mini|hochkant=1.2|Die Klosterkirche von Osten aus gesehen mit südlichem Gruftanbau Das Kloster Bordesholm war ein Augustiner-Chorherren-Stift in der Gemeinde Bordesholm im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein. Vorgeschichte in Neumünster Im Jahre 1127 gründete Vizelin († 1154) bei der bereits bestehenden, vielleicht hölzernen KircheYanine Esquivel, Katharina Priewe, Kerstin Schnabel: Neumünster. Augustiner-Chorherren. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation. Regensburg 2019. Band 2, S. 304. in Wippenthorp im Gau Faldera (heute Neumünster) ein Chorherrenstift als Ausgangsbasis für die Mission unter den Wenden in Wagrien. 1134 veranlasste er Kaiser Lothar III. bei der Siegesburg das weiter östlich im Slawengebiet liegende Stift Segeberg zu gründen, das mit Chorherren auf Wippenthorp besetzt wurde und die Missionsaufgaben weitgehend übernahm. Das Segeberger Stift wurde bei dem Slawenaufstand unter Fürst Pribislaw 1138 zerstört. Die zurück nach Wippenthorp geflohenen Kanoniker zogen 1144/45 in eine Neugründung in Högersdorf und 1156 erneut nach Segeberg.Enno Bünz, Yanine Esquivel: Segeberg. Augustiner-Chorherren. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation. Regensburg 2019. Band 2, S. 678.

Für Faldera wird ein Kirchgebäude erstmals in einer Urkunde 1136 erwähnt, mit der Erzbischof Adalbero selbiges an Vizelin überträgt: „concessimus ecclesiam quandam in fine holtchatie que apud veteres wiipenthorpe aput modernos vero novum monasterium nuncupatur“.Zit. n. Paul Ewald Hasse (Hrsg.): 786–1250 (= Schleswig-Holsteinische Regesten und Urkunden. Band 1). Neumünster/Hamburg 1886, Nr. 71. Unter Vizelins Nachfolgern Eppo und Hermann wurden steinerne Klostergebäude in Wippenthorp an der Schwale errichtet, wobei der genau Standort mangels archäologischer Untersuchungen lediglich aus Schriftquellen rekonstruiert wird. 1163 weihte der Bremer Erzbischof Hartwig von Stade die St.-Marien-Kirche.Vgl. auch die Erwähnung einer „nove basilice consecrande“ in einer Urkunde zur Bestätigung von Besitzungen durch Hartwig aus dem Jahr 1164, ediert als Paul Ewald Hasse (Hrsg.): 786–1250 (= Schleswig-Holsteinische Regesten und Urkunden. Band 1). Neumünster/Hamburg 1886, Nr. 118. Aus einer Südansicht von Pastor Ernst Christian Kruse (1811)Ernst Christian Kruse: Letzte Predigt in der Kirche zu Neumünster gehalten. Nebst einer historischen Nachricht von dem Stifter und den Schicksalen dieser Kirche. Kiel 1811. und einem kurz zuvor entstandenen Aquarell von Jürgen Micheelsen fertigte Richard Haupt 1926 eine Grundrissrekonstruktion und Beschreibung der Klosterkirche Neumünster an; die Wiedergabe als kreuzförmige Pseudobasilika wird bis heute von der Forschung getragen.Yanine Esquivel, Katharina Priewe, Kerstin Schnabel: Neumünster. Augustiner-Chorherren. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation. Regensburg 2019. Band 2, S. 304 f. 1177 zerstörte ein Brand Teile des Stifts. Der vierte Propst Sido fälschte in den 1180er Jahren einige Urkunden, um Besitzansprüche des Neumünsteraner und des Segeberger Stifts gegenüber dem Hamburger Domkapitel zu sichern. Von Neumünster aus wurden die Pfarrkirchen in Brügge, Flintbek und Westensee gegründet. Zudem betrieb das Stift ein Hospital und eine Schule für den Priesternachwuchs. Um 1190 zeichnete ein Neumünsteraner Chorherr die Visio Godeschalci auf.

