Marawi, („Islamische Stadt Marawi“), Maranao-Sprache Inged san Marawi, ist die Hauptstadt der Provinz Lanao del Sur auf der Insel Mindanao im Süden der Philippinen. Die Stadt liegt am nördlichen Ufer des Lanao-Sees und gehört politisch zur 2019 neu gebildeten Region Bangsamoro (zuvor Autonomous Region in Muslim Mindanao). Im Jahr 2015 hatte sie rund 202.000 Einwohner. Im Jahr 2017 war Marawi Schauplatz schwerer militärischer Auseinandersetzungen, als sich mehrere islamistische Gruppen wie Pangkat ng Maute und Abu Sayyaf unter der Flagge des Islamischen Staates (IS) verbanden und gegen die Streitkräfte der Philippinen um die Vorherrschaft in der Stadt kämpften. Im Laufe von fünf Monaten wurde dabei ein Großteil der Innenstadt nahezu komplett zerstört und entvölkert.
Geographie Die Stadt liegt im westlichen Teil der Insel Mindanao und ist von den Gemeinden Marantao und Saguiaran im Westen, von Bubong und Ditsaan-Ramain im Osten und von Kapai und Saguiran im Norden umgeben. Im Süden befindet sich der Lanao-See, aus dem bei Marawi der Agus River Richtung Norden fließt, der in die etwa 35 Kilometer entfernte Bucht von Iligan in der Mindanaosee mündet.
Stadt und See liegen rund 700 Meter über dem Meeresspiegel. Stadtgebiet und Umgebung sind hügelig, teilweise auch gebirgig.
Baranggays Marawi ist politisch unterteilt in 96 Baranggays.
Ambolong Amito Marantao Bacolod Chico Proper Banga Bangco Banggolo Poblacion Bangon Basak Malutlut Beyaba-Damag Bito Buadi Itowa Bito Buadi Parba Boganga Boto Ambolong Buadi Sacayo Bubong Lumbac Bubonga Cadayonan Bubonga Lilod Madaya Bubonga Marawi Bubonga Pagalamatan Bubonga Punod Cabasaran Cabingan Cadayonan Cadayonan I Calocan East Calocan West Daguduban Dansalan Datu Naga Datu Sa Dansalan Dayawan Dimaluna Dulay Dulay West East Basak Emie Punud Fort Gadongan Gadongan Mapantao Guimba Kapantaran Kilala Kormatan Matampay Lilod Madaya Lilod Saduc Lomidong Lumbac Marinaut Lumbaca Madaya Lumbaca Toros Malimono Marawi Poblacion Marinaut East Marinaut West Matampay Mipaga Proper Moncado Colony Moncado Kadingilan Moriatao Loksadato Navarro Norhaya Village Olawa Ambolong Pagalamatan Gambai Pagayawan Panggao Saduc Pantaon Papandayan Papandayan Caniogan Paridi Patani Pindolonan Poona Marantao Pugaan Rapasun MSU Raya Madaya I Raya Madaya II Raya Saduc Rorogagus East Rorogagus Proper Sabala Manao Sabala Manao Proper Saduc Proper Sagonsongan Sangcay Dansalan Somiorang South Madaya Proper Sugod Proper Tampilong Timbangalan Tolali Tongantongan-Tuca Timbangalan Toros Tuca Tuca Ambolong Tuca Marinaut Wawalayan Calocan Wawalayan Marinaut
Namensherkunft Der Name Marawi leitet sich ab von dem Wort rawi aus der Sprache der Volksgruppe der Maranao und heißt liegend, was sich auf eine Lilienart bezieht, die an den Ufern des Agus River gedeiht.
Sprache Die meisten Einwohner von Marawi sind Muslime. Der Dialekt Maranao ist die verbreitetste Sprache im Stadtgebiet (96,18 %) und wird sowohl von Muslimen wie auch von Christen verstanden. Danach folgen Bisaya/Binisaya mit 1,29 % und Cebuano mit 1,14 %. Andere ethnische Gruppen sprechen Tagalog (0,29 %) oder Hiligaynon/Ilonggo (0,14 %). Ein Großteil der Studenten dieser Stadt beherrscht zudem die arabische Sprache in Wort und Schrift. Die meisten Schulen vermitteln darüber hinaus die Amtssprache Englisch.
Geschichte Marawi war ursprünglich eine Gemeinde der Ortschaft Dansalan. Dansalan bedeutet „Bestimmungsort“. Der Ort wurde am 20. Mai 1907 gegründet und gehörte zu der damaligen Provinz Moro. Am 19. August 1940 wurde Danasalan durch den Commonwealth Act Nr. 592 zu einer beurkundeten Stadt, eine Einweihung fand jedoch wegen des Pazifikkriegs erst am 30. September 1950 statt. Am 16. Juni 1956 wurde Dansalan City durch eine Kongressverordnung, den Republic Act Nr. 1552, in Marawi umbenannt. Der Namenswechsel wurde zu Ehren der Marawi Sultanate Confederation (Bund der Marawi Sultanate) durchgeführt. Am 15. April 1980 wurde die Stadtbezeichnung durch die Council Resolution Nr. 19 erweitert, sie heißt seither „Islamic City of Marawi“, da sie die einzige größere Stadt in den Philippinen ist, die mehrheitlich von Muslimen bewohnt wird; deren Anteil an der Bevölkerung beträgt etwa 92 Prozent.
