mini|Kornkreis in einem Weizenfeld mini|Historische Kornkreisdarstellung (Mowing-Devil) aus dem Jahr 1678 mini|Struktur des Barbury Castle bicycle, vom 17. Juli 1991
Kornkreise sind Bereiche eines Getreidefeldes, in denen die Kornhalme in einer regelmäßigen Weise umgeknickt, gebogen oder abgemäht worden sind. Die dadurch verursachten Ernteausfälle führen bei betroffenen Landwirten zu massiven wirtschaftlichen Schäden.
Geschichte, Verbreitung, Erforschung Erste Schriftstücke, die auf Kornkreise hinweisen könnten, tauchten in Frankreich auf. Der Lothringer Schöffe und spätere Procureur Général Nicolas Remy beschreibt in seinem Buch Dæmonolatria einen Prozess, in dem einer Gruppe Männer und Frauen zur Last gelegt wird, am 24. Juli 1590 in einem Kreistanz bockshufige Wesen angerufen zu haben. Der Kornkreis wurde vom Richter mit Zeugen besichtigt. Wesentlich bekannter ist die britische Flugschrift von 1678 mit dem Titel The Mowing Devil, welche die Kreise als Werk eines mähenden Teufels betrachtet.The Mowing Devil. In: WB Gerish, Hertfordshire Folk Lore '1913/1970, S. 5. Noch im 20. Jahrhundert wurden in Südengland Kornkreise von Bauern als „Devils Twist“ bezeichnet; deutschstämmige Amische nennen sie noch „Hexendanz“ und „Deiwelskreis“. Über ihre Form kann in beiden genannten Fällen mangels Detailinformationen nichts gesagt werden. In vielen Sagen und Märchen wird auch von Feen- und ElfenringenJacob und Wilhelm Grimm: Irische Elfenmärchen. Leipzig 1826. Kapitel 9. erzählt, die von tanzenden Märchengestalten herrühren sollen. Im The Natural History of StaffordShire beschreibt 1686 Robert Plot merkwürdige Kreise im Gras als „Feenringe“.
1880 berichtete das naturwissenschaftliche Magazin NatureJ. Rand Capron: Storm Effects (Brief), Nature, Band 22, Nr. 561, 29. Juli 1880, S. 290–291. über Kornkreise in einem Feld der Grafschaft Surrey. Auch in Deutschland sind derartige Phänomene spätestens seit dem 19. Jahrhundert bekannt.Henssen, Gottfried In: Sagen, Märchen und Schwänke des Jülicher Landes 1955, S. 55.
Das vermutlich erste Foto eines Kornkreises entstand 1932 und wurde 1937 von Cecil Curwen dem Artikel Crop-Marks on Stoughton Down der archäologischen Zeitung Sussex Notes and Querries beigefügt. Auf ihr ist nur ein Kreis am Bow Hill bei Chichester zu erkennen, der Autor berichtet aber von einer Formation aus vier Kreisen, deren innerer Teil allein etwa 36 Meter groß gewesen sein soll.
Im Januar 1966 behauptete ein Farmer der australischen Kleinstadt Tully, er habe über einem Sumpfgebiet ein UFO gesichtet. Als dort eine kreisrunde Fläche mit ca. 9 Metern Durchmesser entdeckt wurde, auf der das Schilf im Uhrzeigersinn flach am Boden lag, löste dies eine intensive mediale Berichterstattung über das „Tully Saucer Nest“ und dessen mögliche Ursachen aus. Angeregt durch Zeitungsberichte über diese Ereignisse, schufen die beiden Künstler Doug Bower und Dave Chorley im Juli 1978 in Südengland erste Kornkreise.Vgl.: Sabine Doering-Manteuffel: Das Okkulte: Eine Erfolgsgeschichte im Schatten der Aufklärung, München, Siedler, 2008, S. 229 ff.
Besonders häufig wurden sie Ende der 1980er Jahre gemeldet, nachdem zunehmend in den Medien darüber berichtet worden war. Zeitweilig wurden zwischen 150 und 300 Kornkreise jährlich gemeldet, meist aus Südengland. Hier traten 2004 etwa ein Drittel aller bekannt gewordenen Fälle von Kornkreisen auf. In Deutschland waren es 2003 etwa ein Viertel der Fälle. Hier kommen Kornkreise vor allem in Nordvorpommern (um Stralsund und auf Rügen), in Nordhessen, der Region von Sinsheim und in Schleswig-Holstein vor. Zunehmend wird aber auch aus anderen Ländern und Kontinenten von solchen Phänomenen berichtet, wenn auch deutlich seltener. Bisher wurden über 6000 unterschiedliche Kornkreise in über 50 Ländern rund um den Globus dokumentiert.