Aufgrund des unfruchtbaren Bodens rund um Neumünster war die wirtschaftliche Lage des Stifts schwierig, besonders nachdem 1264 erneut ein Brand die Klostergebäude vernichtete. 1290 erteilten Erzbischof Giselbert von Brunkhorst und Graf Johann II. von Holstein-Kiel die Genehmigung zur Umsiedlung des Konvents.Yanine Esquivel, Katharina Priewe, Kerstin Schnabel: Neumünster. Augustiner-Chorherren. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation. Regensburg 2019. Band 2, S. 295.

Die Kirche des Konvents blieb als Pfarrkirche St. Bartholomäus bestehen. Sie befand sich etwas südlich der heutigen Vicelinkirche und wurde nach mehrmaligen Umbauten 1813 abgetragen. Die Klosterbauten sind nicht erhalten.Yanine Esquivel, Katharina Priewe, Kerstin Schnabel: Neumünster. Augustiner-Chorherren. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation. Regensburg 2019. Band 2, S. 305 f.

Geschichte Bald nach der Genehmigung der Umsiedlung erhielt das Stift den Ort Eiderstede am Bordesholmer See geschenkt. Die Chorherren machten eine Insel (Holm) am Uferrand (mnd. bard) des Bordesholmer Sees durch drei Dämme landfest und bauten darauf Kirche und Klostergebäude; fortan entwickelte sich der Ort Bordesholm. In einer ersten schriftlichen Erwähnung im Jahr 1302 ist von Bardesholm die Rede.

Nach einer umfangreichen Stiftung wurde Otto Pogwisch nach 1327 als erster seiner Familie im damals noch nicht fertiggestellten Chor der Klosterkirche beigesetzt. Mit der Translokation der Vizelin-Reliquien und der Weihe von Chor und Hochaltar war der Umzug 1332 abgeschlossen.

In Bordesholm betrieb der Konvent ein Hospital für Arme und Pilger, das sogenannte Rode Hus.Kerstin Schnabel u. a.: Bordesholm. Augustiner-Chorherren. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation. Regensburg 2019, Bd. 1, S. 199.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Kloster zu einem bedeutenden kulturellen und religiösen Zentrum. Dem Kloster inkorporiert wurde schon bald nach der Verlegung die Pfarrkirche St. Nikolai in Kiel, was zu einem jahrzehntelangen Streit mit dem Rat der Stadt führte. So durfte bis 1534 außer dem Pfarrherrn kein anderer Chorherr die Stadt betreten. Auch die Kirche von Brügge wurde 1335 dem Kloster inkorporiert.Kerstin Schnabel u. a.: Bordesholm. Augustiner-Chorherren. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation. Regensburg 2019, Bd. 1, S. 198 f. Weitere inkorporierte Kirchen, in den ebenfalls Chorherren des Konvents als Pfarrer tätig waren, waren Flintbek, Neumünster, Neuenbrook und Breitenberg. Auch über die Anfang des 16. Jahrhunderts durch eine Sturmflut zerstörte Kirche in Bishorst besaß das Stift das Kirchenpatronat.

Die Einnahmen durch Wallfahrer, Stiftungen und Schenkungen etwa von Propst Jakob Smyd († 1462) erlaubten, die Kirche in der Mitte des 15. Jahrhunderts zweimal zu erweitern.

Seit dem 15. Jahrhundert lassen sich mehrere Konventualen in Universitätsmatrikeln in Erfurt, Prag, Bologna, Greifswald, Köln und vor allem Rostock nachweisen.Kerstin Schnabel u. a.: Bordesholm. Augustiner-Chorherren. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation. Regensburg 2019, Bd. 1, S. 207.

Zum Augustiner-Chorherrenstift in Jasenitz bei Stettin unterhielt die Bordesholmer Gemeinschaft gute Beziehungen, obgleich es sich nicht um eine Gründung der Bordesholmer handelte.Kerstin Schnabel u. a.: Bordesholm. Augustiner-Chorherren. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation. Regensburg 2019, Bd. 1, S. 190. Wahrscheinlich in Jasenitz beendete Propst Johannes Reborch 1476 die im folgenden Jahr in Bordesholm erstmals aufgeführte Bordesholmer Marienklage.

