mini|Ensemble am Hauptplatz im Winter 2016/2017 Pfaffenhofen an der Ilm (amtlich Pfaffenhofen a.d.Ilm; im Heimatdialekt Pfahofa) ist die Kreisstadt und größte Stadt des gleichnamigen Landkreises im Regierungsbezirk Oberbayern; sie ist eine von 13 sogenannten leistungsfähigen kreisangehörigen Gemeinden in Bayern.
Geographie Lage mini|Stadtansicht von Osten Pfaffenhofen an der Ilm liegt im Hopfenland Hallertau im Dreieck zwischen München, Ingolstadt und Augsburg.
Gemeindeteile
Die Gemeinde hat 62 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben), die sich folgendermaßen auf die 12 Gemarkungen auf dem Gemeindegebiet verteilen:
Geschichte Frühzeit und Altertum Zwischen Pfaffenhofen und Niederscheyern befinden sich erste Siedlungsspuren aus der frühen Bronzezeit. Vor allem in Waldgebieten nördlich von Pfaffenhofen sind Grabhügel aus der Bronze- und älteren Eisenzeit erhalten. Viereckschanzen sind die einzigen Hinweise auf die keltische Besiedlung des Pfaffenhofener Umlandes.Franz Rutsch, Heinrich Streidl: 550 Jahre Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm. Pfaffenhofen 1988, S. 10–19.
Mittelalter mini|Ansicht Pfaffenhofens mit Stadtmauer von Norden aus, um 1665 Die Frühgeschichte Pfaffenhofens ist weitgehend unbekannt. Die Mehrzahl der Heimatforscher geht davon aus, dass Mönche des einstigen Benediktinerklosters Ilmmünster im 8. Jahrhundert die Pfaffenhöfe bei Altenstadt im jetzigen Norden der Stadt errichteten.Joseph Heinrich Wolf: Urkundliche Ortsgeschichte der Stadt Pfaffenhofen a.d. Ilm von 1857. ()
Urkundlich erstmals erwähnt wurde Pfaffenhofen im Jahre 1140. Die Bezeichnung Markt gibt es seit 1197.
Im 13. Jahrhundert ist die Dienstmannenburg „Trosberg“ auf einer Anhöhe bei Weihern belegt. 1318 wurde dem Markt Pfaffenhofen durch Ludwig den Bayern das Münchener Stadtrechtsbuch verliehen. Das älteste Siegel von Pfaffenhofen ist aus dem Jahr 1333 nachgewiesen. 1388 wurde Pfaffenhofen samt Kirche und Burg im großen Städtekrieg eingeäschert.
Im Jahr 1396 fand eine Fürstenhochzeit in Pfaffenhofen statt: Ernst, Sohn von Herzog Johann, heiratete Elisabeth, Tochter des Herzogs Barnabon von Mailand aus dem Haus Visconti.
„Heinrich der Pröchsel“ wurde im Jahr 1412 als Bürgermeister genannt. 1438 wurde Pfaffenhofen erstmals als Stadt erwähnt. Die Stadtbefestigung umfasst eine Mauer mit 17 Türmen und 4 gesicherten Toren.Heinrich Streidl: Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm. Ein Heimatbuch. Pfaffenhofen 1980; zur Stadtgeschichte im Mittelalter vgl.: S. 13–24.
Frühe Neuzeit mini|Weberhäusl in der Draht, 1705 errichtet, inzwischen aufwendig saniert 1632 bis 1634 brachte der Dreißigjährige Krieg starke Belastungen für die Bevölkerung in Pfaffenhofen; die grassierende Pest reduzierte die Einwohnerzahl erheblich.
Am 17. Juli 1704 wurde die Vorstadt Pfaffenhofens im Vorfeld der Schlacht bei Höchstädt von englischen Husaren angezündet. 43 Gebäude wurden ein Raub der Flammen, darunter auch der Vorgängerbau des Weberhäusls in der Draht.Heinrich Streidl: Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm. Ein Heimatbuch. Pfaffenhofen 1980, S. 33–34.
Während des Österreichischen Erbfolgekriegs kam es am 15. April 1745 in der Nähe der Stadt zur Schlacht bei Pfaffenhofen, bei der die Österreicher eine Französisch-Bayerische Armee schlugen. Diese Niederlage zwang Bayern, aus der Allianz gegen Österreich auszuscheiden.
19. Jahrhundert Königliche Stadt Im Jahr 1806 wurde Pfaffenhofen im Zuge der politischen Entwicklung in der Napoleonischen Zeit – Bayern steigt zum Königreich auf – eine „königlich bayerische Stadt“. 1812 erhielt diese königliche Stadt Pfaffenhofen auch ein neues Wappen.
