miniatur|Brehme von der Sonnensteinstraße (L1011) aus gesehen. Brehme ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Eichsfeld. Sie gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Lindenberg/Eichsfeld.

Geografie Brehme im Eichsfeld, genauer im Untereichsfeld, liegt in einem langgestreckten Tal am Nordabhang des Ohmgebirges am Fuße des Sonnensteins. Die Umgebung ist geprägt durch Wälder und Wiesen mit Wanderwegen zur Ruine und Teich in Wildungen, zum Braunen Bühl, zum Sonnenstein und durch das Solbachtal bis Fuhrbach und Duderstadt.

Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes als Schenkung der Vogteirechte des Grafen von Lutterberg an die Herren von Westernhagen erfolgte 1312, diese blieben bis zur Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit im Jahr 1849 bei der Familie von Westernhagen. Im Jahr 1420 wurde das Dorf mit 24 Hufen noch als Besitz des Stifts Quedlinburg in einem Lehnsverzeichnis der Mark Duderstadt erwähnt. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts ist ein langwieriger Streit über den Grenzverlauf zwischen Brehme und Wildungen übermittelt, der von den Herren von Westerhhagen und von Wintzingerode bis vor dem Reichskammergericht ausgetragen wurde. 1579 fand deshalb eine Grenzbegehung mit dem Oberamtmann aus Heiligenstadt statt und schließlich einigte man sich 1674/75 auf den heutigen Grenzverlauf.Günther Wiegand: 700 Jahre Brehme im Kontext der Geschichte des Eichsfelds. In: Eichsfelder Heimatzeitschrift 2012, Teil I. S. 385–390 Im Dreißigjährigen Krieg wurde Brehme mehrmals zerstört, 1623 durch die Truppen des „Tollen Christian“, dann durch die Schweden.

Von 1749 bis 1753 erfolgte der wahrscheinlich erste Kirchenbau in Brehme. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Brehme zu einem Handwerkerdorf. Die häufigsten Berufe waren Ziegeleiarbeiter, Zimmerleute, Waldarbeiter, Wanderarbeiter, Musiker und Hausierer. Als 1909 das Kaliwerk bei Bischofferode gegründet wurde, fanden dort auch viele Brehmer Männer eine dauerhafte Arbeitsgelegenheit. Um 1930 war Brehme eines der kinderreichsten Dörfer des Eichsfeldes, im Durchschnitt hatte jede Familie 5,5 Kinder, manche Familien hatten damals sogar zwölf Kinder. Brehme war bis 1802 Teil des geistlichen Fürstentums Kurmainz, von 1802 bis 1807 war der Ort preußisch und kam dann zum Königreich Westphalen. Von 1815 bis 1944 war das Dorf Teil der preußischen Provinz Sachsen.

Am 2. Juli 1942 trafen in Brehme drei Männer aus der Ukraine ein. Sie mussten Zwangsarbeit leisten.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu den Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Bd. 8, Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 31. Brehme wurde am 10. April 1945 durch die US-Armee besetzt. Bei vorausgegangenem Artilleriebeschuss wurden zwei Frauen getötet und zahlreiche Gebäude beschädigt.

Im Juli 1945 erfolgte die Besetzung des Ortes durch sowjetische Besatzungssoldaten. Brehme wurde durch seine Lage an der Zonengrenze, der späteren innerdeutschen Grenze, für auswärtige Besucher schwer erreichbar. Von 1953 bis 1956 erfolgte ein Erweiterungsbau der Kirche. Im Ort wurde 1980 die zehnklassige POS „Bertolt Brecht“ eröffnet, zum Einzugsbereich dieser Schule gehörten die Orte Ecklingerode, Wehnde und Tastungen.

Wüstungsorte In und um Brehme sind zahlreiche Wüstungsorte bekannt, bei einigen kann es sich aber auch um Flurwüstungen handeln: Wildungen, Altengrund, Kampe, Epschelle, Piepersbach, Tiefittich, Soolbach und Graseforst.Günther Wiegand: 700 Jahre Brehme im Kontext der Geschichte des Eichsfelds (I). In: Eichsfelder Heimatzeitschrift 2012, S. 389

Adelsgeschlecht von Brehme Ein Adelsgeschlecht von Brehme wird erstmals im 13. Jahrhundert genannt und war vermutlich mit denen von Wildungen stammesverwandt. Folgende Mitglieder der Adelsfamilie sind bekannt:Carl Duval: Das Eichsfeld oder historisch-romantische Beschreibung aller Städte, Burgen, Schlösser, Klöster, Dörfer und sonstiger beachtenswerter Punkte des Eichsfeldes : ein Heimatbuch für Schule und Haus. Sondershausen 1845. Conrad von Brehme (1324), hat einen Hof in Duderstadt Theoderich von Breme (1364), stirbt im Kloster Walkenried Magdalena von Brehme (1430), Nonne im Kloster Teistungenburg Albrecht von Brehme (1436), Lehnsgüter in Duderstadt.

