Der Schwierige ist ein Lustspiel in drei Akten von Hugo von Hofmannsthal. Die Uraufführung fand am 7. November 1921 im Residenztheater München statt.
Inhalt Das Stück spielt in Wien an einem einzigen Tag – das Ende des Ersten Weltkriegs wird vorausgesetzt –, der erste Akt im Stadtpalais des Grafen Bühl, der zweite und der dritte Akt bei einer Soirée im Haus des Grafen Altenwyl. Hans Karl Bühl, von seinen Verwandten und engeren Freunden auch Kari genannt, teilt sein Haus mit seiner Schwester Crescence und ihrem Sohn Stani.
Erster Akt Arbeitszimmer des Grafen Bühl.
Szene 1 bis 2 Hans Karls alter Diener Lukas führt Vinzenz, der sich um eine Stelle im Haushalt Bühl bewirbt, in das Arbeitszimmer. Er erklärt ihm die Aufgaben, die ihn erwarten und klärt ihn über die Besonderheiten seines Herrn auf: Wird er nervös, kramt er in den Schubladen, sucht er einen verlegten Schlüssel, ist das ein Zeichen für schlechte Laune, und oft steht er unbemerkt im Raum. Vinzenz hört kaum hin, denn er verfolgt eigene Interessen: Hans Karl ist bereits 39 Jahre alt, unverheiratet, eine Heirat steht offensichtlich nicht ins Haus. Er ist daher guten Mutes, dass er hier eine Stellung fürs Leben gefunden hat und seinen Arbeitgeber bald nach seinen eigenen Vorstellungen dressiert haben wird.
Hans Karl ist unbemerkt eingetreten und lässt seinen Sekretär zu sich bitten
Szene 3 Hans Karl Schwester Crescence wird angemeldet. Sie erkundigt sich, ob ihr Bruder an der Soirée der Altenwyls teilnehmen wird. Der scheint jedoch unentschlossen, Soireen sind ihm „ein Graus“, „die Sach' selbst ist ihm ein horreur […] so ein unentwirrbares Knäuel von Mißverständnissen“. Schließlich gesteht er, dass er soeben abgesagt hat. Crescence, die den Grund für die Absage zu wissen meint, beruhigt ihn: Helene Altenwyl, die seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr in Hans Karl „bis über die Ohren verliebt“ sei, werde wohl einen „wildfremden Menschen“, den Baron Neuhoff heiraten, Hans Karl habe also von ihr nichts zu befürchten. Als sie merkt, wie konsterniert ihr Bruder reagiert, der halblaut überlegt, ob er nicht doch zur Soirée gehen soll, bietet sie ihm an, diese Heirat zu hintertreiben. Tatkräftig will sie Altenwyl sofort informieren, dass Hans Karl nun doch zur Soirée kommt, was diesen wiederum in Verlegenheit bringt, da er gerade seinem Freund Hechingen – mit dessen Frau Antoinette er unlängst eine Affäre hatte – versprochen hat, ihn im Casino zu treffen, um sich mit ihm über die Rettung seiner Ehe mit Antoinette zu besprechen.
Das bringt Crescence auf den Gedanken, Hans Karl solle ihrem Sohn dessen aktuelle Affäre mit Antoinette ausreden: Er habe also für diesen Abend eine „Mission“ – der Antoinette ihren Ehemann wieder ans Herz zu legen, eine Scheidung zu verhindern und gleichzeitig elegant die Trennung zwischen Antoinette und Stani in die Wege zu leiten.
Szene 4 und 5 Der neue Diener meldet, dass die Kammerfrau der Gräfin Hechingen im Vorzimmer wartet und ihn sprechen möchte.
Lukas betritt eilig die Szene, meldet ebenfalls, dass die Kammerfrau wartet, der er aber ausgerichtet habe, er wisse nicht, ob Graf Bühl anwesend sei. Die Anordnung von Crescence, den Grafen Altenwyl telefonisch zu benachrichtigen, habe er vorerst nicht ausgeführt, da er bemerkt habe, dass sein Herr noch unschlüssig sei, seiner Schwester aber nicht habe widersprechen wollen. Hans Karl fragt Lukas nach seiner Meinung über den neuen Diener und ordnet an, dass Vinzenz entlassen wird.