Berufsstruktur 1809 Die Stadt Pfaffenhofen hatte zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein breites Spektrum an heute zum Teil unbekannten Gewerben aufzuweisen. 1809 gab es 69 verschiedene Berufe und 173 Gewerbetreibende. Bei damals 319 bestehenden Wohngebäuden waren damit mehr als 50 % der Hausvorstände in einem Gewerbe tätig.Eine Auflistung von Berufen war der Stadt von 1809 ist enthalten in: Andreas Sauer: „ … daß Seine Majestät der König beschlossen haben, der Stadt das allerhöchste Wohlgefallen zu bezeugen …“ – Pfaffenhofen im Königreich Bayern (1806–1918) (= Pfaffenhofener Stadtgeschichte(n). Nr. 6). Dezember 2006, S. 51.
Eisenbahnbau und Industrieansiedlung mini|hochkant=0.7|Gattersäge der Zierlmühle: Produkt der Firma Stocker Mitte des 19. Jahrhunderts wurde eine „Postomnibus“-Linie eingerichtet, die mit einer Verbindung von München über Lohhof, Pfaffenhofen und weiter über Ingolstadt nach Eichstätt erste Verbesserungen brachte. Die entscheidende Entwicklung des Verkehrswesens und damit der Stadt Pfaffenhofen brachte das Jahr 1867 mit sich: die Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie München–Ingolstadt mit einem Bahnhof in Pfaffenhofen. In der Folgezeit siedelten sich erste Maschinenfertigungsbetriebe in Bahnhofsnähe an. Die zunächst eingleisige Strecke wurde am 1. September 1891 auf zweigleisigen Betrieb umgestellt.
Ein Beispiel der Ansiedlung in Bahnhofsnähe ist die Maschinenfabrik Stocker. Ab dem frühen 19. Jahrhundert betrieben die Inhaber zunächst auf der Daselmühle bei Mitterscheyern eine Hammer- und Waffenschmiede. Im Jahr 1882 gründete Kaspar Stocker in Pfaffenhofen in der Münchener Straße 26 seine Fabrik, die Kreis- und Pendelsägen, Spaltgatter und weitere Maschinen und Einzelteile herstellte. Die Firma war bei der Weltausstellung Paris 1900 und erhielt dort eine Auszeichnung.
Neue Gebäude 1868 wurde das neue Rathaus eröffnet, das seitdem den Hauptplatz prägt. Zwei Schulgebäude folgten vor der Jahrhundertwende.
Elektrifizierung und Telefon 1899 hielt die elektrische Beleuchtung in Pfaffenhofen Einzug. Im gleichen Jahr wurde die erste öffentliche Telefonanstalt mit zehn Anschlüssen eröffnet.Andreas Sauer: „...daß Seine Majestät der König beschlossen haben, der Stadt das allerhöchste Wohlgefallen zu bezeugen...“. Pfaffenhofen im Königreich Bayern (1806–1918) (= Pfaffenhofener Stadtgeschichte(n). Nr. 6). Pfaffenhofen 2006.
20. Jahrhundert mini|Pfaffenhofen an der Ilm, Stadtplan von 1906 1914 bis 1945 Der Erste Weltkrieg war auch für die Stadt Pfaffenhofen ein epochaler Einschnitt. Mit dem Wechsel vom Kaiserreich zur Weimarer Republik waren nach den Menschenverlusten und seelischen Verwundungen, die der große Krieg verursacht hatte, große gesellschaftliche Veränderungen verbunden, die auch in der Kleinstadt ihre Auswirkungen hatten. Trotz der Geldentwertung von 1923 wurde 1926 die Evangelische Kirche fertiggestellt. Vorher hatte man Gottesdienste im Rathaus abhalten müssen. 1929 fand das erste Volksfest der Stadt, das sogenannte Hallertauer Oktoberfest, statt. Im Jahr 1932 begann mit der Nutzung der alten Weinmiller-Hopfenhalle durch Georg Hipp die Entwicklung der Firma „Nährmittel Hipp“. Sie wurde in den Jahrzehnten bis heute zum wichtigsten Unternehmen in Pfaffenhofen, der Hipp Holding.
Bei der Reichstagswahl 1933 erzielte die NSDAP mit 43,1 Prozent der Stimmen in Pfaffenhofen ihr höchstes Wahlergebnis in Oberbayern. Schon im Jahr 1923 hatten sich einige Hitler-Anhänger aus Pfaffenhofen am sogenannten „Marsch zur Feldherrnhalle“ beteiligt. Einige SS-Leute aus Pfaffenhofen machten Karriere, beispielsweise Anton Thumann.
Zwischen 1933 und dem Kriegsende 1945 gab es eine rege Unterstützung des herrschenden Regimes bei den Bürgern der Stadt.Reinhard Haiplik: Pfaffenhofen unterm Hakenkreuz. 3., erw. Auflage. Pfaffenhofen 2015. Das Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus würdigt einige Schicksale von Betroffenen aus dieser Zeit.
1945–1999 Die Neugründung des SPD-Landesverbandes Bayern fand am 6. Oktober 1945 in Pfaffenhofen an der Ilm statt.
