Die Autostrada A4 (italienisch für ‚Autobahn A4‘), auch Autostrada Serenissima genannt, ist eine italienische Autobahn im Norden des Landes, die die gesamte Po-Ebene von Turin aus über Mailand, Verona und Venedig nach Sistiana in der Nähe von Triest durchquert. Sie ist mit einer Länge von 517 km nach der A1 und der A14 die drittlängste Autobahn Italiens.

Die A4 galt schon immer als eine der wichtigsten nationalen und europäischen Verkehrsachsen, da sie die Iberische Halbinsel mit den Balkanstaaten verbindet.

Im März 2003 ereignete sich auf der A4 zwischen Cessalto und Noventa di Piave die folgenschwerste Massenkarambolage der italienischen Geschichte. Mehr als 250 Fahrzeuge fuhren ineinander, dabei kamen 14 Menschen ums Leben, 98 weitere wurden verletzt, davon zehn lebensgefährlich.

Abschnitte und Verlauf mini|Brücke der A4 über die Adda mini|Anschlussstelle Bergamo mini|Provinzgrenze zwischen Padua und Venedig

Die Autobahn A4 durchquert auf ihrem Weg von Westen nach Osten die gesamte Poebene und verläuft durch die Regionen Piemont, Lombardei, Venetien sowie Friaul-Julisch Venetien.

Die A4 lässt sich in drei Abschnitte einteilen: Turin – Mailand Mailand – Venedig Venedig – Sistiana

Turin–Mailand Der 125 km lange sechsstreifige Abschnitt zwischen Turin und Mailand gehört zu den ältesten Italiens. Nach dreijähriger Bauzeit wurde er am 25. Oktober 1932 eröffnet.

Die A4 beginnt im Nordosten der Stadt Turin, der Hauptstadt der Region Piemont. Hier besteht Anschluss mit der A55 sowie mit der A5. Die Benutzung vom Autobahnanfang bei Turin bis zur Anschlussstelle Rondissone (Länge: 24 km) ist kostenlos.

Die A4 führt nordöstlich vorbei an den Orten Chivasso und Santhià bis nach Novara. Bei Santhià kreuzen sich die beiden Autobahnverzweigungen A4/A5 sowie A4/A26, die die A5 bzw. die A26 (Genua–Gravellona Toce) mit der A4 verbinden. Westlich von Novara kreuzt sich die A4 mit der Autobahn A26.

Hier ändert sie ihre Verlaufsrichtung nach Osten und erreicht lombardisches Gebiet. Die Grenze zwischen dem Piemont und der Lombardei bildet der Ticino.

Die Autobahn erreicht die Hauptstadt der Region Lombardei, Mailand. Der 4 km lange Abschnitt zwischen Ghisolfa und Certosa vor den Toren Mailands ist chronisch überlastet. Dies liegt in erster Linie daran, dass dort die Verkehrsströme aus dem Süden (A1), dem Norden (A8/A9) und der Stadt selbst aufeinandertreffen. Zwischen der Mautstelle Milano Ghisolfa und Milano Est ist die Autobahn mautfrei. Hier kreuzt sie die A50 (Westtangente Mailand) und die A8.

Mailand–Venedig Dieser Abschnitt schließt nahtlos an den ersten bei der Mautstelle Milano Est an. Im Stadtgebiet Mailands kreuzt sie die Autobahnen A52 (Nordtangente Mailand) und die A51 (Osttangente Mailand).

Die Autobahn führt ostwärts vorbei an den Ortschaften Sesto San Giovanni, Cormano sowie nahe der Stadt Monza bis nach Trezzo sull’Adda, wo die A4 die Adda überquert. Zwischen Mailand und Bergamo weist die Autobahn acht Fahrstreifen auf (je 4 pro Richtung).

Bei Bergamo verläuft die Autobahn südöstlich nahe dem Lago d’Iseo bis nach Brescia, wo die Autobahn A21 (Turin–Brescia; diese Autobahn verläuft südlicher als die A4) in die A4 einmündet. Zwischen Bergamo und Brescia ist die Autobahn sechsspurig (drei Fahrstreifen pro Richtung) ausgebaut.

In weiterer Folge erreicht sie Desenzano del Garda und verläuft am Südufer des Gardasees. Nach der Anschlussstelle Sirmione erreicht sie venetisches Gebiet. Der 170 km lange Abschnitt zwischen Brescia und Venedig ist sechsspurig ausgebaut.

Östlich der Provinzhauptstadt Verona kreuzt sie sich mit der Brennerautobahn (A22), die über den Brenner nach Innsbruck sowie in Richtung Süden nach Modena führt. Zwischen Verona und Vicenza weist die Strecke insgesamt sieben Anschlussstellen auf. Südlich der Provinzhauptstadt Vicenza befinden sich die einzigen beiden Tunnel der A4, welche zum Passieren des Weinbaugebiets Colli Berici notwendig sind. Die Autobahn verläuft in diesem Abschnitt weiter ostwärts.

