Die Druiden waren eine kultische und geistige Elite in der keltischen Gesellschaft und Mythologie. Sie gelten als wichtigste Personen des Kultpersonals der keltischen Religion. Die heute vorliegenden Erkenntnisse stammen überwiegend aus römischen und mittelalterlichen christlichen Quellen.

Von den Druiden unterschieden werden die keltischen Vates, die ebenfalls mantische Bräuche und Opfer vollzogen, sowie die Filid, die Barden, Dichter, Sänger und Unterhalter der keltischen Fürsten waren. Innerhalb verschiedener neuheidnischer Bewegungen bezeichnen sich heutzutage einige Gruppen ebenfalls als Druiden, siehe Neuzeitliche Druiden.

Etymologie Plinius vermutete, der Name gehe auf die altgriechische Vokabel δρυς (drys) für Eiche zurück, da diese Bäume und die auf ihnen wachsenden Misteln beim Kult und in der Heilkunst der Druiden von herausgehobener Bedeutung gewesen seien.Plinius: Naturalis historia 16, 249. Somit ist das im Lateinischen aus dem Gallischen übernommeneFriedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck (21. unveränderte Auflage) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 145. Wort als „Eichenkundiger“ deutbar.Wolfgang Meid: Keltische Religion im Zeugnis der Sprache. In: Zeitschrift für celtische Philologie. Band 53, 2003, S. 20–40.

In der festlandskeltischen Tradition kommt das Wort nicht vor, nur bei griechischen und römischen Autoren wird es als Pluralform druídae bzw. druides genannt. Ein rekonstruiertes keltisches Wort wäre *druwids (Singular), ältere Form *do-are-wid-s („Voraussehender“, „Wahrsager“). Der erste Teil dru kann sowohl „Eiche“ bezeichnen als auch Eigenschaften wie „dicht, kräftig, viel“, also ein Verstärkungswort. Der zweite Teil geht auf die indogermanische Wurzel *weid- zurück und steht so mit dem griechischen eidon („ich erblickte/erkannte“), dem lateinischen video („ich sehe“) und letztlich auch dem deutschen wissen in einer Reihe. Ein Druide wäre demnach ein „besonders weit Sehender“ oder „besonders viel Wissender“.Peter Berresford Ellis: Die Druiden. S. 38. Nach Maximos von Tyros, einem griechischen Philosophen, sahen die Kelten in der Eiche ein Symbol des Himmelsgottes.Bernhard Maier: Kleines Lexikon der Namen und Wörter keltischen Ursprungs. S. 49.

Das neuirische draoi führt über das altirische druí direkt zu dru-wid-s. Die kymrische Bezeichnung derwydd wird auf die genannte ältere Form *do-are-wid-s zurückgeführt. Hierher gehören auch noch die altirischen Parallelbildungen druí („Druide“), suí („Gelehrter“) und duí („Ignorant“).

Funktion Nach Gaius Iulius Caesar waren die Druiden Angehörige der Adelsschicht, die sich dem Studium der Philosophie und Religion widmeten und in der keltischen Gesellschaft die Rolle des Priesterstandes innehatten. Neben den Vates waren sie für den Opferdienst zuständig und wie diese übten sie mantisches Brauchtum aus. Zusätzlich waren sie aber auch Intellektuelle und galten als Philosophen, Astrologen, Rechtsgelehrte, HeilkundigeMax Höfler: Volksmedizinische Botanik der Kelten. In: Sudhoffs Archiv 5, 1912, S. 1–5 und 241–279. und Magier.

Unklar ist ihre Kategorisierung als Ärzte (keltisch: Liaigis), die wohl nicht ohne Weiteres auf alle Angehörigen der Druidenklasse ausgedehnt werden kann (ebenso wie nicht jeder Heiler Angehöriger der Druiden war).

Neben ihren religiösen und kultischen Pflichten waren die Druiden auch politisch tätig und agierten als Ratgeber der Fürsten und als Unterhändler. Es stand ihnen zu, Frieden zu stiften sowie die höchsten Beamten wie den Vergobretus zu wählen oder ins Amt zu heben.

