Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, kurz Bundespresseamt (BPA), informiert Bürger und Medien im Inland über die Arbeit der deutschen Bundesregierung und unterrichtet letztere über die Nachrichtenlage in Deutschland und weltweit. Am Hauptsitz in Berlin arbeiten 490 Mitarbeiter, am alten Dienstsitz in Bonn 50. Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung und Sprecher der Bundesregierung im Amt eines (beamteten) Staatssekretärs ist Stefan Kornelius.

Stellung und Aufgaben Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung ist eine selbstständige oberste Bundesbehörde, die unmittelbar dem Bundeskanzler untersteht. Als sogenannte Hauptstelle der Bundesregierung für den Verkehr mit den Nachrichtenträgern und den Organen der öffentlichen Meinungsbildung laufen bei ihr alle Informationen der einzelnen Bundesministerien sowie des Bundeskanzleramtes zusammen.

Seine Aufgaben sind unter anderem die Unterrichtung des Bundespräsidenten und der Bundesregierung auf dem gesamten Nachrichtenbereich (u. a. durch die Kanzlermappe). Unterhaltung der erforderlichen Verbindungen zu Nachrichtenträgern des In- und Auslandes zu diesem Zweck; Erforschung und Darstellung der öffentlichen Meinung als Entscheidungshilfe für die politische Arbeit der Bundesregierung; Regierungskommunikation: Unterrichtung der Bürger und der Medien über die Politik der Bundesregierung durch Darlegung und Erläuterung der Tätigkeit, der Vorhaben und der Ziele der Bundesregierung mit den Mitteln der Öffentlichkeitsarbeit (dies gilt für Gegendarstellungen auch dann, wenn zugleich die Öffentlichkeitsarbeit von Bundesministerien berührt ist); Vertretung der Bundesregierung auf den Pressekonferenzen, im Besonderen der Bundespressekonferenz; Koordinierung der ressortübergreifenden Öffentlichkeitsarbeit der Bundesministerien bei Maßnahmen, die Angelegenheiten von allgemeinpolitischer Bedeutung betreffen; Organisation der sogenannte Wahlkreisfahrten, offiziell BPA-Informationsfahrten der Bundestagsabgeordneten.

Die politische Öffentlichkeitsarbeit Ausland ist seit dem Organisationserlass des Bundeskanzlers vom 22. Oktober 2002 () Sache des Auswärtigen Amtes. Gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt ist das Presse- und Informationsamt Partner in einer Verwaltungspartnerschaft mit der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament. Diese schreibt unter dem Titel aktion europa regelmäßig Projekte zur Durchführung von europapolitischer Öffentlichkeitsarbeit im Inland aus. Das Presse- und Informationsamt fungiert als sogenannte Zwischengeschaltete Stelle und verwaltet im Auftrag der Europäischen Kommission die ausgeschriebenen Projekte.

Digitales Bildarchiv Das digitale Bildarchiv des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung wird durch die Arbeit der offiziellen Fotografen des BPA seit 1949 kontinuierlich erweitert. Diese dokumentieren fotografisch pro Jahr etwa 1200 politische Ereignisse, wie Staatsbesuche, Vertragsunterzeichnungen und Festakte.

Bildmaterial zu den politischen Aktivitäten der Bundeskanzler, der Bundesminister sowie des Bundespräsidenten, für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung steht damit zur Verfügung.

Das Bildarchiv der Bundesbildstelle umfasst ca. zwei Millionen Fotos. Ergänzt wird der Bildbestand durch den Ankauf bzw. die Übernahme einzelner Fotos oder ganzer Bildarchive, wie des Nachlasses von Richard Schulze-Vorberg oder des Archivs von Georg Munker. In der Bilddatenbank im BPA befinden sich rund 475.000 Aufnahmen aus den Jahren seit 1949.

