Święciechowa ([] Schwetzkau) ist ein Dorf und Sitz der gleichnamigen Landgemeinde (gmina wiejska) in der polnischen Woiwodschaft Großpolen.

Geographie Lage Die Ortschaft liegt etwa siebzig Kilometer südwestlich der Stadt Posen und sechs Kilometer westlich des Zentrums der Stadt Leszno (Lissa).

Die Gemarkung der Gemeinde Święciechowa liegt in der Ebene von Leszno und umfasst Teile des Landschaftsparks Przemęt sowie des Landschaftsschutzgebiets, das aus den drei Naturreservaten Przemęt-Wschowa, Święciechowa-Krzycko Małe und Krzywiń–Osieck besteht.

Nachbargemeinden Der Ort Święciechowa grenzt im Osten unmittelbar an die Stadt Leszno, im Süden an das Gemeindegebiet der niederschlesischen Gemeinde Góra (Guhrau), im Westen an die Gemeinde Wschowa (Fraustadt) und im Norden an die Gemeinden Włoszakowice (Luschwitz) und Lipno (Leiperode).

Geschichte mini|Schwetkau südwestlich der Stadt Posen und westlich der Stadt Lissa auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung). Erste Siedlung und Gründung der Stadt Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte als Svecechov. In der in Posen ausgestellten Urkunde bestätigte Herzog Bolesław der Fromme von Großpolen am 22. Februar 1258 die Privilegien der Kirche für das Dorf, namentlich die Befreiung von allen Lasten und von der weltlichen Gerichtsbarkeit,Johannes Schulz: Zur Geschichte von Schwetzkau, einer Klosterstadt im Fraustädter Land, 1971 welche die Kirche am 26. Dezember 1181 von Władysław Odon erhalten hatte. Vermutlich war diese Urkunde aber unecht, da weder Władysław Odoni noch der Zeuge Bischof Paul im Dezember 1181 im Amt waren. Weiterhin hatte Svecechov das Recht einen Jahrmarkt abzuhalten.

Svecechov war ein Angerdorf und besaß zu dieser Zeit einen Gutshof mit Wall und Graben sowie Häusern der Kmeten und Leibeigenen, welche an einem südsüdwestlich fließenden Bach, dem Augraben, lagen. Das Dorf gehörte der nordöstlich von Leszno gelegenen Benediktinerabtei Lubin.Wuttke (1864), S. 452. An der Stelle am Ausgang des Ortes, wo der Weg von Posen nach Glogau über den Bach führte, befand sich eine Zollstation des Klosters. Auf Grund besonderer Bemühungen des Abtes Jakob genehmigte es der großpolnische Herzog und spätere polnische König Przemysław II. am 17./22. Mai 1277, Svecechow und RadlewoRadlewo ist als Ort bereits früh wieder aufgegeben worden nach deutschem Recht als Stadt anzulegen. Zugleich erhielt die Stadt das Recht, Märkte abzuhalten und die Marktabgaben einzubehalten. Auch wurden den Einwohnern Bürgerrechte zugesprochen und ein Bürgergericht, das alle bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten regeln sollte, wurde eingerichtet. Die dies bestätigende Urkunde stammt zwar aus dem 14. Jahrhundert, war allerdings wahrscheinlich keine Fälschung, sondern eine Ersatzurkunde für das verlorene Original. In der vom 7. Dezember 1302 stammenden Urkunde bestätigt Herzog Heinrich III. von Schlesien-Glogau die Privilegien, die Herzog Przemysław II. dem Kloster verliehen hatte, und erwähnt Svecechow dabei als Stadt. Die neuen Siedler für die Stadt waren vermutlich Deutsche aus Schlesien.

