mini|Blick nach Norden mini|hochkant|Giebelwand

Kloster Lindow ist ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster und adliges Fräuleinstift am Wutzsee in der Stadt Lindow (Mark), im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg.

Lage und Bedeutung Das Kloster liegt auf einer Halbinsel nordöstlich der Lindower Altstadt am Wutzsee. Während die meisten Teile der mittelalterlichen Anlage zerstört sind, blieben einige Bauten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts aus der Zeit des evangelischen Damenstifts erhalten.

Die Stichstraße "Am Kloster" verbindet das Kloster sowohl mit der Lindower Altstadt als auch mit den nach Gransee und Rheinsberg führenden Landstraßen. Ursprünglich führte die Straße nach Gransee westlich direkt am Kloster vorbei. Nördlich und westlich des Klosters lagen die Gärten. Sie erstreckten sich bis zur heutigen „Amtsfreiheit“.

Das Gebäudeensemble in seiner Gesamtheit zeugt von Geschichte, Wirkung und Struktur des Klosters. Als Hauskloster der Grafen von Arnstein hat es eine herausragende Rolle bei der Besiedlung der Herrschaft Ruppin gespielt. Seine umfangreichen Besitzungen und Einkünfte machten es zu einem der reichsten Klöster im nördlichen Brandenburg, dessen Einfluss weit über das Ruppiner Land hinausreichte. Nach Einzug der Reformation und der Umwandlung in ein evangelisches Damenstift beziehungsweise landesherrliches Domänenamt hatte es nach wie vor wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Stadt Lindow.

Geschichte Das Kloster wurde vermutlich um 1230 im Temnitzgebiet am Südufer des Katerbowsees bei Netzeband gegründet. Möglicherweise gehörte es anfangs dem Prämonstratenser-Orden an. Wohl auf Betreiben der Ruppiner Grafen, welche damals ihr Herrschaftsgebiet nach Norden ausdehnten, wurde das Kloster um 1240 nach Lindow verlegt. Vermutlich war es zu dieser Zeit bereits ein Zisterzienserinnenkloster. 1334 wird das Kloster erstmals urkundlich erwähnt. Mit dem Bau der Klostergebäude dürfte bald nach der Ansiedlung des Konvents in Lindow, das heißt um die Mitte des 13. Jahrhunderts, begonnen worden sein. Vermutlich bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts waren Klosterkirche und Konventgebäude fertiggestellt. Weitere Bauten kamen im späten 15. Jahrhundert hinzu, so Klosterscheune und Klosterschule. Die Grafen von Arnstein als Besitzer der Herrschaft Ruppin bestimmten Lindow neben dem Dominikanerkloster in Neuruppin als Hauskloster und statteten es reich mit Landbesitz und Einkünften aus. Nach dem Tod des letzten Grafen von Lindow-Ruppin fiel das Kloster 1524 an die Mark Brandenburg. Zu dieser Zeit gehörte es zu den reichsten Klöstern der Mark; zu seinen Besitzungen gehörten 90.000 Morgen Land, 18 Dörfer, 20 wüste Feldmarken, neun Wassermühlen sowie mehrere Fischteiche und Seen, darunter der Große Stechlinsee.Infotafeln am Eingang zum Klostergelände. In Lindow unterhielt das Kloster ein Hospital und ein Beginenhaus. In der Klosterschule wurden die Töchter des Ruppiner Adels erzogen. Der Konvent umfasste vor der Reformation 36 Nonnen, die vor allem dem regionalen Adel, aber auch bürgerlichen Familien entstammten. 1362 wird ein Propst genannt, der zugleich Pfarrer der Stadtgemeinde war. Das Kloster besaß das Patronatsrecht über 15 Mutter- und Filialkirchen, darunter die 1457 gegründete Lindower Stadtkirche. Erst seit dem 15. Jahrhundert sind Äbtissinnen namentlich bekannt. Die Quellenlage zur Geschichte des Klosters ist dürftig, es wird aber in einer Papsturkunde von 1501 als monasterium monialium in Lindow ordinis s. Benedicti erwähnt.Vat. Arch. Regg. Vat. 862. fol. 205 f.