Lehren Laut Cäsar hingen die Druiden einer Lehre der Wiedergeburt an und waren der Meinung, dass die Kelten Nachfahren des Totengottes Dis Pater (welche gallische Gottheit Cäsar meint, ist bis heute umstritten) seien. Hippolyt von Rom und Clemens von Alexandria brachten die druidischen Lehren mit der Lehre des Pythagoras in Verbindung, wobei Hippolytus der Ansicht war, die Druiden seien von Pythagoras beeinflusst, während Clemens von Alexandria der Meinung war, vielmehr habe Pythagoras Lehren der Kelten übernommen.Peter Berresford Ellis: Die Druiden. S. 70. Generell wird eine Entwicklung der keltischen Religion aus wahrscheinlich animistischen Geisterwelt-Vorstellungen der Bronzezeit angenommen, wobei jedoch Lukian von Samosata auch einen keltischen Philosophen (wahrscheinlich einen Druiden) erwähnt, der fundierte Kenntnisse in griechischer und römischer Mythologie und Philosophie besaß, sodass mediterrane Einflüsse nicht auszuschließen sind. Laut Cäsar wurde die druidische Lehre in Britannien erfunden, was in der Vergangenheit häufig Spekulationen über mögliche Einflüsse vorindoeuropäischer Vorstellungen auf die keltische Religion auslöste. Laut Cäsar und Lucan brachten die Druiden ihren Göttern auch Menschenopfer dar.

Archäologischer Befund Archäologisch ist das Druidentum schwer nachzuweisen. Gräber von Druiden konnten nicht überzeugend festgestellt werden, obwohl hin und wieder besondere Grabbeigaben (zum Beispiel bei der „Prinzessin von Vix“ oder bestimmten britannischen Gräbern mit „Zeremonialkronen“) Spekulationen über Personen mit „priesterlicher Funktion“ auslösten. Der archäologische Befund scheint den klassischen Autoren auch teilweise zu widersprechen, wenn diese beispielsweise angeben, die keltische Religion sei ausschließlich in Heiligen Hainen ausgeübt worden und habe nur grob behauene Holzstelen als Pfahlgötzen gekannt, denn bereits aus vorrömischer Zeit konnten feste tempelartige Gebäude und Heiligtümer mit äußerst kunstvollen anthropomorphen Götterfiguren nachgewiesen werden. Ebenfalls Schwierigkeiten bereitet der Nachweis von Menschenopfern. Einzig der keltische Kopfkult konnte bisher einwandfrei nachgewiesen werden. Allerdings könnten Nage- und Messerspuren bei einigen Sonderbestattungen auf kultische Tötungen und eventuell sogar auf kultischen Kannibalismus hindeuten (obgleich dies umstritten bleibt, da auch postmortale Manipulationen bei Sonderbestattungen vorliegen könnten). Allerdings fand man keltisches Kultinventar wie Zeremonienstäbe oder Zepter, Klapperbleche und Masken, die vielleicht bei religiösen Festen oder Mysterienspielen Verwendung fanden, so dass man sicher eine priesterliche Schicht annehmen kann, auch wenn sich diese in den Grabbeigaben kaum vom normalen Adel unterscheiden lässtMiranda J. Green: Die Druiden. S. 55 ff..