Östlich von Vicenza besteht Anschluss zur A31, die nach Piovene Rocchette führt. Der weitere Verlauf zwischen Vicenza und Padua verläuft wieder durch flaches Land. Bei Padua kreuzt sich die A4 mit der A13 (Padua–Bologna).

Umfahrung Venedigs Bei der Ortschaft Dolo wendet sich die Autobahn nordwärts. Die A4 ist hier Bestandteil der Passante di Mestre.

Eine Streckenführung um Venedig herum nennt sich Tangenziale di Mestre. Der Begriff „Tangenziale“ impliziert, dass die Stadt „berührt“ wird, ähnlich wie eine Tangente einen Kreis berührt; Mestre ist ein Stadtteil Venedigs. Auf dieser Umfahrung befinden sich mehrere Anschlussstellen, u. a. zum Flughafen und zur A27 (Mestre–Belluno).

Da dieser Abschnitt ein sehr hohes Verkehrsaufkommen zu bewältigen hat, wurde 2004 mit dem Bau einer 32 km langen Ausweichstrecke begonnen, die jetzt Teil der A4 ist. Die Übergabe an den Verkehr erfolgte am 8. Februar 2009. Die Strecke wird durch die CAV S.p.A (Concessioni Autostradali Venete) verwaltet, die zu 50 % der ANAS und 50 % der Region Venetien gehört. Die Passante di Mestre ist sechsstreifig ausgebaut und mit Standstreifen versehen. Entlang des Verlaufes besitzt die Passante die Anschlussstellen Preganziol (eröffnet am 18. Februar 2009), Spinea (eröffnet am 15. Juli 2009) und Martellago-Scorzè (eröffnet am 1. April 2015). Der Knoten mit der A27 wurde am 24. Mai 2009 eröffnet. Die Strecke wird in 9 Abschnitten in Gräben sowie über 8 Unterführungen und 4 Brücken geführt.

Der ehemalige Abschnitt der A4, die Tangenziale di Mestre, ist nun als A57 klassifiziert. Die A4 war in diesem Bereich durch die Mautstellen Venezia/Est und Venezia/Mestre unterbrochen und daher mautfrei. Seit der Eröffnung der Passante ist sie von Triest bis nach Mailand durchgehend mautpflichtig.

Die Passante di Mestre ist Teil eines Infrastrukturprojektes zur Lösung des Verkehrsproblemes an der Tangenziale di Mestre. → für weitere Details siehe hier

Venedig–Sistiana mini|Knoten zwischen der A23 und der A4 Dieser ca. 120 km lange Abschnitt ist vierspurig (2 Fahrstreifen pro Richtung) mit Standstreifen ausgebaut. Nur die Brücke über den Tagliamento ist ohne Standstreifen. Die Strecke liegt zu 60 km in Venetien. Hier beginnt dieser Streckenabschnitt der A4 bei Quarto d’Altino (Einmündung der A57). Die Autobahn verläuft leicht nordöstlich und weist die Anschlussstellen San Donà di Piave, Cessalto, San Stino di Livenza sowie Portogruaro auf. Die Strecke durchquert die Provinz Venedig und die Flüsse Livenza und Piave. Bei Portogruaro zweigt die A28 nach Conegliano ab.

Der Tagliamento bildet die Grenze zwischen Venetien und Friaul Julisch Venetien. Die Anschlussstelle Latisana-Lignano befindet sich nur 1 km von der Regionsgrenze entfernt. Da die bisherige Mautstation im Sommer aufgrund von Touristenverkehr chronisch überlastet war und Rückstaus von ca. 20 km auf der A4 keine Seltenheit waren, wurde eine neue Mautstelle ca. 1 km ostwärts im Jahr 2009 errichtet. Die Kosten betrugen 50 Millionen Euro. Die neue Mautstelle wurde am 12. Juni 2009 eröffnet."Aperto il nuovo casello", Bericht der Bora.La vom 12. Juni 2009

Nach Passieren der Anschlussstelle San Giorgio di Nogaro-Porpetto erreicht die Autobahn den Knoten mit der A23, die nach Tarvisio (UD) sowie nach Villach (Österreich) führt. Hier ändert die Autobahn ihre Richtung und verläuft nun südöstlich vorbei an Palmanova. Bei Villesse überquert sie den Isonzo. Hier zweigt die A34, die die Stadt Gorizia sowie die slowenische H4 mit dem italienischen Autobahnnetz verbindet, ab.