Nach der Reformation 1542 wurde das Kloster aufgehoben. Der Konvent trat zum neuen Glauben über und wurde allmählich in ein evangelisches Damenstift umgewandelt. Die kurfürstliche Domänenverwaltung übernahm das Klostergut und führte es als Amt Lindow weiter. 1551 gehörten dem Stift eine Domina als Vorsteherin und 14 Konventualinnen an. Während des Dreißigjährigen Kriegs zerstörten kaiserliche Truppen des Feldmarschalls Matthias Gallas am 18. Oktober 1638 große Teile der Klosteranlage und vernichteten dabei auch das Klosterarchiv. Ab 1696 war Lindow ein „Hochadeliges Fräuleinstift“ zur Versorgung lediger Töchter des märkischen Adels. Allerdings galt das Stift als verarmt; zeitweise lebten darin nur noch vier Stiftsdamen mit ihrer Domina. Das Stift erlebte nun einen spürbaren Niedergang und musste seinen verbliebenen Besitz allmählich verkaufen. Das Domänenamt wurde 1764 aufgelöst und dem Amt Alt Ruppin unterstellt. Das durch die Domina Ilse Margarethe von Rochow-Plessow aus eigenen Mitteln erbaute Dominat wurde 1752 errichtet. Aus dieser Zeit stammen auch die Statuten der Einrichtung. Frau von Rochow entschied sich später für ein weltliches Leben und heiratete den mecklenburgischen Gutsbesitzer Moritz Henning Leopold von Oertzen-Blumenau. Aus der Zeit als Fräuleinstift stammt auch das 1801 erbaute Konventualinnenhaus.

Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlangte das Stift wieder wirtschaftliche Stabilität und konnte elf Stiftsdamen aufnehmen. 1875 erfolgte die Umwandlung zum „Landesherrlichen Fräuleinstift Kloster Lindow“ unter Leitung einer Oberin. Grundbesitzer aus der Mark Brandenburg standen der Einrichtung ehrenamtlich als Stiftshauptleute vor, so unter anderem Albert Graf von Zieten-Schwerin, General Ferdinand von Zeuner und Adolf von Kriegsheim-Barsikow. Zu seiner Zeit war Pauline von Schierstädt die Oberin. Der Stiftshauptmann führte die Ordination der durch Wahl bestimmten Domina durch, die im Vorfeld dem preußischen König zur Bestätigung unterbreitet wurde.

1946 wurde aus dem „Fräuleinstift“ das „Evangelische Stift Kloster Lindow“. In einigen Stiftsgebäuden wurde 1947 ein Altenpflegeheim eingerichtet, betreut vom Diakonissenhaus Salem in Berlin-Lichtenrade, danach vom Diakonissenhaus Friedenshort Heiligengrabe.

In den Jahren 2009 bis 2022 ließ das Stiftskapitel des Evangelischen Stifts Kloster Lindow unter dem Vorsitz des Geodäten, Bauingenieurs und Theologen Horst Borgmann die Klosteranlage instandsetzen und inhaltlich erweitern (Kirche unter freiem Himmel, Garten des Buches, Josef-Hainz-Bibliothek, Friedrich-Justus-Perels-Gedenkstätte).

Nachdem das Stiftskapitel beschlossen hatte, sich aufzulösen, ging das Kloster in das Eigentum der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz über, die es 2023 an den gegenwärtigen Eigentümer, die Lafim Diakonie, verkaufte.Märkische Oderzeitung vom 02.04.2023: Kloster Lindow verkauft: Das sind die Pläne des neuen Eigentümers mit der Immobilie Die Lafim Diakonie betreibt in unmittelbarer Nähe des Klosters das „Evangelische Seniorenheim Kloster Lindow“.

Sehenswürdigkeiten mini|Südseite des Konventsgebäudes mini|Klosterruine

Konventgebäude Der Südgiebel des Konventgebäudes ist ein Wahrzeichen der Stadt Lindow.

Das Gebäude wurde vom letzten Drittel des 13. Jahrhunderts bis ins 14. Jahrhundert erbaut und im 16. Jahrhundert teilweise erneuert. Nach seiner Zerstörung 1638 wurde es bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts weitgehend abgetragen. Heute stehen lediglich die Giebelseiten und Teile der Längsmauern des als Konventgebäude bezeichneten Ostflügels des Klosters. Der große Rechteckbau besteht aus quaderförmig behauenen und schichtenweise vermauerten Feldsteinen sowie aus Ziegelmauerwerk. An den Giebel- und Längsseiten sind spitzbogige Portal- und Fensteröffnungen vorhanden. Das Äußere des Gebäudes war ursprünglich verputzt und farbig dekoriert. Insbesondere am Nordgiebel finden sich noch Putzreste mit Schmuckritzungen (Zirkelblumen, Rosetten). Unter dem südlichen Teil liegt der Keller.

