Die Ducati Motor Holding S.p.A. ist ein italienischer Motorradhersteller mit Sitz in Bologna; Ducati ist seit 2012 Teil des Volkswagen-Konzerns. Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland 116.067 Ducati-Krafträder zum Straßenverkehr zugelassen, was einem Anteil von 2,3 Prozent entspricht.
Firmengeschichte mini|Ducati-Radio von 1950 mini|Das Ducati-Werk in Borgo Panigale im Jahr 2019 mini|Werkseinfahrt mini|Firmenlogo 1997–2008
Das Unternehmen wurde 1926 von Antonio Ducati in Bologna gegründet. Die Società Scientifica Radiobrevetti Ducati produzierte zunächst Bauteile für Radios. Ducati hatte drei Söhne Bruno, Adriano und Marcello, die im Unternehmen ihrem Vater halfen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam im Jahr 1946 die Fertigung des Fahrradhilfsmotors Cucciolo hinzu. Dies fand bereits ohne Mitwirkung der Familie Ducati unter staatlicher Verwaltung statt. Noch im selben Jahrzehnt begann die eigene Entwicklung kompletter Fahrzeuge. 1953 wurde das Unternehmen in die Ducati Elettronica S.p.A. und den Motorradhersteller Ducati Meccanica S.p.A. aufgeteilt. Im folgenden Jahr trat Fabio Taglioni als Chefkonstrukteur in dessen Dienste.
Ab 1983 kooperierte Ducati auf Grund anhaltend schlechten Geschäftsverlaufs mit dem italienischen Zweiradhersteller Cagiva, der im Jahr 1985 Ducati ganz übernahm. Im folgenden Jahr ging der langjährige Chefkonstrukteur Fabio Taglioni in den Ruhestand. Massimo Bordi stieg zu seinem Nachfolger auf und führte mit der Paso und der 851 für die Marke wegweisende Konstruktionen ein. Cagiva wurde selbst 1996 zahlungsunfähig und verkaufte 51 Prozent von Ducati an die amerikanische Texas Pacific Group, die 1998 die Marke ganz übernahm. 2005 übernahm die italienische Investindustrial Gesellschaft die Anteile der Texas Pacific Group.
Design, Konstruktion und Fertigung der Modelle erfolgen bis heute in Bologna. Ende 2011 kündigte Ducati eine Zusammenarbeit mit Mercedes-AMG, einem Tochterunternehmen der Daimler AG, an. Ducati stellte auf der IAA in Frankfurt am Main im September 2011 die Diavel AMG Special Edition vor.
Im April 2012 gaben Audi und der bisherige Eigentümer Investindustrial in einer Pressemitteilung bekannt, dass Audi vermittels der Tochtergesellschaft Lamborghini 100 % der Anteile an der Ducati Motor Holding übernehmen werde. Audi teilte weiterhin mit, dass Ducati nach der Freigabe durch die Kartellbehörden in den Audi-Konzern und damit auch in die Volkswagen AG integriert werden solle.Informationen auf Ducati.com Acquisition of Ducati Motor Holding by Audi Group ; 18. April 2012.
Nach über 48.000 Maschinen im Jahr 2020 verkaufte Ducati 2021 erstmals über 59.000 Motorräder. 2022 waren es über 61.500 Maschinen. Mehr als ein Zehntel ging davon nach Deutschland.
Technik mini|Desmodromische Ventilsteuerung an einer Ducati
Nach den Hilfsmotoren war die 1955 vorgestellte Gran Sport das erste Ducati-Motorrad, dessen Viertaktmotor mit einer obenliegenden Nockenwelle mit Königswellen-Antrieb ausgestattet war.
Der Vierzylinder-Prototyp Apollo von 1963 hatte erstmals einen 90°-V-Motor mit in Fahrtrichtung liegenden und stehenden Zylindern, wie es später für Ducati-Motoren typisch wurde und wie er in den aktuellen MotoGP-Maschinen eingesetzt wird. Der Name Ducati ist untrennbar mit dem Begriff Desmodromik verknüpft, einem zwangsgesteuerten Ventiltrieb, der derzeit von keinem anderen Hersteller eingesetzt wird. Entwickelt wurde die Desmodromik seit Mitte der 1950er-Jahre für den Einsatz in Rennmaschinen, die Ducati Mark 3 D war 1969 das erste Serienmotorrad der Welt mit dieser Technik. Mit der Ducati 750 GT begann 1970 die Ära der V-Zweizylinder mit 90° Zylinderwinkel, von Ducati selbst wegen der nach vorn geneigten Zylinder, „L-Twin“ genannt.
