Torjägerinnen ihrer Zeit gehörte.

WM 1995 in Schweden Erneut qualifizierte sich die deutsche Mannschaft als Europameister für die zweite Weltmeisterschaft. Zum ersten Mal fand die WM auf europäischen Boden statt. Die deutsche Mannschaft scheiterte im Finale an Norwegen.

Die deutsche Elf startete mit einem mühevollen 1:0-Sieg (Tor: Silvia Neid) über Japan in das Turnier. Im zweiten Gruppenspiel wartete der Gastgeber und es sah erst so aus, als ob die deutsche Mannschaft sich für die Niederlage im kleinen Finale von 1991 revanchieren könnte. Bettina Wiegmann und Ursula Lohn sorgten für die 2:0-Halbzeitführung. Nach dem Anschlusstreffer von Andersson konnten die Schwedinnen das Spiel in den letzten fünf Minuten noch drehen. Durch die Niederlage musste das letzte Gruppenspiel gegen Brasilien gewonnen werden. Mit einem fulminanten 6:1-Sieg sicherte sich die Elf von Gero Bisanz den Gruppensieg. Birgit Prinz erzielte dabei ihr erstes WM-Tor.

Im Viertelfinale traf Deutschland auf die englische Auswahl. Maren Meinert, Heidi Mohr und Martina Voss sorgten für einen ungefährdeten 3:0-Sieg. Schwerer wurde das Halbfinale gegen China. Die Chinesinnen machten in der Abwehr geschickt die Räume zu und erlaubten nur wenige Torchancen für die deutsche Mannschaft. Nach vielen vergeblichen Anläufen erzielte Bettina Wiegmann in der 79. Minute das erlösende 1:0. Somit erreichte die deutsche Elf erstmals das Finale gegen Norwegen. Ein norwegischer Doppelschlag kurz vor der Halbzeitpause durch Riise und Pettersen besiegelte die Finalniederlage.

WM 1999 in den USA Für die dritte Weltmeisterschaft setzte die UEFA erstmals Qualifikationsspiele an. Bis heute ist die UEFA der einzige Kontinentalverband, der separate WM-Qualifikationsspiele durchführt. Die DFB-Elf, die seit 1996 von Tina Theune-Meyer trainiert wird, musste nach einer überraschenden Niederlage gegen die Niederlande und einer weiteren Niederlage gegen Norwegen in die Relegation. In der Relegation machten die Deutschen bereits durch den 5:0-Hinspielsieg gegen die Ukraine alles klar.

Die deutsche Elf tat sich in der Vorrunde schwer. Zum Auftakt gab es ein glückliches Unentschieden gegen Italien. Im zweiten Spiel wurde WM-Debütant Mexiko mit 6:0 abgekanzelt. Inka Grings erzielte dabei als erste deutsche Spielerin drei Tore in einem WM-Spiel. Im letzten Gruppenspiel kam die Mannschaft nicht über ein 3:3 gegen Brasilien hinaus und wurde nur Gruppenzweiter. Im Viertelfinale traf man auf den Gastgeber und scheiterte an den eigenen Nerven. Trotz zweimaliger Führung (Brandi Chastain per Eigentor, Bettina Wiegmann) verlor die Theune-Meyer-Elf mit 2:3.

WM 2003 in den USA mini|Szene im Finale Deutschland – Schweden

Bei der Weltmeisterschaft 2003 wurde die deutsche Nationalmannschaft erstmals Weltmeister. Damit wurde Deutschland die erste Nation, die sowohl im Männer- als auch im Frauenfußball einen Weltmeistertitel erringen konnte. Eigentlich sollte die WM wieder in der Volksrepublik China stattfinden. Wegen der SARS-Epidemie wurde das Turnier kurzfristig in die USA verlegt. Die deutsche Mannschaft behielt während der Qualifikation eine weiße Weste. Alle sechs Spiele wurden gewonnen und lediglich die Engländerin Rachel Yankey konnte ein Tor gegen die deutsche Elf erzielen.

Im ersten Vorrundenspiel traf die deutsche Mannschaft auf Kanada. Die Kanadierinnen gingen nach wenigen Minuten in Führung. Danach drehte die deutsche Mannschaft auf und kam zu einem 4:1-Sieg. Es folgte ein ungefährdeter 3:0-Sieg gegen Japan und zum Abschluss der Vorrunde ein 6:1-Sieg gegen Argentinien. Bei diesem Spiel erlitt Steffi Jones einen Kreuzbandriss und musste die Heimreise antreten.

Als Gruppensieger zog die DFB-Auswahl ins Viertelfinale. Die russische Auswahl wurde mit einem 7:1-Schützenfest nach Hause geschickt. Kerstin Garefrekes und Birgit Prinz erzielten dabei jeweils zwei Tore. Im Halbfinale hieß der Gegner wieder USA. In einem für viele Experten besten Frauenfußballspiel aller Zeiten konnte die deutsche Elf erfolgreich Revanche nehmen und zog durch einen 3:0-Sieg ins Finale ein. Im Endspiel traf die deutsche Mannschaft auf Schweden. Damit kam es zu einer Neuauflage des Finals der EM 2001. Kurz vor dem Halbzeitpfiff brachte Hanna Ljungberg die Trekroners in Führung. In der zweiten Halbzeit war nicht mal eine Minute gespielt, als Maren Meinert den Ausgleich erzielte. Nach regulärer Spielzeit stand es 1:1, so dass eine Verlängerung notwendig war. In der 98. Minute erhielt die deutsche Mannschaft einen Freistoß. Renate Lingor brachte das Leder in den Strafraum. Nia Künzer köpfte den Ball über die schwedische Torfrau Caroline Jönsson zum Golden Goal ins Tor, womit das Finale wie das EM-Finale zwei Jahre zuvor endete. Mit diesem Golden Goal war Deutschland Weltmeister.

