mini|hochkant=1.2|Forstarbeiter im Allgäuer Wald mini|start=12:33|Video des Landschaftsverbandes Rheinland: Forstwirtschaft und Ausbildung zum Forstwirt, 2018 mini|hochkant|Forstarbeiten in Österreich

Die Forstwirtschaft ist ein zur Urproduktion gehörender Wirtschaftssektor, der das planmäßige wirtschaftliche Handeln des Menschen im Wald zum Ziel hat.

Allgemeines Die Volkswirtschaftslehre und Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zählen neben der Forstwirtschaft auch den Bergbau, die Fischerei und die Landwirtschaft zur Urproduktion. Ziele der ökonomischen Handlungen im Wald sind heute neben der Rohstofferzeugung – vor allem von Holz – auch das Erbringen immaterieller Leistungen wie der Waldschutz, insbesondere als Schutz- und Erholungsraum.

Während unter Waldwirtschaft auch extraktive Nutzungsformen wie das Brennholz-Sammeln und Kahlschlag ohne Aufforstung (vorwiegend in Drittweltländern sowie in borealen Nadelwäldern und Regenwäldern) zu verstehen ist,Ute Siebert: Heilige Wälder und Naturschutz. 2004, S. 58 f. wird heute der Begriff Forstwirtschaft zumeist gebraucht, um nachhaltige Formen der Waldwirtschaft in kontrollierten Forsten zu bezeichnen. Der Begriff der Nachhaltigkeit tauchte Anfang des 18. Jahrhunderts in der Forstwirtschaft unter der Zielsetzung auf, ökonomische Erwägungen mit der Natur in Einklang zu bringen.Armin Grunwald/Jürgen Kopfmüller, Nachhaltigkeit, 2006, S. 14 Der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz hat 1713 in seinem Buch Sylvicultura oeconomica als Erster den Begriff der Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit der Forstwirtschaft geprägt. Nachhaltige Forstwirtschaft kann unter anderem sowohl sehr naturferne Monokulturen als auch naturnahe Plenterwälder umfassen.

Die Holzverarbeitung gehört als Weiterverarbeitung auf der ersten Verarbeitungsstufe nach EU-Recht noch zur Forstwirtschaft. Die „erste Verarbeitungsstufe“ ist ein Rechtsbegriff nach Abs. 1 AEUV. Hierin ist vorgesehen, dass zur Landwirtschaft auch die „Erzeugnisse des Bodens“ – also in der Forstwirtschaft der Nutzwald – gerechnet werden. Holzprodukte der ersten Verarbeitungsstufe gehören somit noch zur Forstwirtschaft.

Ein in der Forstwirtschaft tätiges Unternehmen wird als Forstbetrieb bezeichnet.

Aufgaben der Forstwirtschaft mini|Ein Holzvollernter („Harvester“) benötigt nur knapp zwei Minuten, um einen Baum zu fällen, zu entasten und in genormte Stücke zu sägen. Die Maschine ist damit fast zehnmal schneller als ein Mensch mit Axt und Kettensäge In Deutschland sind die Waldbesitzer nach den Bundes- und Landeswaldgesetzen dazu verpflichtet, ihre Wälder „ordnungsgemäß und nachhaltig“ (§ 11 Bundeswaldgesetz) zu bewirtschaften. Hierbei kommt es darauf an, dass die Funktionen des Waldes nicht nur als Rohstoff­quelle, sondern auch als Grundlage für den Arten-, Boden-, Klima- und Wasserschutz sowie für Freizeit und Erholung der Bevölkerung berücksichtigt werden. Dazu erfordert die heutige Forstwirtschaft ein ständiges Abwägen zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Interessen, um die unterschiedlichen Ansprüche an den Wald berücksichtigen zu können. Zum Ökosystem Wald gehört auch das Wild, dessen Bestände durch Jagd und Hege von den Forstleuten reguliert werden, um Wildschäden vorzubeugen.

Berücksichtigung der Nachhaltigkeit

mini|Daisugi-Bäume (nachhaltiger Anbau geradwüchsiger Sicheltannen-Stämme) im Ryoan-ji-Garten, Kyoto (April 2008) Nach katastrophalen Waldzerstörungen in Mitteleuropa im Mittelalter durch eine Übernutzung der Wälder entwickelte sich der Grundsatz der forstlichen Massennachhaltigkeit: „Man entnehme dem Wald nicht mehr Holzmasse, als gleichzeitig nachwächst“ (Siehe auch: Geschichte des Waldes in Mitteleuropa). Nachfolgenden Generationen sollen mindestens vergleichbare, wenn nicht bessere Nutzungsmöglichkeiten überlassen werden. Die Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung wurde schon im 19. Jahrhundert auf ökologische und später soziale Nachhaltigkeit ausgedehnt. Seit Mitte der 1990er mündet dies in Zertifizierungen wie zum Beispiel Forest Stewardship Council (FSC) oder Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC).

