mini|450px|Konfessionen im 19. Jahrhundert

Die römisch-katholische Kirche in der Schweiz ist der in der Schweiz gelegene Teil der römisch-katholischen Weltkirche. Sie zählte 2020 etwa 3,1 Millionen Gläubige, was einem Bevölkerungsanteil von 33,8 % entsprach. 2010 waren es noch 38,6 %.Religionen. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 25. Januar 2022.. Bundeskanzlei. 2022 lagen die Konfessionslosen mit einem Anteil von rund 34 Prozent erstmals vor den Katholiken, welche einen Anteil von rund 32 Prozent erreichten.Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft. In: admin.ch. Abgerufen am 29. April 2013. Eine Schweizer Besonderheit ist die Ergänzung des kirchenrechtlichen Systems durch das staatskirchenrechtliche System und das damit verbundene Mit- und Nebeneinander.

Organisation Die Organisation der römisch-katholischen Kirche der Schweiz weist ein weltweit einmaliges Nebeneinander von hierarchisch organisierter Bischofskirche und demokratisch organisierter Landeskirche auf.Erläuterungen der röm.-kath. Kirche Aargau. mini|450px|Karte der Religionen in der Schweiz (Stand 1. Januar 2017)mini|500px|Die katholischen Bistümer in der Schweiz Im Folgenden werden die sechs unmittelbar Rom unterstellten Bistümer aufgelistet:

Bistum Sitz Kantone Fläche(in km²) Einwohner (2020) Katholiken (2020) Anteil (2020)(in %) Pfarreien (2020) Bistum Basel Solothurn Aargau, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Bern, Jura, Luzern, Schaffhausen, Solothurn, Thurgau, Zug 12'585 3'487'000 823'000 28,3 483 Bistum Chur Chur Glarus, Graubünden, Nidwalden, Obwalden, Uri, Schwyz (ausser Gebietsabtei Kloster Einsiedeln), Zürich 12'272 2'075'000 539'000 31,2 305 Bistum Lausanne, Genf und Freiburg Freiburg Freiburg, Genf, Neuenburg, Waadt 5'557 1'822'000 479'000 32,7 230 Bistum Lugano Lugano Tessin 2'811 351'000 186'000 61,9 255 Bistum St. Gallen St. Gallen Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, St. Gallen 2'429 586'000 201'000 41,4 143 Bistum Sitten Sitten Wallis (ausser Gebietsabtei Saint-Maurice), Bezirk Aigle (Kanton Waadt) 5'589 349'000 196'000 67,3 150

Dazu gibt es noch zwei Gebietsabteien: Kloster Einsiedeln Abtei Saint-Maurice, ältestes noch existierendes Kloster des Abendlands

Diese Bistümer und Gebietsabteien sind in der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) zusammengeschlossen.

Die kantonalen staatskirchenrechtlichen Organisationen sind in der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) vereinigt. Sie umfassen z. B. die Kirchgemeinden zur Verwaltung der Kirchengüter, die im 19. Jahrhundert unter liberalem Druck von den Pfarreien abgetrennt und demokratisch organisiert wurden.

Hinsichtlich der Ernennung von Bischöfen in den Bistümern Basel, Chur und St. Gallen gelten besondere Regelungen. Beispielsweise kann das Bistum Basel seinen Bischof weitgehend unabhängig vom Vatikan bestimmen, und die Regierung des Kantons Solothurn, der Sitzkanton des Bistums ist, kann ihr nicht genehme Bischofskandidaturen zwingend ablehnen. Die Regelung geht auf den Kulturkampf zurück und gilt eher als Seltenheit.Erich Gruner, Beat Junker: Bürger, Staat und Politik in der Schweiz. Lehrmittelverlag Basel-Stadt, Basel 1972.

Geschichte mini|Die historische kirchliche Einteilung der Schweiz

Die ersten Bistümer auf dem heutigen Schweizer Staatsgebiet wurden noch in spätrömischer Zeit (3./4. Jahrhundert) gegründet, u. a. in Genf und Avenches.

Von Norden her begann die Christianisierung durch anglo-irische Missionare im Frühmittelalter. Bis zur Reformation durchdrang die römische Kirche sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen und staatlichen Lebens.

Eine zweite Phase der Zurückdrängung nach der Reformation bildeten Aufklärung, Liberalismus und Kulturkampf. Auch danach setzte sich – analog zu den anderen Konfessionen – die Säkularisierung des gesellschaftlichen Lebens fort.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gesellte sich – nebst Kirchenaustritten – die Einwanderung von Personen anderer Kulturkreise/Religionen hinzu. Zudem hat man zunehmend mit Priestermangel zu kämpfen. Dennoch stellt die römische Kirche weiterhin die grösste Konfessionsgruppe des Landes.

Der konservative Churer Bischof Vitus Huonder forderte 2013, analog zu laizistischen Kreisen, aber mit anderen Motiven, die Trennung von Kirche und Staat.. Kipa, 10. Juni 2013. In Basel-Stadt und einigen Westschweizer Kantonen gibt es diese Trennung bereits seit längerem. Manche Gläubige des Bistums forderten – ähnlich wie schon zur Zeit von Bischof Wolfgang Haas – eine Absetzung Huonders, im Kanton Zürich gar eine Loslösung vom Bistum Chur.Blickpunkt Religion von Radio SRF, 30. November 2014.