Mit der Ankunft der Siedler begann auch die Anlage des Ortes außerhalb der ursprünglichen slawischen Siedlung. Der Marktplatz dehnte sich rechteckig mit der Längsausdehnung von West nach Ost aus und an den Ecken gingen jeweils zwei Straßen rechtwinklig ab. Dadurch hatte der Verkehr nach Osten vom Markt zwei Straßen, die sich aber am Osttor vereinigten. Dieses System wird „schlesisches Doppelstraßensystem“ genannt.Franz Meurer, „Der mittelalterliche Stadtgrundriß…“ 1914, S. 57 An der Grenze der Stadt wurden die Straßen durch ein Torhaus verschlossen. An den langen Seiten des Marktes wurden sechs, den kurzen vier Gehöfte angelegt und jeder Bauer erhielt eine Hufe Land außerhalb der Stadt. Die Gebäude wurden auf einem Fundament aus Feldsteinen, Holz und Lehm errichtet. Die gesamte Stadt wurde durch einen Pfahlzaun umgeben. Dabei wurde die alte slawische Siedlung Lange Au nicht mit einbezogen. Ihr Name ist möglicherweise durch die Bezeichnung Rädel für das Flurstück westlich des Ortes erhalten geblieben und zeigt die ehemalige Lage an. Jeder Siedler der Stadt erhielt eine zusammenhängende Hufe Land. Die Hufe mussten allerdings erst noch gerodet und urbar gemacht werden. Das Bruch und der Streifen entlang der Aue wurden zur Allmende bestimmt und jedem Dorfbewohner gestattet eine Kuh darauf weiden zu lassen. Der übrige Grund, etwa 1.100 Morgen, verblieb im Eigentum des Klosters. Mitten im Ort befand sich das Rathaus, in dem unter anderem die Gerichte abgehalten wurden. Auf Grund der Tatsache, dass in den Urkunden der Stadt das Dreiding nie erwähnt wurde, wird vermutet, dass Svecechov von den Äbten die höhere Gerichtsbarkeit erhalten hatte. Nachdem die Häuser der Siedler errichtet worden waren, begann der Bau der Kirche. Dabei war vor allem der Abt Jakob treibende Kraft. Er stellte unter anderem die Fachleute für den Bau aus den Reihen der Mönche und lieferte die Baustoffe. Das erklärt wohl auch, weshalb für die Kirche Jakobus der Ältere als Patron gewählt wurde. Der wichtigste regelmäßige Markt wurde sonntags abgehalten. 1300 soll ein Adliger Schulze Heinrich Svecechow überfallen und ausgeraubt haben. Abt Vincenz von Lubiń zwang ihn aber danach zur Zahlung von Schadenersatz.

Nachdem das Fraustädter Land, zu welchem auch Svecechow gehörte, sich um 1310 Schlesien angeschlossen hatte, begann König Kasimir III. der Große mit der Rückeroberung der Gebiete. Während der Kämpfe um den Landstrich wurde zwischen 1340 und 1346 auch die Stadt einschließlich Kirche und Rathaus niedergebrannt.Winterfeld, Odwart; 1962, S. 33 1345 kam Sveczkow wie auch das umliegende Gebiet dann zu Polen und blieb bis 1793 Teil der Woiwodschaft Posen. Am 5. Mai 1366 verkaufte der Vogt Waremul das Dorf an seinen Schwiegersohn Nikolaus Cordbok.Die Familie wurde auch Cordebog oder Korzbok geschrieben und war aus Schlesien eingewandert 1382 versuchte Herzog Heinrich VII. von Schlesien-Glogau noch einmal, das Fraustädter Land zurückzuerobern. Zugleich waren auch Konrad von Öls und Semovit von Masowien in das Gebiet eingefallen. Schließlich marschierte noch das vierte Heer unter Peregrinus de Wągleszino in das Gebiet ein, letzteres, um es von den drei ersteren zu befreien. Alle Heere brachten aber für die Gebiete, durch welche sie zogen, Zerstörungen und Plünderungen mit sich. Auch Sveczkow blieb davon nicht verschont.

15. bis 18. Jahrhundert Mitte des 15. Jahrhunderts, während der Kriege gegen den Deutschen Orden, stellte die Stadt zehn Fußsoldaten für das polnische Heer. Zu der Zeit gab es in der Stadt wahrscheinlich bereits ein Spital sowie eine Schule, allerdings ist das urkundlich nicht nachweisbar. 1445 wurde die Stadt wieder völlig zerstört und erst zwei Jahre danach begann der Wiederaufbau. Am 26. Mai 1448 bestätigte Abt Stephan das Magdeburger Recht der Stadt erneut, da die alten Urkunden durch die Verwüstungen abhandengekommen waren. Am 16. Januar 1469 gewährte König Kasimir IV. Jagiello zwei weitere Jahrmärkte, einen am Sonntag vor Pfingsten und einen zum Fest der Kreuzerhöhung. 1474 zog Johann von Sagan mit schlesischen Truppen durch Großpolen. Er plünderte viele Städte und Dörfer, zerstörte das Kloster Lubiń und verschonte auch Swieciechowo nicht. Der Schulze Georg sammelte in den Folgejahren in Polen, Schlesien, Mähren und Russland Gelder, um so den Aufbau der Kirche finanzieren zu können. Der solchermaßen finanzierte, 1480 errichtete Bau aus gebrannten Ziegeln überdauerte in seiner Grundform bis mindestens 1669/1669. Zum Gedenken an Georg wurde er von den Mönchen Lubińs in deren Totenbuch eingetragen.Liber mortuorum monasterii Lubinensis S. 640

