mini|Pfarrkirche St. Josef

Niederndorf ist ein Gemeindeteil sowie eine Gemarkung der Stadt Herzogenaurach im Landkreis Erlangen-Höchstadt (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Niederndorf hat eine Fläche von 6,190 km² und ist in 3076 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2012,34 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort Teile des Gemeindeteils Herzo Base und die Einöde Lohhof.

Geographie Das Pfarrdorf bildet mit dem östlich gelegenen Herzogenaurach eine geschlossene Siedlung. Im Osten grenzt es direkt an Neuses, einem Gemeindeteil der kreisfreien Stadt Erlangen. Am südlichen Rand verläuft die Mittlere Aurach, ein linker Nebenfluss der Regnitz. Im Osten fließt das Eichholzbächlein vorbei und mündet südlich in die Aurach. Im Nordosten grenzt das Flurgebiet Weiheräcker an, noch weiter nordöstlich liegt der Klosterwald. Im Süden erheben sich der Behälterberg () und der Stockberg ().

Geschichte Niederndorf wurde während der zweiten fränkischen Siedlungswelle im 9. Jahrhundert an zwei wichtigen Handelsstraßen als Haufenwegedorf planmäßig angelegt. 1339 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt.Nach Niederndorf auf der Website herzogenaurach.de Ersterwähnung 1303. Lehnsherr war das Hochstift Bamberg. Seit Anfang des 15. Jahrhunderts waren die Lehensträger überwiegend Nürnberger Patrizier, daneben auch das Kloster Frauenaurach.F. Krug (Hrsg.): Der Landkreis Erlangen-Höchstadt, S. 120ff. = G. Daßler (Hrsg.): Landkreis Höchstadt a. d. Aisch, S. 105ff.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Niederndorf aus 27 Anwesen und einem Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Herzogenaurach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Herzogenaurach. Grundherren waren das Kastenamt Herzogenaurach (2 Halbhöfe, 3 Güter, 7 Gütlein), das brandenburg-bayreuthische Klosteramt Frauenaurach (1 Höflein, 2 Gütlein), das nürnbergische Spitalamt (1 Gut), Nürnberger Eigenherren (von Kreß: 2 Güter, von Scheurl: 3 Güter), das Rittergut Wilhermsdorf (1 Hof) und der Rat Herzogenaurach (4 Güter).H. H. Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach, S. 77.

1810 kam Niederndorf an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde der Ort dem 1811 gebildeten Steuerdistrikt Herzogenaurach zugeordnet. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Niederndorf, zu der Lohhof gehörte. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Herzogenaurach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden drei Anwesen den Freiherren von Scheurl (bis 1820), ein Anwesen den Freiherren von Kreß (bis 1839) und zwei Anwesen dem Patrimonialgericht Wilhermsdorf (bis 1839). Am 1. Oktober 1847 wurde die Finanzverwaltung vom Rentamt Herzogenaurach übernommen.H. H. Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach, S. 145. Ab 1862 gehörte Niederndorf zum Bezirksamt Höchstadt an der Aisch (1939 in Landkreis Höchstadt an der Aisch umbenannt) und weiterhin zum Rentamt Herzogenaurach (1919 in Finanzamt Herzogenaurach umbenannt, seit 1929: Finanzamt Erlangen). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Herzogenaurach (1879 in das Amtsgericht Herzogenaurach umgewandelt), seit 1959 ist das Amtsgericht Erlangen zuständig. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 6,133 km².

Ursprünglich war Niederndorf ein reines Bauerndorf. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts viele von dem Ertrag nicht mehr leben konnten, gingen sie dem Maurerhandwerk nach. Seitdem war Niederndorf auch als „Maurerdorf“ bekannt. Die 1894 eröffnete Lokalbahn sorgte für Wachstum. So entstand nach dem 1. Weltkrieg westlich der Lohhofer Straße eine neue Siedlung. Nach dem 2. Weltkrieg entstand durch den Zuzug vieler Heimatvertriebener im Norden eine weitere Siedlung.F. Krug (Hrsg.): Der Landkreis Erlangen-Höchstadt, S. 123 = G. Daßler (Hrsg.): Landkreis Höchstadt a. d. Aisch, S. 108f.

Am 1. Mai 1978 wurde Niederndorf im Zuge der Gebietsreform in Bayern in die Stadt Herzogenaurach eingegliedert.

Baudenkmäler In Beutelsdorf gibt es vier Baudenkmäler: An der Aurach 45: Hierzu Böschungsmauer mit schrägen Streben Sankt-Josefs-Platz 8: Pfarrkirche zum Hl. Josef mit dazugehörigen Nebengebäuden Zum Voltensteg 4: Wohnhaus Steinkreuz

Einwohnerentwicklung Gemeinde Niederndorf Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 274 316 341 369 329 349 384 372 409 428 425 425 443 422 461 507 554 624 669 961 1004 1051 1316 1610HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, von 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 41 70 77 76 78 97 149 221 Quelle Für die Gemeinde Niederndorf zuzüglich der Einwohner und Feuerstellen von Lohhof (S. 56).

Ort Niederndorf Jahr 1818 1829 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2016 2019 2023Einwohner 264 300 318 369 413 435 536 986 1298 1595 2539 2918 2889 2990Häuser 39 43 75 77 95 147 219 687 Quelle Niederndorf im Erzbistum Bamberg

Religion Niederndorf ist römisch-katholisch geprägt und war ursprünglich nach St. Magdalena (Herzogenaurach) gepfarrt. 1923 wurde die katholische Pfarrkirche St. Josef mit Pfarrzentrum erbaut. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind in die Evangelische Stadtkirche Herzogenaurach gepfarrt.

Verkehr Die Staatsstraße 2263 verläuft nach Herzogenaurach (2,5 km westlich) bzw. über Neuses zur Staatsstraße 2244 (2 km östlich), die einen Kilometer weiter östlich zur Anschlussstelle 82 der Bundesautobahn 3 führt. Die Kreisstraße ERH 25/FÜ 21 verläuft zum Gewerbegebiet von Herzo Base (1,7 km nördlich) bzw. nach Obermichelbach (4 km südlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße verläuft nach Hauptendorf (0,4 km südlich).

Der Ort liegt an der mittlerweile eingestellten Bahnstrecke Erlangen-Bruck-Herzogenaurach. Es besaß einen eigenen Bahnhof.

Persönlichkeiten Thomas Fink (* 1935 in Niederndorf; † 2023), Jazz-Pianist, Träger des Bundesverdienstkreuzes Elke Sommer (* 1940), deutsche Schauspielerin, wuchs in Niederndorf auf.

Literatur

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Geographie (Herzogenaurach) Kategorie:Ersterwähnung 1339 Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Erlangen-Höchstadt) Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Ort an der Mittleren Aurach Kategorie:Gemarkung im Landkreis Erlangen-Höchstadt