Szene 6 Die Kammerfrau Agathe tritt ein, um ein Bündel Liebesbriefe abzuholen, die ihre Herrin an Hans Karl geschrieben hat. Als Hans Karl die Briefe nicht zur Hand hat, reagiert sie – stellvertretend für Antoinette – emotional, entsetzt, deutet das als Demütigung und als endgültiges Ende „aller ihrer Hoffnungen“. Hans Karl reagiert überrascht, da er Antoinette aus dem Feldlazarett doch einen langen und endgültigen Abschiedsbrief geschrieben hat. Diesen Brief habe Antoinette mit ihrer Kammerfrau aufs ausführlichste diskutiert, und man wisse auch den wahren Grund für den Abschied. Der Grund sei Helene Altenwyl, denn die laufe dem Kari schon immer nach. Der Sekretär Neugebauer betritt die Szene.
Szene 7 Neugebauer entschuldigt sich wortreich, dass er die Briefe nicht finden kann. Er meint dem Verhalten von Graf Bühl entnehmen zu können, dass er unzufrieden mit ihm ist und Aversionen gegen ihn hegt. Hans Karl entgegnet, dass sein Sekretär wohl überarbeitet ist und empfiehlt ihm einen Spaziergang mit seiner Braut. Neugebauer hat sich aber soeben von seiner langjährigen Verlobten getrennt und ist eine neue Beziehung eingegangen. Er wird die Verlobte seines im Krieg gefallenen Freundes heiraten, das sieht er als seine Verpflichtung an und als Last, die er mit in die Ehe bringt. Auf Hans Karls Bemerkung, man freue sich doch, wenn man heiratet, entgegnet er, dass „der persönliche Standpunkt“ in „unserer bescheidenen Welt nicht maßgebend sei“. Hans Karl bleibt nachdenklich zurück. Er überlegt, wieso alle Welt meint, ihm Lektionen erteilen zu müssen und ob man nicht sogar das Recht dazu habe.
Szene 8 bis 10 Hans Karl und sein Neffe Stani, der nichts von der früheren Affäre seines Onkels ahnt, sprechen über Antoinette. Stani ist von ihr bezaubert, ergeht sich in Schwärmereien und Details, die sein Onkel sehr wohl verstehen kann. Was Stani nicht versteht, ist die Freundschaft seines Onkels mit dem Grafen Hechingen, den er für einen Langweiler und Dummkopf hält. Hans Karl hat ihn jedoch im Schützengraben als tapferen und ehrenhaften Menschen kennengelernt. Stani fragt seinen Onkel, was das eigentlich für ein Gefühl ist, alt zu werden und warum er – mit seinen 39 Jahren durchaus noch attraktiv – nie geheiratet habe.
Neugebauer bringt die Briefe.
Hans Karl und Stani setzen ihr Gespräch fort, Hans Karl sieht in Hechingen den „geborenen Ehemann“, Stani aber geht er auf die Nerven. Er findet ihn instinktlos, unelegant und schwerfällig. Die Freundschaft zwischen Hechingen und seinem Onkel ist ihm absolut unverständlich, er hält sie für eine seiner Bizzarerien. Hans Karl andererseits ist für ihn die mühelose Verkörperung des „großen Herrn“, eines Genres, das andere erfolglos kopieren wollen, wie z. B. der aus Norddeutschland stammende Baron Neuhoff.
Szene 11 und 12 Lukas meldet, dass sich Baron Neuhoff auf der Treppe befindet, den der neue Diener ohne nachzufragen hereingelassen hat, und den Hans Karl jetzt zu seinem Unwillen empfangen muss.
Neuhoff, der den Grafen Bühl auf der Soirée bei Altenwyl hatte treffen wollen, hat von dessen Absage erfahren und sucht ihn daher zu Hause auf. Angeblich hatte sich Helene gefreut, sie beide „zusammenzuführen“. Er schmückt seine langen Reden mit hemmungslosen Schmeicheleien, empfiehlt Bühl, sich von einem Künstler, der gerade en vogue ist, malen zu lassen und schwärmt, zum Missvergnügen seiner beiden Zuhörer, von Helene, – „ein stolzes und kostbares Wesen“ –, die er gerne in der Gesellschaft von Graf Bühl sehen möchte, „der so sensibel ist für menschliche Qualität“. Andererseits ist ihm durchaus aufgefallen, dass Bühl in der Gesellschaft, die er doch angeblich so vollkommen verkörpert, nur selten anzutreffen ist, ja dass er ihr auszuweichen scheint. Stani hat das anbiedernde Gerede schließlich satt, er komplimentiert Neuhoff, der sich gerade eben noch Bühl als „fahrenden Ritter“ andienen kann, geschickt aus dem Zimmer.
Szene 13 Stani kommt zurück, um seiner Empörung über Neuhoffs Verhalten Luft zu machen. Hans Karl ist milder in seinem Urteil, versucht den Mann zu entschuldigen, hält ihn eher für bedauernswert. Die Idee, dass sich Helene auf diesen Mann einlassen könnte, „diese angekündigte Verwandtschaft“, hat Stani völlig aus der Fassung gebracht.