1964 wurde ein Gymnasium in Pfaffenhofen errichtet. 1972–1973 erhielt es einen Neubau; der alte Bau wurde 1976 an die Realschule übergeben. 1966–1968 wurde das Schulzentrum am Gerolsbach errichtet. Seitdem ist dieses Zentrum kontinuierlich gewachsen und vielfach modernisiert worden.
1972 wurden elf ehemals selbstständige Gemeinden eingemeindet; Pfaffenhofen hatte dadurch 13.362 Einwohner. 1978 wurde auch die ehemalige Gemeinde Niederscheyern eingegliedert. Diese Gemeindereform ließ das Gebiet der Stadt weit in den Landkreis hinein anwachsen.
1981 wurde die Trabrennbahn, die sogenannte Hopfenmeile eröffnet. 1988 fand an drei Tagen die 550-Jahr-Feier der Stadterhebung statt.Franz Rutsch, Heinrich Streidl: 550 Jahre Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm. Pfaffenhofen 1988. 1994 wurde das Schul- und Sportzentrum Niederscheyern eröffnet. 1999 fand das erste Bürgerfest statt.
21. Jahrhundert 2001 wurde das neue Freibad eröffnet und das Biomasseheizkraftwerk in Betrieb genommen.
2013 entging die Kreisstadt knapp einer Hochwasserkatastrophe – in der Nacht von Sonntag auf Montag, den 3. Juni 2013 (Pegelhöchststand gegen 4:00 Uhr). Die ganze Nacht lang mussten die Einsatzkräfte Sandsack-Barrieren installieren, Keller auspumpen und Straßen absperren. Die Mittelschule, das EON-Gelände und die Schulstraße standen wie der Skulpturenpark und die Kläranlage unter Wasser. In Richtung Wolnzach glich das Ilmtal einer Seenlandschaft. Die Wehre und Überlaufsperren wurden weit geöffnet und zu tosenden Wasserfällen. Die Ilm und der Gerolsbach standen an der Kante ihrer Ufer und das Grundwasser drückte kräftig in die Keller. Der Landrat rief Katastrophenalarm aus und die Schulen blieben geschlossen.
Religionen Für die katholischen Pfarreien in Pfaffenhofen und den Ortsteilen sind drei Diözesen zuständig: Augsburg, München-Freising und Regensburg. Die Bistumsgrenze zwischen München und Augsburg verläuft direkt durch die Klinik.
Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in Pfaffenhofen besteht seit 1897, die Gottesdienste finden in der Kreuzkirche statt.
Seit den 1960er Jahren gibt es eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) mit einem hauptamtlichen Pastor. Des Weiteren existiert in Pfaffenhofen eine Gemeinde der Neuapostolischen Kirche. Die Türkisch-islamische Gemeinde DITIB besitzt seit 2016 eine eigene Moschee mit Gemeindehaus in der Hohenwarter Straße.
Unter dem Titel „Tisch der Religionen“ finden regelmäßig und auf Einladung des internationalen Kulturvereins Veranstaltungen statt, in denen das Kennenlernen und das Miteinander anderer Kulturen und Religionen im Mittelpunkt stehen. Neben den o. g. christlichen Kirchen beteiligen sich daran die buddhistische Gemeinschaft, die Türkisch-islamische Gemeinde DITIB und auch andere, nicht-kirchliche Gruppierungen mit international-kulturellem Hintergrund wie der Albanisch-Deutsche Kulturverein Sali Çekaj, die vietnamesische Gruppe sowie Vertreter der Stadt. (DK Nov. 2011Harmonie zwischen Christen und Muslimen. In: Pfaffenhofener Kurier. 16. November 2011, S. 24.)
Konfessionsstatistik Mit Stand von 2016/2017 ergab sich folgendes: Mit 13.804 Personen waren 54 % aller Pfaffenhofener römisch-katholisch, 2.675 Bürger, also 10 % waren evangelischer Konfession und 9.274 der Bürger mit 36 % waren einer anderen Glaubensgemeinschaft zugehörig beziehungsweise konfessionslos.Geschäftsbericht der Stadt 2016/2017 (PDF; 3,7 MB), S. 21, abgerufen am 16. September 2018.Geschäftsbericht der Stadt 2018/2019 (PDF; 1,6 MB), S. 13, abgerufen am 7. März 2020 Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 1 Prozentpunkt gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren (Stand Mai 2022) 46,9 % der Einwohner katholisch, 9,2 % evangelisch, und 43,9 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 19. August 2024
Es gab 2023 390 Kirchenaustritte in Pfaffenhofen und im Vorjahr (2022) 482 Kirchenaustritte. Im Gemeinde-Bereich von Pfaffenhofen wurden im Jahr 2024 298 Kirchenaustritte registriert.Zahl der Kirchen-Austritte in Pfaffenhofen und Umgebung weiter auf hohem Niveau
Entwicklung des Stadtgebiets mini|Eingemeindungen in der Gebietsreform
Eingemeindungen