mini|Dienstsitz der Hauptverwaltung (National headquarters) mini|Nahsicherung bei einem Gefangenentransport der ICE durch den United States Marshals ServiceDie US-amerikanische Behörde United States Immigration and Customs Enforcement (ICE) ist die größte Polizei- und Zollbehörde des Ministeriums für Innere Sicherheit (DHS) der USA mit Sitz in Washington, D.C. Sie wurde 2003 infolge der Terroranschläge am 11. September 2001 vor allem aus dem Immigration and Naturalization Service heraus neugebildet und ist verantwortlich für das Ermitteln, Identifizieren und Enttarnen von Grenzverletzungen und Gefährdungspotentialen des Verkehrswesens und der öffentlichen Infrastruktur. Sie steht auch mit sämtlichen größeren US-Botschaften im Ausland in Verbindung, um legale und illegale Einwanderungsvorgänge zu überwachen.
Die beiden internen ICE-Einheiten Homeland Security Investigations (HSI) und Enforcement and Removal Operations (ERO) treten in der Öffentlichkeit am häufigsten unter der Bezeichnung ICE in Erscheinung. Sie sind neben anderen Behörden für die Einhaltung der 400 einschlägigen Bundesgesetze zuständig. Sie führen vor allem die Abschiebung illegaler Einwanderer bundesweit durch.
Die Organisation weist das breiteste Aufgabenfeld einer Bundesbehörde in den Vereinigten Staaten auf. Zudem verfügen die ICE Special Agents (deutsch „Spezialagenten“) und Federal Inspectors (deutsch „Bundesinspektoren“) über die weitreichendsten Ermittlungsbefugnisse aller US-Behörden im Inland.US CODE: Title 19,1589a. Enforcement authority of customs officers. law.cornell.edu; abgerufen am 23. November 2008.US CODE: Title 8,1357. Powers of immigration officers and employees. law.cornell.edu; abgerufen am 23. November 2008.US CODE: Title 19,482. Search of vehicles and persons. law.cornell.edu; abgerufen am 23. November 2008. Das Motto lautet Protecting National Security and Upholding Public Safety (Schutz der nationalen Sicherheit und Aufrechterhaltung der Öffentlichen Sicherheit).
Auftrag
Der frühere Immigration and Naturalization Service (INS) ist wie einige andere Behörden bei der Einrichtung des ICE in diesem aufgegangen. Aufgabe des ICE ist die Überwachung der Bundesgrenzen, inklusive der Grenz- und Zollkontrolle, die Überwachung der unerlaubten Migration, die Bekämpfung des Terrorismus, der grenzüberschreitenden Kriminalität sowie der Personen- und der Objektschutz von Dienstgebäuden des Bundes.
Organisation Führung und Personal
Behördenleiter war bis Juli 2010 ein Assistant Secretary (deutsch etwa Ministerialdirektor), seitdem ein Direktor, der direkt dem Minister für Innere Sicherheit unterstellt ist. Die Gründung des ICE basiert auf dem Gesetz Homeland Security Act of 2002. Die Behörde hat über 20.000 Mitarbeiter, davon sind die meisten Vollzugsbeamte mit über 400 Büros im In- und Ausland.ice.gov (englisch); abgerufen am 26. Juni 2021.
Für diese Position des Direktors ist eine Bestätigung durch den Senat erforderlich. Da seit dem 20. Januar 2017 kein vorgeschlagener Direktor durch den Senat bestätigt worden ist, wird ICE seitdem kommissarisch geleitet.
Es folgen die bisherigen Direktoren der Behörde:
2003–2005: Michael J. Garcia 2005–2006: John P. Clark (kommissarisch) 2006–2008: Julie Myers 2008–2009: John P. Torres (kommissarisch) 2009–2013: John T. Morton 2013–2014: John Sandweg (kommissarisch) 2014: Thomas Winkowski (kommissarisch) 2014–2017: Sarah Saldaña 2017: Daniel Ragsdale (kommissarisch) 2017: Thomas Homan (kommissarisch) 2026: David Venturella (kommissarisch)
Abteilungen
Office of Investigations (OI) Office of Intelligence Office of Detention and Removal (DRO) – Aufgaben der DRO sind die Kontrolle von Ausländern, ihre Inhaftierung und der Gefangenentransport sowie die Abschiebung. Sie wird von uniformierten Immigration Enforcement Agents durchgeführt. Office of the United States Federal Protective Service Office of the Principal Legal Advisor (OPLA) Office of Congressional Relations (OCR) Office of Professional Responsibility (OPR)
Sondereinheiten
Das ICE besitzt seit über 15 Jahren Special Response Teams (SRT), die den SWAT-Teams ähneln. Jede der 17 Regionaleinheiten (Homeland Security Investigation Principal Field Offices) verfügt über ein SRT, insgesamt 400 Personen.