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember): 1994: 1.212 1995: 1.205 1996: 1.208 1997: 1.209 1998: 1.201 1999: 1.203 2000: 1.197 2001: 1.207 2002: 1.202 2003: 1.188 2004: 1.174 2005: 1.175 2006: 1.161 2007: 1.139 2008: 1.143 2009: 1.135 2010: 1.119 2011: 1.097 2012: 1.092 2013: 1.101 2014: 1.116 2015: 1.119 2016: 1.125 2017: 1.106 2018: 1.112 2019: 1.102 2020: 1.095 2021: 1.094 2022: 1.088 2023: 1.075 2024: 1.078 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Brehme setzt sich aus 12 Gemeinderatsmitgliedern zusammen. CDU: 5 Sitze Wahlvorschlag FWG Brehme: 7 Sitze (Stand: Kommunalwahl am 26. Mai 2019)

Bürgermeister Der ehrenamtliche Bürgermeister Patrick Schotte wurde am 12. Juni 2022 mit 71,5 % gewählt.

Wappen Blasonierung: „Im silbernen, durch einen blauen Wellenbalken geteilten Schild oben eine rote gestürzte Spitze, die mit einem silbernen sechsspeichigen Rad belegt ist, unten eine rote Spitze, die mit einem silbernen Eichenblatt belegt ist.“

Der blaue Wellenbalken steht symbolisch für die zwei zur Ortsflur gehörenden Quellgebiete und den gleichnamigen Fluss der aus Brehme nach Duderstadt fließt und anschließend in die Hahle mündet. Das silberne Sechsspeichenrad versinnbildlicht die langjährige Zugehörigkeit zum Erzbistum Mainz. Das silberne Eichenblatt schließlich verkörpert die waldreiche Umgebung und die Eiche als typischen Baumbestand (daher auch der in Brehme typische Ausdruck des „Brehmer Eichels“). Zudem gibt sie auch in redender Weise Hinweis auf die Lage des Ortes im Eichsfeld.

Wirtschaft und Infrastruktur miniatur|rechts|Postkarte miniatur|Ruine Wildungen Der Ort hat über 1200 Einwohner, besitzt gute Versorgungseinrichtungen sowie ein Freizeitgelände mit Sportplatz, -halle, Gaststätte und Festhalle.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Vereine Sportverein „Blau-Weiß“ Brehme e. V. Schützenverein 1859 Brehme e. V. Brehmer Faschingsclub e. V. Kirmesverein Brehme e. V. Männerkirmes Brehme Freiwillige Feuerwehr und Feuerwehrverein Brehme e. V. Kleintierzüchterverein „Am Sonnenstein“ e. V. Brehmer-Burschen-Verein e. V.

Sehenswürdigkeiten Ruine Wildungen Wildunger Teich Wüstung Ober- und Unterwildungen Kirche St. Mariä Himmelfahrt mit barockem Hochaltar Sonnenstein mit Kreuz Teichholz mit kleiner Quelle

Sprache Brehme gehört dem Niederdeutschen Sprachraum an, die Benrather Linie verläuft südlich des Ortes. Heute wird im Alltag vorwiegend Hochdeutsch gesprochen.

Persönlichkeiten Günther Wiegand (* 1938), Bibliothekar Martin Busse (* 1958), Fußballspieler, ehemaliger DDR-Auswahlspieler

Literatur Ulrich Harteisen und andere, Herausgeber: Das Eichsfeld. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme. Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar 2018, ISBN 978-3-412-22539-1, Seite 243–245. Lothar Wandt: Brehme – Geschichte und Geschichten : Ein Heimatbuch. Verlag Mecke, Duderstadt 2012. Günther Wiegand: 700 Jahre Brehme im Kontext der Geschichte des Eichsfelds. In: Eichsfelder Heimatzeitschrift 2012, Teil I. S. 385–390 und Teil II. S. 431–435. Brehme. In: Ulrich Harteisen, Ansgar Hoppe, Hansjörg Küster, Torsten W. Müller, Haik Thomas Porada, Gerold Wucherpfennig (Hg.): Das Eichsfeld. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme (Landschaften in Deutschland, Bd. 79). Verlag Böhlau, Wien, Köln, Weimar 2018, S. 243 f.

Weblinks

Website der Gemeinde Brehme

Einzelnachweise

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