Die in Deutschland entwickelten U-Boote der Klasse 212 A, auch U-31-Klasse,Hans Knarr: Typenkompass Deutsche Uboote, Motorbuchverlag, Stuttgart 2014, S. 46–49. sind die modernsten U-Boote der Deutschen Marine und der italienischen Marina Militare. Sie sind weltweit die ersten außenluftunabhängigen Boote, deren Antriebsanlage für Tauchfahrten auf Brennstoffzellen basiert. Aufgrund dieser Antriebsanlage gelten die U-Boote gemeinsam mit jenen der Exportklasse 214 als die leisesten der Welt.Günther Stiller: Das Zielfoto, das einen US-Admiral wütend machte. In: Hamburger Abendblatt vom 8. August 2007, abgerufen am 5. April 2017.
Die 6 Boote der Klasse sind die einzigen U-Boote der Deutschen Marine, seit die letzten U-Boote der Klasse 206 A im März 2011 außer Dienst gestellt wurden. Nachfolger sind die etwas größeren U-Boote der geplanten internationalen Klasse 212 CD.
Geschichte Deutschland
Planung und Bau mini|links|U 32 am Ausrüstungskai Die taktisch-operative Forderung nach außenluftunabhängigen Booten war bereits bei der Kriegsmarine ab 1935 gegeben, scheiterte jedoch in der Umsetzung an technischen Problemen. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich als technische Lösung in einigen Marinen der Nuklearantrieb durch. Deutschland war bis 1980 durch das Protokoll Nr. III über die Rüstungskontrolle der WEU-Verträge im Bereich der Kriegsschiffentwicklung beschränkt.Protokoll Nr. III über die Rüstungskontrolle. Abgerufen am 8. Februar 2013.
Die Klasse 212 wurde von einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE U 212) der deutschen Unternehmen Howaldtswerke-Deutsche Werft Kiel (HDW) und Nordseewerke Emden (NSWE) entwickelt. Versuche zum außenluftunabhängigen Antrieb mit Brennstoffzellen unternahm ein Konsortium von HDW, Ferrostaal und IKL bereits Anfang der 1980er-Jahre; eine erste HDW-Landtestanlage mit 104 kW entstand 1983 in Kiel. 1986 wurde eine Versuchsanlage gleicher Leistung an Bord von U 1 eingebaut und ab 1988 erprobt. Hans Pommer: (PDF; 1,3 MB) Meeresforschung 2000 plus, 1. Norddeutsches Symposium, GEOMAR, Kiel, 13. Januar 2000
Im selben Jahr verpflichtete sich die Deutsche Marine im Rahmen einer Kooperation mit Norwegen, auf ihrer neuen U-Boot-Klasse 211 ein norwegisches integriertes Computer-Führungssystem einzubauen. Im Frühjahr 1987 wurde diese Klasse gestrichen, weshalb die Planungen für die Nachfolgeklasse 212 vorgezogen wurden, für die dann im Dezember 1987 die taktischen Anforderungen feststanden. Bereits für die Klasse 211 entwickelte Komponenten und der Vertrag mit Norwegen wurden für die neue Klasse übernommen. Die militärisch-wirtschaftlich-technische Forderung (MWTF) stand im Mai 1994 fest, und der Bauvertrag über vier Boote der Klasse 212 wurde am 6. Juli 1994 zwischen dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung und der ARGE U 212 unterzeichnet.Baubeginn 1. U-Boot der Klasse 212. In: Hansa, 1998, Nr. 9, S. 216 Nachdem sich 1996 Italien dem Programm angeschlossen hatte, wurde der Entwurf für die italienischen Anforderungen überarbeitet und die Klasse in 212 A umbenannt. Ein Boot der Klasse 212 (ohne A) hat es somit nie gegeben.Raimund Wallner In: MarineForum. Nr. 4, 2006, S. 10–18, . Die Änderungen am Entwurf betreffen vor allem die größere Tauchtiefe der Boote.
Bei der Entwicklung der Klasse 212 A ergaben sich Synergieeffekte mit der seit 1986 laufenden Entwicklung von U-Booten der Dolphin-Klasse, die für die israelische Marine vorgesehen waren. So konnten nicht nur die Werften bis zum Bau der Klasse 212 A ausgelastet, sondern auch einzelne Komponenten für die zukünftige Klasse getestet werden.Otfried Nassauer, Christopher Steinmetz: Rüstungskooperation zwischen Deutschland und Israel. Ebenso entstanden Synergieeffekte für die deutsche Fahrzeugindustrie, die große Hoffnung auf die Brennstoffzelle setzte (→Brennstoffzellenfahrzeug).