Am 10. September 2023 bestätigte die Schweizer Bischofskonferenz, dass der Vatikan Ermittlungen gegen mehrere (amtierende oder emeritierte) Bischöfe wegen des Umgangs mit sexuellem Missbrauch eingeleitet und Bischof Joseph Bonnemain im Juni 2023 als Sonderermittler eingesetzt hat. Bonnemain ermittelt gegen Jean-Marie Lovey (Bischof von Sitten), Charles Morerod (Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg), Alain de Raemy (dort Weihbischof) und Jean-Claude Périsset (emeritierter Erzbischof).Annalena Müller: Vertuschungsvorwürfe gegen Schweizer Bischöfe: Vatikan setzt Sonderermittler ein. In: kath.ch. 10. September 2023.

Schweizer Kardinäle Kurienkardinal Kurt Kardinal Koch (seit 2010) ist seit dem Tod Emil Paul Kardinal Tscherrigs im Mai 2026 der einzige Schweizer Kardinal.

Der geschichtlich einflussreichste Schweizer Kardinal war Matthäus Schiner, der beim Konklave 1521–1522 beinahe Papst geworden wäre.

Nuntien in der Schweiz Das päpstliche Gesandtschaftswesen ist im Laufe des 16. Jahrhunderts in Europa entstanden. Bereits ab 1500 entsandte der Papst Vertreter (Legaten, Nuntien) in die Schweiz. 1586 wurde in Luzern die ständige Nuntiatur eingerichtet, wo sie mit kürzeren Unterbrüchen (1725–1730 in Altdorf, 1835–1843 in Schwyz) bis 1873 verblieb.

Die Nuntiatur umfasste historisch die katholischen Kantone und deren Untertanengebiete, die Drei Bünde (einschliesslich Veltlin, Bormio und Chiavenna), das Wallis sowie die gesamten Gebiete der Diözesen Basel, Chur, Konstanz, Lausanne und Sitten, folglich auch das Oberelsass, süddeutsche Gebiete sowie Teile Vorarlbergs und Tirols. Nach dem Westfälischen Frieden lockerten sich die Beziehungen zu den ausserschweizerischen Gebieten. Ab 1803 war der Nuntius auch bei den konfessionell gemischten, ab 1816 auch bei den reformierten Kantonen akkreditiert. Die Nuntiatur umfasst seither nur noch das heutige Territorium der Schweiz.

Der Kulturkampf führte ab 1873 zu einer Unterbrechung der diplomatischen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl. Diese wurden 1920 auf Initiative von Bundesrat Giuseppe Motta wieder aufgenommen. Seither hat die Apostolische Nuntiatur ihren Sitz in Bern. + Die Nuntien in der Schweiz seit 1920AmtsdauerNuntiusBemerkungen1920–1926Luigi Maglioneab 1935 Kardinal1926–1935Pietro De Maria1935–1953Filippo Bernardini1953–1959Gustavo Testaab 1959 Kardinal1960–1967Alfredo Paciniab 1967 Kardinal1967–1984Ambrogio Marchioni1985–1993Edoardo Rovida1993–1997Karl-Josef Rauberab 2015 Kardinal1997–1998Oriano Quilici1999–2004Pier Giacomo De Nicolò2004–2011Francesco Canalini2011–2015Diego Causero2015–2020Thomas Gullicksonseit 2021Martin Krebs

Siehe auch Liste der Schweizer Bistümer Liste der römisch-katholischen Bischöfe für die Schweiz Liste von Klöstern in der Schweiz

Literatur Urs Altermatt: Der Weg der Schweizer Katholiken ins Ghetto. Die Entstehungsgeschichte der nationalen Volksorganisationen im Schweizer Katholizismus 1848–1919. Benziger, Zürich 1972, ISBN 3-545-25031-8 (3., überarbeitete Auflage (= Religion, Politik, Gesellschaft in der Schweiz. Bd. 13)). Universitäts-Verlag, Freiburg 1995, ISBN 3-7278-0968-X, zugleich: Dissertation, Bern 1970: Der lange Weg der Schweizer Katholiken zu nationalen Volksorganisationen. Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz. In: Nicolas Michel (Hrsg.): Rerum Novarum 1891–1991. Cent ans d’enseignement social chrétien / Hundert Jahre Christliche Soziallehre. Universität Freiburg (Schweiz), Fribourg 1991, S. 29–30. Ulrich Im Hof: Geschichte der Schweiz. Kohlhammer, Stuttgart 1974. Erich Gruner, Beat Junker: Bürger, Staat und Politik in der Schweiz. Lehrbuch für den staatsbürgerlichen Unterricht an höheren Mittelschulen der deutschen Schweiz. Basel Lehrmittelverlag, Basel-Stadt 1972. Patrick Bernold: Der schweizerische Episkopat und die Bedrohung der Demokratie 1919–1939. Die Stellungnahme der Bischöfe zum modernen Bundesstaat und ihre Auseinandersetzung mit Kommunismus, Sozialismus, Faschismus und Nationalsozialismus. Dissertation, Peter Lang 1995, ISBN 978-3906753645.

Weblinks Website der römisch-katholischen Kirche Schweiz

Einzelnachweise