Das Bildmaterial wird unter anderem vom BPA, den Bundesministerien und den deutschen Vertretungen im Ausland genutzt, im Rahmen der Herstellung von Broschüren, sonstigen Publikationen sowie für die Internetinformationsangebote. Die Fotos werden auch für Veröffentlichungen Dritter bereitgestellt, für Zeitungen, Zeitschriften, Verlage, Stiftungen und Institutionen. Für die Nutzung sind marktübliche Bildhonorare zu zahlen.

Geschichte Als Gründungszeitpunkt des Presse- und Informationsamts gilt der 16. September 1949, der Tag nach der ersten Bundeskanzlerwahl der Bundesrepublik. Es ging aus der Pressestelle beim Parlamentarischen Rat hervor, die nach der Bildung der ersten Bundesregierung 1949 unter der Bezeichnung „Bundeskanzleramt – Presse- und Informationsabteilung“ in die Regierungszentrale eingegliedert wurde. Anfang Oktober 1949 firmierte sie unter „Bundespresse- und Informationsamt“ und seit dem 30. Oktober 1949 „Presse- und Informationsamt der Bundesregierung“, ohne dass sich ihre Rechtsstellung als unselbständige Abteilung änderte. Anfangs war das BPA wie auch das Bundeskanzleramt in der ersten Etage des Museums Koenig in Bonn untergebracht. 1951 betrieb Otto Lenz, der Staatssekretär des Innern im Bundeskanzleramt, den Ausbau des BPA.

Der erste Organisationsplan des Bundeskanzleramtes vom 3. Dezember 1949 wies das BPA noch als die zweite von zwei Abteilungen des Bundeskanzleramtes aus, geleitet von einem als Bundespressechef bezeichneten Ministerialdirektor. Die Verselbstständigung des Presse- und Informationsamtes als eigene Behörde erfolgte nach dem 30. Juli 1958, als ihr Leiter Felix von Eckardt zum Staatssekretär ernannt worden war. Konrad Adenauer hatte sich jedoch bereits 1949 ein Presseamt als eigene Behörde gewünscht, die dem Staatssekretär im Bundeskanzleramt unterstellt sein sollte.

Der Organisationserlass des Bundeskanzlers vom 18. Januar 1977 (), summierte erstmals die Aufgaben des BPA.Volker Busse: Organisation und Aufbau des Bundeskanzleramtes – Historischer Überblick. In: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Die Bundeskanzler und ihre Ämter. Bonn 2006, ISBN 978-3-937086-14-9, S. 208–215.

Im März 2003 wurden über 80 Mitarbeiter der ehemaligen Auslandsabteilung IV des BPA im Rahmen der Verlagerung der Zuständigkeit für die Öffentlichkeitsarbeit Ausland gemäß BKOrgErl vom 22. Oktober 2002 in das Auswärtige Amt versetzt.

Amtschef und Regierungssprecher Der Amtschef des BPA ist in aller Regel gleichzeitig Regierungssprecher. Seine offizielle Bezeichnung lautet daher Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung und Sprecher der Bundesregierung (früher Bundespressechef).§ 36 Absatz 1 Nummer 4 BBG i. d. F. vom 14. Juli 1953, BGBl. 1953 I S. 551 ff., 556 Der Chef des Amtes ist in der Regel ein (beamteter) Staatssekretär, gelegentlich wurde die Leitung auch einem Bundesminister für besondere Aufgaben übertragen. Er nimmt gemäß § 23 Abs. 1 GOBReg an den Sitzungen der Bundesregierung teil – ist er Bundesminister, so besitzt er auch Stimmrecht. Zudem vertritt er in seinem Geschäftsbereich die Bundesrepublik Deutschland gerichtlich und außergerichtlich. Stellvertretende Regierungssprecher und der Stellvertretende Chef des BPA können, wenn sie die Funktionen im Beamtenverhältnis wahrnehmen, Ministerialdirektoren (Besoldungsgruppe B 10Bundesbesoldungsgesetz Anlage I (zu § 20 Absatz 2 Satz 1) Bundesbesoldungsordnung B) sein.