Der Fertigungsbeginn für das Typboot startete am 1. Juli 1998 mit dem Einschalten der Spantenschweißmaschine durch den Bundesminister der Verteidigung, Volker Rühe. U 31 wurde am 20. März 2002 getauft und nach umfangreichen Hafentests begann am 7. April 2003 die erste Phase der Flachwassererprobung in der westlichen Ostsee. Ab Ende Juli 2003 schloss sich die Tiefwassererprobung an. Diese wurde hauptsächlich im Skagerrak durchgeführt und umfasste die Akustik, Sonar und Feuerleitanlage.
Im März 2004 begann die Erprobung bei der Deutschen Marine. U 31 bildet mit drei weiteren Booten der Klasse (U 32, U 33 und U 34) das erste Baulos. Die Entwicklung der Klasse kostete Deutschland etwa 150 Mio. Euro, der Bau der vier Boote für die Deutsche Marine jeweils gut 400 Mio. Euro. Pressemitteilung der Bundesregierung vom 26. April 2006, Abruf 17. April 2018
Um die magnetischen Signaturen der neuen, größeren Boote vermessen und so deren erschwertes magnetisches Ansprechverhalten auf magnetische Seeminen sichern zu können, entstand von 2001 bis November 2005 in der Borgstedter Enge für etwa 40,6 Mio. Euro ein neuer Erdmagnetfeldsimulator.
Am 25. April 2006 stellte U 32 mit zwei Wochen ununterbrochener Tauchfahrt ohne Schnorcheln einen neuen Rekord für nichtnuklear angetriebene U-Boote auf. Dies geschah während einer Verlegung von Eckernförde nach Rota in Spanien.
Am 25. Juni 2025 genehmigte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages 1 Mrd. Euro für die Modernisierung der U-Boote insbesondere des 1. Bauloses. Es sollen Navigationseinrichtungen, Führungswaffeneinsatzsystem und Sonaranlage sowie elektronische Unterstützungssysteme modernisiert werden. Die Umrüstungen finden während den planmäßigen Werftzeiten statt.
Zweites Baulos Am 22. September 2006 wurde durch das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung ein weiteres Los, bestehend aus zwei Booten der Klasse 212 A, bestellt, deren Auslieferung für 2012 bzw. 2013 geplant war.
Ursprünglich sollte das zweite Los ebenfalls aus vier Booten bestehen. Perspektivisch benötigt die Deutsche Marine zwölf Boote der Klasse, um ihre bisherigen Einsatzaufgaben zu erfüllen und die 2011 außer Dienst gestellten Vorgängerboote abzulösen. Die Boote des zweiten Bauloses haben einen Stückpreis von rund 500 Mio. Euro. Mit dem im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr im Oktober 2011 beschlossenen Rüstungskonzept wurde bestätigt, dass es keine weiteren Neuanschaffungen geben wird.
Am 3. Februar 2017 wurde eine Kooperation mit Norwegen bekanntgegeben. Danach beschaffen beide Länder zusammen sechs auf der Klasse 212 A basierende U-Boote, wovon zwei für die Deutsche Marine vorgesehen sind.216x216px|mini|links|Das etwas längere U 35 mit der massigeren Turmverkleidung des zweiten Bauloses an Land neben dem Ursprungsentwurf U 33 im Wasser Das zweite Baulos für die Deutsche Marine weist keine tiefgreifenden schiffbaulichen Änderungen gegenüber den ersten vier Booten auf, allerdings erhielten diese Boote Modifikationen. Erweitert wurden die Fähigkeiten zum weltweiten Operieren, zum Einsatz von Spezialeinheiten und zur verdeckten Aufklärung. Hierzu wurde ein neues Indra-Satellitenkommunikationssystem (X-Band) mit einer Leistung von 128 kB/s zur Sprach- oder Datenübertragung in Periskoptiefe integriert. Die Computersysteme wurden verbessert, anstelle des Kongsberg-MSI-90U-Einsatzführungssystems kommt Atlas Elektroniks integriertes Sensor-Unterwassersystem zum Einsatz. Das Sonar wurde überarbeitet (Ersatz der Flankenbasis- durch eine Flächenantenne), eines der Sehrohre wurde durch einen OMS-100-Optronikmast von Carl Zeiss mit einem SERO-400-Periskop ersetzt, eine Vier-Mann-Schleuse für Kampfschwimmer wurde eingebaut und die Klimaanlage ist tropenfähig ausgelegt. Die Entwicklung der Antennenboje Callisto, die zur Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit dienen sollte, wurde wegen andauernden Verzögerungen als veraltet angesehen und gestoppt.
