Panitzsch ist ein Ortsteil der Gemeinde Borsdorf im sächsischen Landkreis Leipzig.
Geographie mini|Panitzsch auf einer Karte von Hermann Oberreit (1836/39) Geographische Lage Der Ort liegt in der Leipziger Tieflandsbucht zwischen Borsdorf im Süden und Taucha im Nordosten. Die A 14 verläuft etwa 3 Kilometer westlich von Panitzsch und ist über die Anschlussstelle Leipzig Ost zu erreichen. Die B 6 Leipzig–Wurzen (hier ursprünglich: Via Regia) verläuft etwa 1 Kilometer südlich des Ortszentrums in Ost-West-Richtung.
Durch den Ort fließt die Parthe. Der Parthewanderweg, von Zweenfurth über Borsdorf, Taucha und Leipzig-Plaußig nach Leipzig-Schönefeld, verläuft ebenfalls durch Panitzsch.
Nachbarorte
Geologie Die landschaftlichen Formen um Panitzsch entstanden vor etwa vor 130 000 Jahren mit dem Ende der Saalekaltzeit. Durch den etappenweisen Eisrückgang bildeten sich Endmoränen, zu denen der Panitzscher Kirchberg gezählt werden kann. Das Schmelzwasser der zurückgehenden Eismassen floss ursprünglich in Ost-West-Richtung am Eisrande entlang.
Anfang der zweiten Eiszeitperiode ist auch die heutige Mulde in dieser Richtung geflossen. Diese wurde zur Saalekaltzeit durch Gletscherablagerungen abgeriegelt und fließt seitdem nach Wurzen und Eilenburg. Mächtige Schotterablagerungen um Naunhof stammen aus dieser Zeit. Im ehemaligen Muldeschotter entstand die Parthe, die heute größtenteils im alten Gebiet der Mulde fließt.
Im Norden der Panitzscher Flur herrscht Geschiebesand vor, während im Westen im Wesentlichen Geschiebelehm mit inselartigen Vermischungen von Geschiebesand vorzufinden ist. Der Geschiebelehm zeigt eine schwache Decke Lößlehm. Die jüngeren Bodenbildungen, besonders Auelehm, finden sich naturgemäß entlang des Parthelaufes.Chronik 700 Jahre Panitzsch 1267-1967, abgerufen am 17. August 2017.
Geschichte mini|Kirche zu Panitzsch mini|Wohnanlage in der Lange Straße – früher Standort des Gutshof mit Schenke „Blauer Engel“ mini|Reliefstein in nachgebautem Torbogen zur Wohnanlage
Am 14. Februar 1267 wird im Zusammenhang mit der Teilung des damaligen Friedeburger Besitzes erstmals Villa Bansc erwähnt, welches nunmehr vom Bischof Friedrich von Merseburg, der als Schiedsmann anwesend war, Hoyer dem Jüngeren von Friedeburg zugesprochen wurde. Villa (lat. = Landhaus oder Landgut) bezeichnet das Dorf und Bansc ist möglicherweise der polnischen (oder anderen slawischen) Sprache entnommen. Bana = Tal oder Grube. Villa Bansc lässt sich demnach als „Dorf im Tal –“ oder „– in der Grube der Partheaue“ deuten.
Am 29. April 1269 verkaufte dieser das Villa Bansc an den Bischof Friedrich von Merseburg. Damit geht Panitzsch in kirchlichen Besitz über, nachdem es bisher der Verwaltung des Markgrafen von Landsberg unterstand.
Die Ortsgrenze der Mark Landsberg bildete nunmehr die Parthe. Bald jedoch – 1270 – kam es auf Grund dieses Verkaufes zu zahlreichen Gewalttätigkeiten in den Besitzungen des Bistumes, die vom Markgrafen Dietrich geschürt wurden. Weil sie kein Ende nahmen, verhängte der Bischof von Merseburg am 10. November 1270 über das seiner Diözese gehörende Gebiet des Markgrafen das Interdikt (Kirchenstrafe, wonach sämtliche kirchlichen Amtshandlungen zu unterbleiben haben). 1272 sollen dann die Streitigkeiten endlich beigelegt worden sein.
Panitzsch war eine Siedlung von wirtschaftlicher Bedeutung. Es lag am Weg nach Leipzig, wo sich Kaufleute zur Messe trafen, hier durchzogen und dabei mitunter im „Blauen Engel“ Rast machten. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass Panitzsch keine Wüstung geworden ist und sich immer behaupten konnte.
Das Gasthaus, auch Schenke „Blauer Engel“, befand sich etwa in Dorfmitte am Steinweg. Jener Post- und Handelsstraße, die damals eine wichtige Verbindung vom Osten über Bautzen–Großenhain nach der Messe- und Handelsstadt Leipzig und weiter über Merseburg nach Westen darstellte, wobei der „Blaue Engel“ die letzte Raststätte vor Leipzig war. Aufgrund seines großen Hofes sowie der geräumigen Stallungen, wurde er nicht nur von Fuhrleuten, sondern auch von fremden Reisenden gern aufgesucht.
Wie alte Zinsregister nachweisen, wirkte sich gegen Ende des 14. Jahrhunderts die übereilte Siedlungspolitik negativ durch starkes Absinken der Bevölkerungszahl aus und führte zu Abwanderungen der Ansiedler, auch aus der unmittelbaren Umgebung von Panitzsch. Es entstanden Wüstungen. Im Westen das nach 1349 verlassene Dorf Wilwisch (zwischen Panitzsch und Sommerfeld, heute existiert noch der Wilwischgraben) und im Osten etwa 1350 Cunradisdorf oder auch Conratsdorf (das heutige Cunnersdorf), deren Bewohner nach Panitzsch übersiedelten.