Darüber hinaus besteht seit 1974 die Einheit Shadow Wolves, welche den Schmuggel im Gelände der Tohono Oʼodham Nation bekämpft. Sie waren ursprünglich Teil des US-Zolldienstes. Sie nutzen die traditionellen Fährtentechnik der amerikanischen Ureinwohner (Cutting for sign) und sind die einzige indigene Einheit innerhalb des Heimatschutzministeriums.
Liegenschaften und Outsourcing Ein wesentlicher Teil der ICE-Haftanstalten und Abschiebungen wird durch private Dienstleister und in Public-Private Partnerships, etwa durch die Geo Group, betrieben. Anfang 2026 beabsichtigt die Regierung Trump den Erwerb von landesweit mindestens 23 Lagerhallen und ehemaliger Logistikzentren, mit denen zehntausende weiterer Haftplätze geschaffen werden sollen. Hierzu sind 45 Milliarden US-Dollar vorgesehen.
Mit ELITE entwickelt Palantir eine Softwarelösung für die Behörde, die Anschriften des US-Gesundheitsministeriums und andere Daten zur Identifikation und Lokalisierung abschiebefähiger Personen zusammenführt.
Ausrüstung mini|Mit Colt M4 bewaffnete ICE-Agenten bei einer Übung mit gepanzerten Fahrzeugen
Bewaffnung Die Vollzugsmitarbeiter (Special Agents, Deportation Officers, Immigration Enforcement Agents und Federal Protective Service Police Officers) sind mit Pistolen des Typs SIG P226 bzw. HK USP 40 ausgerüstet. Einige Einheiten verwenden zudem Schrotflinten wie die Remington 870 und Sturmgewehre wie das Steyr Aug (MP). Beim Special Response Team werden das Sturmgewehr Colt M4 und die HK MP5 verwendet.
Uniformierung und Kennzeichnungspflicht ICE-Bundesagenten treten in einer Vielzahl taktischer, bunter (grün/grau) und ziviler Uniformkombinationen in Erscheinung. Kennzeichnungen bestehen mitunter aus einem allgemeinen „Police“-Schriftzug, was ihre Zuordnung und Abgrenzung gegenüber Einsatzkräften anderer Behörden wie Bundes-, Staats- und örtlichen Polizeien erschwert. Dabei besteht für Agenten formell die Ausweispflicht.
Für Fahrzeuge von ICE-Agenten besteht keinerlei Kennzeichnungspflicht.
Fernmeldetechnik Das ICE betreibt mit dem Funksystem SECTOR (UHF-Band) das einzige System einer Vollzugsbehörde der Vereinigten Staaten, das das gesamte Staatsgebiet abdeckt.
Rekrutierung und Ausbildung Die Ausbildung findet an der ICE Academy des Federal Law Enforcement Training Center in Glynco (Georgia) statt.
Die Regierung Donald Trumps erhöhte 2025 das Budget auf das Dreifache. Der Personalbestand wuchs um mehr als das Doppelte, von 10.000 auf 22.000 Angehörige.Angenommen, nach sechs Minuten Bewerbungsgespräch. In: taz, 15. Januar 2026. Abgerufen am 16. Februar 2026.‘I’m Embarrassed’: ICE Agents Speak About the Shooting in Minneapolis. In: Time, 14. Januar 2026. Abgerufen am 16. Februar 2026. Die Ausbildungszeit wurde halbiert und beträgt nun 47 Tage, angeblich weil Trump der 47. Präsident ist. Diese Zeit reicht laut ehemaligen ICE-Agenten niemals aus, um die gesetzlichen Anforderungen zu lernen. Auch Pensionierte wurden angefragt, eine Rückkehr zu erwägen, was aber auf Vorbehalte stieß, da die Gefahr besteht, durch Ausführung illegaler Befehle die Pension zu verlieren. Mittlerweile soll die Ausbildungszeit 72 Tage betragen.
