Lotte (plattdeutsch Luote) ist eine Gemeinde in der westfälischen Region Tecklenburger Land (Kreis Steinfurt). In ihrer heutigen Ausdehnung entstand die Gemeinde am 1. Januar 1975 aus dem Amt Lotte, dem die bis dahin selbstständigen Gemeinden Lotte und Wersen angehörten. Überregional ist die Gemeinde vor allem durch das Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück und den ehemaligen Fußballdrittligisten Sportfreunde Lotte bekannt. Durch die direkte Grenzlage zur niedersächsischen Großstadt Osnabrück zählt die Gemeinde zu deren Ballungsraum.
Geografie
Geografische Lage Lotte liegt ganz im Norden des Landes Nordrhein-Westfalen und hat im Osten eine gemeinsame Grenze, welches auch die Landesgrenze NRW/Niedersachsen ist, mit der Stadt Osnabrück.
Gemeindegliederung Das Gebiet der Gemeinde Lotte umfasst insgesamt vier Ortsteile: Lotte (Alt-Lotte) Büren Halen Wersen
Nachbargemeinden Das Gemeindegebiet wird insgesamt von sechs Städten und Gemeinden umgeben. Im Süden und Westen grenzt Lotte an die Tecklenburger Landgemeinden Westerkappeln und Tecklenburg an. Im Norden und Osten grenzt das niedersächsische Osnabrücker Land an. Dabei handelt es sich um die Städte Osnabrück und Bramsche sowie die Gemeinden Wallenhorst und Hasbergen.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gemeindegebiet von Lotte gehört hydrologisch zum Einzugsgebiet der Hase und ihres Nebenflusses Düte und damit zum Flusssystem der Ems.
Die Hase ist der Hauptfluss in der Region und bildet teilweise am östlichen Rand des Gemeindegebietes die Landesgrenze zu Niedersachsen.
Die Düte ist ein linker Nebenfluss der Hase durch den östlichen Teil der Gemeinde Lotte und mündet in Lotte in die Hase.
Mehrere kleinere Fließgewässer, darunter Hirschebach, Lotter Bach, Saerbecker Mühlenbach und Gauxbach, entwässern das Gebiet in Richtung Düte.
In den Niederungen der Düte und ihrer Nebenbäche bestehen Reste ehemaliger Feuchtgebiete und Moorstandorte. Historisch waren Niedermoor- und Bruchwaldflächen verbreitet, die im 19. Jahrhundert entwässert und landwirtschaftlich genutzt wurden. Heute existieren vor allem Feuchtwiesen, vernässte Senken und naturnahe Auen als ökologisch wertvolle Biotope, die dem Hochwasserschutz, der Grundwasserneubildung sowie dem Arten- und Klimaschutz dienen.
Intensive Landwirtschaft, Flurbereinigung und Drainage haben diese Lebensräume stark reduziert, den Grundwasserstand gesenkt und den Nährstoffeintrag erhöht. Dadurch werden Wasserqualität, Biodiversität und Hochwasserrisiken negativ beeinflusst. Besonders betroffen sind Amphibien, wassergebundene Insekten und Feuchtwiesenpflanzen.
Die Gemeinde Lotte begegnet diesen Herausforderungen mit Renaturierungsmaßnahmen, darunter Wiedervernässung, Rückhaltebecken, extensive Grünlandpflege, Biotopkorridore sowie Kooperationen mit Landwirten zur Reduzierung von Nährstoffeinträgen.
Untergrundverhältnisse Lotte (Westf.) liegt am Nordrand der Westfälischen Bucht im Übergangsbereich zum Teutoburger Wald. Der geologische Untergrund wird überwiegend von Sedimentgesteinen der Oberkreide gebildet, insbesondere von Tonmergel-, Kalkmergel- und Mergelsteinen. Diese werden von quartären Lockergesteinen wie Sand, Kies, Schluff und Löss überdeckt, die während der Eiszeiten des Pleistozäns abgelagert wurden. Die Mächtigkeit dieser quartären Deckschichten beträgt meist mehrere Meter.https://www.gd.nrw.de/ggb3/gb566028.htm
Hydrogeologisch gehört das Gemeindegebiet zum hydrogeologischen Großraum Rheinisch-Westfälisches Tiefland. Der oberste Grundwasserleiter befindet sich in den quartären Sand- und Kiessedimenten und liegt in der Regel in etwa 2 bis 6 m Tiefe unter Geländeoberkante. Er ist ein ungespannter Aquifer mit vergleichsweise geringer Mächtigkeit und reagiert sensibel auf Niederschläge.https://www.gd.nrw.de/gw_gv.htm
Darunter folgt ein zweiter, ergiebigerer Grundwasserleiter, der in sandigen Gesteinsschichten der Oberkreide ausgebildet ist. Dieser Aquifer liegt typischerweise in etwa 20 bis 40 m Tiefe und dient regional der Trinkwassergewinnung. Aufgrund der geringeren Durchlässigkeit der dazwischenliegenden Mergel- und Tonsteinschichten ist er teilweise gespannt und besser gegen oberflächennahe Verunreinigungen geschützt.