Im Zuge von europaweiten Prozessen wurde „nachhaltige Waldbewirtschaftung“ definiert als „die Behandlung und Nutzung von Wäldern auf eine Weise und in einem Ausmaß, das deren biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit, Vitalität sowie deren Fähigkeit, die relevanten ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen gegenwärtig und in der Zukunft auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen gewährleistet, ohne anderen Ökosystemen Schaden zuzufügen.“Europäische Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa (MCPFE) in der , „Allgemeine Leitlinien für die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder Europas“, 1993. In dieser in Europa anerkannten Definition kommen die vielen Funktionen des Waldes und das Streben nach nachhaltiger Entwicklung von Natur und Wirtschaft zum Ausdruck. Die waldbauliche Tätigkeit umfasst dabei die zielorientierte Planung, Entscheidung und Umsetzung im Bereich der Erneuerung, Pflege und Sanierung von Waldökosystemen bei gleichzeitiger Betrachtung ökologischer, sozioökonomischer und technischer Erkenntnisse. Die Forstwirtschaft kann dabei die nachhaltige Behandlung und Nutzung der Wälder sicherstellen.

Dennoch bleibt jede holzwirtschaftliche Nutzung ein Eingriff, der dem Wald permanent Biomasse entzieht, die von Natur aus zur Bodenbildung im Wald verbleiben würde.Wilhelm Bode (Hrsg.): Naturnahe Waldwirtschaft. Prozeßschutz oder biologische Nachhaltigkeit? Holm, 1997, ISBN 3-930720-31-0.

Forstwirtschaftliche Produktion Die Produkte der Forstwirtschaft aus dem Nutzwald, teilweise illegal auch aus Schutzwald (Abholzung des tropischen Regenwaldes), können wie folgt eingeteilt werden:Verein böhmischer Forstwirte (Hrsg.), Vereinsschrift für Forst-, Jagd- und Naturkunde, Band 13, 1857, S. 76

Produktgruppe Produktart Produkte Nutzholz Laubwald Mischwald Nadelwald tropischer Regenwald Bauholz, Edelholz, Laubholz, Nadelholz, Schnittholz Nichtholzprodukte Pilze Pflanzen Pflanzensaft Pflanzenöl Tiere || Steinpilze Heidelbeeren Harze, Naturkautschuk Palmöl Wildbret

Auch Naturkautschuk vom Kautschukbaum oder Palmöl aus der Ölpalme sind Forstprodukte. Der Naturwald birgt im Gegensatz zum Nutzwald sehr geringe bis keine Nutzungsmöglichkeiten. Die Nutzung des Naturwaldes ist teilweise untersagt. Ursächlich ist die konzeptionell angelegte fehlende Begehbarkeit aufgrund von fehlenden Wegen, das dichte Unterholz und Gefahrenpotenziale durch wesentlich mehr Totholz in allen Verfallszuständen am Waldboden, aber auch in den Baumkronen und allen Ebenen dazwischen. Die Jagd ist aus o. g. Gründen fast unmöglich.

Sägeholz Die größten Exportländer von Sägeholz sind:Weltexporte. Das Fachmagazin, Die größten Exportländer von Holz, 2021, abgerufen am 16. Mai 2022

Staat Exporte in Mio. Euro Weltmarktanteil in % 11.337 23,9 5.121 10,8 4.519 9,5 3.676 7,7 2.903 6,1 2.568 5,4 2.183 4,6

Unter den drei Weltmarktführern von Sägeholz befinden sich Flächenstaaten mit großen Waldflächen.

Schnittholz Auf dem Weltmarkt für Schnittholz führen folgende Staaten:Statista, Ausfuhrmenge der größten Exportländer für Schnittholz weltweit im Jahr 2019, 2022

Staat Schnittholz in 1000 33.362 28.312 12.633 9.546 8.970

Weltmarktführer für Schnittholz ist mit Abstand Russland, gefolgt von Kanada, Schweden und Deutschland.

Struktur Die Forstwirtschaft in Deutschland unterscheidet drei Eigentumsarten von Wald: Körperschaftswald Privatwald Staatswald (Landeswald, Treuhandwald und Bundeswald)

Treuhandwald: Im Zuge der Bodenreform in der DDR enteigneter und in Volkseigentum überführter Wald wurde der Treuhandanstalt übergeben. Ziel ist es, diesen Wald zu privatisieren. Dieses geschieht durch die bundeseigene Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG).