Da die Boote, welche zusammen mit Norwegen beschafft werden, wesentlich größer als die Boote der Klasse 212 A sein sollen, werden diese nicht als drittes Baulos der Klasse 212 A, sondern als eigene Klasse 212 CD bezeichnet. Im Sommer 2024 wurde die Anzahl der zu beschaffenden Boote dieses Typs von Norwegen und Deutschland auf jeweils sechs erhöht, also insgesamt zwölf.
Italien Nachdem Italien 1996 in das bis dahin ausschließlich deutsche Projekt eingestiegen war, wurde für die italienische Marine ein Baulos von zwei Booten der Klasse 212 A realisiert. Die ausführende Werft war Fincantieri in La Spezia, die Brennstoffzellenanlage kam direkt von HDW. Die beiden Boote heißen Salvatore Todaro und Scirè und unterscheiden sich geringfügig von den deutschen Booten durch die Berücksichtigung italienischer Zulieferer, zum Beispiel bei den Ausfahrgeräten und dem Steuerstand. Die Boote wurden in Italien als Salvatore-Todaro-Klasse 2006 und 2008 in Dienst gestellt.Hans Knarr: Typenkompass Deutsche Uboote, Motorbuchverlag, Stuttgart 2014, S. 88–91. Die große Tauchtiefe der Klasse 212 A geht auf italienische Forderungen in der Entwicklungsphase zurück.
Eine Option auf zwei weitere Boote bestand, welche die italienische Marine bauen ließ.Dieter Stockfisch: Zweites Los der U-Boote Klasse 212A – Verbesserungen und Weiterentwicklungen. (PDF; 400 kB) In: Europäische Sicherheit & Technik, Februar 2010; abgerufen am 17. April 2018. Die Auslieferung sollte 2016 abgeschlossen sein, die zweite Einheit wurde allerdings bis zum 5. Februar 2017 noch nicht in Dienst gestellt. Die Modifikationen für das zweite Los der Deutschen Marine, die vor allem die Fähigkeiten für internationale Einsätze verbessern sollen, erhielten die italienischen Boote nicht. Technisch stimmen die Boote des zweiten italienischen Bauloses mit den Booten des ersten Bauloses beider Länder nahezu überein.
Das dritte Los über vier Boote des verbesserten Typs NFS (Near Future Submarine) wurde in drei Schritten zwischen Februar 2021 und Juni 2024 über die OCCAR bestellt.Italy exercises option for fourth Type 212 Near Future Submarine. In: Janes, 28. Juni 2024; abgerufen am 1. Juli 2024. Ein Teil der Ausrüstung dieser Version wird durch die heimische Industrie beigesteuert. Hierzu gehört insbesondere das Einsatzführungssystem der Firma Leonardo S.p.A. Mit dem Zulauf der vier neuen NFS-Einheiten werden die vier noch in Dienst befindlichen U-Boote der Sauro-Klasse außer Dienst genommen.
Die vier Boote der Klasse 212 A sollen in den kommenden Jahren modernisiert und dabei so weit wie möglich auf den Standard NFS gebracht werden. Darüber hinaus sind zwei weitere Boote mit der Bezeichnung 212 NFS EVO geplant, womit der Gesamtbestand von acht auf zehn U-Boote steigen würde.Italy set to increase Submarine Force, Develop new U212 NFS EVO. In: Naval News, 5. Juni 2024; abgerufen am 16. Juli 2024.
Norwegen
Am 3. Februar 2017 wurde eine Kooperation zwischen Deutschland und Norwegen bekanntgegeben. Diese sieht die gemeinsame Beschaffung von sechs auf der Klasse 212 A basierenden U-Booten des Typs 212 CD durch Norwegen und Deutschland vor, wovon vier Boote für Norwegen bestimmt sind und dort die älteren Boote der Ula-Klasse ersetzen sollen. Die Boote werden allerdings Modifikationen gegenüber den anderen Booten der Klasse aufweisen. Kooperiert werden soll darüber hinaus bei der Ausbildung, der Wartung und der Beschaffung von Ersatzteilen. Zu diesem Zweck wurde im Oktober 2017 ein Gemeinschaftsunternehmen der Firmen Thyssenkrupp, ihrer Tochtergesellschaft Atlas Elektronik und Kongsberg gegründet, an dem die beiden Firmen ThyssenKrupp und Kongsberg zu jeweils 50 % beteiligt sind. Der Name des Unternehmens lautet kta naval systems. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung von U-Booten der Klasse 212 CD, wobei CD für Common Design (gemeinsamer Entwurf) steht. Die Boote sollen Raketenbewaffnung erhalten. Die vier norwegischen Boote werden etwa 4,4 Milliarden Euro kosten.