In den letzten 20 Kilometern erreicht die A4 den Karst und damit hügeligeres Gebiet. Dabei führt sie an der Industrie- und Hafenstadt Monfalcone vorbei und folgt anschließend der Küste des Adriatischen Meeres. Nahe der Ortschaft Sistiana liegt der Endpunkt der A4. Sie geht hier nach der Mautstelle Trieste/Lisert in den RA13 über, der nach Triest und darüber hinaus nach Slowenien zum Adriahafen Koper führt.Bauwerke entlang der A4

Geschichte Die A4 ist eine der ältesten Autobahnen Italiens. Bereits in den 1930er Jahren wurden Teilabschnitte der heutigen A4 errichtet. Die A4 ist seit 1972 auf ihrer gesamten Länge fertiggestellt.

Vor dem Zweiten Weltkrieg Der Bau der Autobahn vor dem Zweiten Weltkrieg geschah auf Initiative der Faschisten unter Benito Mussolini, die den Autobahnbau für ihre Propagandazwecke nutzten. Dabei war weniger die Errichtung eines Gesamt-Autobahnnetzes ausschlaggebend, sondern man wollte die einzelnen Städte besser miteinander verbinden. Daher wurden viele Teilabschnitte zwischen zwei Städten (zum Beispiel zwischen Padua und Venedig errichtet), jedoch von einer zusammenhängenden Autobahn war noch nicht zu sprechen. Eine Ausnahme bildete die Autostrada Pedemontana (Autobahn am Fuße der Berge), die von Turin über Mailand bis nach Brescia durchgehend verlief und die gleiche Trasse wie die heutige A4 benutzte. Sie wurde 1932 eröffnet. Zwischen Turin und Mailand wurde sie als Nr. 1 bezeichnet, von Mailand bis nach Bergamo als Nr. 3 und von Bergamo bis nach Brescia als Nr. 4.

Finanziert wurden alle Autobahnprojekte der A4 von privaten Autobahngesellschaften, für deren Verbindlichkeiten der Staat Bürgschaften übernahm.

Der erste Abschnitt der heutigen A4 wurde zwischen Mailand und Bergamo bereits am 24. September 1927 für den Verkehr freigegeben. Dieser 48,6 km lange Abschnitt wurde von der Bergamasca per la Costruzione a l’Ecercizio, Autovie geplant und in nur einjähriger Bauzeit vollendet. Er verband die Wirtschaftszentren Bergamo und Mailand miteinander.

1931 folgte der Abschnitt von Bergamo bis nach Brescia, an dem ebenfalls ein Jahr gebaut wurde. Diese 45,6 km lange Strecke wurde am 29. August 1931 eröffnet. Am 25. Oktober 1932 wurde schließlich der 129 km lange Abschnitt zwischen Turin und Mailand nach nur einem Jahr Bauzeit eröffnet. Die Gesellschaft Autostrada Torino-Milano war für diesen Abschnitt zuständig. Diese unterstand dem Fiat-Konzern, der die Finanzierung sicherte.

Zwischen 1929 und 1933 wurde auch der Autobahnabschnitt zwischen Venedig und Padua gebaut. Zuständig für den Bau war die Società delle Autostrade di Venezia e Padova. Der 24,6 km lange Abschnitt wurde am 15. Oktober 1933 eröffnet. Dieser Abschnitt trug die Nummer 5.

Nachkriegszeit Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Autobahnbau erst wieder Anfang der 1960er Jahre aufgenommen. 1962 wurde der Abschnitt zwischen Brescia und Padua vollendet, am 22. Februar 1970 wurde die Strecke zwischen Mestre und Sistiana eröffnet. Die Tangente von Mestre (heute A57) wurde als letzter Abschnitt der A4 am 3. September 1972 eröffnet.

Verwaltung mini|Mautticket, das man bei Einfahrt auf die A4 erhält Die gesamte Trasse wird von verschiedenen Betreibergesellschaften verwaltet. Diese sind im Einzelnen:

Von der SATAP S.p.A. (Società Autostrada Torino–Alessandria–Piacenza S.p.A.) zwischen den Beginn der A4 und Kilometer 125 bei Mailand, von der Autostrade per l’Italia S.p.A. zwischen Kilometer 125 und 217,6 bei der Abzweigung der A21 bei Brescia von Brescia bis nach Padua/Est (zwischen Kilometer 217,6 und 363,6) von der Autostrada Brescia–Verona–Vicenza–Padova von der Concessioni Autostradali Venete (CAV) von Kilometer 363,724 bis zur östlichen Einmündung der A57 und von der Società Autostrade Alto Adriatico zwischen Kilometer 406,7 und dem Ende bei Sistiana (Kilometer 522,3).

Kilometrierung und Maut Im Gegensatz zu den anderen langen Autobahnen des Landes war die A4 lange Zeit keine durchgehende Autobahn. Die Autobahn war bei Mailand und Venedig unterbrochen. Hier begann auch die Kilometrierung jeweils von vorne. Mittlerweile besitzt die komplette Strecke der A4 eine durchgehende Kilometrierung.