Als Hauptstadt der Provinz Lanao del Sur ist Marawi eine Wirtschafts-, Bildungs-, Kultur- und Politikzentrale der Provinz und zudem das Islamische Zentrum des philippinischen Südens.
Schlacht um Marawi 2017 mini|Zustand 2018 mit der zerstörten Innenstadt in der Bildmitte am Seeufer. Im Jahr 2017 war Marawi Schauplatz schwerer militärischer Auseinandersetzungen, als sich mehrere islamistische Gruppen wie Pangkat ng Maute und Abu Sayyaf unter der Flagge des Islamischen Staates (IS) verbanden und gegen die Streitkräfte der Philippinen um die Vorherrschaft in der Stadt kämpften."Battle for Marawi" Reuters, 2. Juni 2017 Die Kämpfe brachen am 23. Mai 2017 zwischen philippinischen Militäreinheiten und mehreren hundert (anfangs geschätzt rund 400 bis 500) Anhängern von verschiedenen islamistischen Gruppierungen aus.Raising estimate, DND says 500 militants involved in Marawi The Philippine Star philstar.com, 1. Juni 2017 Ihren Beginn hatte die Schlacht genommen, als die Armee Anfang Mai erhaltenen Hinweisen zu zunehmenden Aktivitäten von Mitgliedern der Maute-Gruppe in der Region nachging. Dabei wurde die unverhoffte Anwesenheit von Isnilon Hapilon, einem langjährigen Anführer von Abu Sayyaf, im Stadtgebiet festgestellt.How a military raid triggered Marawi attacks rappler.com, 29. Mai 2017 Ein Verhaftungsversuch löste postwendend einen überraschend massiven Gegenangriff von einer unerwartet hohen Anzahl an vor Ort befindlichen Terrorkämpfern aus, die zunächst weite Teile der Stadt unter ihre Kontrolle bringen konnten.Philippines: BenarNews Visits House Where Marawi Battle Began benarnews.org, 30. Oktober 2017
Nach Auswertung von Videomaterial, das in der Unterkunft des entkommenen Hapilon entdeckt worden war, stellte sich heraus, dass dieser gemeinsam mit den Maute-Führern unter der schwarzen Flagge des Islamischen Staates einen Zusammenschluss mehrerer Extremistengruppen geplant hatte, um Marawi einzunehmen und in der Stadt offenbar ein Kalifat zu errichten. Auf den kurz zuvor entstandenen Filmaufnahmen war zu sehen, wie der 2016 zum IS-Emir von Südostasien ernannte Hapilon mit Abdullah Maute und Omar Maute sowie weiteren Personen konkrete Szenarios für eine unmittelbar bevorstehende Attacke besprach. Durch den für die Terroristen ebenso unvorhergesehenen Militäreinsatz wurde dieser Angriff vermutlich drei Tage früher als ursprünglich beabsichtigt gestartet.AP Exclusive: Video shows militants in Philippine siege plot apnews.com, 7. Juni 2017 Die Maute-Gruppe, die mutmaßlich die meisten Kämpfer stellte, hatte dem IS die Treue geschworen, war aber eigenständig organisiert. Gleiches gilt für Abu Sayyaf und wohl ebenfalls beteiligte Gruppierungen wie Bangsamoro Islamic Freedom Fighters und Ansar Khalifa Philippines, die nun unter dem Dachverband Islamic State Province in East Asia operieren.