Geschichte Vorzeit
Auf dem Gebiet der Gemeinde Lotte befinden sich drei Grabanlagen der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur, siehe Großsteingräber bei Wersen.
Mittelalter bis 1400 mini|Evangelische Kirche in Alt-Lotte Die Geschichte der Ortschaft Lotte (heute Alt-Lotte) und der Bauerschaft Osterberg ist eng verknüpft, dennoch sind beide Ortschaften nicht gemeinsam entstanden. Lotte gehörte einst zur Kirchengemeinde St. Marien in Osnabrück und Osterberg zum heutigen Tecklenburger Ortsteil Leeden. LWL – Die Gemeinde Lotte
Osterberg wurde bereits 1251 erstmals urkundlich erwähnt. In dieser Urkunde schenkte der Ritter Hermann Hake dem Hof Osterberg den von ihm gestifteten Katharinenaltar zu Iburg. Lotte trat erstmals 1272 urkundlich in Erscheinung, als dem Kloster Gertrudenberg ein Besitz in villa Lothe dicta ac in Dhuthe (im Dorf Lotte und in Düte) von Bischof Konrad von Osnabrück übertragen wurde. Am 26. Februar 1312 gründete Graf Otto III. von Tecklenburg das Kirchspiel Lotte. Bereits am 4. Dezember 1315 konnte die neue Kirche in Lotte geweiht werden. Damit endete der sonntägliche Gang der Lotter zu St. Marien in Osnabrück, an den heute noch der Straßenname Lotter Kirchweg erinnert.
1400 bis 1600 Im Jahre 1410 fand ein Verkauf des Gutes Osterberg zur Errichtung eines Männerklosters der Fraterherren statt. Die kleine Klostergemeinschaft war offenbar nicht auf Dauer lebensfähig. 1427 übergaben die Fraterherren das Kloster Osterberg an das Generalkapitel der Kreuzherren, welches das Kloster mit Chorherren aus Köln besetzte. Über 200 Jahre stellte das Kloster eine wichtige Institution für die Gemeinde dar. Zu großen Auseinandersetzungen zwischen dem Kloster und dem Grafen Konrad von Tecklenburg kam es, als dieser zum evangelischen Glauben übertrat. Bis 1538 versuchten die Chorherren sich dem Willen des Grafen zu widersetzen. Dies gipfelte aber in der Vertreibung der Kreuzherren und der Aneignung der Klostergüter durch den Grafen. Erst 1552 gewannen die Kreuzherren langandauernde Rechtsstreitigkeiten um das Kloster und kehrten nach dem Tod von Graf Konrad 1557 zurück. 1574 kam es zur Einführung der Reformation in Lotte und 1580 wird die erste Schule in Lotte errichtet.http://www.gemeinde-lotte.de/startseite/ueber-lotte.html Internetseite der Gemeinde Lotte – Über Lotte
1600 bis 1900 mini|Flotte Lotte vor dem Haus Hehwerth in Alt-Lotte Im Jahre 1618 bemächtigte sich Graf Adolf von Tecklenburg des Klosters Osterberg und stellte es unter weltliche Verwaltung. Am 6. März 1629 verfügte Kaiser Ferdinand mit dem Restitutionsedikt die Rückgabe aller eingezogenen Güter und Stifte an die Katholiken. Im Dreißigjährigen Krieg besetzten 1633 schwedische Truppen das Kloster, woraufhin die Chorherren es endgültig verließen.
Die Gründung des gräflichen Schützenvereins Lotte datiert auf das Jahr 1659. Aus dieser Zeit sind bis heute ein Schild mit der Inschrift Lotte Anno 1659 und ein silberner Vogel an der Lotter Schützenkette erhalten geblieben. Mit dem Verkauf der Grafschaft Tecklenburg 1707 gelangte Lotte in preußischen Besitz.
