Die Burkholderiaceae sind eine Bakterien-Familie, die zur Ordnung der Burkholderiales gehört. Aufgrund von 16S rRNA Analysen wurden hier bzgl. Ökologie und Stoffwechselweg stark unterschiedliche Bakterien zusammengefasst. Es sind obligat aerobe (auf Sauerstoff angewiesene) bis fakultativ anaerobe Arten vorhanden. Neben chemoorganotrophen sind auch chemolithotrophe (also aus anorganischen Verbindungen Energie gewinnende) Arten vorhanden.
Merkmale Die Zellen der Arten sind meist stäbchenförmig. Im Allgemeinen sind sie durch polar oder peritrich angeordnete Flagellen beweglich (motil). Beispiele für Ausnahmen sind verschiedene Arten von Burkholderia (z. B. Burkholderia mallei), Lautropia und Polynucleobacter necessarius, diese Bakterien können sich nicht aktiv fortbewegen. Auch die Art Ralstonia solanacearum ist nicht immer begeißelt.
Stoffwechsel Einige Arten zählen zu den Denitrifizierern, Bakterien die der Nitratatmung fähig sind. Hierbei handelt es sich um eine anaerobe Form der Atmung, anstatt Sauerstoff fungiert Nitrat als Elektronenakzeptor. Hierzu zählen u. a. Ralstonia insidiosa, R. pickettii, Cupriavidus campinensis und Alcaligenes eutrophus (Synonym: Ralstonia eutropha).R. A Siddiqui, U. Warnecke-Eberz, A. Hengsberger, B. Schneider, S. Kostka and B. Friedrich: Structure and function of a periplasmic nitrate reductase in Alcaligenes eutrophus H16. In: The Journal of Bacteriology 1993 September; 175(18): S. 5867–5876 OnlineEugene Rosenberg, Edward F. DeLong, Stephen Lory, Erko Stackebrandt und Fabiano Thompson: The Prokaryotes. Alphaproteobacteria and Betaproteobacteria. ISBN 978-3642301964
Auch stickstofffixierende Bakterien sind in dieser Familie vorhanden, z. B. Burkholderia vietnamiensisPaulina Estrada-De Los Santos, Rocío Bustillos-Cristales, and Jesús Caballero-Mellado: Burkholderia, a Genus Rich in Plant-Associated Nitrogen Fixers with Wide Environmental and Geographic Distribution In: Applied and Environmental Microbiology Juni 2001, S. 2790–2798 Online
Die Art Thermothrix azorensis ist thermophil und autotroph (genauer: chemolithoautotroph), es ist in der Lage aus anorganischen Verbindungen Energie zu gewinnen. Als Kohlenstoffquelle dient Kohlendioxid. Wachstum erfolgt bei Temperaturen zwischen 63 und 86 °C.
Ökologie Gattungen dieser Familie besiedeln ein breites Spektrum von verschiedenen Habitaten. Pandoraea wurde beispielsweise in Böden, Wasser und Schlamm gefunden. Auch im Atmungstrakt von an cystischen Fibrose (Mukoviszidose) leidenden Patienten kommt es vor. Lautropia wurde in der Mundhöhle von Menschen, Cupriavidus und Paucimonas im Boden gefunden.
Polynucleobacter ist eine heterogene Gattung mit derzeit fünf beschriebenen Arten. Hier sind obligate Endosymbionten vertreten, die innerhalb von Wimpertierchen (Gattung Euplotes) leben. In dieser Gattung sind auch freilebende Süßwasserbakterien zu findenM. W. Hahn, E. Lang, U. Brandt, Q. L. Wu und T. Scheuerl: Emended description of the genus Polynucleobacter and the species Polynucleobacter necessarius and proposal of two subspecies, P. necessarius subsp. necessarius subsp. nov. and P. necessarius subsp. asymbioticus subsp. nov. Int. J Syst. Evol. Microbiol. 59:2002-2009. ().
Pathogenität Einige Arten sind pathogen (krankheitserregend) für Pflanzen, Tiere und Menschen. Die Art Burkholderia mallei (Synonym: Actinobacillus mallei, Pseudomonas mallei) ist der Auslöser des Rotz (Malleus) bei Pferden, Kamelen, Hunden. Die Melioidose, eine Infektionskrankheit beim Menschen wird von Burkholderia pseudomallei verursacht. Ralstonia solanacearum ist vor allem in tropischen Regionen pflanzenpathogen. Es verursacht in bis zu 200 Pflanzenarten die sogenannte Schleimkrankheit. Betroffen sind hierbei u. a. Kartoffeln, Tabak und andere Arten der Familie Nachtschattengewächse (Solanaceae), daher der Name des Bakteriums. Es ist sehr bedeutsam für die Landwirtschaft. Das Genom von Ralstonia solanacearum wurde 2002 vollständig sequenziertSalanoubat et al. (2002): Genome sequence of the plant pathogen Ralstonia solanacearum. In: Nature Volume 415: 497–502.
Systematik Die Burkholderiaceae zählen zu den gram-negativen Proterobakterien. Die Gattung Burkholderia ist nach dem amerikanischen Bakteriologen Walter H. Burkholder (1891–1983) benannt. Die Typusart ist die 1981 erstbeschriebene Art Burkholderia cepacia .
Einige Gattungen der Familie:J. P. Euzéby, Aidan C. Parte et al.: – Burkholderiaceae Garrity et al. 2006 (Stand 24. September 2022)
Burkholderia Caballeronia Chitinimonas Cupriavidus Lautropia Limnobacter Mycetohabitans Ein einziges Molekül bringt Symbiose aus dem Gleichgewicht. Manche Bakterien leben endosymbiotisch in Pilzen – solange sie ein bestimmtes Protein produzieren. Auf: EurekAlert! vom 5. Juli 2023. Quelle: Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut. Pandoraea Paucimonas Polynucleobacter Quisquiliibacterium Ralstonia Robbsia Wautersia
Quellen
Einzelnachweise
Literatur George M. Garrity: Bergey's manual of systematic bacteriology. Vol. 2: The Proteobacteria Part C. The Alpha-, Beta-, Delta-, and Epsilonproteabacteria. 2nd edition. Springer, New York NY u. a. 2005, ISBN 0-387-24145-0. Martin Dworkin, Stanley Falkow, Eugene Rosenberg, Karl-Heinz Schleifer, Erko Stackebrandt (Hrsg.) The Prokaryotes. A Handbook of the Biology of Bacteria. Band 2: Ecophysiology and Biochemistry. 3rd edition. Springer-Verlag, New York NY u. a. 2006, ISBN 0-387-25492-7.
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