Neuses am Berg (bis 1870 nur Neuses) ist ein Gemeindeteil der Stadt Dettelbach im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Die Gemarkung Neuses a.Berg hat eine Fläche von 4,957 km². Sie ist in 987 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5022,40 m² haben.

Bis zum freiwilligen Zusammenschluss mit Dettelbach am 1. Mai 1978 war Neuses eine selbstständige Gemeinde. Das kleine Straßendorf war als Kondominatsort jahrhundertelang zwischen der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach und dem Hochstift Würzburg aufgeteilt. Nach der Reformation führte diese Spaltung zu einer konfessionellen Zweiteilung, die viele innerdörfliche Konflikte hervorbrachte.

Die konfessionelle Aufspaltung ist noch heute im Ortsbild ablesbar. Neuses am Berg besitzt zwei Kirchen, die sich in ihrem Äußeren stark ähneln. Das historisch ältere Gotteshaus ist die heute lutherische Nicolaikirche, die zeitweise auch als Simultankirche für beide Bekenntnisse genutzt wurde. Daneben haben sich entlang der zentralen Dorfstraße viele Baudenkmäler wie das historische Rathaus erhalten. Der Ort ist heute Weinbauort im Anbaugebiet Franken. Der Weinbau spielt eine bedeutende Rolle für die kulturelle Prägung der Bewohner.

Geografische Lage Geografie und naturräumliche Lage Das Pfarrdorf Neuses am Berg liegt im Nordosten des Dettelbacher Gemeindegebiets. Im äußersten Norden grenzt der Volkacher Gemeindeteil Köhler ebenso an die Gemarkung von Neuses, wie das Gebiet von Nordheim am Main. Ebenso wie Sommerach nordöstlich des Gemeindeteils ist Nordheim durch den Main getrennt, der zugleich die Gemeindegrenze bildet. Der Südosten wird von Schwarzach am Main-Schwarzenau eingenommen. Südlich erhebt sich die Dettelbacher Kernstadt. Im Uhrzeigersinn folgen weitere Dettelbacher Gemeindeteile. So ist Brück im Südwesten, Schnepfenbach im Westen und Neusetz im Nordwesten zu finden.

Nächstgelegene größere Städte sind Volkach mit einer Distanz von etwa sechs Kilometern und Kitzingen, welches ungefähr zehn Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das etwa 18 Kilometer entfernte Würzburg.

Naturräumlich liegt Neuses am Berg an der Grenze mehrerer Räume, die allerdings beide den Mainfränkischen Platten zugerechnet werden. Insbesondere der äußerste Nordosten der Gemarkung mit den Anteilen am sogenannten Altmain werden der Volkacher Mainschleife zugeschlagen, die als größte Flussmäanderlandschaft Bayerns von den steilen Prallhängen unmittelbar am Flussufer geprägt wird. Die Siedlung Neuses selbst liegt dagegen auf der Gäufläche im nördlichen Maindreieck. Die Region ist von kleineren Kerbtälern zerklüftet. Die Bäche streben in Richtung des Mains.

Das Dorf liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Deutschlands zählt. Dies erklärt auch den um Neuses betriebenen Weinbau. Der Mainhang im Osten wird von Gesteinen des Muschelkalks geprägt, die von Lettenkeuper und Tonmergeln durchsetzt sind. Auf der Hochfläche dominieren dagegen Lehm- und Lößlehmböden. Hydrologisch wird Neuses vom Main geprägt, der in südöstlicher Richtung im Osten der Gemarkung fließt. Der sogenannte Kalte Graben, der am Rande des Ortskerns entspringt, fließt, genau wie ein weiterer, unbenannter Bach dem Main zu.

Dorfgliederung mini|Die Dorfstraße bildet das Zentrum des Straßendorfes Die Gemarkung von Neuses am Berg nimmt eine Fläche von 4,7 km² ein. Das Zentrum wird vom Straßendorf eingenommen, dessen Gewannfluren heute allerdings weitgehend verschwunden sind. Im Westen der Siedlung entstand die ältere Kirche St. Nicolai, die heute als evangelisch-lutherisches Gotteshaus genutzt wird. Jünger ist die nordwestlich des Altortes befindliche, katholische St.-Nikolauskirche. Westlich der beiden Kirchen entstand ein frühes Neubaugebiet, das im 20. Jahrhundert von der Neubausiedlung „Im Kies“ nordöstlich des Altortes ergänzt wurde.

