mini|Evin-Gefängnis (2008) Das Evin-Gefängnis () ist das bekannteste und berüchtigtste iranische Gefängnis. Es liegt am nördlichen Stadtrand von Teheran und entstand 1971 durch den Umbau des ehemaligen Domizils von Seyyed Zia’eddin Tabatabai. Ursprünglich für 320 Insassen ausgelegt, waren dort während der Schah-Zeit bis zu 1500 Menschen inhaftiert und seit dem Beginn der Islamischen Revolution 1979 bis zu 15.000 Menschen. Nach Angaben der Gefängnisleitung waren im Jahre 2006 insgesamt 2575 Männer und 375 Frauen in Haft.bbc.co.uk vom 14. Juni 2006 Inside Iran’s most notorious jail Das Gefängnis ist für die InhaftierungFariba Amini, 4. September 2009: (deutsch: Ein Ort namens Evin) und Hinrichtung politischer Gefangener Irans berüchtigt.

Schah-Zeit Während der Regierungszeit von Schah Mohammad Reza Pahlavi waren es unter anderem Kleriker der heutigen Staatsregierung, Anführer der Volksmudschahedin, der Fedajin-e Islam und der Tudeh-Partei, die im Evin-Gefängnis, dem Zentralgefängnis des SAVAK, inhaftiert waren. Bekannte Häftlinge waren u. a. Hossein Ali Montazeri, Mahmud Taleghani, Ali Chamene’i, Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, Mohammad Ali Dschafari,www.handelsblatt.com. Khosrow Golsorkhi und Massoud Rajavi.

Islamisches Regime Nach der Islamischen Revolution zählten Regimegegner, Kritiker, Schriftsteller, Chefredakteure und abgesetzte Minister zu den Inhaftierten. Vor der iranischen Präsidentschaftswahl 2001 las sich die Liste der Insassen „wie das Who’s Who“ Irans.Katajun Amirpur: Die Willkür hat Methode. In: Die Zeit, 31. Mai 2001.

Bekannte Häftlinge Bekannte Häftlinge waren oder sind: Fariba Adelkhah (* 1959, französisch-iranische Anthropologin) Mohammed Ali Abtahi (* 1958, Geistlicher und 1997 bis 2004 Vizepräsident Irans) Shiva Nazar Ahari (* 1984, Menschenrechtsaktivistin und Journalistin) Ahmad Batebi (* 1977, Menschenrechtsaktivist) Maziar Bahari (* 1967, Journalist), wurde während der Proteste nach der iranischen Präsidentschaftswahl 2009 118 Tage festgehalten Niloufar Bayani (* 1986, Biologin) Hossein Kazemeyni Borudscherdi (* 1957, Geistlicher und Autor) Robert Bruchim (* 1987, deutsch-iranischer Dokumentarfilmer und Syndikalist) Hossein Derakhshan (* 1975, Blogger und Aktivist) Schirin Ebadi (* 1947, Juristin) Said Emami (* 1959, † 1999 im Evin-Gefängnis) Hassan Yussefi Eshkevari (* 1949, Geistlicher und Philosoph) Nargess Eskandari-Grünberg (* 1965, Frankfurter Bürgermeisterin)Protestierende beenden Hungerstreik vor iranischem Generalkonsulat. Kamran Ghaderi (* 1964, iranisch-österreichischer Geschäftsmann) Akbar Gandschī (* 1960, Journalist und Schriftsteller)BBC vom 18. März 2006: Iranian dissident freed from jail Faezeh Haschemi (* 1962, Politikerin) Ramin Jahanbegloo (* 1956, Philosoph) Mohsen Kadivar (* 1959, Geistlicher)www.hrw.org (englisch) Donald Klein († 2013, deutscher Steinmetz) Narges Mohammadi (* 1972, Menschenrechtsaktivistin, Friedensnobelpreisträgerin 2023) Kylie Moore-Gilbert (* 1986/1987, Islamwissenschaftlerin) Andreas Moser (* 1975, deutscher Rechtsanwalt, wurde während der Proteste nach der iranischen Präsidentschaftswahl 2009 im Evin-Gefängnis festgehalten) Marina Nemat (* 1965, Autorin) Jafar Panahi (* 1960, Filmregisseur) Hossein Rajabian (* 1984, Filmemacher und Autor) Shahrnush Parsipur (1946–2026, Autorin) Clotilde Reiss (* 1985, Französin, saß 2010 46 Tage im Evin-Gefängnis)Clotilde Reiss. Ses 47 jours à la prison d’Evin Roxana Saberi (* 1977, Journalistin) Mansoureh Shojaee (* 1958, Frauenrechtsaktivistin, Journalistin) Abdolfattah Soltani (* 1953, Rechtsanwalt) Nasrin Sotudeh (* 1963, Rechtsanwältin)Sie wurde wegen ihres Einsatzes für die Rechte von Frauen zu 33 Jahren Gefängnis und 148 Peitschenhieben verurteilt. Nahid Taghavi (* 1954, deutsch-iranische Gefangene) Nasser Zarafshan (* 1946, Rechtsanwalt)