Szene 14 und 15 Lukas erhält von Hans Karl Anweisungen. Das Telefon, das der neue Diener unbefugt ins Arbeitszimmer hat durchstellen lassen, muss sofort abgestellt werden, Graf Altenwyl soll jetzt informiert und eine telefonische Verbindung mit Hechingen hergestellt werden, Antoinettes Kammerfrau kann jetzt eintreten.
Agathe nimmt die Briefe entgegen. Hans Karl gibt ihr auf den Weg, dass Antoinette zwei wahre Freude hat, ihn, Hans Karl, und ihren Mann, woraufhin Agathe als Sprachrohr ihrer Herrin in bestürztes Geplapper verfällt, denn sie weiß genau, dass Antoinette kein Lob über den Ehemann hören will. Das Telefon läutet, Hechingen ist am Apparat, ein absurdes Gespräch entwickelt sich, da Hechingen in seiner Erregung alles falsch versteht.
Szene 16 Stani erscheint wieder in Hans Karls Arbeitszimmer und eröffnet ihm, dass ihm auf der Treppe die Idee gekommen ist, Helene zu heiraten. Er sei fest entschlossen, seine Mutter sei einverstanden, geradezu begeistert. Er merkt in seiner Begeisterung aber doch, dass sein Onkel ein wenig verstimmt ist. Zweifel, ob Helene überhaupt einem Antrag zustimmen werde, hat er nicht. Der Idee seiner Mutter, Hans Karl habe möglicherweise selbst ein Interesse an Helene, findet er absurd, denn er – der den Onkel kennt wie sich selbst – habe nie derartiges bemerkt. Von Antoinette, auf die Hans Karl anspielt, wird er sich trennen – „... jede Sache auf der Welt muss doch ihr Ende haben“ –, Helenes Vorliebe für Neuhoff hält er für eine Laune, und im Übrigen könne sie sich für keinen Typ von Männern interessieren „als für den unsrigen“, womit er Hans Karl und sich selbst meint. Er zählt alle positiven Eigenschaften Helenes auf, Hans Karl stimmt immer zu, nur dass sie ihn, den Stani, schließlich adorieren (= anbeten) werde, kommentiert er mit einem vor sich hin gemurmelten „auch das ist möglich“.
Szene 17 bis 18 Crescence betritt das Zimmer, Hans Karl wirkt abwesend, und Stani verkündet, dass er zu Fuß zu den Altenwyls gehen wird. Crescence bittet ihren Bruder, bei den Altenwyls für ihren Sohn zu werben, da er ja selbst wohl kein Interesse mehr an Helene habe, und jetzt „mache halt der Stani, was er nicht habe machen wollen“. Hans Karl verlässt das Haus, um sich im Zirkus den Clown Furlani anzuschauen, verspricht aber, danach zur Soirée zu kommen, um sich um ihre und Stanis Wünsche zu kümmern.
Szene 19 Vinzenz ist sehr zufrieden mit der sich abzeichnenden Situation eines Lebens in einem Junggesellenhaushalt: er wird hier seine Stellung fürs Leben bekommen und ist ahnungslos, dass er am nächsten Morgen entlassen wird.
Zweiter Akt Im Salon des Palais Altenwyl.
Szene 1 und 2 Hans Karl kommt begeistert aus dem Zirkus zurück und spricht mit Altenwyl und Helene über den Clown Furlani: „Er spielt seine Rolle: Er ist der, der alle begreifen, der allen helfen möchte und dabei alles in die größte Konfusion bringt.“
Zwei Männer, beide auf ihre Weise Snobs, wünschen sich Zugang zu dem exklusiven Wiener Adelsmilieu, Baron Neuhoff – dessen Sinnen und Trachten einzig darauf abzielt „ein Genre zu kopieren das eben nicht sein Genre ist“, wie es Stani formuliert (Akt I,10). Mittel dazu sind das Umschmeicheln des Grafen Bühl und seine Werbung um Helene Altenwyl. Ebenso sucht der „berühmte Mann“, ein Gelehrter und sozialer Aufsteiger, Graf Bühls Nähe. Über ihn erhofft er sich „das Votum der großen Welt den Huldigungen beizufügen“, die er von einem internationalen Laienpublikum erfahren habe. Antoinettes oberflächliche, „bildungsbewußte“ Freundin Edine kränkt ihn tief, weil sie ihn mit einem verhassten Konkurrenten verwechselt.
Szene 3 bis 12