Am 18. November 1810 wurde die erste Bürgermeisterei in Lotte eingerichtet. 1832 und 1850 kam es zu einer Auswanderungswelle im Tecklenburger Land. Aus Lotte wanderten zu dieser Zeit 147 Personen teils in die Niederlande, aber überwiegend nach Nordamerika aus. Am 6. Dezember 1844 kam es zur Einrichtung des Amtes Lotte, in dem die Gemeinden Lotte und Wersen zusammengefasst waren.http://www.te-gen.de/index.php?id=160 Familienforschung Tecklenburger Land – Ortschaft Lotte
1900 bis heute Zwischen 1910 und 1911 entstand die neue Schule an der Osnabrücker Straße. Mit der Gebietsreform am 1. Januar 1975 bildeten fortan Lotte und Wersen die Einheitsgemeinde Lotte. Der Siedlungsschwerpunkt konzentrierte sich fortan im Bereich Wersen/Büren, aufgrund der besseren Lage zu Osnabrück. Dieses hatte die Verlagerung der Gemeindeverwaltung von Lotte nach Wersen zur Folge. Zur heutigen Gemeinde Lotte zählen die Ortsteile Alt-Lotte, Büren, Halen, Osterberg und Wersen, die einen Ortscharakter haben bzw. als geschlossene Ortschaft ausgezeichnet sind. Die Gemeinde Lotte ist nach wie vor sehr stark mit der Stadt Osnabrück verbunden und kann als Osnabrücker Vorort angesehen werden.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Lotte Einwohnerentwicklung der Gemeinde Lotte:„Von 2839 auf über 14000 Einwohner“ in Westfälische Nachrichten vom 12. Februar 2017; abgerufen am 11. Januar 2019.IT.NRW: Kommunalprofil – Kurzfassung (PDF; 0,6 MB) Datum Einwohnerzahl 31. Dezember 1985 10.307 31. Dezember 1990 10.593 31. Dezember 1995 11.594 31. Dezember 2000 12.974 31. Dezember 2005 13.677 31. Dezember 2010 13.912 31. Dezember 2015 14.175 31. Dezember 2017 14.12131. Dezember 202214.314
Politik Gemeinderat Die Tabelle zeigt die Stimmenanteile und Sitzverteilungen nach den Kommunalwahlen seit 2009. +Partei2025202020142009%Sitze%Sitze%Sitze%SitzeSPD47,831245,241244,01142,511CDU37,061035,909**)35,5932,49*)Grüne15,11418,86513,6412,63FDP−−−−6,9212,63Wahlbeteiligung47,4847,80 %47,1 %44,0 % *) Durch den späteren Parteiaustritt eines Fraktionsmitgliedes verfügte die CDU-Fraktion über einen Sitz weniger, als ihr nach dem Wahlergebnis zustanden.
**) Durch den späteren Parteiaustritt eines Fraktionsmitgliedes im Frühjahr 2021 verfügt die CDU-Fraktion über einen Sitz weniger, als ihr nach dem Wahlergebnis zusteht.
Bürgermeister Bürgermeister der Gemeinde Lotte ist seit 2023 Philip Middelberg (SPD). Er wurde bei der Bürgermeisterwahl 2023 mit absoluter Mehrheit von 65,34 % im ersten Wahlgang direkt gewählt.
Wappen
Gemeindepartnerschaft Es besteht seit dem Jahre 1991 eine Partnerschaft mit dem französischen Lys-lez-Lannoy. Dies ist eine Nachbargemeinde der Stadt Roubaix im Norden Frankreichs. Momentan besuchen sich vor allem Vereinsvertreter aus beiden Kommunen (besonders die Mitglieder des Kunstkreises, die Motorradfreunde und Vertreter der Sportvereine) sowie Gemeindevertreter im jährlichen Wechsel.
Evangelische Kirche Lotte
Die evangelische Kirche ist ein typisches Baudenkmal der Dorfgotik in der Region. Sie wurde zwischen 1312 und 1315 erbaut.Internetauftritt der evangelischen Kirchengemeinde Lotte Hauptmerkmale des Kirchenbaues sind Domikalgewölbe mit zwei seitlichen Nischen an der Westseite stilisierte Dornenkrone als Rundfenster frühgotischer Rechtecksaal mit Jugendstilfenstern in der Südwand barocker Orgelprospekt aus dem Jahr 1684 flämischer Leuchter aus dem Jahr 1777. Eine Besonderheit stellt der schiefe, nach Westen geneigte Turm dar, kurios ist der Abdruck einer Hand mit sechs Fingern in einem Pfeiler der Nordwand.
Persönlichkeiten Die Familie des späteren Bischofs der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, Pastor Martin Niemöller, stammt aus (dem heutigen Lotter Ortsteil) Wersen. Pastor Martin Niemöller lebte in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in Wersen und wurde dort auch beigesetzt. Nachdem er zunächst eine sehr deutsch-kaisertreue Einstellung hatte, geriet er in der Zeit des Nationalsozialismus in den Widerstand und war dort aktiv in der „Bekennenden Kirche“. Söhne und Töchter des Ortes Rudolf Wulff (1786–1856), deutscher Kolon und Abgeordneter Heinrich Wessel (1904–1996), SS-Obersturmführer und Adjutant des Lagerkommandanten im KZ Sachsenhausen Christian Pauli, ehemaliger deutsch-österreichischer Profifußballspieler Niko Kijewski, aktueller deutscher Profifußballer, u. a. VfL Osnabrück und Eintracht Braunschweig
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr
Übersicht miniatur|Bahnhof Lotte (Tecklenburg) Die Gemeinde Lotte liegt verkehrsgünstig am Kreuzungspunkt der Autobahnen A 1 und A 30.