Nach Ausbruch der Kämpfe brannten die Islamisten die Kirche St. Mary Auxillidaro und eine Schule nieder, stürmten das örtliche Gefängnis und befreiten dort Inhaftierte. Präsident Rodrigo Duterte rief daraufhin das Kriegsrecht für die Insel Mindanao aus.Kriegsrecht auf Philippinen-Insel – Tausende auf der Flucht zeit.de, 25. Mai 2017 Verstärkte Armeeverbände rückten in Marawi ein und Duterte wies die Soldaten an, alle angetroffenen Bewaffneten, die nicht von der Regierung zum Waffenbesitz ermächtigt seien, zu töten und „auszulöschen“.Anna Schaverien: Death toll nears 100 on sixth day of violence in Philippines. telegraph.co.uk, 28. Mai 2017 Zehntausende Bewohner flüchteten vor dem Konflikt zwischen Extremisten und Regierungstruppen, innerhalb der ersten Woche wurden mindestens 140 Menschen getötet.Philippinische Soldaten von eigener Luftwaffe getötet Deutsche Welle dw.com, 1. Juni 2017 Es gab Berichte zu hunderten Geiselnahmen, schwerer Folter, den Missbrauch von Personen als menschliche Schutzschilde und gezielte Erschießungen oder Enthauptungen von Christen sowie Zivilisten, die nach Aufforderung die Schahāda nicht rezitieren konnten.Philippines says beheaded civilians found in rebel-held town reuters.com, 28. Juni 2017 Nach zwei Wochen hatte fast die gesamte Bevölkerung, rund 200.000 Einwohner, die Stadt verlassen.Over 200,000 evacuated from Marawi philstar.com, 6. Juni 2017
Die islamistischen Krieger wurden zunehmend von Militäreinheiten zurückgedrängt und verschanzten sich vornehmlich im östlich vom Fluss Agus gelegenen Teil des Stadtzentrums. Dort wurden sie zusammen mit rund 2.000 Zivilpersonen eingekesselt, die nicht mehr rechtzeitig fliehen konnten.2,000 trapped as fighting rages in Philippines' Marawi city straitstimes.com, 28. Mai 2017 Etwa 4.000 Landstreitkräfte waren zu diesem Zeitpunkt im Einsatz, während FA-50 Kampfflugzeuge der philippinischen Luftstreitkräfte mehrfach den Innenstadtbereich bombardierten.Eskalation im umkämpften Marawi deutschlandfunk.de, 17. Juni 2017 Ein Versuch, den verbliebenen Zivilisten am 4. Juni während einer Waffenruhe den Abzug zu ermöglichen, scheiterte."Gunfire during ceasefire stops civilians fleeing fighting in Philippines" theguardian.com, 4. Juni 2017 Am frühen Morgen des 16. Oktober 2017 wurden nach fast fünfmonatiger Schlacht Isnilon Hapilon und Omarkhayam ("Omar") Maute gemeinsam bei einem Feuergefecht getötet.Terrorists Isnilon Hapilon, Omar Maute killed in Marawi battle abs-cbn.com, 16. Oktober 2017 Damit waren alle sieben Maute-Brüder ums Leben gekommen, Abdullah Maute war bereits am 7. August gefallen.All Maute siblings involved in Marawi siege dead philstar.com, 4. Dezember 2017 Die Gruppe galt daher zunächst als nahezu zerschlagen und auch Abu Sayyaf als deutlich geschwächt.The Post-Marawi Decline of Abu Sayyaf asiasentinel.com, Michael Hart, 29. Juni 2018 Die Militäroperation wurde schließlich am 23. Oktober für beendet und Marawi als befreit erklärt.Philippinen verkünden Sieg über IS-Anhänger zeit.de, 23. Oktober 2017 Der Großteil der Innenstadt war hiernach (zu 95 %) eine Trümmerwüste, mehr als 3.000 Gebäude wurden komplett und weitere 2.000 teilweise zerstört.Fabian Sommavilla: Nach IS-Terrorherrschaft: Schwierige Rückkehr nach Marawi. derstandard.de, 4. April 2018 Über das Stadtgebiet wurde eine Sperrzone verhängt.Faszinierende Drohnenaufnahmen: Dschungel schluckt zerstörte Stadt. spiegel.de, 28. Juni 2019
Insgesamt starben bei dem Waffenkonflikt laut Regierungsinformationen 1.233 Menschen: 978 Terroristen, 168 Soldaten und 87 Zivilisten.President Duterte’s 6 years: Protecting people’s lives during Marawi war and Covid-19 pandemic Manila Bulletin mb.com.ph, 8. Juni 2022 Amnesty International zog in einem im November 2017 veröffentlichten Bericht die Angabe zur zivilen Opferzahl in Zweifel und hielt sie für „wahrscheinlich deutlich höher“.Philippines: ‘Battle of Marawi’ leaves trail of death and destruction Amnesty International amnesty.org, 17. November 2017 Verteidigungsminister Delfin Lorenzana hatte dagegen schon Mitte Juli 2017 Medienmeldungen als „unbestätigt“ zurückgewiesen, wonach bis dahin bereits 2.000 Zivilisten umgekommen seien.Lorenzana on 2,000 civilian deaths in Marawi: Avoid sharing unverified data Philippine Daily Inquirer inquirer.net, 11. Juli 2017 Die Provinzverwaltung von Lanao del Sur hatte während der Kämpfe zwischenzeitlich sogar mal 3.000 Tote insgesamt vermeldet. Unklar blieb zudem, ob die Annahme zutreffend ist, dass 466 Personen, die auch im Jahr 2021 noch nicht identifiziert worden waren, in die Statistik der Regierung tatsächlich eingegangen sind.4 Years After Marawi Siege in Philippines, Hundreds of Graves Remain Nameless benarnews.org, 24. Mai 2021