Der Gardasee ( oder ), einer der oberitalienischen Seen, ist der größte See Italiens, benannt nach der Gemeinde Garda am Ostufer. Sein antiker Name lautete von etwa 200 v. Chr. bis 800 n. Chr. Lacus benacus. Der Name soll von einer alten Gottheit namens Benacus abstammen. Der Gardasee wurde in der vergangenen Eiszeit durch einen Seitenast des Etschgletschers geformt, dessen Spuren noch verfolgt werden können, insbesondere durch die Endmoränen um das Südufer z. B. bei Lonato del Garda, Solferino, Valeggio sul Mincio und Custoza. Erste Besiedlungen des Seeufers datieren um das Jahr 2000 v. Chr.

Geographie Lage Der Gardasee liegt zwischen den Alpen im Norden und der Po-Ebene im Süden und ist daher ein Alpenrandsee. Der Norden des Sees gehört zur Region Trentino-Südtirol, der Westen zur Lombardei und der Osten zu Venetien. Damit teilen sich die drei Provinzen Trient (Norden), Brescia (Westen) und Verona (Osten) die Verwaltung.

Das nördliche Ufer des Sees ist von Zweitausendern der Gardaseeberge wie dem Monte Baldo umsäumt; das südliche Ufer liegt bereits in der norditalienischen Tiefebene.

In der Nähe des Sees befinden sich bekannte Weinbaugebiete: Südlich von Desenzano del Garda liegt das Lugana-Gebiet Östlich vom Gardasee finden sich die Gebiete des Bardolino- und des Soave-Weins Ebenfalls östlich (zwischen dem Gardasee und Verona) liegt das Valpolicella-Gebiet

Orte RegionTrentino-Südtirol RegionVenetien RegionLombardei Karte der Orte Provinz Trient(von West nach Ost) Provinz Verona(von Nord nach Süd) Provinz Brescia(von Süd nach Nord)320px Riva del Garda Arco Nago-Torbole Malcesine Brenzone sul Garda Torri del Benaco Garda Bardolino Lazise Castelnuovo del Garda Peschiera del Garda Sirmione Desenzano del Garda Lonato del Garda Padenghe sul Garda Moniga del Garda Manerba del Garda San Felice del Benaco Salò Gardone Riviera Toscolano Maderno Gargnano Tignale Tremosine sul Garda (Ortsteil Campione del Garda) Limone sul Garda

In der weiteren Umgebung des Sees liegen die vier Provinzhauptstädte Brescia, Mantua, Trient und Verona.

Zu- und Abflüsse Der Gardasee wird hauptsächlich durch den Fluss Sarca gespeist. Dieser fließt am Nordende bei Torbole in den See. Als Mincio verlässt der Fluss bei Peschiera del Garda den Gardasee und fließt später in den Po. Neben den insgesamt 25 Zuflüssen gibt es noch einen künstlichen Zufluss in Form des 1959 fertiggestellten Etsch-Gardasee-Tunnels, dessen Tunnelausgang am südlichen Ortsausgang von Torbole liegt und der im Falle einer stark Hochwasser führenden Etsch geöffnet wird.

Pegel mini|300px|Wasserstände am 4. Oktober 2021 (77 cm über Pegelnull), am 8. August 2022 (34 cm über Pegelnull) und am 27. Juli 2024 (118,5 cm über Pegel Null)https://www.comunitadelgarda.it/misura-del-livello-del-lago-di-garda/25.html?&year=2024&month=07 in Torri del Benaco. Zwischen 1950 und 2015 ermittelter Mittelwert bei 66,4 cm (4. Oktober) und 85,8 cm (8. August). Der Pegelnullpunkt liegt bei Peschiera del Garda bei Er unterliegt zum Teil starken saisonalen Schwankungen, da das Wasser des Gardasees über seinen Abfluss Mincio zur Bewässerung der intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen zwischen Verona und Mantua genutzt wird. Zum anderen sind die Schwankungen durch die Wasserentnahme für die Stromerzeugung im Oberlauf der Sarca bedingt.

Der Pegeltiefstand wurde in den Jahren 2003 und 2007 mit jeweils 8 cm unter Pegelnull erreicht, der Höchststand lag am 2. Juli 1879 bei 216 cm über Pegelnull. 1960 stand der Pegel bei 212 cm aufgrund der Öffnung des Etsch-Gardasee-Tunnels. Nicht festlegen lässt sich der Pegel von 1673 und 1746, als der Ort Desenzano del Garda überschwemmt wurde.Der Gardaseepegel auf Italienisch (PDF; 8,2 MB), abgerufen am 23. August 2017. Außer in Peschiera wird der Pegelstand in Riva del Garda und Torri del Benaco gemessen.