Im Jahre 1490 schloss sich das Chorherrenstift nach langer Zeit und merklich später als der Schwesterkonvent in Seeberg der Windesheimer Kongregation an.Enno Bünz: Das Augustinerchorherrenstift in Bordesholm und die Windesheimer Reform. Zu den historischen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen des Brüggemann-Altars. In: Uta Kuhl u. a. (Hrsg.): Der Bordesholmer Altar des Hans Brüggemann. Imhof, Petersberg 2023, S. 32–45. Ein letzter wirtschaftlicher Aufschwung ermöglichte es noch im selben Jahr, die Erweiterung der Klosterkirche in Angriff zu nehmen. Um 1500 unterstanden dem Stift 266 Bauernstellen sowie weitere Besitztümer wie Mühlen oder Fischereirechte.Kerstin Schnabel u. a.: Bordesholm. Augustiner-Chorherren. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation. Regensburg 2019, Bd. 1, S. 197.

Herzog Friedrich hat in Bordesholm und der Stiftsschule „einen großen Teil seiner Kindheit verbracht, weil seine Mutter, die dänische Königin Dorothea, eine Erziehung durch die Augustiner-Chorherren wünschte“.Jan Friedrich Richter: Der Bordesholmer Altar (1521). Königstein i. Ts. 2019, S. 46. Er bestimmte die Stiftskirche zu seiner Grablege und die seiner Frau Anna von Brandenburg. Das Chorgestühl, die Metalltumba und der Hochaltar von Hans Brüggemann zeugen von der Neuausstattung der herzoglichen Grablege in den Jahren bis 1521.Ingeborg Kähler: Zur Bau- und Ausstattungssituation der Augustiner-Chorherrenkirche Bordesholm um 1521. Ordensgeschichtliche und politische Aspekte. In: Uwe Albrecht u. a. (Hrsg.): Der Bordesholmer Altar des Hans Brüggemann. Werk und Wirkung. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1996, S. 31–44. Nachdem das Vorhaben einer Grablege beschlossen war, wurden die Gebeine des heiligen Vizelin mit der Installation des Chorgestühls 1509 in die nordöstliche Chorkapelle umgebettet,Auskunft von Martin Coronäus: „nach bey dem altar im sanctuario an der Norderseyten niedergelegt und ein groß bildtnus eines bischoffs darauf gelegt, mitt dieser Grabschrift: Ossa pii patris hic condita sunt Vicelini“. Zit. n. Carl Schirren: Alte und neue Quellen zur Geschichte Vicelins. Aus den Papieren der Bollandisten. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holstein-Lauenburgische Geschichte 8 (1978), S. 297–328, hier S. 315 f. um den Dienst am Hochaltar nicht zu behindern. mini|Peter Musaeus (1620–1674), erster Prorektor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mini|Relief des Medizinprofessors Major Im Jahre 1528 schrieb der Kieler Pfarrer, der Chorherr Wilhelm Prävest, an Martin Luther, um sich über den Laienprediger Melchior Hofmann zu beschweren. Als sich jedoch herausstellte, dass er gleichzeitig gegen Luther polemisierte, musste er sich nach Bordesholm zurückziehen. Predigt und Seelsorge in Kiel wurden daraufhin von evangelischen Predigern übernommen.

Obwohl die Reformation in Schleswig-Holstein bereits 1547 offiziell eingeführt wurde, bestand das Kloster bis 1566, als es von Herzog Hans dem Älteren säkularisiert wurde. Die älteren Chorherren durften bleiben, die jüngeren wurden verpflichtet, am Unterricht der nun evangelischen Fürstenschule teilzunehmen, die in die Gebäude einzog. Stattdessen flohen die letzten fünf Chorherren ins Kloster Windesheim in Zwolle und prozessierten elf Jahre lang – letztlich vergeblich – um die Herausgabe ihres Besitzes. Die Gelehrtenschule hatte im Dreißigjährigen Krieg sehr zu leiden und war von 1627 bis 1635 und von 1644 bis 1647 geschlossen. Ihr letzter Rektor war Paul Sperling. 1665 wurde sie nach Kiel verlegt und bildete mit ihrer auf die Klosterzeit zurückgehenden wertvollen Bibliothek den Grundstock der dort neu gegründeten Universität.