1977 wurde in Gournay-sur-Aronde, einem kleinen Dorf rund 75 Kilometer nördlich von Paris, auf einem Hügel ein keltisches Heiligtum entdeckt. Der hölzerne Tempel mit quadratischem Grundriss, dessen Eingang einen monumentalen, mit menschlichen Schädeln geschmückten und auf sechs Pfeilern ruhenden Portalvorbau besaß, stammt wohl aus dem 2. Jh. v. Chr.; der Mittelpunkt des Heiligtums, eine ovale Opfergrube von drei Metern Länge und zwei Metern Tiefe, wurde schon im 3. Jh. v. Chr. genutzt.Bernhard Maier: Druiden: Mistelzweig und Menschenopfer – 3. Teil: Rinderopfer und Schädelkult Spiegel Online, 28. November 2010, abgerufen am 25. Mai 2015 Eine kleine quadratische Grube mit Tongefäßen lässt vermuten, dass der Ort bereits im 4. Jh. v. Chr. als keltischer Kultplatz diente. Ein anderes keltisches Heiligtum, das Heiligtum von Ribemont-sur-Ancre, entdeckten die Archäologen weitere 50 Kilometer nordöstlich an einem Abhang in der Nähe des Flusses Ancre. Es stammt ebenfalls aus dem 3. bis 2. Jh. v. Chr. Die 40 mal 40 Meter große Anlage ist umgeben von einer drei Meter hohen Palisade und einem ebenso tiefen Graben. Sie besitzt ein monumentales Eingangstor, das mit Menschenschädeln geziert war. In der näheren Umgebung wurden über 10.000 menschliche Knochen und mehrere hundert Waffen gefunden, aber kein einziger Schädel.

Druiden in der keltischen Frühgeschichte miniatur|Zwei Druiden aus einer Veröffentlichung von 1845. Nach einem Relief, das in Autun gefunden wurde Von den Druiden selbst ist uns mit Ausnahme von wenigen Weiheschriften und Steintafeln mit religiösem Inhalt sowie dem Kalender von Coligny nichts überliefert. Der Grund hierfür wird zumeist in dem von Gaius Iulius Caesar berichteten Schriftverbot für die Inhalte ihres Glaubens gesehen.

Caesars Beschreibungen im sechsten Buch seines Werks De bello Gallico gehören zu den ältesten, überlieferten Berichten über Druiden.Bernhard Maier: Die Kelten, Tübingen 2015, S. 126. Dieser Text weist Parallelen zu einer Darstellung des Poseidonios (135–51 v. Chr.) auf, der ein hellenistisch idealisiertes Bild der Druiden als Philosophen malt. Andererseits berichten antike Autoren davon, dass Druiden Menschenopfer durchführten, in denen Menschen durch einen Dolchstich oberhalb des Zwerchfells getötet wurden, um aus ihren Todeszuckungen die Zukunft vorherzusagen (Diodor: Bibliotheca historica, 5, 31; Strabon: Geographika, 4, 4, 5), und Menschen in Weidegeflechten, die Abbilder von Göttern darstellten, als Brandopfer dargebracht wurden (Caesar, De bello Gallico, 6, 16). Teilweise wurden diese Berichte als antikeltische „Kriegspropaganda“ gewertet. Inzwischen konnten Archäologen Überreste gewaltiger Opferfeuer, verbrannter Menschenknochen und auch Artefakte zur Opferschau nachweisen, sodass diese Berichte wohl zumindest teilweise bestätigt sind. Allerdings bereitet der eindeutige archäologische Nachweis von Menschenopfern immer noch große Schwierigkeiten; immerhin könnte es sich auch um Brandbestattungen und um Instrumente zur Leberschau bei Opfertieren handeln.

Eine nähere Untersuchung der Quellen legt nahe, dass sowohl Julius Caesar als auch Cicero sich der Darstellungen von Poseidonios bedienten. Betrachtet man die Umstände bzw. Absichten, die Cäsar mit seinen Berichten verfolgte, nämlich unter anderem die Rechtfertigung des Gallischen Krieges, so ist es nicht verwunderlich, dass seine Schilderungen teilweise recht einseitig sind.

Darüber hinaus schildert Cäsar in seinen Berichten Details der gallischen Gesellschaft, die er als Feldherr gar nicht beobachtet haben kann. Diese Einzelheiten und die teilweise frappierende inhaltliche Übereinstimmung mit den Texten des Poseidonios in manchen Passagen lassen den Schluss zu, dass fast alle der von ihm wiedergegebenen Informationen eine Zusammenfassung entsprechender Passagen aus dem 23. Band des Geschichtswerks des Poseidonios stammen, das dieser als Fortsetzung des Werkes von Polybios erstellt hatte. Leider ist von diesem Werk wenig erhalten, somit existiert keine vollständige direkte Quelle, die von der Blütezeit der Druiden in Gallien (2.–3. Jh. v. Chr.) berichtet.