August Schumann nennt 1821 im Staatslexikon von Sachsen Panitzsch betreffend u. a.:
Erst mit der Umlegung der Landstraße und dem Bau der Staatsstraße Leipzig-Dresden über das südliche Borsdorf, sowie der Eröffnung der ersten Ferneisenbahn von Leipzig nach Dresden im Jahre 1837, verlor Panitzsch seine Verkehrsbedeutung. Der Ort lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f. Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Taucha und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig. 1921 wurde das östlich gelegene Cunnersdorf eingemeindet. Seit 1990 hat sich die Bevölkerungszahl von Panitzsch durch den Bau neuer Wohngebiete nahezu verdreifacht.
Seit 1999 ist Panitzsch mit Cunnersdorf ein Ortsteil von Borsdorf.
Entwicklung der Einwohnerzahl Jahr Einwohnerzahlvgl. 1551 34 besessene Mann, 5 Häusler, 5 Inwohner1764 35 besessene Mann, 12 Häusler, 36 Hufen1834 4031871 5141890 651 Jahr Einwohnerzahl1910 8331925 12051939 13591946 15201950 1634 Jahr Einwohnerzahl1964 12531990 12302011 3272
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Margarete-Blank-Haus am Ende der Dr.-Margarete-Blank-Straße
Sehenswürdigkeiten barocke Kirche Panitzsch, ursprünglich romanischer Bau aus dem 13. Jahrhundert Margarete-Blank-Haus Gedenkstein für Margarete Blank Trabrennbahn Panitzsch
Veranstaltungen mini|Parthenfest 2023
Seit 2000 findet jährlich im September auf dem Trabrennbahngelände das dreitägige Parthenfest statt. Einzig in den Pandemiejahren 2020 und 2021 fand es nicht statt. Es startet immer an einem Freitag mit Salutschüssen und einem Höhenfeuerwerk am Abend.
Vereine Reit- und Fahrsportgemeinschaft Panitzsch e. V. Traberverein e. V. SV Panitzsch/Borsdorf 1920 e. V. Leipziger Communalgarde e. V. Freiwillige Feuerwehr Panitzsch Förderverein "Dr.-Margarete-Blank" e. V. Hundesportverein Panitzsch 1996 e. V.
Bildung mini|Grundschule Die Dr.-Margarete-Blank-Grundschule ist eine zweizügige Schule mit einem Schulgebäude aus dem Jahr 1993 sowie einer Turnhalle aus dem Jahr 1985, die 2003 komplett saniert wurde.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter des Ortes Maria Margaretha Kirch (1670–1720), Astronomin Thomas von Ryssel (* 1939), Politiker (DFP)
Personen mit Bezug zum Ort Johann Jakob Vogel (1660–1729), Theologe, Pfarrer in Panitzsch Margarete Blank (1901–1945), Ärztin, lebte und praktizierte von 1930 bis 1945 in Panitzsch
Einzelnachweise
Literatur Panitzsch - Zum 750. Jahrestag der Ersterwähnung. Herausgeber: Jens Bulisch und Reinhard Freier. Mit Beiträgen von Jens Bulisch, Reinhard Freier, Markus Cottin, Birgit Horn-Kolditz, Gerald Kolditz, Eberhard Fischer, Gerd Graupner, Gerhard Otto, Henning Schmidt. Mit Grußwort von Landesbischof Carsten Rentzing. Festeinband mit zahlreichen Fotografien, 388 Seiten, Leipzig 2017, ISBN 978-3-96008-938-4 Chronik 700 Jahre Panitzsch 1267-1967, abgerufen am 17. August 2017 Heinz Quirin: Panitzsch. Eine Heimatgeschichte. Ursprünglich erschienen als Broschüre (116 Seiten) ohne Verlagsangabe (gedruckt von „Karl Lange, Leipzig O 5“), Panitzsch 1937. Erneut veröffentlicht in: Lutz Heydick, Uwe Schirmer, Markus Cottin (Hrsg.): Zur Kirchen- und Siedlungsgeschichte des Leipziger Raumes (= Leipziger Land. Jahrbuch für Historische Landeskunde und Kulturraumforschung, Bd. 2). Sax-Verlag, Beucha 2001, ISBN 3-934544-22-3, S. 181–234. Erneut veröffentlicht im Jahr 2017 als gekürzter Reprint im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Panitzsch - Zum 750. Jahrestag der Ersterwähnung (2017), Format A5, 101 Seiten, ohne ISBN.Leider verschweigt dieser Reprint von 2017 die Kürzungen im Vergleich zum Original von 1937: Der Übersicht über die Häufigkeit des Besitzwechsels der Panitzscher Güter (Seiten 85 und 86 im Reprint) fehlt die im Original folgende, 14-seitige tabellarische Übersicht (im Original: Seiten 84–97) der Panitzscher Güter; daher sind die Seiten 85 und 86 im Reprint de facto ohne Aussagekraft.
Weblinks
Geschichtliche Entwicklung Panitzsch und Cunnersdorf. In: Webauftritt der Gemeinde Borsdorf. Chronik 700 Jahre Panitzsch 1267-1967, abgerufen am 17. August 2017. Dr.-Margarete-Blank-Gedenkstätte in Panitzsch
Kategorie:Ort im Landkreis Leipzig Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Leipzig) Kategorie:Gemeindeauflösung 1999 Kategorie:Borsdorf Kategorie:Deutscher Ortsname slawischer Herkunft Kategorie:Ersterwähnung 1267