Um die Funktionen des Waldes zu sichern, ist es wichtig, dass funktionierende Strukturen geschaffen werden. Dies obliegt den einzelnen Bundesländern mit eigenen Landeswaldgesetzen. Die Bundesgesetzgebung gibt hierbei nur den Rahmen mit dem Bundeswaldgesetz vor.

Der Staatswald ist in den meisten Ländern in einzelne Forstämter unterteilt. Diese wiederum bestehen aus einzelnen Revieren, die eine Größe von 1.500 bis 3.000 Hektar haben. Die Bewirtschaftung der Reviere wird von den Förstern (Dipl.-Forstingenieur) durchgeführt.

Waldverteilung in Deutschland nach Land und Eigentumsart Land Waldflächen in HektarStaatswald (Bund)Staatswald (Land)Körperschafts- waldPrivatwaldTreuhand- waldalle EigentumsartenBaden-Württemberg7.302321.678541.031492.21901.362.229Bayern56.545769.886345.6861.386.34402.558.461Brandenburg/Berlin73.088328.24573.840449.988146.5721.071.733Hessen7.595342.986318.601211.0680880.251Mecklenburg-Vorpommern53.486218.24456.286125.46881.479534.962Niedersachsen/Hamburg/Bremen54.884343.92685.706678.00601.162.522Nordrhein-Westfalen30.276126.679135.841594.7540887.550Rheinland-Pfalz20.413203.338390.146221.6600835.558Saarland79147.45021.74828.470098.458Sachsen30.116191.06957.839171.72360.831511.578Sachsen-Anhalt49.452135.19633.101196.61277.767492.128Schleswig-Holstein5.97350.37324.29081.8310162.466Thüringen19.419197.59276.074185.58039.238517.903Deutschland (alle Länder)409.3403.276.6612.160.1894.823.722405.88711.075.799

Quelle: Bundeswaldinventur (BWI)Bundeswaldinventur (Siehe auch „Wald in Deutschland“ für Zahlen, die ausführlicher sowie aktueller sind (letzte BWI 2012))

Wald-Wild-Konflikt mini|Weiserfläche zur Beurteilung des Wildeinflusses auf die Naturverjüngung – man beachte das Fehlen von Verjüngung außerhalb des Zaunes mini|Naturverjüngung ohne Zäunung

Hohe Wilddichten von Pflanzenfressern, insbesondere von Schalenwild, können durch Verbiss eine aus ökologischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten angestrebte natürliche Verjüngung des Waldes erschweren oder verhindern. Durch die Bevorzugung bestimmter Baumarten kann selektiver Verbiss Mischbaumarten aus dem Bestand verdrängen und so die Baumartendiversität verringern. Auch gepflanzte Forstkulturen, die nicht durch Einzelbaumschutz oder Zäunung gesichert werden, sind betroffen. Schälschäden können ältere Waldbestände, die dem Verbiss bereits entwachsen sind, über Jahrzehnte hinweg gefährden sowie im Schadensfall destabilisieren und ökonomisch entwerten.

Dieser sogenannte Wald-Wild-Konflikt – zur Verdeutlichung des Zielkonflikts und der Akteure auch als Forst-Jagd- bzw. Waldbesitzer-Jäger-Konflikt bezeichnet – wird von Forstleuten, Naturschutzverbänden und Waldbesitzern im Hinblick auf einen angestrebten Waldumbau hin zu klimastabilen Mischwäldern als bedeutendes Problem betrachtet. Insbesondere seit dem zu Heiligabend 1971 ausgestrahlten Film Bemerkungen über den Rothirsch von Horst Stern ist der zuvor hauptsächlich in Fachkreisen thematisierte Wald-Wild-Konflikt in den Fokus von Öffentlichkeit sowie Politik gerückt und wurde zu einem der prominentesten Themen in der Auseinandersetzung um Wald, Forstwirtschaft und Jagd.Ammer (2010): Der Wald-Wild-Konflikt. S. 15. Im Jahr 1988 gründeten Jäger, die in der vom traditionellen Deutschen Jagdverband (DJV) vertretenen Haltung einen Unwillen zur ernsthaften Regulation der Wildbestände sahen, den Ökologischen Jagdverein Bayern e. V. und späteren Ökologischen Jagdverband (ÖJV), der durch konsequente und effektive Jagd die Wildschäden mindern und so flächendeckend „naturnahe Waldwirtschaft“ ermöglichen will.