Dabei wurden die Formen Anfang der 1990er Jahre immer größer und komplexer. Diese Entwicklung kann an dem oft „bicycle“ (englisch Fahrrad) genannten Muster festgemacht werden, das am 17. Juli 1991 bei Barbury Castle gefunden wurde und mit seinen Dreiecken, sägeblatt- und fotoblendenartigen Mustern erstmals mehr als Kreise und Linien enthielt. Der mit 756 m längste wurde am 26. Juli 1996 in Ashbury entdeckt. Er ähnelt vom Typ dem vom 11. Juli 1990 in Alton Barnes, der als Cover des Best-Of-Albums von Led Zeppelin einer der bekanntesten Kornkreise wurde. Die bisher flächengrößte festgestellte Formation wurde im August 2001 in einem Weizenfeld am Milk Hill in Wiltshire (Südengland) aufgefunden. Sie hatte einen Durchmesser von 240 Metern und bestand aus 409 Teilkreisen. Aus der Luft betrachtet, ergaben sie das geometrische Gesamtmuster einer sechsstrahligen Wirbelform.
2002 erschien der Film Signs (von M. Night Shyamalan mit Mel Gibson), er stellt die Kornkreise als Zeichen von Außerirdischen dar und zeigte Abwandlungen der Muster von 1990 vom Typ „Alton Barnes“.
mini|Umgeknicktes Getreide eines Kornkreises in der Schweiz. Oft wird das Getreide bis auf den Boden gepresst.
Wirtschaftliche Folgen
Für Kornkreise werden Getreidefelder teilweise zerstört. Der Guardian berechnete 2022, dass zwischen 2018 und 2022 – also nicht ansatzweise zur Hochzeit der Getreidekreise – 92 Getreidekreise die britischen Landwirte ca. 30.000 Pfund (am Datum der Veröffentlichung ca. 33.595 Euro) gekostet haben. Betroffen sei eine Fläche von über 40 Fußballfeldern gewesen. Aus den zerstörten Weizen- und Gerstenpflanzen hätten etwa 300.000 Laibe Brot und aus den zerstörten Rapspflanzen 600 Liter Öl gewonnen werden können. Zwar würden die Verursacher der Kornkreise die Ähren in der Regel nicht direkt zerstören. Allerdings würden sie die Pflanzen so flachdrücken, dass sie nicht geerntet werden könnten, denn übliche Maschinen arbeiten aus Sicherheitsgründen mit einem Mindestabstand von 15 cm über dem Boden, um nicht Erdboden oder Steine aufzulesen. Die Felder wurden oft noch durch Zertrampeln von Schaulustigen weiter zerstört. Zu den Ernteausfällen kamen z. T. noch Kosten für die Aufbereitung der Flächen für eine neue Saat.Matthew Tayler (24. September 2022): Curse of the crop circle: cost to farms totals £30,000 since 2018. The Guardian
Geschädigte Landwirte bleiben nach der Untersuchung des Guardian in der Regel auf ihren Kosten sitzen. Die Selbstbeteiligungen bei Versicherungen seien oft zu hoch, als dass eine Schadensmeldung sich lohne. Viele meldeten die Schäden nicht einmal mehr der Polizei, weil sie sich dort nicht ernst genommen fühlten. Die geschädigten Flächen seien regional stark unterschiedlich verteilt, mit 63 % der Flächen zwischen 2018 und 2022 in Wiltshire und 27 % in Hampshire.
Formen
mini|Figur, bestehend aus vielen Einzelkreisen mini|Kornkreis bei Diessenhofen am 15. Juli 2008
Die aus Kornkreisen gebildeten Kreise oder komplexeren Geoglyphen sind oft nur von erhöhter Stelle oder aus der Luft erkennbar.
Formen und Anordnungen der sogenannten „historischen Kreise“ sind nicht näher bekannt, da von ihnen keine Abbildungen existieren. Nature beschrieb 1880 „[…] ein Feld voller Kreise“. Ob dieses Kreisfeld aber geometrisch oder unregelmäßig angeordnet war, ist unbekannt.