Weitere Häuser ziehen sich entlang der Schwarzenauer Straße im Südosten von Neuses. Hierhin verlegte man auch den Ortsfriedhof. Die Straße bildet zugleich eine Verbindung zu den Sportanlagen der örtlichen Vereine. Historisch ist dagegen die ehemalige Mainfähre, die Neuses mit dem benachbarten Sommerach verband und bis in die 1950er Jahre im äußersten Südosten der Gemarkung zu finden war. Neuses besitzt außerdem heute eine Kläranlage, die an der Straße in Richtung Köhler zu finden ist.

Die benannten Berge (von Norden nach Süden) Glatzenberg, Döllberg und Leitenberg begrenzen auch den Übergang zwischen Hochfläche und Maintal. Zugleich markieren sie auch die Weinbaugrenze, die auf Flächen mit Süd- bzw. Südwesthang begrenzt ist. Besondere Bedeutung hat außerdem die Flurlage Urles, im Osten der bebauten Fläche. Der heute von Weinreben besetzte Gemarkungsabschnitt war ursprünglich ein Wald. Heute weist Neuses kaum noch Waldflächen auf.

Schutzgebiete

Die Nähe zum Landschaftsschutzgebiet Volkacher Mainschleife erklärt die vielen Schutzgebiete in der Gemarkung des Gemeindeteils. Bereits seit 1941 steht das Naturdenkmal Leitenberg zwischen dem Ort und dem Main unter Schutz. In diesem Grünstreifen entlang des Mainanstiegs wachsen viele unterschiedliche Baumarten. Ein weiteres Naturdenkmal, der sogenannte Pfarrgarten verschwand wohl nach 2006. Daneben weist die Neuseser Gemarkung mehrere Biotopflächen auf, die sich entlang des Maines hinziehen.

Der Flussabschnitt ist Teil des Fauna-Flora-Habitats Mainaue zwischen Grafenrheinfeld und Kitzingen. Außerdem wurde hier ein Vogelschutzgebiet ausgewiesen, das den Mainlauf zwischen Schweinfurt und Dettelbach unter besonderen Schutz stellt. Daneben hat Neuses Anteil am Naturschutzgebiet Mainaue zwischen Sommerach und Köhler. Schutzzweck ist die Erhaltung des vielfältigen Standortmosaiks der Aue. Insbesondere sollen Wiesen, Auwaldreste, Buhnenfelder und Verlandungsflächen am Main, sowie Hochstauden und Weidengebüsche geschützt werden.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte Anders als bei vielen anderen Orten der Umgebung haben sich in Neuses nur wenige vor- und frühgeschichtliche Denkmäler im Boden erhalten. Wahrscheinlich blieb die Stelle des heutigen Dorfes, aufgrund ihrer Abseitslage, lange Zeit unbesiedelt. Im benachbarten Schwarzenau lebten Menschen bereits seit der Altsteinzeit, was Ausgrabungen in den 1960er Jahren bewiesen. An der Gemarkungsgrenze Neuses am Berg-Schwarzenau konnte eine Siedlung der linearbandkeramischen Kultur festgestellt werden.

Ganz im Süden der Neuseser Gemarkung, bereits teilweise in der Flächeneinheit des Hauptortes Dettelbach gelegen, identifizierte man außerdem eine Siedlung der eisenzeitlichen Hallstattmenschen, die zwischen 800 und 620 vor Christus hier lebten. Während der Völkerwanderung zogen zunächst keltische Stammesverbände auch durch die Neuseser Fluren. Die Franken begannen ab dem 6. Jahrhundert in die Region vorzustoßen. Sie brachten erste Verwaltungsstrukturen mit und verbreiteten auch das Christentum. Vielleicht geht auf sie auch Neuses zurück, das um 700 gegründet sein könnte.Hans Bauer: Landkreis Kitzingen. Ein Kunst- und Kulturführer. Marktbreit 1993. S. 35.

Mittelalter Über die Gründung und Etablierung des Ortes Neuses ist kaum etwas bekannt. Die ältere Literatur vermutet eine späte Gründung eines „neuen Sitzes“, während andere eher einen slawisch-wendischen Gründer hinter dem Ortsnamen vermuten. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Neuses als „Nuzez apud Tettelbach“ in einer Quelle aus dem Jahr 1340.Hans Bauer: Stadt Dettelbach. In: Landrat und Kreistag des Landkreises Kitzingen (Hrsg.): Landkreis Kitzingen. Münsterschwarzach 1984. S. 489. Diese späte Nennung spricht für eine junge Gründung, weil sonst der Ort oder einzelne Bewohner bereits in Quellen genannt worden wären. Eventuell bildete ein befestigter Ansitz eines lokalen Adelsgeschlechts den Dorfmittelpunkt.