Neue Agenten sollen bis zu 50.000 US-Dollar Einstiegsbonus und einen Erlass ihrer Studiengebühren erhalten können. Seit 2025 mehrt sich die Verwendung von ICE-Werbeslogans, die denen von Organisationen der White-Supremacy-Bewegung wie dem Ku-Klux-Klan (KKK) ähneln. 2026 wurden auf der Webseite aliens.gov von der US-Regierung Migranten mit Außerirdischen verglichen, die sich unbemerkt in den vergangenen Jahren unter die US-Bevölkerung gemischt hätten. Ein Link führt auf eine Webseite, auf der man der ICE-Behörde anonyme Tipps zu illegalen Migranten geben kann.David Schafbuch: Trump verändert seine Strategie www.t-online.de, 11. Juli 2026
Eine Slate-Journalistin, die das ICE-Bewerbungsverfahren als Abschiebehelfer (deportation officer) erfolgreich durchlief, dokumentierte, dass vorab keine offizielle Abfrage ihres Führungszeugnisses, etwaiger Vorstrafen oder sonstige Sicherheitsüberprüfungen erfolgt seien.
Befugnisse Das ICE ist eine Bundesbehörde und unterliegt daher anderen Vorschriften als die lokalen Polizeibehörden. Es ist befugt, Personen festzunehmen, im Gefängnis zu behalten, während der Fall bearbeitet wird, und abzuschieben, wenn sie gegen Einwanderungsgesetze verstoßen haben. Darüber hinaus ist das ICE zur Durchführung von Razzien zur Auffindung von illegalen Einwanderern sowie zur Erforschung von Delikten, welche die illegale Einwanderung betreffen (Menschenhandel, Betrug usw.), befugt.
Für das Betreten von Privatgrundstücken einschließlich eines Gebäudes und für bestimmte Vollstreckungsmaßnahmen muss das ICE im Besitz eines Haftbefehls sein, der von einem Richter unterzeichnet wurde. Darüber hinaus kann das ICE die lokalen Polizeibehörden um Amtshilfe ersuchen; die lokalen Polizeibehörden sind jedoch nicht dazu verpflichtet, dem Amtshilfeersuchen zu entsprechen.
Gesellschaftliche Auswirkungen Im Dezember 2025 waren 68.440 Personen durch ICE inhaftiert, davon knapp 75 Prozent ohne Verurteilung. Unter dem neuen Minister Markwayne Mullin wurden nach internen Dokumenten – unter Verzicht auf spektakuläre Operationen – die Verhaftungszahlen gesteigert, allein in den letzten fünf Tagen des Juni 2026 wurden 10.000 Menschen von der Behörde festgenommen. Verschiedene wissenschaftliche Studien und Medienberichte untersuchen, welche Auswirkungen die Verhaftungen und Abschiebungen durch ICE auf die Gesellschaft haben.
Kinder und Bildungssystem ICE-Razzien führen nachweislich zu abrupten und anhaltenden Störungen des Schulbesuchs, weil Eltern Angst haben, von ihren Kindern getrennt zu werden. In betroffenen Gemeinden steigen Fehlzeiten signifikant, und schulische Leistungen gehen zurück, auch bei Kindern, die nicht unmittelbar von Festnahmen betroffen sind. Die ICE-Razzien verursachen bei Kindern erheblichen Stress, Angst, Unsicherheit, Beklemmung und sogar Traumata. Langfristig zeigen betroffene Kinder erhöhte Bildungsrisiken, darunter Lernrückstände und emotionale Belastungen, die ihre schulische Entwicklung beeinträchtigen.
Wirtschaft und Arbeit Arbeitsplatzrazzien durch ICE wirken als plötzlicher wirtschaftlicher Schock, der Unternehmen Arbeitskräfte entzieht, lokale Produktionsketten unterbricht und Einkommen ganzer Haushalte vernichtet. Die Furcht vor Razzien führt zu Abwesenheiten, Arbeitsplatzwechsel oder Rückzug aus bestimmten Tätigkeiten, insbesondere in Sektoren mit hohem Anteil immigrantischer Arbeitskräfte. Solche Effekte können auch rechtmäßig Beschäftigte mittelbar treffen, etwa durch Betriebsschließungen oder Auftragsverluste in lokalen Ökonomien.
Familie, Care-Arbeit und soziale Reproduktion Razzien führen häufig zu einer abrupten Trennung von Eltern und Kindern, wodurch Haushalte in instabile und oft dauerhaft veränderte Betreuungskonstellationen gezwungen werden. Die Durchsetzungsmaßnahmen stören familiale Routinen und Betreuungsarrangements und erzeugen zusätzliche Belastungen innerhalb der Haushalte.
Gesundheit und psychisches Wohlbefinden