mini|Im Ort Oettersdorf ist eine Gemeinde im thüringischen Saale-Orla-Kreis. Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Seenplatte.

Geografie Die Flächen der Gemarkung Oettersdorf grenzen jetzt an den nordwestlichen Stadtrand von Schleiz. Sie liegen an einem leichten Hang und auf einem erhöhten Plateau des Südostthüringer Schiefergebirges. Diese Böden besitzen einen hohen Feinerdeanteil und einen hohen Humusgehalt. Unter den Klimabedingungen sind sie eine gute Voraussetzung für hohe Erträge.Manfred Graf: Organisation der kooperativen Pflanzenproduktion bei hohem Grünlandanteil im Südostthüringer Schiefergebirge. Dargestellt an der KOG „Lobenstein“. 1970, (Jena, Universität, Dissertation, 1970; maschinschriftlich).

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn) Löhma, die Stadt Schleiz, Görkwitz und Pörmitz.

Geschichte Die Erwähnung des Ortsnamens Otthensdorph in einer Urkunde vom 24. Juni 1302 nahm die Gemeinde zum Anlass der 700-Jahr-Feier im Jahre 2002, allerdings ist fraglich, ob es sich bei dem erwähnten Dorf tatsächlich um das heutige Oettersdorf handelte. Neuere Sichtungen ergaben den ersten urkundlichen Nachweis für den 24. September 1291.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 215.

Im Jahre 1525, im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) und im Jahre 1806 gab es große kriegsbedingte Zerstörungen des Ortes. Im Jahre 1882 wurden 708 Einwohner gezählt. Am 2. Juli 1945 wurde Oettersdorf von den sowjetischen Truppen besetzt, einige Bürger wurden deportiert. Die Vertriebenen erhöhten in den Jahren 1945 bis 1946 die Einwohnerzahl von ca. 750 auf über 1.000.

1923 bewirtschaftete der Pächter Paul Dönitz die Domäne mit 171 ha Betriebsfläche vom Reuß jüngerer Linie. Sie wurde im Rahmen der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone ab 1945 enteignet. Landarme Bauern und Umsiedler erhielten den Grund und Boden und das Inventar.Jürgen Gruhle: Schwarzbuch der Bodenreform-Thüringen. Abgerufen aus dem Internet am 16. Juni 2011. Später wurde eine Maschinen und Traktoren Station eingerichtet.

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (jeweils 31. Dezember): 1994: 908 1995: 889 1996: 907 1997: 936 1998: 940 1999: 936 2000: 934 2001: 919 2002: 915 2003: 896 2004: 903 2005: 876 2006: 868 2007: 866 2008: 869 2009: 865 2010: 850 2011: 840 2012: 819 2013: 831 2014: 828 2015: 856 2016: 872 2017: 861 2018: 862 2019: 843 2020: 849 2021: 820 2022: 797 2023: 793 2024: 800 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Wirtschaft und Infrastruktur Größter Arbeitgeber ist die HBS Elektrobau GmbH mit ca. 500 Mitarbeitern. Weitere Unternehmen haben sich sowohl direkt im Ortskern als auch im Gewerbegebiet nördlich des Dorfs angesiedelt.

Infolge der Umgestaltung der Landwirtschaft fanden die Bauern nach der Wende neue Wege. Drei Wiedereinrichter und die Landwirtschaftliche AG bewirtschaften den Boden. In der Landwirtschaftlichen AG werden etwa 1300 Milchkühe gehalten, die zusammen eine Leistung von 12 Mio. Liter Milch pro Jahr erreichen. Des Weiteren betreibt die AG eine Biogasanlage mit einer Leistung von 570 kWh Strom. Das Biogas wird aus der Rindergülle der Milchviehanlage sowie Mist und etwas Maisabraum gewonnen.

Die landwirtschaftlich geprägte Gemeinde liegt nahe der Bundesautobahn 9.

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Kirchen Laurentiuskirche Martinskirche

Regelmäßige Veranstaltungen Seit 1992 findet jährlich im Juli das Oettersdorfer Open Air Festival statt.

mini|Erinnerungstafel an Paul Dietrich und Alfred Lichtenstein

Besonderes Der Sattlermeister Paul Dietrich beherbergte von Mai 1944 bis Mai 1945 seinen Kriegskameraden, den jüdischen Schneidermeister Alfred Lichtenstein aus Apolda, als dieser sich zur Deportation in ein Vernichtungslager einfinden sollte. Unter Lebensgefahr versteckte er ihn. 2001 wurde er dafür von der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem posthum mit dem Titel Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet.Paul Dietrich in der Datenbank von Yad Vashem

Persönlichkeiten Erdmann Ehrhardt (1811–1884), deutscher Gutsbesitzer und Politiker, ab 1848 Bürgermeister in Oettersdorf Oskar Döpel (1859–1947), deutscher Gutsbesitzer und Politiker, Bürgermeister in Oettersdorf

Weblinks

Oettersdorf (mit ausführlicher Zeittafel) Gemeinde Oettersdorf bei der Verwaltungsgemeinschaft Seenplatte

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Saale-Orla-Kreis Kategorie:Ersterwähnung 1291