miniatur|Weihe-Altar zu Ehren von Jupiter und Juno im Historischen Museum der Pfalz in Speyer Die römische Mythologie beschäftigt sich mit den Vorstellungen der antiken römischen Mythographen über die Welt der Götter und Heroen. Die ursprüngliche römische Bauernreligion wurde vornehmlich von Personifikationen der Natur und von Naturereignissen beherrscht (z. B. Tellus „Erde“, Ops „Ernte“, Ceres „Feldfrüchte“). Erst ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. begannen die Römer unter dem vermittelnden Einfluss der Etrusker, die Götterwelt der Griechen zu importieren. So entsprechen etliche Gestalten des römischen Götterhimmels denen der griechischen Mythologie, doch ist die römische Mythologie nicht so stark wie die griechische mit Göttern und Heroen bevölkert. Die Gleichsetzung fremder Götter mit eigenen, die so genannte Interpretatio Romana, wurde zum besonderen Charakteristikum des römischen Umgangs mit fremden Kulten und Religionen. Durch die Christianisierung des Römischen Reiches verschwand der Glaube an diese Götter ab dem 4. Jahrhundert nach und nach.

Die römischen Götter Der römische Götterhimmel war umfangreich und umfasste neben den Göttern auch noch Geisterwesen, Personifikationen, Halbgötter und auch viele Ungeheuer. Hierzu traten noch zahlreiche Gottheiten, die in den Provinzen verehrt wurden oder deren Verehrung über die Provinzen in das Römische Reich gelangte.

Die Römer befürchteten sehr, dass man einen Gott vergessen könnte. So verehrten sie die Novensiles, also kollektive Gottheiten von dunkler Bedeutung, was den Historiker Cincius Alimentus zu folgender Erklärung veranlasste:

Andere römische Historiker widersprachen dieser Herleitung von dem Wort „novus“ und legten das Wort „novem“ ihrer Erklärung zu Grunde: Es habe sich um neun Götter oder neun Musen gehandelt.Hans Beck: Die frühen römischen Historiker. Bd. 1, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001, ISBN 3-534-14757-X, S. 146.

Kult

Der Kult sah die Opferung von Tieren, Pflanzen und anderen Dingen vor. Hierbei musste der Ritus genau beachtet werden, da jeder Fehler den Zorn der Gottheit hervorrufen würde und nach einem Sühneopfer erneut vollzogen werden musste. Bereits ein Versprecher im Text reichte aus, um Gefahren heraufzubeschwören. Eine wichtige Rolle spielten auch Vorzeichen und Weissagungen. Diese waren teils mit den Opfern verknüpft; so wurde z. B. aus den Organen der geopferten Tiere herausgelesen, ob die Götter ein Vorhaben begünstigten. Auch die Beobachtung des Vogelflugs diente diesem Zweck. An der Spitze der Priester stand der Rex sacrorum, die Pontifices, in welchen die Flamines zusammengefasst waren und die Vestalinnen. Neben den genannten gab es noch zahlreiche Kollegien (Auguren, Haruspices, Quindecimviri, Septemviri) und Kultvereine (Arvalbrüder, Fetialen, Luperci, Salier, Titier, Augustales Claudiales, Augustales Flaviales, Augustales Hadriani, Augustales Antoniani).

Auch der Wohnsitz und das Haus der römischen Familie waren Orte, an denen Riten vollzogen wurden, siehe hierzu Genius loci, Laren und Penaten.

Dei Consentes miniatur|Zwölf-Götter-Altar im Louvre Besonders verehrt wurden die zwölf Dei Consentes. Zu ihren Ehren gab es auf dem Forum Romanum einen gemeinsamen Tempel, die Porticus Deorum Consentium. Die Etrusker verehrten eine Zwölfzahl von obersten Göttern, identifiziert wurden die römischen Götter aber mit den olympischen Göttern der Griechen.Vgl. etwa August Heinrich Petiscus: Der Olymp oder Mythologie der Griechen und Römer. Leipzig 1883. Man bezeichnet die ursprünglichen Götter heute als Dei ingentes und deren Nachkommen Dei novensiles.