1974 wurde die Produktion der Einzylindermodelle eingestellt, mit denen Ducati sowohl im Straßenrennsport als auch im Geländerennsport erfolgreich gewesen war. Die 1977 vorgestellte Ducati Pantah leitete die Ablösung der Königswellen zum Nockenwellenantrieb durch Zahnriemen ein. Die letzten Königswellenmodelle waren 1985 die 1000 MHR (Mike Hailwood Replica) und die 1000 S2 (Mille S2). Die vollständig verkleidete Ducati Paso war 1986 das erste Modell mit umgekehrter Anordnung der Ein- und Auslasskanäle des stehenden Zylinders. Die Platzierung beider Vergaser zwischen den Zylindern ermöglichte erstmals eine zentrale Airbox. 1987 wurde mit der Ducati 851 der Grundstein für die Modellreihen der Superbikes mit flüssigkeitsgekühlten Motoren, vier Ventilen pro Zylinder und elektronischer Saugrohreinspritzung gelegt. Ein Zweizylinder mit den Fahrleistungen der 851 war bis dahin nicht vorstellbar. Ducati dominierte mit ihr bald die Superbike-Rennklasse. Die Ducati 916, die 1994 neue Maßstäbe im Motorraddesign setzte, führte diese Erfolgsserie fort.
Ab 1993 wurde die luftgekühlte Ducati Monster zu einem Erfolgsmodell, dessen steigende Stückzahlen die Marke in den Kreis der umsatzstarken europäischen Motorradhersteller aufrücken ließ. Die stilbildende Monster-Reihe auf www.motorsport.ch, abgerufen am 21. Oktober 2014. (Artikel zur Monster-Serie) wurde später auch mit flüssigkeitsgekühlten Vierventil-Motoren angeboten. Mit der Ducati Multistrada startete Ducati im Jahr 2001 eine erfolgreiche Serie von Tourenmodellen, zunächst mit luftgekühlten 2-Ventil-, später mit flüssigkeitsgekühlten 4-Ventil-Motoren. Im Jahr 2011 wurde mit der Ducati 1199 Panigale ein völlig neu konstruiertes Modell vorgestellt, das auf Grund von Leistung und Gewicht neue Maßstäbe im Sportmotorradbau setzte.Andreas Bildl: Der stärkste Serien-Zweizylinder im Test. In: MOTORRAD. 12. April 2012, abgerufen am 21. Oktober 2014. Auf der Intermot 2014 stellte Ducati mit der Ducati Scrambler 800 ein neues Scrambler-Modell vor, welches Stilelemente der bis 1974 gefertigten Einzylindermodelle aufgriff.Michael Schümann, Dina Dervisevic: . In: MOTORRAD. 30. September 2014, abgerufen am 21. Oktober 2014.
Im Januar 2019 kündigte Eduard Lotte die Entwicklung eines Elektromotorrades an.
Motoren Auf Basis des ersten V2-L-Twin der Pantah wurden über die Jahre verschiedene Weiterentwicklungen vorgenommen, um höhere Leistungen und die Einhaltung strengerer Abgasnormen zu ermöglichen: Desmodue: Zwei-Ventiler mit Desmodromik, luftgekühlt, 40° VentilwinkelModelle: 600 SS und M, 750 und 900 SS/M, 800SS, Multistrada 620, Monster 620 695 696 803 992 Desmodue DS: Neukonstruktion mit Doppelzündung (Double Spark – DS), neuem Ventiltrieb und Kurbelwelle mit nun vollständigem Massenausgleich.Modelle: 1000DS, Multistrada 1000, 1000S, Monster S2R 1000 und 1100, SportClassic GT 1000, Sport 1000, 1000S, Hypermotard 1100, 1100S Desmotre Double Spark: Drei-Ventiler mit Wasserkühlung, Mechanik der DS Modell: ST3 Desmoquattro Testastretta: Vier-Ventiler mit Wasserkühlung, 25° VentilwinkelModelle: 999, 749, Monster S4R, S4RS Testastretta Evoluzione: Gleiche Auslegung, mit gesteigertem Hubraum und LeistungModelle: 848, 1098, 1198/S
Seit 2018 wird mit der Ducati Panigale V4 ein V4-Motor als Serienmaschine verkauft.
Rennsport Ducati engagiert sich mit seiner Rennabteilung Ducati Corse seit Jahrzehnten aktiv im Motorradrennsport. Die Hauptsäule des aktuellen Engagements bildet das Ducati MotoGP Team in der MotoGP-Klasse der Motorrad-Weltmeisterschaft. Außerdem unterhält Ducati auch Werkteams in der Superbike-Weltmeisterschaft sowie Supersport-Weltmeisterschaft und stellt ab 2023 die Motorräder der MotoE-Weltmeisterschaft.
Generaldirektor von Ducati Corse ist seit dem Jahr 2014 Luigi Dall’Igna.
Motorrad-Weltmeisterschaft mini|MotoGP-Weltmeister 2007: Casey Stoner
Nachdem Ducati bereits 1958 und 1959 an der Motorrad-Weltmeisterschaft in der 125-cm³-Klasse teilgenommen und 1958 mit Alberto Gandossi sogar den Vizeweltmeister gestellt hatte, stieg man zur Saison 2003 werksseitig in die MotoGP-Klasse der Motorrad-WM ein. Bereits im ersten Jahr gelang Loris Capirossi in Katalonien der Debüt-Sieg. Nach kontinuierlicher Steigerung in den folgenden Jahren gelang dem Australier Casey Stoner 2007 der erste Fahrer-WM-Titel.