Folter Das Gefängnis darf von außen und innen nicht fotografiert werden; Aufnahmen sind daher selten. Die Fotografin Zahra Kazemi wurde 2003 wegen Aufnahmen vor diesem Gefängnis zu Tode gefoltert.Tod in der Folterzelle. In: Die Zeit, 31. Mai 2005. Marina Nemat saß über zwei Jahre im Evin-Gefängnis. Sie beschrieb ihre Erlebnisse in einer Biographie, die 2006 auf Englisch und später auch in anderen Sprachen erschien.Marina Nemat: Ich bitte nicht um mein Leben. Aus dem Amerikanischen von Holger Fock und Sabine Müller. Weltbild Verlag, Augsburg 2007. Titel des Originals: Prisoner of Tehran: A Memoir. ISBN Von ihren Zellengenossinnen im Trakt 246 soll keine die Haftzeit überlebt haben. Während der Haftzeit von Nemat war nach ihren Angaben der Trakt, der in Schah-Zeiten mit 50 Personen belegt war, mit 650 Frauen belegt.faz.net vom 30. Juli 2007: Ich war die Gefangene von Teheran

Für seine Einzelzellen mit der Grundfläche 1 × 2 msüddeutsche.de vom 1. Dezember 2010 Mit Glück: Gefängnis berüchtigt ist der Trakt 209, der dem Geheimdienst untersteht und in dem politische Gefangene („Staatsfeinde“) inhaftiert sind. Folter und sexueller Missbrauch (u. a. harte Gegenstände in das Rektum oder in die Vagina schieben), um die Gefangenen zu Geständnissen zu zwingen, ist im Evin-Gefängnis eine gängige Praxis."Sie müssen verstehen, sie fürchten sich sehr – Abolfazl Eslami im Gespräch über die iranische Außenpolitik", Jungle World Nr. 6, 10. Februar 2011 „Gefangene wurden monatelang in kleine Särge mit den Maßen 50 × 80 × 140 cm gesteckt. 1984 waren 30 Gefangene in solchen Särgen. Manche wurden verrückt,“ so Abbas Amir-Entezam, 1979 stellvertretender Premierminister unter Mehdi Bazargan und 27 Jahre im Evin-Gefängnis inhaftiert.siehe auch Ervand Abrahamian: Tortured Confessions: Prisons and Public Recantations in Modern Iran, University of California Press 1999, S. 140.

Roxana Saberi beschreibt darüber hinaus die Weiße Folter, eine Kombination aus Manipulation, Einschüchterung, Isolation […], die zu falschen Geständnissen oder Verleumdung von Freunden und Kollegen führt.heise.de vom 17. April 2011 Ein Gespräch mit der Journalistin Roxana Saberi, die 2009 im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis einsaß „Viele Gefangene verschweigen gegenüber dem Gefängnisarzt die Wahrheit über ihren Gesundheitszustand. Sie haben Angst davor, dass die genannten Krankheiten oder verwendeten Medikamente als Ursache ihres ungewollten Todes im Gefängnis erklärt werden könnten,“ so Mehdi Khazali, Sohn des Ajatollah Abolghassem Khazali.transparency-for-iran.org vom 31. März 2011 Sicherheitsabteilung 209 → siehe Said Emami

Hinrichtungen Die Massenhinrichtung politischer Gefangener in Iran von 1988 hatte ihren Ausgangspunkt im Evin-Gefängnis.alischiarsi.de Das Gefängnismassaker vom September 1988 Hinrichtungen nach Verurteilungen werden vor Ort durchgeführt, überwiegend durch HängenSina unter dem Galgen – berlinonline.de vom 20. März 2007 Sina unter dem Galgen, so u. a. bei Abdolmalek Rigi.

Das Gefängnis ist nicht ausschließlich mit politischen Häftlingen belegt, konventionelle Straftäter sind in einem anderen Teil des Gebäudes inhaftiert.Ihr habt Waffen aber wir haben Handys. In: Die Welt, 15. Juni 2010.