Die Ruine des Konventgebäudes war bereits zu Zeiten Theodor Fontanes nicht mehr sicher betretbar. In seinem Roman Der Stechlin schreibt er: „Verblieben nur noch die zwei Schmalseiten, von denen die eine nichts als eine von Holunderbüschen übergrünte Mauer, die andere dagegen eine mächtige hoch aufragende Giebelwand, war dieselbe, die man schon aus einiger Entfernung beim Anritt gesehen hatte. Sie stand da, wie bereit, alles unter ihrem ständig drohenden Niedersturz zu begraben, und nur das konnte wieder beruhigen, daß sich auf der höchsten Spitze der Wand ein Storchenpaar eingenistet hatte. Störche, deren reines Vorgefühl immer weiß, ob etwas hält oder fällt.“ Im Laufe der Zeit verschlechterte sich die Situation weiter. Die Seitenwände waren teilweise eingestürzt und abgetragen, der Keller war eingestürzt, im Inneren befand sich ein Kleingarten, Fahrräder und Boote wurden abgestellt. mini|hochkant|Konventgebäude, Südportal mit Zisterzienserlilie Im Jahr 2012 begann die durch das EU-Programm LEADER geförderte Instandsetzung des Konventgebäudes.Erhaltung de Klosteranlage Lindow durch Sicherung der Ruine des Klausurgebäudes und Freilegung des dazugehörigen Kellers zu dessen Aufwertung und Erschließung für die touristische Nutzung, Schild am Eingang des Klosters Vor Beginn der Arbeiten wurde der Gebäudebestand im Rahmen einer Bachelorarbeit durch terrestrisches Laserscanning einerseits und durch automatische Mehrbildphotogrammetrie erfasst. Die Genauigkeit beider Verfahren liegt bei ein bis zwei Zentimetern. Aus den Punktwolken können sowohl Orthofotos der einzelnen Fassaden als auch Schnitte in beliebiger Lage und Höhe abgebildet werden.Anja Mattern und Matthias Möllerke: 3D-Modellierung einer Klosterruine in Lindow/Brandenburg, Bachelorarbeit, Berliner Hochschule für Technik (BHT) 2013.

Die Ruine konnte wiederhergestellt werden. Der Keller ist instandgesetzt worden und kann nun wieder betreten werden. Die Ruine des Konventgebäudes wird für Lesungen und für kleine Konzerte genutzt.

Die Holztüren der Ruine des Konventgebäudes wurden durch schmiedeeiserne Türen mit den Motiven Zisterzienserlilie (im Süden), Wappen der Stadt Lindow (im Westen) und Ritzmotive des Nordgiebels (im Norden) ersetzt.Erhaltung der Klosteranlage Lindow durch Sicherung der Ruine des Klausurgebäudes und Freilegung des zugehörigen Kellers zu dessen Aufwertung und Erschließung für die touristische Nutzung, Hinweisschild am Klostereingang mini|Andacht in der Kirche unter freiem Himmel

Klosterkirche Die Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut, 1638 zerstört und Mitte des 18. Jahrhunderts abgetragen. Der zuletzt noch vorhandene Ostgiebel ist nach 1803 eingestürzt. Die Kirche war ehemals ein einfacher Rechteckbau aus Feldsteinen und teilweise aus Ziegeln. In der Mitte der Kirche befindet sich ein Doppelgrab, vermutlich das Stiftergrab. 1934 und 1935 wurden die Fundamente freigelegt und teilweise durch eine niedrige Feldsteinmauer markiert. An der Stelle des ehemaligen Hochaltars steht ein Holzkreuz. In der Apsis sind die letzten Stiftsdamen unter schlichten Sandsteinplatten beerdigt.

Die Klosterkirche ist mit geteilten Baumstämmen bestuhlt, die aus Fällungen auf dem Klostergelände gewonnen wurden (die ursprüngliche Bestuhlung ist erneuert worden). Die Kirche wird wieder regelmäßig als „Kirche unter freiem Himmel“ für Andachten und Bestattungsfeiern genutzt.

Klosterschule mini|Klosterschule Die Klosterschule ist das einzige erhaltene Gebäude des Klosters. Es wurde Ende des 15. Jahrhunderts erbaut und vermutlich ursprünglich als Schule oder Gästehaus genutzt. Später erfolgten nacheinander Nutzungen als Armen-, Beginen- und Pförtnerhaus. Heute ist es ein Wohnhaus.