Kornkreise treten nicht nur in Getreidefeldern auf: Sie wurden schon in fast jeder Art von Vegetation entdeckt. Besonders seit den 1990er Jahren nehmen Kornkreise in Anzahl, Größe, Form und Detailreichtum zu. Sie haben meist einen Durchmesser zwischen 10 und 100 Metern. Dokumentiert sind polygonale, elliptische, verflochtene, spiralförmige und fraktale Formelemente, die sich teilweise auch mit unregelmäßigen Formationen verbinden. Es existieren aber auch symbolhafte Kornkreise wie das Firefox-Logo.firefoxcropcircle.com
Einige dieser Bodenbilder könnten auf astronomische, physikalische und mathematische Sachverhalte hinweisen, da die in ihnen angeordneten Grundformen unterschiedlicher Größen und Abstände wiederholt sowohl ganzzahlige als auch irrationale Zahlenverhältnisse darstellen, etwa den goldenen Schnitt.
Darüber hinaus wurden Kornkreise untersucht, die überhaupt keine geometrisch regelmäßige Form besitzen, sondern Ähnlichkeiten mit überlieferten Formen haben, wie Höhlenmalereien, indianischen Piktogrammen oder mystisch-magischen Symbolen wie dem kabbalistischen Lebensbaum.
Wissenschaftliche Erklärungsversuche Eine erste Theorie zum Thema stellte Robert Plot im 17. Jahrhundert auf. Er glaubte an herabstürzende Luftwirbel als Ursache der frühen einfachen Kornkreise, die ihm beschrieben worden waren.In: Plott, Robert, A Natural History of Staffordshire. Oxford 1686 Möglicherweise waren kleine, stabile Wirbelstürme dafür verantwortlich. Die Vielzahl der Erklärungsansätze ist mit der Fülle der Kornkreisformen gewachsen. Manche der aufgestellten Theorien sollen alle beobachteten Kreise erklären, andere nur einen Teil von ihnen. Einige wurden von Wissenschaftlern als mögliche Erklärungen erwogen.
Künstliche Entstehung Es gibt keine Beobachtung einer natürlichen Entstehung von Kornkreisen; die einzig derzeit nachgewiesene Form ist die durch Menschenhand. Eine bekannte Herstellungsmethode ist, mit Hilfe eines in den Mittelpunkt gesteckten Stocks und eines Seils einen Kreis zu erzeugen, indem mit dem straff gespannten Seil in der Hand Kreise gelaufen und Halme umgetreten werden. Einen eindeutigen Hinweis darauf geben die im Getreidefeld bereits vorher vorhandenen Traktorspuren, die bei fast allen Kornkreisen durch das Zentrum verlaufen und als Zugang zum Ausgangspunkt genutzt werden, ohne dass Getreide an ungewollten Stellen umgeknickt wird. Eine einzelne Person läuft ausgehend vom Mittelpunkt im Kreis und gibt nach und nach Seil frei, bis der gewünschte Radius erreicht ist. Bei Beteiligung mehrerer Personen geht das schneller, ebenso bei der Verwendung von Holzwalzen (Baumstämmen), die gerollt werden und auch andere, nichtkonzentrische Formen erzeugen können.Circlemaker make formation for News of the World, Youtube, abgerufen am 1. September 2014
Bei komplexen Formen werden oft Kombinationen verschiedener Verfahren verwendet. Der Aufwand ist relativ hoch und bedarf einer genauen Koordination und ausgefeilter Techniken, die die Helfer vorher mittels Skizzen durchplanen müssen. Soll das Anfertigen des Kornkreises heimlich geschehen (z. B. nachts), werden mehr Helfer benötigt, da nur eine begrenzte Zahl an Stunden verfügbar ist und keine halbfertigen Kreise entstehen sollen. Sind die Helfer geübt oder trainiert, ist es mit Hilfe von Zirkel-, pantographischen oder spirographischen Techniken möglich, sehr komplexe Formen zu erzeugen.Circlemakers timelapse crop circle, Youtube, abgerufen am 1. September 2014 In vielen Fällen wurde nach Aufdeckung der Arbeit bekannt, dass Standorte der Kreise genau geplant wurden (Autobahnabfahrten, gut einsehbare Talsenken), um Schaulustige anzulocken. Menschlich erdachte Konzepte, wie die stereotypische Morphologie von Außerirdischen oder religiöse Symbole (z. B. Yin und Yang), werden dabei bewusst gewählt, um auf einen übernatürlichen Zusammenhang hinzudeuten und somit einen höheren Grad an Aufmerksamkeit zu erreichen. Mitunter wurden handelsübliche Halbedelsteine oder glänzende Steinkohlesplitter auf den Kornkreisen verteilt, um die Schaulustigen zum Suchen und längeren Verweilen anzuregen. Von manchen Arbeiten wurde bekannt, dass sie mit den Besitzern der Felder abgesprochen waren. Das abgesprochene Anfertigen von Kornkreisen, die Vermarktung sowie das Behaupten, der Kreis sei „echt“, ist in Deutschland nicht strafbar.