Nach dieser ersten Erwähnung tauchte Neuses erst wieder 1417 in den Quellen auf. Damals gründete Johannes von Stein, eventuell ein Mitglied der Ortsadeligen, aus Neuses die Vikarie St. Nicolai. Damals muss bereits eine kleine Kapelle im Dorf existiert haben, die nun unabhängig von ihrer Mutterkirche im nahen Prosselsheim wurde und später selbst zu einer Pfarrkirche aufstieg. Die Abtrennung der Kirche wurde von Pfarrer Schickbold aus Prosselsheim unterstützt.

Zu diesem Zeitpunkt zählte Neuses wohl in den Einflussbereich der Benediktiner von Münsterschwarzach. Daneben standen aber auch andere Institutionen als Lehensherren an der Spitze der dörflichen Hierarchie. Das Zisterzienserkloster Ebrach im Steigerwald verfügte ebenso über einzelne Untertanen, wie die Ritter von Dettelbach, die bereits 1364 mit einem Hofgut in Neuses genannt werden. Eine einzelne Hofreit besaßen 1580 noch die Zollner von der Hallburg im Dorf.Rolf-Harald Haus, Fritz Mägerlein: Familienregister der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Neuses am Berg (= Fränkische Ahnen Bd. 3, Deutsche Ortssippenbücher Reihe B Bd. 146). Nürnberg 1997. S. 273.

Bis zum Ende des Mittelalters hatte sich Neuses zu einem Kondominatsort entwickelt, auf den mehrere Herren ihre Ansprüche geltend machten. Der größte Teil der Bewohner waren Untertanen der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Daneben existierten etwa gleich viele hochstiftisch-würzburgische Einwohner in Neuses. Lediglich einzelne Häuser mit den jeweiligen Familien waren dem Kloster Münsterschwarzach bzw. den Herren von Crailsheim zugeordnet. Die beiden größeren Herren, Ansbach und Würzburg, teilten sich die Gerichtsherrschaft und ernannten jeweils einen Schultheißen.

Die Verbindungen ins mittelfränkische Ansbach führten auch um 1520 dazu, dass Neuses auf Geheiß des Markgrafen Georg den protestantischen Glauben annahm. Er hatte zuvor das wichtige Patronatsrecht über den Pfarrer erworben und konnte so über den jeweiligen Seelsorger vor Ort bestimmen. Erster lutherischer Kaplan wurde Andreas Imhof aus dem nahen Volkach. Imhof förderte die Verbreitung des neuen Glaubens unter den Bewohnern, sodass 1570 bereits das Abendmahl in beiderlei Gestalt gefeiert werden konnte. Zehn Jahre später übernahm man die ansbachische Kirchenordnung.

Frühe Neuzeit Allerdings war der religiöse Frieden durch die Aufspaltung der Dorfherrschaft schnell bedroht. Der Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn bemühte sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Neuseser wieder katholisch zu machen. Wahrscheinlich wurde die Nicolaikirche zu diesem Zeitpunkt bereits von beiden Konfessionen genutzt. Nichtsdestotrotz blieb Neuses bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges mehrheitlich evangelisch. Nach dem Tod des ersten Pfarrers erfolgte die Einsetzung seines Nachfolgers ohne Probleme.O. A.: Chronik von Neuses am Berg. S. 2. mini|Die Orte am Main auf einer Karte um 1581, ganz oben: Neuses am Berg Während des Krieges eskalierte die Auseinandersetzung zwischen den Konfessionen. Im Jahr 1621 wurde der Kitzinger Georg Codomann als Pfarrer nach Neuses berufen. Codomann behinderte die katholische Wallfahrt nach Dettelbach, indem er den Pilgergruppen die Tore verschloss. Am 16. März 1628 rückte der würzburgische Keller von Dettelbach gegen den lutherischen Ort vor. Er ließ das Untere Tor aufsprengen und in der Kirche katholischen Gottesdienst feiern. Pfarrer Codomann wurde vertrieben und ein katholischer Geistlicher eingesetzt.O. A.: Chronik von Neuses am Berg. Dorfchronik S. 3.

Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg änderten sich die Verhältnisse wieder. Im Jahr 1650 etablierte man in Nürnberg die Exekutionsdeputation, die nach wie vor schwelende, konfessionelle Konflikte lösen sollten. Noch im selben Jahr wurde über die elf sogenannten Zankpfarreien, die zwischen Würzburg und Ansbach umstritten waren, ein Urteil gesprochen. Als Stichjahr für die Regelungen wurde das Jahr 1624 herangezogen. Obwohl zu diesem Zeitpunkt der Ort wohl überwiegend lutherisch gewesen ist, etablierte das Hochstift Würzburg nun ein Simultaneum.