Chefs # Name (Lebensdaten) Amtszeit Partei Amtsbezeichnung 1 Heinrich Böx(1905–2004) 25. September 1949 – 10. November 1949 CDU 2 Paul Bourdin(1900–1955) 10. November 1949 – 28. Februar 1950 parteilos 3 Heinrich Brand(1887–1971) 28. Februar 1950 – 15. Dezember 1950 parteilos 4 Fritz von Twardowski(1890–1970) 16. Dezember 1950 – 15. Februar 1952 parteilos 4 Felix von Eckardt(1903–1979) 16. Dezember 1952 – 30. April 1955 CDU 5 Edmund Forschbach(1903–1988) 1. Mai 1955 – 30. Juni 1956 parteilos 6 Felix von Eckardt(1903–1979) 1. Juli 1956 – 30. Juni 1962 CDU (ab 1958) (beamteter) Staatssekretär 7 Karl-Günther von Hase(1917–2021) 1. Juli 1962 – 14. November 1967 CDU (beamteter) Staatssekretär 8 Günter Diehl(1916–1999) 15. November 1967 – 22. Oktober 1969 parteilos (beamteter) Staatssekretär 9 Conrad Ahlers(1922–1980) 22. Oktober 1969 – 12. Dezember 1972 SPD (beamteter) Staatssekretär 10 Rüdiger von Wechmar(1923–2007) 16. Januar 1973 – 20. Mai 1974 FDP (beamteter) Staatssekretär 11 Klaus Bölling(1928–2014) 20. Mai 1974 – 15. Dezember 1980 SPD (beamteter) Staatssekretär 12 Kurt Becker(1920–1987) 15. Dezember 1980 – 28. April 1982 parteilos (beamteter) Staatssekretär 13 Klaus Bölling(1928–2014) 29. April 1982 – 4. Oktober 1982 SPD (beamteter) Staatssekretär 14 Diether Stolze(1929–1990) 12. Oktober 1982 – 19. Mai 1983 parteilos (beamteter) Staatssekretär 15 Peter Boenisch(1927–2005) 19. Mai 1983 – 14. Juni 1985 parteilos (beamteter) Staatssekretär 16 Friedhelm Ost(* 1942) 21. Juni 1985 – 21. April 1989 CDU (beamteter) Staatssekretär 17 Hans Klein(1931–1996) 21. April 1989 – 20. Dezember 1990 CSU Bundesminister für besondere Aufgaben 18 Dieter Vogel(* 1931) Januar 1991 – 28. Februar 1995 CDU (beamteter) Staatssekretär 19 Peter Hausmann(* 1951) 1. März 1995 – 25. Mai 1998 CSU (beamteter) Staatssekretär 20 Otto Hauser(* 1952) 26. Mai 1998 – 27. Oktober 1998 CDU Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundeskanzler und Sprecher der Bundesregierung 21 Uwe-Karsten Heye(1940–2026) 27. Oktober 1998 – 30. September 2002 SPD (beamteter) Staatssekretär 22 Béla Anda(* 1963) 1. Oktober 2002 – 22. November 2005 SPD (beamteter) Staatssekretär 23 Ulrich Wilhelm(* 1961) 22. November 2005 – 11. August 2010 CSU (beamteter) Staatssekretär 24 Steffen Seibert(* 1960) 11. August 2010 – 8. Dezember 2021 CDU (beamteter) Staatssekretär 25 Steffen Hebestreit(* 1972) 9. Dezember 2021 – 6. Mai 2025 SPD (beamteter) Staatssekretär26Stefan Kornelius (* 1965)6. Mai 2025 – amtierend parteilos(beamteter) Staatssekretär

Stellvertretende Regierungssprecher, Stellvertretende Chefs und Leiter