Inseln Im See befinden sich fünf Inseln, die größte, Isola del Garda mit der Villa Borghese, liegt in der Nähe von Salò. Etwa zwei Kilometer südlich davon, ebenfalls in der Bucht von Manerba und San Felice, liegt die Isola di San Biagio auch als „i Conigli“ (deutsch: die Kaninchen) bezeichnet. San Biagio ist ein beliebtes Ausflugsziel, das mit dem Boot oder zu Fuß vom Festland (je nach Wasserstand hüfttief oder trockenen Fußes) erreicht werden kann. Vor Assenza (zwischen Porto di Brenzone sul Garda und Malcesine) liegt die Isola di Trimelone; diese ist allerdings militärisches Sperrgebiet. Etwas weiter nördlich von Trimelone liegt bei Malcesine im Val di Sogno die Isola del Sogno und nördlich davon die Isola dell’Olivo.

Klima mini|links|Die Winde am Gardasee

Das Klima ist aufgrund der Lage sub-mediterran mit heißen Sommern und niederschlagsarmen milden Wintern. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt zwischen 13 und 15 °C. In Gardone Riviera, am Südwestufer des Sees, herrscht das mildeste Klima nördlich des Apennins. Die Hauptwinde am nördlichen See sind der Ora und der Pelér. Der Ora ist ein Südwind, der in der Mittagszeit beginnt und bis in die frühen Abendstunden weht. Der Pelér, der auch unter dem Namen Vento (ital. für Wind) bekannt ist, ist ein Nordwind, der in der zweiten Nachthälfte beginnt und bis zum Vormittag anhält. Wegen dieser Winde ist der nördliche Gardasee zwischen Torbole und Malcesine bei Seglern und Surfern sehr beliebt.

Wassertemperaturen und Limnologie Das sub-mediterrane Klima wirkt sich auf die Wassertemperaturen aus. In den Sommermonaten wird an der Wasseroberfläche eine Temperatur von um die 25° Celsius erreicht, in 50 m Tiefe beträgt sie 13° und in 100 m Tiefe 8° Celsius. Bis zu einer Tiefe von 20 m nimmt die Temperatur nur langsam ab, zwischen 20 und 30 m Tiefe dann stärker, um danach bis 150 m Tiefe wieder langsamer abzunehmen. Unter 200 m Tiefe liegt die Wassertemperatur einheitlich bei 7 bis 8° Celsius. Damit weist der Gardasee die höchsten Tiefentemperaturen aller oberitalienischen Seen auf.Gabriele Costa: I nomi del vento sul lago di Garda: Etnoscienza e geolinguistica. Edizioni dell’Orso, Alessandria 2011, ISBN 978-88-6274-332-7, S. 21.

Im Frühjahr 2026 erfolgte erstmals seit zwanzig Jahren wieder eine komplette Durchmischung des Gardasees.

Geschichte Aus der Bronzezeit stammen zahlreiche Pfahlbautensiedlungen, die direkt am Seeufer oder im unmittelbaren Hinterland des Gardasees errichtet wurden und seit 2011 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen.

Die Schlacht am Lacus Benacus (lateinisch für Gardasee) wurde im November des Jahres 268 an den Ufern des Gardasees in Norditalien zwischen Alamannen und Römern unter Kaiser Claudius Gothicus ausgetragen.

Unter den Signorie fiel der Gardasee zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert unter den Einflussbereich der Scaliger, die zahlreiche Burgen insbesondere an den östlichen und südlichen Uferorten (Malcesine, Torri del Benaco, Lazise und Sirmione) errichteten. Im 15. Jahrhundert wurden der See und seine Uferorte zum Schauplatz im Kampf um die Vorherrschaft in Oberitalien zwischen dem Herzogtum Mailand unter den Viscontis und der Republik Venedig. Als militärische Glanzleistung zählte hierbei der Transport einer venezianischen Flotte vom Etschtal über die Berge nach Torbole im Jahr 1439, ein von der Republik Venedig als Galeas per montes bezeichnetes Unternehmen. Mit der im Frieden von Lodi 1454 festgelegten Grenze am Fluss Adda fiel der Gardasee endgültig unter den Einflussbereich der Dogenrepublik. Letztere baute insbesondere Peschiera am strategisch wichtigen Abfluss des Mincio zur Festung aus, die 2017 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Während des Spanischen Erbfolgekrieges zu Beginn des 18. Jahrhunderts versuchte General Vendôme, mit seinen Truppen über das Nordufer in Richtung Norden vorzustoßen, und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Dabei wurden zahlreiche Burgen von den Franzosen zerstört wie Castel Penede in Nago, die Burg von Arco oder Castel Drena. Am 19. April 1706 schlug Vendôme in der Schlacht bei Calcinato am Südufer des Sees die kaiserlichen Truppen unter dem Oberbefehl von Christian Detlev von Reventlow.