Europäische Sanktionen Der jetzige (2011) Generalsekretär der Teheraner Gefängnisverwaltung Farajollah Sedaqat, der bis Oktober 2010 das Evin-Gefängnis leitete, steht neben dem Leiter der Evin-Abteilung 350, Mostafa Bozorgnia, seit dem 12. April 2010 auf Europäischen Sanktionslisten. Sedaqat wird für Folter, Bedrohung und Unterdrucksetzung zahlreicher Inhaftierter in Evin verantwortlich gemacht.Europäische Union: , Seite L 100/9 Der Leiter der Iranischen Gefängnisverwaltung, Mohammad-Ali Zanjirei, steht ebenfalls auf Sanktionslisten; ihm wird die Überführung von zahlreichen Häftlingen in Einzelhaft vorgeworfen.

Proteste 2009 gab es vor dem Gefängnis Kundgebungen von Angehörigen der Inhaftierten der Proteste nach der iranischen Präsidentschaftswahl 2009. 2010 fanden diese in täglichem Rhythmus statt; jeden Abend von 17 bis 23 Uhr wurde die Freilassung der Gefangenen gefordert und deren Folterung beklagt.Iran News, abgerufen am 26. Februar 2010.

Veröffentlichung von Überwachungsvideos Im August 2021 wurden Überwachungsvideos aus dem Gefängnis von 2020 und 2021 veröffentlicht. Die Veröffentlichungen zeigen unter anderem Misshandlungen von Gefangenen. Der Leiter des iranischen Gefängnissystems, Mohammad Mehdi Haj Mohammadi, akzeptiert die Verantwortung für dieses „inakzeptable Verhalten“.

Brand infolge von Protesten Am 15. Oktober 2022, während der Herbstproteste in Iran kam es zu einem Brand. Dabei starben acht Insassen und 61 Insassen wurden verletzt.

Israelischer Luftangriff Während des israelisch-iranischen Krieges wurde das Gefängnis am 23. Juni 2025 von den israelischen Streitkräften beschossen. Iran meldete, dass dabei mindestens 71 Menschen getötet wurden.

Die New York Times berichtete, dass etwa 100 Transgender-Häftlinge vermisst würden und vermutlich tot seien, nachdem ihr Teil des Gefängnisses zerstört wurde. Nach Angaben der tageszeitung (taz) bestreitet jedoch der von der New York Times in ihrem Bericht als einzige Quelle angegebene iranische Anwalt Reza Shafakhah vehement, dass eine solche Anzahl Transgender-Häftlinge vermisst werde und er dies behauptet habe. Auch zeigten laut taz Luftbilder, dass nur das Portal und das Verwaltungsgebäude des Gefängnisses beschädigt worden seien.

Nach dem Angriff beschrieben die Insassen eine gewaltsame Evakuierung. Sie wurden in das Großraumgefängnis von Teheran und das Frauengefängnis von Qarchak verlegt, die Berichten zufolge überfüllt und unhygienisch waren und in denen es an Lebensmitteln und sauberem Wasser mangelte. Darüber hinaus berichteten die Gefangenen, dass ihnen eine medizinische Behandlung und der Zugang zu lebenswichtigen verschreibungspflichtigen Medikamenten verweigert wurde.

Siehe auch Kahrisak Vakilabad-Gefängnis

Literatur Sachbuch Marina Nemat: Prisoner of Tehran. The End of Childhood in Iran. Hodder and Stoughton, London 2007, ISBN 978-0-7195-6250-1. Roman Ava Farmehri: Through the Sad Wood Our Corpses Will Hang (= Essential Prose Book. Band 134). Guernica, Oakville 2017, ISBN 978-1-77183-156-7. Übers. Sonja Finck: Im düstern Wald werden unsere Leiber hängen. Nautilus, Hamburg 2020.

Film Die Schauspielerin Maryam Zaree kam 1983 im Evin-Gefängnis zur Welt. Ihre Eltern waren beide dort inhaftiert; sie sprachen nach ihrer Freilassung nie über diese Zeit. Maryam Zaree veröffentlichte 2019 den Dokumentarfilm Born in Evin. Außerdem erschien 2026 der von Regisseurin Mahnaz Mohammadi autobiografisch beeinflusste Spielfilm Roya mit dem Evin-Gefängnis als Schauplatz der Handlung, erzählt aus der Ich-Perspektive einer Strafgefangenen.

Weblinks iranian.com vom 26. September 2002 Zeichnungen von Soudabeh Ardavan

Einzelnachweise

Kategorie:Gefängnis (Iran) Kategorie:Bauwerk in Teheran Kategorie:Hinrichtungsstätte Kategorie:Erbaut in den 1970er Jahren