Es gab keine festgelegte Rangfolge (abgesehen davon, dass Jupiter der oberste Gott und Juno die oberste Göttin waren). Livius nennt an einer Stelle folgende Paare männlicher und weiblicher Gottheiten: Jupiter – Juno, Neptun – Minerva, Mars – Venus, Apollo – Diana, Vulcanus – Vesta, Mercurius – Ceres.Livius ab urbe condita 22.10 Ennius gibt folgende Reihenfolge: Juno, Vesta, Minerva, Ceres, Diana, Venus, Mars, Mercurius, Jupiter, Neptun, Vulcanus, und Apollo.Ennius Annalen 62 Die folgende Tabelle orientiert sich an Livius:

römisch griechisch Funktion Kennzeichen Jupiter Zeus Göttervater, zuständig für Blitz, Donner und Luft Adler, Blitzbündel, Zepter Juno Hera Familien-Göttin, zuständig für Hochzeit, Ehe, Mutterschaft und Geburt, Helferin in den Nöten der Entbindung Pfau, königliches Diadem Neptun Poseidon Gott des Meeres, der Erdbeben und Pferde Dreizack, Streitwagen, Pferd Minerva Athene jungfräuliche Göttin der Weisheit, Schutzherrin der Helden, der Städte, des Ackerbaus, der Künste und Wissenschaften, des Handwerks, des (strategischen) Krieges und des Friedens Helm, Schild, Lanze und Eule Mars Ares Gott des zerstörerischen Krieges und der Schlachten Schwert, Schild, Helm Venus Aphrodite Göttin der Liebe und der Schönheit Taube, Muschel, Gürtel, Spiegel, Rose Apollo Apollon Gott der Poesie, des Lichtes, der Mäuse, der Pest und der Prophetie Kithara (Saiteninstrument), Pfeil und Bogen Diana Artemis jungfräuliche Göttin der Jagd und des Mondes Pfeil und silberner Bogen, Köcher, Hirschkuh, Mondsichel Vulcanus Hephaistos Gott der Vulkane, des Feuers und der Schmiedekunst Schmiedehammer bzw. -zange, Pilos (Handwerkerkappe) Vesta Hestia jungfräuliche Göttin des Herdfeuers und der Familieneintracht Flamme Merkur Hermes Gott der Diebe, des Handels und der Reisenden; Götterbote Petasos oder Flügelhelm, Hermesstab, Flügelschuhe, Geldbörse Ceres Demeter Erdgöttin, Fruchtbarkeitsgöttin Ähren, Fackel

Weitere römische Götter Acca Larentia – Amme von Romulus und Remus Aiolus – Gott der Winde, gr. Aiolos Aesculapius – Gott der Heilkunst, gr. Asklepios Alemonia – Sie soll das ungeborene Kind nähren, dass es voll entwickelt geboren werden kann. Amor – Gott der Liebe, gr. Eros Anna Perenna – Göttin des Frühlings und des jungen Jahrs Aurora – Göttin der Morgenröte, gr. Eos Bellona – Göttin des Krieges und des Kampfes Bona Dea – Göttin der Fruchtbarkeit, Heilung, Jungfräulichkeit und Frauen Bubona – Schutzgöttin der Ochsen und der Rinderzucht Cardea – Göttin der Gesundheit, der Schwellen, der Türscharniere und der Türgriffe Carmenta, Nicostrata – Göttin der Weissagung und der Geburt Carna – Göttin des Herzens und der inneren Organe Consus – Gott der eingebrachten Ernte Dea Dia – Göttin des Wachstums Epona – Göttin der Pferde Faunus – Gott der Wälder und Weiden, gr. Pan Feronia – Frühlings- und Erdgöttin Flora – Göttin der Blumen und Blüten Fons – Gott der Quellen, Brunnen und fließenden Gewässer Fortuna – Göttin des Glücks und des Zufalls, gr. Tyche Furien – die Rachegöttinen oder griechisch Erinyen Furrina – Göttin der Diebe Hercules – Heil- und Orakelgott, Beschirmer der Sportstätten, gr. Herakles Janus – zweigesichtiger Gott des Anfangs und des Endes, der Ein- und Ausgänge, der Türen und der Tore Laverna – Schutzgöttin der Diebe und Betrüger Levana – Schutzgöttin der Neugeborenen Liber, auch Liber pater, Gott der vegetativen und der animalischen Befruchtung, später meist als Bacchus angerufen, gr. Dionysos Luna – Göttin des Mondes, gr. Selene Maia – Mutter des Hermes, gr. Maia Moneta – Göttin, die die Herstellung der Münzen überwachte Mutunus Tutunus – Gott der Hochzeitsfeier Ops – Gattin des Saturnus, Mutter von Jupiter, gr. Rhea Pales – Göttin der Weide und der Hirten Picus – Gott der Felder und Wälder, Sohn des Saturnus Pluto – Herrscher der Unterwelt, gr. Hades Plutus – Gott des Reichtums Pomona – Göttin des Obstsegens Portunus – Gott der Häfen Proserpina – Göttin der Erneuerung und als Gattin des Pluto Herrscherin der Unterwelt, gr. Persephone Quirinus – Gott der Quelle Robigus – Gottheit der Getreidekrankheiten wie Getreiderost Saturnus – Gott des Ackerbaus (Vater Jupiters), gr. Kronos Silvanus – Gott der Hirten und Wälder Sol – Sonnengott, gr. Helios Strenia – Göttin des neuen Jahres, der Gesundheit, der Tatkraft, des Fleißes Tellus – Gottheit der mütterlichen Erde, gr. Gaia Terminus – Gott der Grenzsteine Veiovis – „Anti-Jupiter“, Jupiter der Unterwelt, Gott der Sühne und der entlaufenen Verbrecher oder der Heilung Vertumnus – Gott des Wandels und der Veränderung Volturnus – Gott des Wassers und der Flüsse.