Die Schlacht bei Rivoli, die im Ersten Koalitionskrieg im Januar 1797 in der Nähe des Ortes Rivoli (südöstlich von Garda) stattfand, war ein Schlüsselerfolg der französischen Armee unter Napoleon Bonaparte im Italienfeldzug über ein zahlenmäßig überlegenes habsburgisches Heer unter Feldmarschall Alvinczy. Aufgrund des Vertrages von Pressburg vom 26. Dezember 1805, mit dem die Grafschaft Tirol an Bayern fiel, gehörte die Nordspitze des Gardasees von Anfang 1806 bis Anfang 1810 als Etschkreis zum Königreich Bayern und anschließend, wie der übrige See auch, zum Königreich Italien. Nach dem Wiener Kongress 1815 fiel der gesamte See dem Kaisertum Österreich zu und war Bestandteil des Königreichs Lombardo-Venetien.

Die Schlacht von Solferino am Südufer war die Entscheidungsschlacht im Zweiten Italienischen Unabhängigkeitskrieg zwischen dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Sardinien und dessen Verbündetem Frankreich unter Napoléon III. Durch die Niederlage der Österreicher bei Solferino am 24. Juni 1859 wurde der Weg zur Einigung Italiens frei gemacht. Die Grausamkeit der Schlacht und die Hilflosigkeit der verwundeten Soldaten veranlassten Henry Dunant (1828–1910) zur Gründung des Roten Kreuzes und führten zur Vereinbarung der Genfer Konvention von 1864.

Am 8. Oktober 1860 ging das für den Personentransport umfunktionierte Kanonenboot der sardischen Marine Sesia nach einer Kesselexplosion vor Limone verloren. Bei dem Unglück kamen 42 Menschen ums Leben, 18 überlebten den Unfall. Der Untergang der Sesia ist der bislang größte Schiffsunfall auf einem italienischen Binnengewässer. Die Dampfschifffahrt auf dem Gardasee war erst 1827 mit dem Raddampfer Arciduca Ranieri (italienisch für Erzherzog Rainer) aufgenommen worden. Versuchte man, dem neuen Verkehrsmittel zunächst noch mit dem von Pferden angetriebenen Passagierschiff Amico a Prova Konkurrenz zu machen, konnte sich die Dampfschifffahrt bald mit leistungsstärkeren Schiffen trotz Unfällen auf dem See durchsetzen.

Nach dem Verlust der Lombardei und des dazugehörigen Westufers des Gardasees 1859 verlor Österreich 1866 nach dem Dritten Italienischen Unabhängigkeitskrieg mit Venetien auch das Ostufer; nur die Nordspitze, mit Riva, verblieb bis 1918 in der Habsburgermonarchie. Der See wurde in dieser Zeit auch „Gartsee“ genannt. Während des Ersten Weltkrieges verlief die Front direkt am Nordufer des Sees entlang, an dem zahlreiche Festungsanlagen errichtet worden waren.

Mit dem Wegfall der Staatsgrenze nach dem Ende des Weltkrieges wurde der Bau der beiden Uferstraßen in Angriff genommen. Die an der flacheren Ostküste entlangführende Gardesana Orientale war bereits 1929 durchgehend bis zum Nordufer befahrbar. Zwei Jahre später wurde die von Riccardo Cozzaglio geplante Gardesana Occidentale an der Westküste am 18. Oktober 1931 von Gabriele D’Annunzio für den Verkehr freigegeben. Letzterer lebte seit Anfang der 1920er Jahre in Gardone Riviera im Vittoriale degli italiani und hatte den Bau der Straße wesentlich gefördert. Die Gardesana Occidentale war eine Meisterleistung der Straßenbaukunst und überwand mit Hilfe von 70 Tunneln und zahlreichen Brücken die zum Teil steil abfallende Westküste zwischen Gargnano und Riva. Elf Arbeiter verloren in der dreijährigen Bauzeit ihr Leben.Donato Riccadonna, Alessandro Riccadonna, Alessandro Fedrigotti, Simone Floresta (Hrsg.): Fermoimmagine: La Gardesana occidentale da 22 a 2 ruote. MAG Museo Alto Garda, Riva del Garda 2020, ISBN 978-88-6686-081-5, S. 22–31.