WM 2007 in der Volksrepublik China mini|Empfang auf dem Römerbalkon nach dem Titelgewinn bei der WM 2007

In der Qualifikation konnte die deutsche Elf alle Spiele gewinnen und sich so souverän für die WM in China qualifizieren. Erstmals erhielt die Mannschaft eine Prämie für die erfolgreiche Qualifikation. Insgesamt 200.000 Euro wurden vom DFB ausgeschüttet. Die Weltmeisterschaft, bei der die deutsche Mannschaft in der Vorrunde auf Argentinien, England und Japan traf, wurde dann für die Deutsche Mannschaft zum Turnier der Superlative, denn sie stellte folgende Rekorde auf: Längste Serie ohne Niederlage (Frauen): 12 Spiele (je sechs 2003 und 2007), zuvor USA 11 Spiele (1995 (Spiel um Platz 3), 1999 (6) und 2003 (4)) Längste Serie ohne Gegentor (Männer und Frauen): 6 Spiele (2007), zuvor Italien 5 Spiele bei den Männern (WM 1990) bzw. Deutschland (1991), Norwegen (1995), Schweden (1991), USA (1991 und 2003) und VR China (1999) mit je 3 Spielen bei den Frauen. Höchster WM-Sieg (Männer und Frauen) zum damaligen Zeitpunkt:2019 von den USA mit einem 13:0 gegen Thailand überboten. Mit dem 11:0 im Eröffnungsspiel gegen Argentinien wurden sowohl die vorherigen Rekorde bei den Frauen (Japan-Schweden 0:8, WM 1991 und Norwegen-Nigeria 8:0 WM 1995) als auch der Rekord bei den Männern (Ungarn-El Salvador 10:1 WM 1982) überboten. Es ist zudem das torreichste Eröffnungsspiel (Männer und Frauen) aller Zeiten. Erste Titelverteidigung eines Frauen-Weltmeisters Erster Titelgewinn (Frauen und Männer) ohne Gegentor Birgit Prinz wird WM-Rekordtorschützin der Frauen mit insgesamt 14 Toren (zuvor Michelle Akers/USA mit 12 Toren). Silvia Neid gelang es als erster Bundestrainerin (Frauen und Männer) bei ihrer ersten Weltmeisterschaft den Titel zu erringen.

Nach dem Rekordsieg zum Auftakt gegen Argentinien musste sich die Mannschaft zwar mit einem torlosen Remis gegen England begnügen, durch einen 2:0-Sieg gegen Japan konnte sich die Mannschaft aber ungefährdet für das Viertelfinale gegen Nordkorea qualifizieren, das sie mit 3:0 gewann. Auch das Halbfinale gegen Norwegen wurde mit 3:0 gewonnen. Im Finale gegen Brasilien standen sich dann zwei gleichwertige Mannschaften gegenüber, wobei die Brasilianerinnen mit Marta und Cristiane über die besseren Einzelspielerinnen verfügten, die deutsche Mannschaft aber homogener besetzt war und so letztlich das Finale mit 2:0 gewinnen konnte.

WM 2011 in Deutschland mini|Bundestrainerin Silvia Neid nach dem Ausscheiden im Viertelfinale gegen Japan

Bei der Heim-WM wollte Deutschland als erstes Land zum dritten Mal in Folge den Titel gewinnen. Die Bundesliga-Saison wurde dafür schon Mitte März beendet, das Pokal-Finale Ende März ausgetragen. Der zunächst 26-köpfige Kader traf sich zu sieben Lehrgängen zwischen denen vier Testspiele gegen Mannschaften mit ähnlichen Spielstilen wie die Gruppengegner stattfanden. Dabei wechselte Silvia Neid insbesondere im Angriff immer wieder sie Startformation und auch während der Spiele bis zu sechs Spielerinnen ein. Alle Testspiele wurden ohne Gegentor gewonnen und dabei 15 Tore geschossen. Fünf davon schoss U-20-WM-Torschützenkönigin Alexandra Popp. Dennoch kam sie in den WM-Spielen nur als Einwechselspielerin zum Einsatz und blieb dabei ohne Torerfolg.

Im Eröffnungsspiel begann Deutschland mit einem 2:1-Sieg gegen Kanada. Dem folgte ein hart erkämpftes 1:0 gegen Afrikameister Nigeria. Nach diesen beiden Siegen stand der Viertelfinaleinzug fest. Bei beiden Spielen wurde Rekordnationalspielerin und Spielführerin Birgit Prinz jeweils ausgewechselt. Im abschließenden Gruppenspiel gegen Frankreich und auch im Viertelfinale kam sie nicht zum Einsatz. Konnte die deutsche Mannschaft im Spiel gegen Frankreich sich deutlich steigern und die zuvor ebenfalls zweimal siegreichen Französinnen mit 4:2 besiegen, so musste man gegen Japan die erste Niederlage nach 15 WM-Spielen ohne Niederlage hinnehmen und zum zweiten Mal nach 1999 schon nach dem Viertelfinale die Koffer packen. Es war die vierte Niederlage in einer WM-K.-o.-Runde gegen den späteren Weltmeister.

Nach dem Ausscheiden wurde insbesondere von Bernd Schröder Kritik an der zu langen Vorbereitungszeit sowie an der Taktik geübt. Für Schröder hatte die lange Vorbereitungszeit auch den Nachteil, dass die Nationalspielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam nicht für die Vorbereitung auf das Champions-League-Finale zur Verfügung standen, das Potsdam Ende Mai mit 0:2 gegen Olympique Lyon verlor.