Geisterwesen miniatur|Geniuskopf aus dem 2. Jh. n. Chr., bei Vindobona gefunden Genius – persönlicher innerer Geist eines Mannes, der ihm die Zeugungsfähigkeit verleiht Laren – Schutzgötter oder Schutzgeister bestimmter Orte und Familien Penaten – Schutzgötter der Vorräte Manen – Geister der Toten, auch einige Unterweltgeister Lemures, Larvae – Geister von Verstorbenen.

Personifikationen Aequitas – abwägen und ausgleichende Gerechtigkeit Aeternitas – Ewigkeit und dauerhafte politische Herrschaft Clementia – Milde, mit Palmenzweig und Opferschale Concordia – Eintracht und Einheit der Bürger Roms Discordia – Zwietracht und Streit Fama – Ruhm und Gerücht Fecunditas – Fruchtbarkeit, insbesondere der Kaiserinnen Felicitas – Glück, Glückseligkeit und Fruchtbarkeit Fides – Vertrauen, Treue und Eid Fortuna – Glücks- und Schicksalsgöttin Honos – kriegerischer Ruhm und Ehre Justitia – Gerechtigkeit Juventas – männliche Jugend Laetitia – Freudige Grundhaltung, Fröhlichkeit Liberalitas – Freigiebigkeit, geben ohne verpflichtet zu sein Libertas – Freiheit, für persönliche Rechtsfähigkeit römischer Bürger Nox – Nacht, der Unterwelt zugehörige Gestalt, gr. Nyx Pax – Frieden, auch Pax Romana Pudicitia – Schamhaftigkeit, eine sittsam in ihr Gewand gehüllte matrona Roma – Personifikation der Stadt Rom Salus – Wohlergehen, meist thronend mit Zepter, Schale und Schlange Securitas – Sicherheit, als Freiheit von Sorgen Somnus – Schlaf, gr. Hypnos Spes – Hoffnung, besonders auf Kinder und gute Ernte Tranquillitas – Ruhe, im Sinn der Meeresstille oder der staatlichen Sicherheit Coelus, Sternbild Caelum – Personifikation des Himmels, gr. Uranos Virtus – soldatische Tapferkeit Victoria – Sieg, jungfräuliche Hüterin des Reiches, gr. Nike Terra/Tellus – Personifikation der Erde, gr. Gaia.

Fremde Götter Magna Mater – Göttermutter, gr. Kybele Mithras – mythologische Personifizierung der Sonne Isis – Göttin der Geburt, der Wiedergeburt und der Magie Seth – Wüstengott, verbunden mit Stürmen und Unwettern Serapis – integrativer Reichsgott.

Literatur Fritz Graf (Hrsg.): Mythos in mythenloser Gesellschaft. Das Paradigma Roms. (= Colloquia Raurica, 3). Walter de Gruyter, Berlin, New York 1993. Wilhelm Heinrich Roscher: Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. 6 Bde. Teubner, Stuttgart 1886–1937 Ludwig Preller: Römische Mythologie. 1858. Neudruck: Phaidon-Verlag, Essen 1997, ISBN 3-88851-220-4. Stewart Perowne: Römische Mythologie. Vollmer, Wiesbaden 1971 Georg Wissowa: Religion und Kultus der Römer. Beck, München 1902, ; 2. Aufl. 1912, Nachdruck 1971, ISBN 3-406-03406-3. Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae (LIMC), 9 Bände; Artemis-Verlag, Zürich, München, 1981–1999; ISBN 3-7608-8751-1.

Weblinks

Einzelnachweise

Romische Gotter