Weltmeistertitel Fahrertitel (2) Weltmeister in der MotoGP-Klasse: 2022, 2023 (1) Weltmeister in der MotoGP-Klasse: 2025
(1) Weltmeister in der MotoGP-Klasse: 2024
(1) Weltmeister in der MotoGP-Klasse: 2007
Konstrukteurstitel Weltmeister in der MotoGP-Klasse: 2007, 2020, 2021, 2022, 2023, 2024, 2025
Superbike-Weltmeisterschaft mini|Dreifacher Superbike-Weltmeister auf Ducati: Troy Bayliss
In der Superbike-Weltmeisterschaft konnte man seit Eröffnung der Serie im Jahr 1988 14 Fahrer- und 16 Konstrukteurs-Weltmeisterschaften feiern. In einigen Jahren waren die Ducati so dominant, dass sie die ersten vier Positionen im Gesamtklassement belegen konnten. Zum Saisonende 2010 beendete Ducati seine direkten Aktivitäten. 2013 kehrte Ducati in die Superbike-WM als Werkteam zurückFalko Schoklitsch: Kein WSBK-Werksteam 2011 – Konzentration auf Produkt-Entwicklung in: Motorsport Magazin vom 27. August 2010. Abgerufen am 25. Juni 2011.
Fahrertitel : 1990 : 1991, 1992 : 1994, 1995, 1998, 1999 : 1996 : 2001, 2006, 2008 : 2003 : 2004 : 2011 : 2022, 2023
Hochgeschwindigkeitsrennen Unter der Bezeichnung Bonneville-Ducati-Projekt trat Günter Retsch (GER) mit einem Eigenbau-Motorrad auf Basis einer Ducati 916/955 Turbo auf den Bonneville Salt Flats in den USA an, um Klassenrekorde in der Disziplin LSR (Land speed record) aufzustellen.
Drag Racing Bei Beschleunigungsrennen (Drag Racing) werden Ducatis vereinzelt als sogenanntes Drag Bike eingesetzt. Die verwendeten Maschinen sind Individualumbauten mit teilweise starken Modifikationen (Rahmenhöhe, Radstand, Leistungssteigerung). Die Maschinen treten meist in der Klasse Super Twin Top Gas an, die ausschließlich Zweizylindermaschinen vorbehalten ist. Die besten Resultate über die Viertelmeilendistanz (402 Meter) liegen bei 8,27 Sekunden / 257 km/h durch den Niederländer Herman Jolink.
Ducatisti Selten gleicht eine Ducati der anderen. Fast alle Ducatis werden von ihren Besitzern mehr oder weniger verschönert und umgebaut (besonders Kupplungsdeckel und Auspuffanlagen). Die Fans der Marke sind häufig sehr engagiert und die Besitzer von Ducati-Maschinen haben sich weltweit unter anderem in sogenannten D.O.C. (Desmo Owners Clubs) zusammengeschlossen. Diese Clubs organisieren Treffen, Ausfahrten und Stammtische. Einige betreiben auch eigene Webseiten. Auf der Ducati-Homepage sind für Interessierte Kontaktadressen aufgeführt.
Modelle Die Gliederung erfolgt nach dem Antrieb der Nockenwellen über Königswellen, Steuerkette, Zahnriemen oder Zahnräder, in der zeitlich eingesetzten Reihenfolge:
Viertakt-Motoren mit Königswelle für den Nockenwellenantrieb mini|Ducati 1000 MHR, eine von 200 aus dem Jahr 1985 mini|Scrambler mini|750-cm³-Königswellen-V2-Rundmotor.
Die Ducati Gran Sport markiert 1955 mit ihrem 100-, 125- und 175-cm³-Viertakter den Einstieg in die Einzylinder-Königswellen-Ära, die erst 1974 mit dem Auslaufen der 450er endet.
1970 wird mit der 750 GT erstmals eine Ducati mit V-Motor vorgestellt, die seinerzeit auch leistungsmäßig der japanischen Konkurrenz überlegen war. 1976 läutet die 900 SD die Zeit der erfolgreichen Sportmodelle ein.
Viertakt-Motoren mit Kette für den Nockenwellenantrieb Nur für kurze Zeit wurden ab 1975 Parallel-Twins eingesetzt, deren obenliegende Nockenwelle von einer Kette angetrieben wurde. Leistung und Zuverlässigkeit dieser Modelle gerieten in die Kritik, und es wurden nur geringe Stückzahlen folgender Modelle erzielt:
Ducati GTV 350/500 Ducati GTL 350/500 Ducati 350/500 Sport Desmo
Eine Kombination aus Stirnradkaskade und Kettentrieb dient ab 2012 im V2-Motor der Ducati 1199 Panigale dem Nockenwellenantrieb. Hierbei wird im jeweiligen Zylinderkopf eine Zwischenwelle angetrieben, die über Stirnräder die zwei obenliegenden Nockenwellen dreht: dies erinnert an einen umgekehrten Weller-Trieb.
Viertakt-Motoren mit Nockenwellenantrieb über Zahnriemen