Grentzingen () ist eine französische Gemeinde mit 529 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2020) im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est. Sie gehörte zum Arrondissement Altkirch.
Der Erlass vom 17. Dezember 2015 legte mit Wirkung zum 1. Januar 2016 die Eingliederung von Grentzingen als Commune déléguée zusammen mit den früheren Gemeinden Oberdorf und Henflingen zur neuen Commune nouvelle Illtal fest.
Geografie Grentzingen liegt im Sundgau im Süden des Départements, etwa acht Kilometer südöstlich von Altkirch und etwa 21 Kilometer südsüdwestlich von Mülhausen entfernt. Die Ill, ein Nebenfluss des Rheins, durchquert das Ortsgebiet von Südost nach Nordwest.
Grentzingen liegt im lössbedeckten Sundgauer Tertiärhügelland im Bereich der unter der Lössdecke lagernden Sundgauschotter. Diese sind die Hinterlassenschaft einer einst (im Pliozän und Altpleistozän) über den Ur-Doubs zum Mittelmeer entwässernden Ur-Aare.
Bei Grentzingen mündet von Nordosten her der Bach des Rüttenengrabens und von Südwesten her der Himbach in die Ill.
Umgeben wird Grentzingen von den Nachbargemeinden und den Communes déléguées:
Geschichte Die erste Erwähnung des Dorfes erfolgt im Jahr 1243 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Bellelay, deren Zeuge ein Mann namens Walter, Krieger von Grenzingen, war. 1286 wird eine Schenkung in Grenzingin an das Kloster Olsberg erwähnt. Die Ortsnamenendung -ingen deutet auf eine frühe Besiedlung bereits zur Zeit der alemannischen Landnahme hin. Bis 1324 gehörte der Ort zur Grafschaft Pfirt und gelangte dann nach dem Aussterben der Pfirter in der männlichen Linie mit der Heirat der Johanna von Pfirt und Albrecht II. von Österreich an Habsburg. Im Westfälischen Frieden nach dem Dreißigjährigen Krieg kam Grentzingen 1648 mit dem ganzen elsässischen Besitz der Habsburger an die französische Krone.
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 bis zum Ende des Ersten Weltrkriegs1918 gehörte der Ort zum Reichsland Elsaß-Lothringen. Im Ersten Weltkrieg lag Grentzingen abseits der Hauptkampflinie und blieb bis Kriegsende in deutscher Hand. 1915/16 existierte eine militärische Feldbahn zwischen Grentzingens Bahnhof und dem Rehhof. 1917 wurden die Einwohner ins Unterelsass evakuiert (Weißenburg/Wissembourg). Im September verursachte Artilleriebeschuss Schäden im Dorf. Im Zweiten Weltkrieg stand Grentzingen nach dem Waffenstillstand im Juni 1940 unter deutscher Verwaltung. Zuvor hatten französische Pioniere die Ill-Brücke gesprengt. 1941 vereinigten die deutschen Behörden Grentzingen, Oberdorf und Henflingen zur Gemeinde Grenzingen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Grentzingen bereits am 19. November 1944 durch zum Rhein vorstoßende Panzer der französischen 1. Armee unter General de Lattre de Tassigny von der Naziherrschaft befreit.
Das Priorat Sankt Morand in Altkirch besaß hier einen Dinghof. Noch Mitte 19. Jahrhundert waren Mauerreste auf der linken Ill-Seite zu sehen, was die überlieferte Angabe stützt, dass das hochwassergefährdete Dorf ursprünglich auf dieser Seite lag. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf von den Schweden heimgesucht. 1643 zählte man nur noch 8 Herdstellen.
Bevölkerungsentwicklung
mini|Kirche Saint-Martin
Bauwerke Die ehemalige Kirche Saint-Martin befand sich in der Nähe der Ill. Sie war die Pfarrkirche der Dörfer Grentzingen, Henflingen, Oberdorf und Waldighoffen. Sie ist seit 1286 bezeugt, ihr Ursprung jedoch sicherlich älter. Nach langen Verzögerungen wurde beschlossen, den Wiederaufbau an einem nicht überschwemmungsgefährdeten Ort innerhalb des Dorfes durchzuführen. Der Bau des heutigen Gebäudes begann 1782 (Datum in der südwestlichen Mauerecke eingraviert) und wurde 1784 abgeschlossen. Die Weihe der Kirche fand am Martinstag, 11. November 1784, statt.
Eine ehemalige Ölmühle mit Bauernhof befindet sich an der Rue Principale 33. Das Haus aus dem 19. Jahrhundert wurde 1948 umgebaut. Hinter dem Wirtschaftsgebäude befindet sich die Ölmühle. Sie stammt aus dem dritten Viertel des 19. Jahrhunderts und war bis 1932 in Betrieb. Die gesamte Anlage ist erhalten geblieben: der Rapsbrecher, der Mühlstein, der Ofen zum Erhitzen des zerkleinerten Rapses und die Rapspresse. Die gesamte Anlage wurde bis 1927 mit tierischer Energie (Pferd), dann mit elektrischer Energie betrieben.
Außergewöhnlich zahlreiche gut erhaltene Fachwerkbauten, die meisten aus dem 18. und 19. Jahrhundert, sind in Stockwerkbauweise erstellt, bei der Stockwerk für Stockwerk abgezimmert wurde. In der altertümlicheren Ständerbauweise, wohl in der Wiederaufbauzeit nach dem Dreißigjährigen Krieg entstanden, befinden sich drei Häuser an der Rue de Willer Nr. 16, 21, 31. Sie besitzen ein weitabständiges Fachwerk mit traufwandhohen Wandständern und z. T. geschossübergreifenden Langstreben. Die meisten Häuser sind giebelständig zur Straße angeordnet und mit Krüppelwalm versehen. An der Hauptstraße ist auffällig, dass nur die Häuser auf der nördlichen, wetterexponierten Seite Wetterdächlein am Giebel besitzen. Die jüngeren Fachwerkbauten zeichnen sich durch ein regelmäßiges, auf Symmetrie bedachtes Fachwerk aus.
Literatur Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 1, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 560–561.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Grand Est Kategorie:Commune déléguée im Département Haut-Rhin Kategorie:Gemeindeauflösung 2015 Kategorie:Illtal Kategorie:Ersterwähnung 1243 Kategorie:Ort an der Ill (Elsass)