Anfang des 16. Jahrhunderts hatte sich das in Personalunion vereinte Polen-Litauen als mitteleuropäische Großmacht etabliert; auch unter den deutschen Einwohnern Swieciechowos setzte ein Prozess der allmählichen Polonisierung ein. Ab etwa Mitte des 16. Jahrhunderts wurden die bis dahin in Deutsch geführten Ratsbücher in Polnisch geführt und auch die Predigten in der Kirche erfolgten kaum noch in Deutsch. Am 25. Januar 1549 brannte Swieciechowo erneut ab und musste wieder aufgebaut werden, wofür den Bürgern die Zahlung von Steuern erlassen wurde. In einer Steuerliste des 16. Jahrhunderts sind für Swieciechowo 71 Gewerbebetriebe verzeichnet und die zu der Stadt gehörende Fläche mit 31 Hufen angegeben. Die Größe der Fläche – Fraustadt (Wschowa) hatte zu der Zeit nur 8,5 Hufe – deutet darauf hin, dass die Stadt stark von der Landwirtschaft geprägt war. Swieciechowo profitierte nicht von der Ende des 15. Jahrhunderts stattfindenden Einwanderungswelle aus Böhmen und Schlesien. Damit nahm der Ort auch nicht an dem damit verbundenen Wirtschaftsaufschwung teil. Das schnell wachsende Lissa nahm dem Ort sogar einen Teil seiner Bedeutung für die Wirtschaft der Umgebung ab. 1610 berichtete der bischöfliche Visitator Kaspar Happ von einer zweiten Kirche neben der Backsteinkirche des Heiligen Jakob. Diese als Fachwerkbau errichtete Hospitalskirche war dem Heiligen Laurentius gewidmet. Diese Kirche war zu dieser Zeit renovierungsbedürftig und stürzte auch bald darauf ein. Weiterhin berichtete Happ von einem aus Ziegeln errichteten Schulgebäude und einem Spital. 1639 wurde in der Stadt ein Brauhaus errichtet.

Als die Schweden im Zweiten Nordischen Krieg Polen besetzten, wurde auch Święciechowa besetzt. Welche direkten Folgen dabei für die Stadt dadurch entstanden, ist nicht bekannt; als die Schweden 1656 Lissa verlassen mussten, soll Święciechowa aber geplündert worden sein. Die folgenden Jahre waren, wie in ganz Polen, von einem wirtschaftlichen Stillstand und sogar Rückgang gekennzeichnet.

1694 wurde die eingestürzte Kirche des Heiligen Laurentius neu errichtet. Am 9. Februar 1706 marschierten schwedische Truppen unter General Rhenskjöld in Schwetzko ein, in der Nacht vom 12. zum 13. Februar war sogar fast das gesamte Fußvolk und ein Teil der Reiterei des 19.000 Mann zählenden Heers des Generals in der Stadt und dessen direkter Umgebung. Nachfolgend schlugen diese das russisch-sächsische Heer unweit von Schwetzko. In den folgenden Jahren waren noch mehrmals kleinere Truppenteile der Schweden in Święciechowa. Im Juli 1707 zerstörten Truppen des russischen Generals Schulz Lissa und wüteten auch in Schwetzko. Im September 1707 waren erneut die Schweden in der bereits stark zerstörten Stadt, auch wenn die Zerstörungen nicht so stark waren wie die im nahezu vollständig zerstörten Lissa. In den Jahren 1709 und 1710 wütete die Pest und damit einhergehend eine schwere Hungersnot in der Gegend. Wie der Verlauf in Schwetzko genau war, ist nicht überliefert. Die Überlebenden sammelten Gelder und konnten so das Marienbild der Kirche mit einem Gewand aus getriebenem Silber versehen. Die Inschrift berichtet von 2.200 Toten, die Zahl muss aber als zu hoch angesehen werden.

Nur einige Jahre nach dem Ende des Krieges brach in Polen, nach der Konföderation von Tarnogród, ein Bürgerkrieg aus, in dessen Verlauf es um 1716 wiederum zum Durchzug von Militär und damit einhergehenden Plünderungen in Schwetzko kam. 1722 wurde im Zentrum Schwetzkos eine überlebensgroße Figur der Muttergottes errichtet. Während des Nordischen Krieges war dem schwedischen General angeblich immer wieder eine weiße Frau erschienen und hatte ihn am Beschuss der Stadt gehindert. 1737 stürzte die hölzerne Spitalkirche ein. Zu dieser Zeit befanden sich eine Reihe von Kirchenbauten im Fraustädter Dekanat in schlechtem Zustand und waren teilweise sogar einsturzgefährdet. In die Kirche, deren Ausbau 1750/1751 beendet wurde, schlug am 3. Juni 1780 der Blitz ein. Das dadurch entstandene Feuer beschädigte die Kirche schwer und auch die Stadt brannte größtenteils ab.